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Markus Eckert

Von Markus Eckert, Stuttgart, Evangelische Kirche

Sich mit seinem Versagen auseinander setzen

Donnerstag, 09. September 2010     [Druckversion]

Sich den Dingen des Lebens zu stellen ist manchmal nicht leicht. Zum Beispiel, wenn man sich mit seinem Versagen auseinandersetzen muss.
René Prêtre, musste das schon bitter erfahren. Er ist Kinderherzchirurg. Als bei einem Jungen nach einer eigentlich geglückten Operation schwere Komplikationen auftraten, konnte er der Mutter des Jungen kaum in die Augen sehen. „Ich wollte nicht mehr machen, was ich mache." sagt er. Hat die Mutter sie beschimpft? Ja. Mit Recht!, sagt der Herzchirurg, der versagt hat, in einem Interview.
Als Jesus seinen Jüngern gesagt hat, dass er sterben würde, hat Petrus getönt, er würde auf jeden Fall ihm zur Seite stehen. Petrus hat aber auch auf der ganzen Linie versagt. Er hat ihn im Stich gelassen. Und das schlimmste: Jesus wusste, dass es so kommen würde.
Vielleicht hätte sich Petrus sogar gewünscht, dass ihn jemand beschimpft, dass ihn jemand verprügelt wegen seines Versagens. Aber das geschieht nicht. Petrus kann nur noch weinen und sich schämen.
Vielleicht ist das auch wirklich das einzige, was man machen kann, wenn man sich seinem Versagen stellt: Weinen und Schämen. Freunde können einem da helfen und wieder rausholen.
Bei Petrus war es Jesus selbst, der ihn wieder aufgefangen hat. Er hat Petrus nicht die Freundschaft gekündigt, sondern ihm das Vertrauen wieder geschenkt. Petrus bleibt ein Jünger Jesu über sein Versagen hinweg.
Auch René Prêtre ist weiterhin Herzchirurg für Kinder. Sein Versagen hat nicht dazu geführt, dass er hingeschmissen hat. Zum Glück hat er eine Familie und Freunde: Sie erinnern ihn immer wieder daran „Sicher, wir haben Kinder verloren, aber wir haben auch einige gerettet. Und wir haben viel mehr gerettet, als verloren."

Sich dem Kampf stellen

Mittwoch, 08. September 2010     [Druckversion]

Sich den Dingen des Lebens zu stellen ist manchmal nicht leicht. Zum Beispiel, wenn man sich dem Kampf stellen muss.
Naja, Kampf, das muss ja nicht gleich Krieg bedeuten, sondern den Kampf um den nächsten Auftrag, um die nächste Beförderung oder der Kampf darum bessere Betreuungszeiten in der Kita oder in der Schule einzurichten. Das sind schon Kämpfe, die man da auszufechten hat und denen kann man sich stellen oder man lässt es.
Manche Menschen können sehr gut kämpfen, habe ich festgestellt, andere eher nicht, die scheuen den Konflikt.
Der biblische König David konnte gut kämpfen. Viel wird darüber berichtet, aber am bekanntesten ist wohl die Geschichte von David, der gegen den Riesen Goliat kämpft. Alle anderen Krieger haben Angst vor diesem Goliat, weil er so groß und stark ist. Nur David - eigentlich eher klein und von Hause aus ein Feingeist - stellt sich diesem Kampf. Und er gewinnt.
Er gewinnt, weil sein Kampf anders aussieht, als alle erwartet haben. Er gewinnt, weil er auf seine Stärken gesetzt hat und nicht seine Schwächen bemitleidet. Der kleine drahtige David besiegt Goliat -geschickt und mit Trick 17 - mit einer Schleuder und einem Kieselstein.
Was sind meine Stärken und was sind meine Schwächen? David hat das gewusst und ich glaube, diese Erkenntnis hilft in jeder Art von Kampf. Und: Auf das zu setzen, was einem Gott gegeben hat, scheint auf jeden Fall besser zu sein, als dem hinterher zu trauern, was einem verwehrt wurde.

Sich eben doch seiner Aufgabe stellen?

Dienstag, 07. September 2010     [Druckversion]

Sich den Dingen des Lebens zu stellen ist manchmal nicht leicht. Das ist manchmal SO schwierig, dass der eine oder die ander einfach wegläuft.
Weglaufen ist eine Alternative. Hab ich jedenfalls als Kind und Jugendlicher mal gedacht. Versucht hab ich es auch, weil meine Noten so mies waren. Meinen Eltern wollte ich mich nicht stellen und abhauen. Aber ich bin nicht weit gekommen. Schon an den Rändern unseres Dorfes wusste ich nicht, wie es weiter gehen soll.
Jona - ein Prophet aus der Bibel - war da ganz anders. Der hat es gemacht. Gott gab ihm den Auftrag in die große Stadt Ninive zu gehen und den Menschen zu sagen, dass sie böse sind und ihre Stadt vernichtet wird. Aber dazu hatte er keine Lust und rannte weg. Er kam zwar weiter als ich damals, immerhin checkte er auf einem Schiff ein, aber es kam ein Sturm, der ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Mit dem Leben ist er noch mal davon gekommen. Dann stellt er sich eben doch seiner Aufgabe. Er geht nach Ninive und richtet den Menschen aus, dass sie böse sind und ihre Stadt vernichtet werden wird. Große Lust wird er nicht gehabt haben. Aber das war auch egal, denn die Menschen reagierten ganz anders als erwartet: Sie änderten sich, stellten ihren Lebenswandel um und retteten so die Stadt und sich selbst.
Gut, denke ich da, wenn man auch mal dazu gezwungen wird sich seinen Aufgaben zu stellen. Es kann einem so gehen wie Jona: Dass man es schafft - ganz unverhofft - und daraus dann die Kraft für neue Taten gewinnt.

