
Von Markus Eckert, Stuttgart, Evangelische Kirche
Himmelfahrt
Donnerstag, 17. Mai 2012
Dass Himmelfahrt zum Vatertag wurde, hat vielleicht auch seinen Grund.
Die Geschichte von Himmelfahrt geht ja so: Jesus ist mit seinen Freunden zusammen. Und alle denken: jetzt bleibt er für immer bei uns. Aber da wird er in den Himmel entrückt.
So ähnlich geht es auch manchen Familien mit ihren Vätern an Christi Himmelfahrt.
Am frühen Morgen war Papa noch da und anschließend war er mit seinen Kumpeln und einer Kiste Bier entrückt und ward nicht mehr gesehen.
An Vatertag sind alle weg, was gibt es da also zu feiern?
Vatertag und Himmelfahrt haben eins gemeinsam: Wenn der Vater bzw. Jesus verschwindet, dann ist damit auch so was wie eine Geschäftsübergabe gemeint, inklusive großem Vertrauensvorschuss: Ihr schafft das schon.
Was bei meiner Familie für mich eher lächerlich klingt, weil Mama sowieso ohne Papa den Laden schmeißt. Bei Jesus war das anders.
Dem haben seine Jünger einfach alles zugetraut, auf den haben sie sich auch voll und ganz verlassen. Da fällt es vielleicht schwer die Verantwortung zu übernehmen. Allerdings glaube ich, Jesus ging bewusst, eben weil er von dieser Gefahr wusste.
Damit Menschen selbstbewusst handeln können, muss man sie eben auch selbst machen lassen. Verantwortung übernehmen, Fehler machen und für diese einstehen. Gut wenn da nicht immer einer ist, der einem über die Schultern schaut und ständig mit blöden Kommentaren einen verunsichert. Dann lieber gleich allein und selbstverantwortlich.
Bei Familien klappt das heute wahrscheinlich alles wunderbar und Papa darf sich nach der anstrengenden Wanderung ausruhen.
Für alle anderen Dinge gilt: Gott lässt uns selbstverantwortlich unser Leben leben, gibt keine blöden Kommentare ab, sondern verspricht uns, trotzdem da zu sein.
§ 175
Mittwoch, 16. Mai 2012
Morgen ist „Feiertag der Schwulen" so haben manche früher den 17.Mai genannt. Jedenfalls bis 1994, denn da gab es noch den Paragraphen 175, der es Männern unter Strafe verbot sexuellen Kontakt zu andern Männern unter 18 zu haben.
17.5. und § 175 und schon hatten Schwule ein Etikett und einen „Feiertag". Der Paragraph wurde wie gesagt inzwischen gestrichen, aber zufällig hat der 17.5. immer noch etwas mit Schwulen zu tun. Sogar mit Schwulen UND Lesben, denn heute ist der internationale Tag gegen Homophobie.
Homophobie heißt: Angst vor der Homosexualität haben. Angst vor ihrem eigenen Schwulsein müssen Männer nicht mehr haben- jedenfalls nicht mehr vor dem Gesetz. Aber trotzdem begegnen Menschen schwulen und lesbischen Menschen immer noch mit vielen Ängsten. Ganz so, als gäbe es da eine Ansteckungsgefahr.
„Keine Angst!" will da der Tag gegen Homophobie sagen!
Kirche hat sich zugegebenermaßen nicht leicht getan mit der Frage der Homosexualität und hat die Angst vor Homosexualität früher eher gefördert. Dabei wird ein Satz in der Bibel immer wieder gesagt:
Nämlich: „Fürchtet Euch nicht!" Das sagen Engel zu Menschen, die sich fürchten. Für morgen will ich es also so formulieren: Fürchtet Euch nicht, vor Menschen, die ihre Homosexualität leben. Fürchtet euch nicht, in Berührung mit ihnen zu kommen und fürchtet Euch nicht, wenn sie euch beeindrucken und ihre Geschichten euch berühren. Sie sind nämlich auch von Gott geliebte Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, wie Du und ich. Und das ist doch vielleicht ein guter Grund zu feiern nicht nur für Schwule und Lesben, sondern für alle.
Traum
Dienstag, 15. Mai 2012
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. Vielleicht kennen Sie den Spruch
Mich jedenfalls überzeugt das sofort. Seine Träume wahr machen, das hat was. Bei manchen Träumen kommt man allerdings auch ins Stocken. So ging es einem Mann, der einmal zu mir kam und mir seinen Traum erzählte. Und nun fragt er mich: „Kann es sein, dass Gott durch Träume zu einem redet?"
