Woche vom 29.11.2009 bis 05.12.2009 

Von Beate Hirt, Mainz, Katholische Kirche
Richtet euch auf, erhebt eure Häupter!
Sonntag, 29. November 2009
Vor dem Advent zieht mancher den Kopf ein – viel Stress, viel Dunkelheit. In den Sonntagsgedanken geht es darum, wie man erhobenen Hauptes durch diese Zeit bis Weihnachten gehen kann
Teil 1
Den aufrechten Gang – eigentlich beherrscht den der Mensch, im Unterschied zum Tier. Und trotzdem laufen viele Menschen mit gesenktem Kopf und gekrümmtem Rücken herum. Weil ihnen Sorgen auf den Schultern lasten oder weil ihnen Krankheiten zu schaffen machen, Rückenbeschwerden zum Beispiel haben ja ganz viele Leute. Und mancher Rücken wird sich in den kommenden Wochen womöglich noch ein bisschen mehr krümmen: Der Advent ist für viele eine besonders anstrengende Zeit. Ich habe Bekannte, die regelrecht Panik davor haben: Geschenke müssen besorgt werden in übervollen Geschäften, eine Adventsfeier jagt die andere, im Beruf stehen Extraschichten an. Und auch für so manchen älteren Menschen ist der Dezember eine schwierige Zeit: Da erreichen nämlich die dunklen Tage ihren Höhepunkt, es ist kalt oder manchmal sogar glatt, und man kommt kaum raus auf die Straße oder in den Garten. Man lässt zuhause den Kopf hängen. Der Advent als Zeit einer besonders gekrümmten Haltung?
Heute, am 1. Advent, gibt’s in den katholischen Gottesdiensten eine ganz andere Botschaft: „Richtet euch auf, erhebt eure Häupter!“ So steht es im Lukas-Evangelium (vgl. Lukas 21,28). Ich muss mich gleich ein bisschen gerader hinsetzen, wenn ich das höre. Und ich spüre dabei, wie gut das tut. Sich aufrichten, den Kopf heben, das ist ja nicht nur eine Sache des Körpers. Es beeinflusst auch gleich meine innere Haltung. Und meine Stimmung. Wenn ich mich aufrichte, dann komme ich als ganze Person wieder ins Lot. Ich fühl mich gesünder, auch: größer. Richtet euch auf, erhebt eure Häupter! Darin steckt für mich: Lass dich nicht niederdrücken. Wirf Lasten von dir. Und entdecke die Größe und die Würde, die in dir steckt. Sich aufrichten, ich finde, das ist gerade im Advent eine wichtige Botschaft. Mich erinnert sie auch noch an eine andere Stelle aus dem Lukas-Evangelium.
Da wird von einer Frau erzählt, die gekrümmt durchs Leben geht. Seit beinahe zwanzig Jahren schon kann sie nicht mehr aufrecht gehen. Die Bibel sagt: weil sie von einem Dämon geplagt wird (vgl. Lukas 13,10-17). Dämon, das ist ein fremdes Wort, aber Dinge, die Menschen zusammenkrümmen, kennen wir ja bis heute: Krankheiten, Ängste, Stress, Einsamkeit – die können dazu führen, dass Menschen gekrümmt gehen. Sich äußerlich und innerlich kaum aufrichten können. In der Bibel wird erzählt, wie Jesus dieser gekrümmten Frau begegnet: „Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.“ Heilung und Erlösung: Das verbindet sich mit diesem „Sich-Aufrichten“.
Teil 2
„Richtet euch auf, erhebt eure Häupter!“ So lautet die Adventsbotschaft, die das Lukas-Evangelium ausgibt. Und sie erinnert auch noch an ein anderes christliches Wort: das von der Auferstehung. Christus ist auferstanden von den Toten, heißt es. Er hat sich aufgerichtet aus dem Tod, ist aufgerichtet worden von Gott. Eben lag er noch danieder, am Kreuz gestorben, hinabgefahren in das Reich des Todes, wie es das Glaubensbekenntnis sagt. Und nun steht er auf, richtet sich auf, wird lebendig. Auferstehen, sich wieder aufrichten: das hat damit zu tun, dass neues Leben entsteht. Und das gilt nicht für diesen Jesus damals. Auferstehung, die ist auch den Menschen heute versprochen. Und nicht erst nach ihrem Tod, sondern auch - in Anfängen - hier und heute. Auferstehung, mitten im Leben. Dann eben, wenn ich mich versuche aufzurichten. Wenn ich mich aufrichten lasse von Gott. Wie die gekrümmte Frau damals, die von Jesus geheilt wurde.
