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SWR4 Abendgedanken

Am Samstag kommt Gott zum Baden vorbei - so könnte man das doch verstehen, wenn es in der Bibel heißt, dass Gott bei mir Wohnung nehmen möchte.[1] Man könnte auch einfach sagen, dass Gott auf Wohnungssuche ist. Und er ausgerechnet bei mir einziehen möchte. Dabei ist das mit der Wohnungssuche doch eigentlich gar nicht so einfach.
Ich bin in meinem Leben schon einige Male umgezogen. Und es war jedes Mal das Gleiche. Anzeigen lesen - vielleicht selber eine aufgeben - Wohnungen besichtigen, Wohnungen einschätzen - zu groß, zu klein, zu teuer, zu weit entfernt. Dann die Absagen und das Warten. Und mit viel Glück am Ende dann doch die Zusage. Neue Wohnung, neue Adresse, Umzug und das neu Einleben.
Gott braucht das alles nicht -Er macht es sich da verhältnismäßig einfach. Er  sagt einfach: „Du, ich zieh dann bei Dir ein". Aber geht das denn so einfach?
Will er sich denn die Wohnung nicht wenigstens mal vorher anschauen? Wissen wie viel Quadratmeter sein Zimmer hat - sehen, ob ihm die Lage überhaupt zusagt? Nein - das alles braucht er nicht. Denn er kennt mich ja schon von Anfang an. Er weiß, wie es in meiner Wohnung - also in mir drin - aussieht. Und das reicht ihm.
Er möchte bei mir einziehen, einfach so. Ich meine, ein bisschen aufräumen hat noch nie geschadet, aber das ist Gott nicht wichtig. Er möchte einfach in meiner Nähe sein.
Und was habe ich davon, wenn Gott bei mir wohnt? Dass ich mich nirgends mehr ganz allein fühle. Weil Gott mich überall hin mit begleitet. Deshalb bin ich froh dass ich mich darauf verlassen kann: Gott ist bei mir.
Denn wenn man wirklich gerade umgezogen ist und sich neu zurechtfinden muss, fühlt man sich am Anfang nicht ganz so einsam. Das neue Einleben hat einen Rückhalt. Gott geht mit. Er zieht einfach mit um. Die Bibel ist voll von Geschichten, die genau das beschreiben. Gott geht mit. Und das Schöne daran ist: für Gott ist kein Ort auf unserer Welt zu weit weg.
Und manchmal hilft er einem sogar neue Kontakte zu knüpfen. Weil ich einfach sicherer auf andere zugehen kann. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht. Mir fallen Neuanfänge leichter, weil ich mich darauf verlasse: Gott ist bei mir..

[1] Johannes 14,23

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Wer langsam geht, kommt auch ans Ziel ... diesen Spruch fand ich als Kind ganz furchtbar. Vor allem deshalb, weil ihn mein Opa immer dann gesagt hat, wenn ich beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen immer nur Einsen gewürfelt habe. Eine eins nach der anderen - bis mich dann doch noch kurz vor dem Ziel jemand rausgeworfen hat. Und ich darauf warten musste, dass ich mit einer sechs wieder ins Spiel darf.
Mittlerweile habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass mein Opa mit dem Spruch doch nicht so unrecht hatte. Denn es stimmt ja wirklich: Wer langsam geht kommt auch ans Ziel - und vor allem: man verliert dabei das Wesentliche nicht aus dem Blick.
Jesus war mit seinen Freunden immer langsam unterwegs - sie mussten ja überall zu Fuß hin. Sie hatten Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. So hat Jesus ihnen oft auch unterwegs erklärt, wie er sich das Leben vorstellt. Wie er sich die Welt vorstellt, die Gott sich für uns Menschen wünscht. Einmal nimmt er die Blumen und die Vögel als ein Beispiel.[1] . Die Blumen sind einfach nur schön und trotzdem werden sie von Gott bestens versorgt, genau wie die Vögel.. Mit diesem Beispiel versucht Jesus seinen Freunden klarzumachen, dass viele Sorgen unnötig sind. Gott ist doch auch noch da, sagt er.. Der sorgt mit. Die Menschen dagegen fragen sich, was sie anziehen sollen oder wo sie morgen etwas zu Essen herbekommen können.
Das ist für Menschen wichtig - das weiß Jesus auch. Aber trotzdem: „Gott ist auch noch da. Er sorgt für uns mit."! Lasst Euch von euren Sorgen nicht auffressen.
Für mich heißt das: Wer langsam geht kommt auch ans Ziel. Ich fühle mich manchmal wie in so einem Hamsterrad. Ich renne und renne und übersehe dabei, was um mich herum passiert. Dass meine Kinder mit mir spielen möchten, dass es auf meinen täglichen Wegen so viel Schönes zu sehen gibt. Oder dass es einem Menschen in meiner unmittelbaren Nähe vielleicht gerade nicht so gut geht.
Vielleicht muss man wirklich Opa sein oder Oma, um das Langsamgehen ganz für sich anzunehmen. Aber manchmal hilft es ja schon, sich das immer mal wieder bewusst zu machen.
Wenn ich heute Mensch ärgere Dich nicht spiele denke ich jedenfalls gerne an meinen Opa zurück. Vor allem, wenn ich eine eins würfele, dann muss ich innerlich ein bisschen schmunzeln. Ärgern tu ich mich trotzdem -  ...


