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Woche vom 14.10.2007 bis 20.10.2007




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Sonntag, 14. Oktober 2007     [Druckversion]

„Hast Du auch schön Danke gesagt?“ fragen wir Kinder manchmal, wenn sie etwas bekommen haben. Ums Dankesagen geht es auch in einer Geschichte aus dem Lukasevangelium, die heute in vielen Gottesdiensten gelesen wird. Da hat Jesus zehn aussätzige Männer geheilt. Und von denen gehen neun kommentarlos weiter, ein einziger bedankt sich bei Jesus. Jesus fragt nach den übrigen neun und sagt dann zu dem Einen: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.
Warum die neun einfach so weggehen, erzählt die Bibel nicht. Manchmal nehmen wir Gutes ja einfach als selbstverständlich. Aber auffallend ist, dass die Dankbarkeit dem zehnten Mann ein zusätzliches Geschenk macht. Er dankt – und begegnet dabei Jesus. Er ist dankbar, dass er gesund geworden ist und findet sich plötzlich auf Tuchfühlung mit dem, von dem alles kommt.
Danken, wenn es nicht oberflächlich passiert oder nur aus Konvention, lässt mich das Leben anders wahrnehmen. Ich spüre, dass ich etwas geschenkt bekomme. Daß nicht alles selbstverständlich ist, und auch dass ich nicht alles erworben habe, verdient, erarbeitet. Das gilt für einzelne Momente, für bestimmte Ereignisse, und es wirkt sich aus aufs Ganze.
Aber was ist, wenn ich keinen Grund zum Danken finde? Wenn ich beispielsweise überhaupt nicht zu den zehn Geheilten gehöre?
Von dem evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im Dritten Reich hingerichtet wurde, gibt es aus dem Gefängnis diese Sätze, gerichtet an Gott:
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Ich lese dieses Gebet mit großer Achtung. Und kann mir selber kaum vorstellen, so sprechen zu können. Andererseits habe ich auch schon oft gestaunt, in welchen Situationen Menschen dankbar sind. Dankbar nicht für das Leid. Aber weiterhin dankbar für die oft winzigen Glücksmomente unter viel Leid, und dankbar für die Verbundenheit mit Gott, der sie auch in schwersten Situationen weiterhin trauen können. Per E-Mail empfehlen