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Woche vom 18.03.2012 bis 24.03.2012




Kalle Grundmann

Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche

Das letzte Hemd

Sonntag, 18. März 2012     [Druckversion]

Teil 1
Das letzte Hemd: Wenn das einer hergibt, dann gibt er wirklich alles. Dann hält er nichts zurück. Wenn wir von einem behaupten: Der gibt sein letztes Hemd, dann ist das einer der alles teilt, was er hat. Der sogar soweit geht, dass er seine eigene Existenz dabei auf's Spiel setzt.
Um ein letztes Hemd geht es zur Zeit auch in Trier. Es geht um das letzte Hemd Jesu Christi, um sein Gewand. In Trier nennt man es gern den Rock, den Heiligen Rock. Der Legende nach soll die Heilige Helena ihn im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht haben. Ob es sich dabei wirklich um das Gewand Jesu handelt, den Rock, den er bis zu seiner Hinrichtung trug, ist sehr fraglich und kann wissenschaftlich nicht belegt werden. Das wissen die Trierer auch, trotzdem ist ihnen der Heilige Rock wichtig. Einfach weil dieses Stück Stoff an Jesus Christus erinnert. Und damit für einen steht, der sein letztes Hemd hergegeben hat. Der alles geteilt hat, was er hatte. Dem es nicht um Besitz, Macht und Ansehen ging. Der seine eigene Existenz für andere auf's Spiel gesetzt hat. Aufbewahrt wird dieses Stück Stoff seit Jahrtausenden im Trierer Dom, gezeigt wird es aber nur ganz selten. Immer dann, wenn eine so genannte Heilig Rock Wallfahrt stattfindet. Die erste war vor 500 Jahren. Es war Reichstag in Trier und der Kaiser selbst, Maximilian I., hat sich den Heiligen Rock zeigen lassen. Das hatte sich schnell herumgesprochen und dann wollten alle Leute den Heiligen Rock sehen. Scharenweise sind sie nach Trier gepilgert. Seit dem hat es immer mal wieder Wallfahrten gegeben. Die letzte war 1996, da kamen 700 000 Pilger nach Trier. Und in diesem Jahr, anlässlich der ersten Wallfahrt vor 500 Jahren, findet wieder eine statt. Vom 13. April bis zum 13. Mai laden die Trierer ein. Im Moment laufen die Vorbereitungen für dieses große Ereignis. Wichtig ist es dabei, dass es nicht darum geht, ein altes Stück Stoff zu verehren. Oder gar dem Heiligen Rock irgendwelche Wunderkräfte zu zuschreiben. Sondern es geht darum, über dieses Gewand in Tuchfühlung zu kommen zu dem, der es getragen haben soll: Jesus Christus. Klar, dafür muss ich nicht nach Trier pilgern, dass kann ich zuhause in meiner Gemeinde genauso. Oder in meinem persönlichen Beten, meinem Nachdenken über die Bibel und das, was Gott von mir will. Aber manchmal schadet es auch in Glaubensdingen nicht, die gewohnten Pfade einfach mal zu verlassen. Sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Weg zu machen, wo anders hinzugehen und sich von anderem und anderen inspirieren zu lassen. Um nichts anderes geht es beim Wallfahren und Pilgern. Und genügend andere werden auf alle Fälle da sein in Trier, bei der Heilig Rock Wallfahrt im nächsten Monat. Mit denen kann ich ins Gespräch kommen, gemeinsam singen und beten, aber auch diskutieren - durchaus auch kontrovers. Über das letzte Hemd und den, der es hergegeben hat, und was das für mich heute bedeutet.  

Teil 2
In Trier bereitet man sich zur Zeit auf die Heilig Rock Wallfahrt vor. Hunderttausende Pilger werden erwartet. Das Leitwort der Wallfahrt lautet: „Und führe zusammen, was getrennt ist." Eine Bitte aus dem Wallfahrtsgebet der Heilig Rock Wallfahrt von 1959. »Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und über die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist.« Eine Bitte, die eigentlich einer Klage entspringt. Der Klage über die Zerrissenheit, über die Uneinigkeit der Christen untereinander. Es geht also um die Ökumene, um das Miteinander der verschiedenen christlichen Kirchen. Ob eine Wallfahrt zu einer Reliquie geeignet ist, die voranzubringen, ist die Frage. Denn es gibt viele die damit nichts anfangen können. Aber seit alters her ist das Gewand Jesu ein Symbol für die Einheit der Christen. In der Bibel wird erzählt, dass die Soldaten bei der Kreuzigung Jesu seine Kleider untereinander teilten. Das Untergewand aber, von dem gesagt wurde, dass es von oben her ganz durchgewebt war, zerteilten sie nicht. Sondern sie haben darum gelost, wer von ihnen es besitzen sollte. (Joh 19,23). Schon die Kirchenväter, also Theologen der ersten Jahrhunderte, der gemeinsamen Tradition von Protestanten, Katholiken und auch orthodoxen Christen, haben in dieser Bibelstelle einen Hinweis auf die Einheit der Christen gesehen. Das nicht zerteilte letzte Hemd Jesu Christi als Symbol dafür, dass alle Christen zusammengehören. Ich finde es ein gutes Symbol, gerade weil es sich um sein letztes Hemd handelt. Jesus hat sein letztes Hemd hergegeben, er hat alles geteilt, was er hatte. Hat dabei seine eigene Existenz auf's Spiel gesetzt. Wenn wir Christen, egal welcher Kirche wir angehören, gemeinsam versuchen ihm darin nachzufolgen, dann ergibt sich die Ökumene wie von selbst. Eine Ökumene von der die ganze Menschheit was hat. Denn nicht theologische Streitereien stehen dann im Vordergrund, sondern das Wohl aller Menschen. Jesus ist nämlich nicht gekommen, um eine Kirche zu gründen, sondern den Menschen die Liebe Gottes zu verkünden. Und dafür gab er sein letztes Hemd.