[1] Matthäus 6,29-32

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Kinder stehen eigentlich immer im Weg -wirklich! Zumindest hat unser Sohn dafür ein ausgesprochenes Talent. Vor allem, wenn man es eilig hat. Da rennt er einem so ungeschickt zwischen den Beinen herum, dass man manchmal wirklich aufpassen muss. Das liegt daran, dass er dann meistens nicht so recht weiß, was wir als Erwachsene eigentlich gerade vorhaben. Er weiß dann auch nicht, wie er sich richtig verhalten könnte. Also steht er da, schaut zu und versucht herauszufinden, was los ist. Und dabei steht er meistens im Weg.
Ob wir Gott eigentlich auch manchmal so im Weg stehen? Das habe ich mir neulich überlegt. Schließlich heißt es in der Bibel ja, dass wir Gottes Kinder sind.
Einer, der Gott ganz sicher im Weg stand, war Jona.[1] Gott hat ihm einen Auftrag gegeben. Er sollte in die Stadt Ninive reisen und dort sozusagen zum Sprachrohr Gottes werden. Sicher kein ganz leichter Job. Deshalb ist es Jona so wie unserem Sohn gegangen. Er hat nicht so recht gewusst, wie er sich richtig verhalten sollte. Er hat kurz überlegt und ist dann einfach weggelaufen. Und genau mit diesem Weglaufen, stand er Gott im Weg. Er hat sich schlicht geweigert, diesen Auftrag anzunehmen. Warum auch immer. Er hat es sich vielleicht nicht zugetraut. Oder er hat vielleicht auch einfach Angst davor gehabt. Gott jedenfalls hat nicht locker gelassen. Er wollte, dass Jona diesen Auftrag übernimmt. Und letzten Endes hat er ihn dann auch übernommen.
Wenn ich mich so in der Welt umschaue, frage ich mich, ob wir Gott nicht auch heute noch im Weg stehen. Nicht nur, wenn jemand wie Jona wegrennt. Wenn wir nur nach uns selber sehen und nicht fragen, was denn eigentlich das Richtige wäre. Manchmal stehen wir ihm vielleicht auch unabsichtlich im Weg, weil wir nicht so ganz verstehen, was er eigentlich mit uns vorhat. Oder wenn wir glauben alles ohne ihn schaffen zu können und dann genau das Falsche machen.
Manchmal stehe ich Gott wahrscheinlich auch im Weg. Aber immerhin: An meinem Sohn und an der Geschichte von Jona sehe ich:  Wenn ich Gott im Weg stehe, dann bin ich auch ganz dicht an ihm dran. Und er kann mir zeigen, wie es weiter gehen soll. So wie ich meinem Sohn.


