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Woche vom 08.05.2011 bis 14.05.2011




Beate Hirt

Von Beate Hirt, Mainz, Katholische Kirche

Engagiert für das Leben

Sonntag, 08. Mai 2011     [Druckversion]

Engagiert für das Leben – Einsatz mit Gewinn (Woche für das Leben 2011)

I. Jeder Dritte ist freiwilliger Helfer

So schlimm, wie wir denken, sind wir gar nicht. Unsere Gesellschaft wird immer egoistischer, wird oft geklagt, gerade auch von frommen Leuten. Jeder denkt ja nur noch an sich, heißt es dann. Aber so schlimm scheint es gar nicht zu sein. Ein Drittel aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland engagieren sich in sozialen Projekten: in Kindergärten und Schulen, in Krankenhäusern und Kirchengemeinden oder auch in der Nachbarschaft. Ich gebe zu: Ich hab auch ein bisschen gestaunt, als ich das gelesen hab. Jeder Dritte ist ehrenamtlich für andere aktiv, das ist schon eine tolle Zahl. Aber wenn ich darüber nachdenke, fallen mir sofort die vielen Menschen ein, die ich kenne und die sich engagieren, ganz unentgeltlich: Gleich mehrere Freunde, die im Elternbeirat von Schule oder Kindergarten mitmachen. Die Tante, die Seniorenausflüge mit organisiert. Die Freundin, die im Pfarrgemeinderat aktiv ist. Der Bekannte, der in der Hausaufgabenhilfe dabei ist. Oder die Mutter einer Freundin, die Menschen im Gefängnis besucht. Es sind richtig viele. Sie engagieren sich nicht alle gleich viel, aber: Jede und jeder von ihnen gibt etwas von seiner wertvollen Lebenszeit.
 Und das oft eher unbemerkt, im Verborgenen. Heute Morgen möchte ich sie einmal ins Licht rücken, die Ehrenamtlichen und ihren Dienst. In diesen Tagen wird das übrigens auch in vielen Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen getan. Seit gestern begehen die Kirchen in Deutschland die traditionelle „Woche für das Leben". Und die hat dieses Jahr das Motto: „Engagiert für das Leben - Einsatz mit Gewinn." Darin steckt auch schon eine Erklärung dafür, dass es mehr Freiwillige gibt, als man manchmal meint: Auch wenn ich kein Geld bekomme für solch ein Engagement: Gewinn gibt es allemal. Jeder, der schon einmal einem anderen geholfen hat, womöglich sogar einem Wildfremden, der hat das erlebt: Welch ein gutes Gefühl es ist, wenn ein anderer glücklich ist, weil ich mich für ihn eingesetzt habe. Natürlich ist das kein Gefühl und keine Sache nur für Christinnen und Christen. Und doch: Eine Befragung hat gezeigt, die Kirchenbindung ist bei den Freiwilligen deutlich höher als im Schnitt der Bevölkerung. Und das kann ich mir schon deshalb vorstellen, weil die Bibel voll ist von Aufrufen zum Engagement. Zur Hilfe für den anderen, da, wo es Not tut. In der berühmten Geschichte vom barmherzigen Samariter zum Beispiel. Da wurde ein Mensch brutal überfallen und liegt am Rande des Weges. Natürlich gehen schon damals Menschen an ihm vorbei. Der Dritte aber, ein Samariter, bleibt stehen (vgl. Lukas 10,25-37). Er hat überhaupt erst einmal Augen und Ohren für das, was da neben ihm passiert. Er ist aufmerksam. Und er kümmert sich. Es lässt ihn nicht kalt, was er da sieht. Die Bibel sagt mit solchen Geschichten immer wieder: Es ist wichtig, offen und aufmerksam zu sein für die Not anderer.

II. Aufmerksamkeit für die Not anderer

Freiwillige, ehrenamtliche Helfer: Die gab es schon in der Bibel, der barmherzige Samariter ist zum Beispiel so einer. Und es gibt sie bis heute, gar nicht wenige. Was mich an ihnen damals und heute am meisten fasziniert, das ist ihre Sensibilität, die Aufmerksamkeit für das, was gerade gebraucht wird. Sie sehen einfach, wo Not am Mann oder an der Frau ist. Sie schauen nicht weg und nicht vorbei. Sie schauen hin - und packen dann ganz selbstverständlich mit an. Wenn in der Nachbarschaft oder in der Pfarrgemeinde klar wird: Es gibt Kinder, die schaffen die Schule einfach nicht ohne Hilfe bei den Hausaufgaben: Dann wird nicht gejammert oder mit den Achseln gezuckt - dann wird eben organisiert: Wo und wie können wir ihnen nachmittags dabei helfen. Oder wenn jemand im Freundeskreis schwer krank wird: Dann wird nicht weggesehen, vergessen und verdrängt. Sondern dann gibt es ein paar Menschen, die Besuche machen, und andere, die kaufen mal ein oder stellen einen Kuchen vor die Tür. Einsatz für andere: Das muss nicht heißen, dass man sich total verausgabt und gar nicht mehr an sich denkt. Der barmherzige Samariter ist dafür auch schon ein Beispiel: Er versorgt den, der da am Wegesrand überfallen wurde, verbindet seine Wunden, bringt ihn zur Herberge. Aber dann gibt er dem Wirt ein wenig Geld, sagt ihm: kümmer du dich weiter um ihn -  und zieht selber weiter. Wahrscheinlich muss er seiner Arbeit, seinen Geschäften nachgehen, vielleicht hat er aber auch einfach nur eine Verabredung mit guten Freunden oder wird von der Familie erwartet. Auch das finde ich bemerkenswert, an diesem Helfer damals und an den vielen Freiwilligen heute: Wie sie es schaffen, eine gute Balance hinzukriegen zwischen ihrem Engagement - und dem eigenen Beruf, dem eigenen Privatleben. Denn das ist ja gar nicht so einfach und doch so wichtig: Dass man bei aller Liebe zum Nächsten auch an die Liebe zu sich selbst denkt. Nur wer für sich selber sorgt, kann auch für andere sorgen. Ich kenne etliche Menschen, die das mit ganzem Herzen versuchen und immer wieder ganz wunderbar hinkriegen. Ihr Engagement inspiriert mich auch für mein eigenes Leben: Wo kann ich selbst mich einbringen, ab und zu wenigstens? Was sind Talente, die ich für andere einsetzen kann? Und heute, an diesem Sonntag in der ökumenischen „Woche für das Leben", da inspiriert es mich außerdem dazu, einfach einmal danke zu sagen. Auch wenn es viele sind, die sich engagieren: Es sind ja längst nicht alle. Es ist nicht selbstverständlich und natürlich auch nicht immer leicht, sich für andere einzusetzen. Deshalb ist es wichtig, zu sagen: Ihr seid großartig, liebe ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ich bin froh, dass es euch gibt. Und ich hoffe, dass sich immer mehr von eurem Engagement anstecken lassen!