 

Mit sich selbst auseinander setzen

Montag, 06. September 2010     [Druckversion]

Sich den Dingen des Lebens zu stellen ist manchmal nicht leicht. Zum Beispiel, wenn man sich plötzlich mit sich selbst auseinander setzen muss.
Wahrscheinlich ist sogar nichts schwieriger als das! Meinem Spiegelbild kann ich vielleicht morgens noch begegnen, aber wenn ich tiefer schaue, dann kommen andere Dinge hervor.
Bei Jakob aus der Bibel war es vielleicht seine ganze Vergangenheit mit seiner Familie, die da hochkam. Jakob hatte von Anfang an seinen Bruder Esau getäuscht, hintergangen und übervorteilt.
Jakob musste deshalb sogar fliehen. Die Familie war zerrüttet. Die Brüder haben seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen. Den Vater hatte er seinerzeit auch getäuscht. Wie soll man denen wieder unter die Augen treten können? Wie soll man sich selbst da noch im Spiegel anschauen können?
Es war ein Kampf für Jakob. An einem Fluss, dem Jabbok, stellt er sich den Dämonen aus der Vergangenheit. Viel wird da nicht erzählt, nur, dass Jakob aus diesem Kampf nicht unbeschadet herauskommt: Er hinkt seit dem.
Nein, wer sich mit sich selbst auseinandersetzen muss, der kommt offensichtlich nicht ungeschoren davon. Aber die Geschichte geht noch weiter. Denn diese Beschäftigung mit sich selbst hat auch eine gute Seite. Jakob konnte seinem Bruder, den er so lange hintergangen hatte doch unter die Augen treten, indem er sich demütig vom ihm verneigte. Esau freute sich darüber, dass sein Bruder wieder zu Hause war.
Sich mit sich selbst auseinander setzen ist nicht immer eine ungefährliche Sache, aber offenbar eine, die sich lohnt und wieder in Ordnung bringen kann, was einmal durcheinander geraten ist.

Sich einer neuen Aufgabe stellen

Sonntag, 05. September 2010     [Druckversion]

Sich den Dingen des Lebens zu stellen ist manchmal nicht leicht. Zum Beispiel wenn einem eine neue Aufgabe so mir nichts dir nichts zufällt.
Plötzlich soll ich also eine Projektgruppe in der Schule leiten, sagt meine Kollegin. Morgen schon, obwohl ich überhaupt nicht vorbereitet bin, keine Ahnung habe und vor allem keine Lust. Zumal ich weiß, dass es sich um eine „schlimme" Klasse handelt. Nein, nicht mit mir, denke ich und beginne mir Ausreden einfallen zu lassen. Eine nach der anderen. Aber meine Kollegin kontert jedes Mal.
Als Moses den Auftrag bekommen hatte, zum Pharao von Ägypten zu gehen, um über die Freilassung seines Volkes zu verhandeln, fielen ihm auch viele Ausreden ein: „Ich weiß gar nicht, wer Du bist!" „Sag ich Dir", sagt Gott und verrät seinen Namen. „Sie werden mir nicht glaube, Gott!" Und Gott zeigt Moses zwei bis drei spektakuläre Wunder mit einem Stab und der Hand des Moses. Hilft nichts. Moses versucht sich weiter rauszuwinden: „Ich kann gar nicht so gut reden..." Gott verspricht ihm, die Worte in den Mund zu legen. Schließlich reißt bei beiden der Geduldsfaden: Moses stellt sich bockig und sagt: Ich will aber nicht! Und darauf hin Gott: Und Du gehst sehr wohl. Und Deinen Bruder schick ich auch mit.
Ich denke, Moses hat Angst, die Aufgabe zu übernehmen. Sie ist neu, ungewohnt, ja wahrscheinlich ist es das erste Mal das jemand so was überhaupt macht. Warum also ich?
Ich finde, das schöne an der Geschichte mit Moses ist, dass ihm vor allem einer hilft: Sein Bruder! Moses stellt sich seiner Aufgabe dann doch: Und es wird auch was. Gemeinsam meistern die beiden die Aufgabe. Für mich heißt das denn zweierlei: Erstens: Einer Aufgabe muss ich mich stellen, aber ich muss sie nicht alleine lösen. Und Zweites: Wer mit mir diese Aufgabe löst, ist ein Geschenk Gottes.