Manuskripte

SWR2 Wort zum Sonntag

Woche vom 07.09.2008 bis 13.09.2008




Klaus Nagorni

Von Klaus Nagorni, Karlsruhe

Sonntag, 07. September 2008     [Druckversion]

„Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seiest. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“
Es ist ein großer Moment für die Israeliten, als Gott dieses Wort zu Josua, dem Nachfolger des Mose, sagt. Endlich, nach vierzig langen Jahren, soll das hart ge-prüfte Volk das Ziel seiner Träume und Hoffnungen erreichen. Endlich steht man an der Schwelle zum Gelobten Land.
Vieles war unterwegs während der vergangenen vier Jahrzehnte geschehen: viele Zweifel darüber gab es, ob es richtig war aufzubrechen aus Ägypten, wo die be-rühmten Fleischtöpfe standen.
Auf dem Weg durch die Wüste gab es Zeiten des Hungerns und des Durstes. Es gab Zeiten der offenen Rebellion gegen Gott, wo man fand, dass es praktischer wäre, ein Goldenes Kalb anzubeten.
Aber es gab auch Zeiten, wo man Gott ganz neu kennen lernte: als Arzt und Freund, als Begleiter durch die heißen Tage und kalten Nächte der Wüste.
Am Ende dieser harten Reise steht eine ganz neue Erfahrung von Gott: Er ist der, der der Lebensreise seines Volkes ein Ziel gibt, dessen Gebote die Wegweiser sind, damit das Volk eines Tages das versprochene Land auch tatsächlich erreicht.
Ein großer Moment ist es darum, als Gott dem Josua dieses Wort zuspricht an der Schwelle zum Gelobten Land: „Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seiest.“
Dreimal wird dieser Satz wiederholt, so wichtig ist er. Wichtiger noch als Proviant und Vorräte, wichtiger als gutes Schuhwerk und strapazierfähige Kleidung, ist die-ses Urvertrauen ins Leben und in Gott, der es schenkt: Sei getrost und unverzagt.
Es ist ein guter und starker Satz für alle, die auf der Schwelle zu neuen Situationen und vor neuen Aufgaben stehen. Die dabei sind, Neuland zu betreten, für das es gute Worte und gute Begleiter braucht.
Sie sollen wissen, dass sie nicht allein sind. Josua machte die Erfahrung: Andere gehen mit. Andere sind unverzichtbar, wenn der Weg über die Schwelle ins neue Land gelingen soll.
Damals war es das ganze Volk Israel. Heute sind es die Menschen, die uns in unse-rem Leben begleitet und geprägt haben. Großeltern und Eltern vielleicht, Paten, die einmal Verantwortung für uns übernommen haben, Ehe- und Lebenspartner, Leh-rerinnen und Freunde.
Und nicht zu vergessen die größere Familie Gottes: die Gemeinde, die sich in je-dem Gottesdienst versammelt und über die ganze Welt verstreut ist. Dieser Ge-meinde begegnen wir überall dort, wo eine Kirchentür offen steht. Überall, wo Men-schen zusammen kommen im Namen Jesus Christi.
Wir sind als Christen Bestandteil des großen Netzwerks Gottes. Jeder soll wissen: Du bist verbunden mit dem Leben des Christus, in dessen Leben sich verkörpert hat, was es heißt „getrost und unverzagt“ zu sein.
Selbst die Grenze des Todes hat er überwunden, weil sein Glaube, sein Urvertrauen in Gott, ihn auch über die letzte Schwelle des Lebens geführt hat, über den Tod hinaus an den Punkt, wo ihm der Schöpfer des Lebens sein Leben neu geschenkt hat.
Sein Segen begleitet uns seitdem an allen Schwellen des Lebens. Wenn wir vor einem neuen Lebensabschnitt stehen oder eine Lebensphase zu Ende geht. Wenn der Alltag mit seinen Pflichten ruft, weil die Urlaubszeit vorbei ist. Und, wenn wir schließlich an die letzte Station unseres Lebens kommen, wo wir den Atem, der uns fürs Leben geschenkt wurde, wieder aushauchen.
Sei getrost und unverzagt! Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. Gottes Segen geht mit. Dar-auf will ich vertrauen. Per E-Mail empfehlen