Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Aktuelle Woche   Archiv



Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Unmögliches wird möglich

Sonntag, 19. Mai 2013     [Druckversion]

Guten Morgen, ich bin Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann aus Ettlingen. „Unmögliches kann möglich werden." Das ist für mich die message von Pfingsten. Wo man denkt: ‚Das ist unmöglich. Da geht nichts.' Da kommt auf einmal Bewegung hinein. Weil ein neuer Geist weht. Gottes Geist.
Insofern wird Pfingsten unterschätzt. Schade. Es hat doch was, wenn Menschen anfangen miteinander zu reden, die sich vorher angeschwiegen haben, oder übereinander geredet. Wenn Menschen anfangen einander zu verstehen, obwohl sie vorher ganz sicher waren, mit dem: „nie". Wenn ein neuer Geist verhärtete Fronten aufweicht und bisher Unmögliches möglich wird. Das hat was - von Pfingsten.
In den evangelischen Gottesdiensten wird an eine Geschichte aus der Bibel erinnert. Da passieren sogar gleich zwei unmögliche Dinge.
Das erste: Ein Mann redet mit einer Frau auf Augenhöhe. Das war zu biblischer Zeit eigentlich unmöglich. ‚Was ist in den gefahren', denken seine Jünger, als sie das sehen. ‚Der unterhält sich mit einer Frau. Sogar über Gott und was dem Leben Glück und Sinn gibt. Und womöglich lernen beide was. Über Gott und von ihm. Das hat es ja noch nie gegeben.' Aber Jesus teilt diese Bedenken seiner Freunde nicht.
Das ist Pfingsten: Auf einmal wird möglich, was es noch nie gab. Menschen lassen Grenzen hinter sich, die immer gegolten haben. Ein neuer Geist bewegt sie voran.
Das zweite ‚Unmögliche' bei dieser Begegnung:
Die Frau und Jesus gehören zu zwei verschiedenen Völkern und Konfessionen. Seit Jahrhunderten haben sie sich gegenseitig verachtet, manchmal sind sie übereinander hergefallen, wie bei uns früher Katholiken und Evangelische. Wie manchmal Christen und Muslime heute. In Frieden leben und glauben war unmöglich. Und dann redet Jesus, der Mann aus dem einen Volk, mit der Frau aus dem anderen. Und die beiden spüren dieses Glück: ‚Es ist möglich.' Und er sagt: Glaube mir, Frau, ....es kommt die Zeit, ach was, sie ist ja schon da, da beten wir Gott als Vater an - in einem Geist....
Miteinander. Es weht ein neuer Geist, der altvertraute Feindschaft wegbläst.
Er schafft Aussicht auf bessere Zeit, auf Versöhnung und Frieden zwischen entfremdeten Menschen.
Das wäre was, wenn wir als Christen und Muslime Grenzen zwischen uns überschreiten würden. Neugierig einander von unserer Religion erzählen. Vielleicht sogar lernen von Gott, was wir bisher nicht von ihm wussten.
Gottes Geist macht Unmögliches möglich. Er könnte uns inspirieren.
Pfingsten ist das Fest des Geistes. Ich glaube, es täte, es nicht zu unterschätzen.

Die Frau spricht zu Jesus:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll.
Jesus spricht zu ihr:
Glaube mir, Frau, ....es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit....
Spricht die Frau zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt..
Jesus spricht zu ihr:
Ich bin's, der mit dir redet...
(aus Johannes 4,19-26)



Michael Broch

Von Michael Broch, Leonberg, Katholische Kirche

Gott auch als Mutter?

Sonntag, 12. Mai 2013     [Druckversion]

 - Texte aus Jesaja, Hosea, Psalmen
7. Sonntag der Osterzeit (C)

Dass sich Gott dem Menschen zuwendet, dafür steht das Wort „Barmherzigkeit". Das alttestamentlich-hebräische Wort für „Barmherzigkeit" heißt ursprünglich: „Mutterschoß", aus mütterlicher Liebe kommende Sorge und Güte. (Deuteronomium 32,18; Numeri 11,11-13) 

In diesem ursprünglichen Sinn verkündet und lebt Jesus seine Botschaft von Gott. Wenn er davon spricht, grenzenlos gütig zu sein, den Nächsten voraussetzungslos zu akzeptieren, ihm bedingungslos zu vergeben - dann verkündet Jesus einen Gott mit mütterlichen Zügen. Und das gegen eine alles beherrschende Männerwelt, in die hinein eher das Gottesbild von einem allmächtigen Herrscher und strengen Richter passt. 

Die mütterlichen Elemente in Jesu Gottesbild sind lange vergessen worden. Seine Freude an Gott, sein vertrauensvoll-kindlicher Umgang mit seinem „Abba", seinem „Papa" sind in den Hintergrund getreten. In der Marienfrömmigkeit hingegen bleibt die Sehnsucht angesprochen, Gott müsse mütterliche Züge haben. Der vor 35 Jahren so rasch verstorbene Johannes Paul I., der „lächelnde Papst", hat das so gesagt: „Gott ist auch Mutter, zumindest so sehr, wie er Vater ist." 

Warum ist die Bibel so zurückhaltend und spricht nur an einigen Stellen von den mütterlichen Zügen Gottes? - Mit seinem Glauben an den einen und einzigen Gott setzte sich Israel ab von den vielen Gottheiten und zahlreichen Göttinnen, die dort verehrt wurden. Für den biblischen Glauben jedoch ist der eine und einzige Gott weder männlich noch weiblich. Wohl aber zeigt er sich in seinen väterlichen und gleichermaßen auch in seinen mütterlichen Zügen. 

Für mich gibt Jesaja wie kein anderer Prophet Zeugnis von dieser Mütterlichkeit. Gott ist für ihn treu wie eine Mutter: 

„Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen,
eine Mutter ihren leiblichen Sohn?
Und selbst wenn sie ihn vergessen würde:
Ich vergesse dich nicht." (49,15) 

Heißt es da und weiter:
„Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen
und auf den Knien schaukeln.
Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet,
so tröste ich euch." (66,12c.13a) 

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag
und wenn Sie wollen, einen schönen Muttertag.