[1] Jona 1.2

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„Ich kann das alleine!" Unser Sohn hat ein T-Shirt mit dieser Aufschrift. Und „ich kann das alleine", ist gerade auch einer seiner Lieblingssätze. Ziemlich genau seitdem er seinen eigenen Namen sagen kann. Interessant für mich ist, dass es wirklich mit seinem Namen zusammen zu hängen scheint. Wenn ich meinen Namen kenne, erkenne ich mich selber. Erkenne ich, dass ich ich bin und dass ich bestimmte Dinge tun oder lassen kann. Anscheinend schafft das bei Kindern die Gewissheit: „Ich kann das alleine!". Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn sie am Ende dann doch Hilfe brauchen.
Mir fehlt diese Gewissheit manchmal. Manchmal habe ich überhaupt nicht das Gefühl:  „ich kann das alleine." Im Gegenteil. Manche Sachen fange ich gar nicht erst an, weil ich sie mir nicht zutraue. Oder mir der Berg von Arbeit Angst macht. Oder ich wünsche mir bei unangenehmen Aufgaben, dass das ein anderer für mich macht. Dass ich meinen Namen kenne, ändert auch nicht viel daran.
Aber es hilft mir, dass Gott meinen Namen kennt.
„Fürchte Dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein."[1] Dieser Vers aus der Bibel ist schon sehr alt. Und auch da geht es wieder um den Namen. Gott ruft mich bei meinem Namen. Er meint also genau mich. So wie ich bin. Er weiß genau, wo meine Schwächen liegen und was ich besonders gut kann. Und sagt, dass ich zu ihm gehöre. So wie mein Sohn zu mir gehört. Ich helfe meinem Sohn, wenn er allein nicht zurechtkommt. Und ich glaube: Gott wird mir auch helfen. Er kennt mich ja und ich gehöre zu ihm.
Für unseren Sohn ist Selber-etwas-Können was Neues. Und er traut es sich zu - weil er weiß, dass da immer noch jemand ist, der ihm hilft, wenn was schief geht.
Vielleicht kann ich als Erwachsener daraus lernen, dass ich eben gerade nicht alles alleine können muss. Mit Gott an meiner Seite kann ich mich aber vielleicht trotzdem  trauen - den ersten Schritt auf jemanden zuzugehen, oder ein unangenehmes Gespräch zu führen oder etwas Handwerkliches zu probieren, obwohl ich zwei linke Hände habe. Denn eins ist ja klar: Wenn ich es nicht probiere - dann kann ich es auch nicht hinkriegen. „Das kann ich alleine" könnte ich oft nicht sagen. Aber mit Gott schaffe ich jedenfalls den Anfang.


[1] Jesaja 43,1.

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Das Leben ist wie eine Partie Minigolf. Finden Sie nicht? Erst neulich waren wir mal wieder Minigolfen. Da gibt es Bahnen, die ganz einfach sind. Einfach geradeaus und mitten rein ins Loch. Dann gibt es die Bahnen, da muss man nur den richtigen Winkel treffen und die richtige Geschwindigkeit, erst dann geht der Ball ganz von alleine rein. Und dann gibt es noch die Bahnen, wo man zuerst eine Schikane überwinden muss. Eben fast wie im Leben.
Beim Minigolfen habe ich früher schon immer diese Profis mit ihren Koffern beneidet. Für jede Bahn den richtigen Ball und vielleicht sogar noch einen passenden Schläger. Das wär doch mal was. Sozusagen für jede Lebenslage die passende Strategie parat. Das richtige Wort, die richtige Entscheidung und schon habe ich das Problem gelöst und kann eine Bahn weiterrücken.
Dummerweise bin ich aber für mein Leben nicht ausgestattet wie ein Profi. Ich habe nur diesen einen Ball und diesen einen Schläger. Und einfach geradeaus zu spielen ist oft schwieriger als gedacht. Ganz zu schweigen von manchen Schikanen, die ich erst nach dem vierten oder dem fünften Schlag schaffe, oder an denen ich ganz  scheitere.
Zur Zeit der Bibel gab es ganz sicher noch kein Minigolf. Aber dass Menschen versucht haben, auf ihrem Lebensweg voranzukommen und dabei auf manches Hindernis gestoßen sind - das gab es damals auch schon. So heißt es z.B. in einem alten Psalm in der Bibel von Gott: „Ich will Dich unterweisen und Dir den Weg zeigen, den Du gehen sollst"[1]
Seit eh und je glauben Menschen daran, dass Gott ihnen helfen kann, ihren Lebensweg zu finden.
Und auch heute klingt in diesem Vers ja ein Wunsch mit: Der Wunsch, den Weg zu sehen, den Gott mir zeigt. Ich bin mir sicher, dass viele Gedanken und Ideen in der Bibel heute auch immer noch gelten. Und sie mir auch heute noch helfen können, meinen Lebensweg zu finden. Das geht allerdings manchmal nicht, ohne dass ich etwas dazu lerne. Z.B. diesen einen Satz: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst."[2] Ich muss mir was sagen lassen, um die Hindernisse in meinem Leben zu überwinden. Ich muss ja zuerst mal die Regeln des Spiels kennen - mir die richtigen Kniffe aneignen. Und wenn ich mal an einer Bahn ganz scheitere, mich auch aufbauen lassen. Es ist im Leben eben wie beim Minigolf auch: Übung macht den Meister.


[1] Psalm 32,8
[2] Mt 22,37-39.

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