Eine echte Schnellheilung war das. Jesus sagt: Du bist geheilt – und schon ist die Frau wieder gesund. Vielleicht geht das heute manchmal ein bisschen langsamer, das mit dem Geheiltwerden, mit dem Sich-Aufrichten, mit der Auferstehung. Es ist ja oft gar nicht so einfach, sich wieder aufzurichten, das Haupt zu erheben. Wenn da kein Jesus ist, der mir die Hand auflegt, wenn keine großen Zeichen und Wunder passieren, wie in der Bibel. Und doch: Kleine Wunder gibt es ja manchmal, kleine Gesten, die mir helfen, wieder den Kopf zu heben. Manchmal legt mir jemand die Hand auf die Schulter oder auf den Rücken, ganz leicht nur – und ich fühle, wie ich heiler werde. Oder jemand lächelt mir zu, wenn er sieht, wie gekrümmt ich dasitze. Das gibt mir Kraft, mich wieder aufzurichten. Gerade jetzt im Advent kann ich und können vermutlich viele Menschen so etwas gut gebrauchen: kleine Zeichen, die einem helfen, wieder auf die Füße zu kommen, sich wieder aufrecht hinzustellen.
Neues Leben, neue Lebendigkeit entdecke ich dabei in mir. Und so manches andere kann ich auch noch entdecken, wenn ich mich aufrichte, zum Beispiel: Wenn ich mich bewusst aufrecht hinstelle, dann kann ich auch viel besser aufrecht für etwas einstehen. Ich mache mich nicht klein, ich zeige Selbstbewusstsein und Rückgrat. Für Christen war von den ersten Jahrhunderten an klar: Wenn ich an die Auferstehung glaube, dann bleibe ich standhaft. Dann kann mir so schnell keiner Angst einjagen. Dann kann ich für das einstehen, wovon ich überzeugt bin.
Und noch etwas lässt sich entdecken beim Aufrechtstehen: Wenn ich mich aufrichte, dann kann ich viel besser um mich schauen. Ich kann die Menschen um mich herum wahrnehmen, diejenigen etwa, denen ich helfen kann, aber auch diejenigen, die mir gerade etwas Gutes tun wollen – und die ich ganz einfach übersehe, wenn ich mit gesenktem Haupt durch die Gegend laufe. Und nicht zuletzt: Wenn ich aufrecht und mit erhobenem Haupt dastehe, kann ich auch nach vorne schauen, ich kann dem entgegen sehen, was mich erwartet. Der Glaube sagt: das ist etwas ungemein Hoffnungsvolles und Tröstliches. Im Lukasevangelium von heute heißt es: „Richtet euch auf, erhebt eure Häupter – denn eure Erlösung ist nahe.“
Teil 1
Den aufrechten Gang – eigentlich beherrscht den der Mensch, im Unterschied zum Tier. Und trotzdem laufen viele Menschen mit gesenktem Kopf und gekrümmtem Rücken herum. Weil ihnen Sorgen auf den Schultern lasten oder weil ihnen Krankheiten zu schaffen machen, Rückenbeschwerden zum Beispiel haben ja ganz viele Leute. Und mancher Rücken wird sich in den kommenden Wochen womöglich noch ein bisschen mehr krümmen: Der Advent ist für viele eine besonders anstrengende Zeit. Ich habe Bekannte, die regelrecht Panik davor haben: Geschenke müssen besorgt werden in übervollen Geschäften, eine Adventsfeier jagt die andere, im Beruf stehen Extraschichten an. Und auch für so manchen älteren Menschen ist der Dezember eine schwierige Zeit: Da erreichen nämlich die dunklen Tage ihren Höhepunkt, es ist kalt oder manchmal sogar glatt, und man kommt kaum raus auf die Straße oder in den Garten. Man lässt zuhause den Kopf hängen. Der Advent als Zeit einer besonders gekrümmten Haltung?
Heute, am 1. Advent, gibt’s in den katholischen Gottesdiensten eine ganz andere Botschaft: „Richtet euch auf, erhebt eure Häupter!“ So steht es im Lukas-Evangelium (vgl. Lukas 21,28). Ich muss mich gleich ein bisschen gerader hinsetzen, wenn ich das höre. Und ich spüre dabei, wie gut das tut. Sich aufrichten, den Kopf heben, das ist ja nicht nur eine Sache des Körpers. Es beeinflusst auch gleich meine innere Haltung. Und meine Stimmung. Wenn ich mich aufrichte, dann komme ich als ganze Person wieder ins Lot. Ich fühl mich gesünder, auch: größer. Richtet euch auf, erhebt eure Häupter! Darin steckt für mich: Lass dich nicht niederdrücken. Wirf Lasten von dir. Und entdecke die Größe und die Würde, die in dir steckt. Sich aufrichten, ich finde, das ist gerade im Advent eine wichtige Botschaft. Mich erinnert sie auch noch an eine andere Stelle aus dem Lukas-Evangelium.