Ich denke nach. Die Bibel erzählt immer wieder von Menschen, die einen Traum hatten und sagten: Da hat Gott zu mir geredet. Jakob zum Beispiel. Der war auf der Flucht vor seinem Bruder und eines Nachts träumte er von einer Leiter, auf der Engel die ganze Zeit hoch und runter kletterten und dass Gott ihm versicherte, dass er immer bei ihm bleiben werde. Also zog Jakob weiter seinen Weg.
Oder Josef, der hat geträumt, dass ihn ein Engel warnt nicht in Bethlehem zu bleiben, sonst würden die Soldaten des Königs das kleine Jesuskind töten. Er floh auf der Stelle.
So gesehen: Ja, Gott kann durch Träume zu den Menschen sprechen.
Und was hat der Mann, der jetzt bei mir saß geträumt? Er hat von einem Wald geträumt in dem er nackt zusammengekauert saß und da kam immer nur ein Satz: Es ist gut!
Für ihn war es ein Zeichen, dass er seine Zweifel und seine Trauer über seine Scheidung loslassen kann. Ihm hat der Traum gut getan. Ihm geht es jetzt besser. Er ist viel fröhlicher seit dem.
Ich mag gerne glauben, dass Gott in diesem Traum zu ihm gesprochen hat. Ein Traum, der ihn wieder zum Leben gebracht hat.
Berufe
Montag, 14. Mai 2012
Meine Frau ist Ärztin und ich bin Pfarrer. Früher waren das vor allem Männerberufe. Inzwischen ergreifen mehr Frauen als Männer diese Berufe.
Das liegt zum einen an den Frauen. Die haben sich nämlich die Berufe nach langer Zeit erstritten. Frauen, die als Ärztinnen arbeiten gibt es erst sein etwas mehr als hundert Jahren und Pfarrerinnen, jedenfalls in der evangelischen Kirche, erst seit Ende der 50er Jahre.
Zum anderen liegt es an den Männern: Denn sowohl Pfarrer, als auch Arzt zu sein, finden Männer offenbar immer weniger attraktiv. Es sind beides Berufe, die viel von einem abverlangen, bei denen auch der Unterschied zwischen Berufsleben und Privatleben verschwimmt und die - auch bei Ärzten - nicht so viel Geld abwerfen, wie man sich das sonst so vielleicht vorstellt.
Und dann gibt es noch die besonderen Umstände: Denn für beide Berufe gilt: Sie sollten möglichst zu 120 Prozent ausgefüllt werden. Und der jeweilige Lebenspartner, sollte sich um Haushalt und Familie kümmern. Für manchen eine Zerreißprobe.
Es gibt also noch viel zu tun. Und das nicht nur bei Pfarrerinnen und Ärztinnen, sondern auch bei Anwälten und Feuerwehrfrauen oder Erziehern. Denn noch lange sind wir nicht da, dass wirklich alle Arbeitsbereiche für Frauen und für Männer kompatibel sind. Alte Rollenbilder und Vorstellungen müssen dafür gekippt werden. Bei Frauen, Männern und in der Gesellschaft. So kann Arbeit nach dem Bild des Menschen gestaltet werden und nicht die Menschen nach der Arbeit!
Muttertag
Sonntag, 13. Mai 2012
„Als ich mal krank war, fragte mich der Arzt, ob ich eine Krankschreibung haben möchte. Ich habe dankend abgelehnt. Meine Kinder akzeptieren Krankschreibungen nicht." Das hat mir mal eine Mutter erzählt. Kinder machen viel Arbeit und Mutter zu sein ist anstrengend. Egal, mit wie viel Kindern. Und heutzutage kommt noch mehr dazu, weil das Bild der Frauen sich geändert hat und oft steckt man in einer Zwickmühle: als berufstätige Mutter, macht man sich vielleicht Vorwürfe, weil man sich ja eigentlich mehr um die Kinder kümmern sollte. Und als Vollzeitfamilienmanagerin soll frau möglichst viel unter einen Hut bringen: Kinder, Job, Figur und Haushalt.
Aber vielleicht waren die Probleme früher auch nicht anders.
Zum Beispiel Eva, die Frau, die den Adam in der Bibelverführt hat. Die war auch Mutter von zwei Jungen. Vielleicht hat sie sich nach der Geburt auch um ihre Figur gesorgt?
Oder Maria, die Mutter von Jesus. Vielleicht hat sie sich manchmal Vorwürfe gemacht, , weil ihr Sohn so verfolgt wurde? Oder Sara, die hatte dreizehn Kinder. Ob die eine Krankschreibung akzeptiert hätten?
Wohl nicht.
Zur Zeit der Bibel gab es noch keinen Muttertag. Aber Mütter gab es und gibt es heute noch und Millionenmilliarden Gründe sich bei ihnen zu bedanken. Bei allen Saras und Marias und Evas und allen, die immer für ihre Kinder und die Familie da sind.



