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SWR1 3vor8

„Warum soll ich eigentlich zu mir selbst „nein“ sagen? In der Fastenzeit wird das ja allenthalben propagiert. Warum soll ich verzichten und abnehmen? Oder warum meiner Lust auf Fernsehleichen nicht mehr so ausführlich frönen? Warum soll man sein Smartphone beiseitelegen und nicht dauernd online sein? Warum soll ich selber denken, wo ich doch mitschwimmen kann im Strom der anderen?
Warum soll man „nein“ sagen zum Hunger nach Leben, wo man ihn doch stillen kann? Warum soll man nicht auch eine neue Beziehung erleben, wenn die alte langweilig geworden ist? Warum soll ich der Befriedigung meiner Bedürfnisse Grenzen setzen. Versuchungen und der Verführung durch schöne Dinge widerstehen?
In den evangelischen Kirchen wird heute aus einem ziemlich unbekannten Brief im Neuen Testament gelesen. Der hat auf diese Frage eine überraschende Antwort. Er sagt nicht, man lebt dann gesünder oder man wird ein moralisch besserer Mensch, vielleicht sogar heiliger.
Seine Antwort – kurz ausgedrückt – „Nein sagen macht glücklich.“
Wörtlich steht im Jakobusbrief: Glückselig ist derjenige, der standhaft bleibt, wenn er auf die Probe gestellt wird. ‚Glückselig‘, also soll ich werden, wenn ich zur eigenen Verführbarkeit „nein“ sage.
Eigentlich habe ich das in unserer Welt andersrum gelernt: Glücklich werde ich, wenn ich „ja“ sage und die Gelegenheiten wahrnehme, meine Bedürfnisse zu befriedigen. „Ja“ zur Lust am Wollen und Haben, das macht glücklich, habe ich doch gelernt. Jakobus meint, andersrum wird ein Glücks-Schuh draus:
Wenn ich vor dem „Haben wollen“ nicht als Jasager in die Knie gehe, sondern standhaft bleibe und „nein“ übe. Wenn ich erlebe, wie aufrecht und stark ich sein kann, wenn es darauf ankommt.
Wer hat Recht? Vermutlich kann man das theoretisch nicht entscheiden.
Man muss es wohl er-leben. Erproben.
Das ist doch mal eine Aussicht auf die Fastenzeit: Dass ich sie angehe und erlebe als eine Zeit, Glück zu erproben. Indem ich ausprobiere, ob es wirklich glücklich macht, standhaft „nein“ zu sagen zum Habenwollen.
Auf eines sollte man dabei aber besonders aufpassen, finde ich: Wenn man merkt, dass das verzichten einen unglücklich macht oder unleidlich, so dass andere darunter  leiden müssen, dann sollte man mit dem Verzichten aufhören.
Aber natürlich wünsche ich Ihnen und mir das andere: Dass es uns gelingt, standhaft „nein“ zu sagen und dabei glücklich zu werden.

Glückselig ist derjenige, der standhaft bleibt, wenn er auf die Probe gestellt wird.
Denn weil er sich bewährt hat, wird Gott ihm den Siegeskranz verleihen.
Dieser Siegeskranz ist das ewige Leben, das Gott denen versprochen hat,
die ihn lieben.
Aber niemand, der auf die Probe gestellt wird, soll sagen:
"Diese Prüfung kommt von Gott."
Denn so wie Gott nicht zum Bösen verführt werden kann, verführt er auch
selbst niemanden dazu. Jeder Mensch wird vielmehr durch seine eigene Begierde verführt. Von ihr lässt er sich fortreißen und schluckt ihren Köder.
Wenn das geschieht, wird die Begierde gleichsam schwanger und gebiert die Sünde. Aber wenn die Sünde dann ausgewachsen ist, bringt sie ihrerseits den Tod zur Welt.

Täuscht euch nicht, meine lieben Brüder und Schwester!
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben –
von dem Vater, der alle Himmelslichter geschaffen hat.
Bei ihm gibt es keinen Wandel und keinen Wechsel von hell und dunkel.
Es war sein Wille, uns durch das Wort der Wahrheit neu zur Welt zu bringen.
Dadurch sind wir gleichsam an die erste Stelle unter seinen Geschöpfen getreten

Jakobus 1,12-18

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