Da wird von einer Frau erzählt, die gekrümmt durchs Leben geht. Seit beinahe zwanzig Jahren schon kann sie nicht mehr aufrecht gehen. Die Bibel sagt: weil sie von einem Dämon geplagt wird (vgl. Lukas 13,10-17). Dämon, das ist ein fremdes Wort, aber Dinge, die Menschen zusammenkrümmen, kennen wir ja bis heute: Krankheiten, Ängste, Stress, Einsamkeit – die können dazu führen, dass Menschen gekrümmt gehen. Sich äußerlich und innerlich kaum aufrichten können. In der Bibel wird erzählt, wie Jesus dieser gekrümmten Frau begegnet: „Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.“ Heilung und Erlösung: Das verbindet sich mit diesem „Sich-Aufrichten“.
Teil 2
„Richtet euch auf, erhebt eure Häupter!“ So lautet die Adventsbotschaft, die das Lukas-Evangelium ausgibt. Und sie erinnert auch noch an ein anderes christliches Wort: das von der Auferstehung. Christus ist auferstanden von den Toten, heißt es. Er hat sich aufgerichtet aus dem Tod, ist aufgerichtet worden von Gott. Eben lag er noch danieder, am Kreuz gestorben, hinabgefahren in das Reich des Todes, wie es das Glaubensbekenntnis sagt. Und nun steht er auf, richtet sich auf, wird lebendig. Auferstehen, sich wieder aufrichten: das hat damit zu tun, dass neues Leben entsteht. Und das gilt nicht für diesen Jesus damals. Auferstehung, die ist auch den Menschen heute versprochen. Und nicht erst nach ihrem Tod, sondern auch - in Anfängen - hier und heute. Auferstehung, mitten im Leben. Dann eben, wenn ich mich versuche aufzurichten. Wenn ich mich aufrichten lasse von Gott. Wie die gekrümmte Frau damals, die von Jesus geheilt wurde.
Eine echte Schnellheilung war das. Jesus sagt: Du bist geheilt – und schon ist die Frau wieder gesund. Vielleicht geht das heute manchmal ein bisschen langsamer, das mit dem Geheiltwerden, mit dem Sich-Aufrichten, mit der Auferstehung. Es ist ja oft gar nicht so einfach, sich wieder aufzurichten, das Haupt zu erheben. Wenn da kein Jesus ist, der mir die Hand auflegt, wenn keine großen Zeichen und Wunder passieren, wie in der Bibel. Und doch: Kleine Wunder gibt es ja manchmal, kleine Gesten, die mir helfen, wieder den Kopf zu heben. Manchmal legt mir jemand die Hand auf die Schulter oder auf den Rücken, ganz leicht nur – und ich fühle, wie ich heiler werde. Oder jemand lächelt mir zu, wenn er sieht, wie gekrümmt ich dasitze. Das gibt mir Kraft, mich wieder aufzurichten. Gerade jetzt im Advent kann ich und können vermutlich viele Menschen so etwas gut gebrauchen: kleine Zeichen, die einem helfen, wieder auf die Füße zu kommen, sich wieder aufrecht hinzustellen.
Neues Leben, neue Lebendigkeit entdecke ich dabei in mir. Und so manches andere kann ich auch noch entdecken, wenn ich mich aufrichte, zum Beispiel: Wenn ich mich bewusst aufrecht hinstelle, dann kann ich auch viel besser aufrecht für etwas einstehen. Ich mache mich nicht klein, ich zeige Selbstbewusstsein und Rückgrat. Für Christen war von den ersten Jahrhunderten an klar: Wenn ich an die Auferstehung glaube, dann bleibe ich standhaft. Dann kann mir so schnell keiner Angst einjagen. Dann kann ich für das einstehen, wovon ich überzeugt bin.
Und noch etwas lässt sich entdecken beim Aufrechtstehen: Wenn ich mich aufrichte, dann kann ich viel besser um mich schauen. Ich kann die Menschen um mich herum wahrnehmen, diejenigen etwa, denen ich helfen kann, aber auch diejenigen, die mir gerade etwas Gutes tun wollen – und die ich ganz einfach übersehe, wenn ich mit gesenktem Haupt durch die Gegend laufe. Und nicht zuletzt: Wenn ich aufrecht und mit erhobenem Haupt dastehe, kann ich auch nach vorne schauen, ich kann dem entgegen sehen, was mich erwartet. Der Glaube sagt: das ist etwas ungemein Hoffnungsvolles und Tröstliches. Im Lukasevangelium von heute heißt es: „Richtet euch auf, erhebt eure Häupter – denn eure Erlösung ist nahe.“



