Manuskripte

SWR3 Gedanken

Zwei schlimme Terroranschläge haben sie mit erstaunlicher Gelassenheit und Ruhe weggesteckt. Haben sich ihr Leben nicht von islamistischen Idioten aus der Bahn bringen lassen. Bemerkenswert, die Menschen in London. Nach dem verheerenden Großbrand aber ist vielen doch der Kragen geplatzt und auch das finde ich bemerkenswert.

Weil es diesmal nicht um ein paar religiös Durchgeknallte geht, sondern um Gerechtigkeit. Um den Verdacht, dass beim Großbrand in London Menschen gestorben sind, weil sie nicht so wohlhabend waren und darum am Brandschutz in ihren Wohnungen gespart wurde. Weil der Gedanke so schwer erträglich ist, dass es wertvolle und weniger wertvolle Menschen geben könnte. Und dass es nun genau die weniger wertvollen getroffen hat.

Dabei sind wichtige Fragen noch gar nicht klar. Ob es einfach Fahrlässigkeit war, die zur Katastrophe führte. Oder ob bewusst an den weniger Wohlhabenden gespart wurde. Wie gesagt: Vieles ist noch offen! Aber der bloße Verdacht, dass es zwei Kategorien von Menschen geben und dass deren Leben einen unterschiedlichen Wert haben könnte, treibt Menschen auf die Straße.

Die islamistischen Mörder haben diese Unterschiede nicht gemacht. Ihr Hass richtet sich gegen uns alle, egal ob wir arm sind oder reich. Die Opfer im Hochhaus allerdings machen einen Unterschied und niemand weiß bis jetzt, ob sie womöglich wegen dieses Unterschieds zu Tode kamen. Wegen eines Unterschieds, der Menschen aufteilt in Arm und Reich. Nicht nur in London. Wie auch immer, der bloße Gedanke daran macht wütend.

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Der Mann hinter der Theke mustert mich, während er meine Bestellung bearbeitet. Es ist Sonntagabend. Nach einer Reise wollen wir in einem Selbstbedienungs-Restaurant schnell noch etwas essen. „Heute haben alle frei“ sagt er, „warum eigentlich?“ Ich stutze. Auf die Frage bin ich gar nicht vorbereitet. Der junge Mann kommt erkennbar nicht von hier. Migrationshintergrund, würde man heute sagen.

Ich bin nicht als Kirchenvertreter gefragt, nur als Kunde, der auf sein Essen wartet und wissen könnte, warum zumindest er an diesem Tag frei hat. „Heute ist Sonntag“, sage ich, „da haben halt die meisten Menschen frei.“ Der junge Mann nickt und reicht mir mein Essen. Ob ihn das überzeugt hat? Wozu also Sonn- und  Feiertage? Warum die Arbeit unterbrechen, heute, am Sonntag? Wo doch der christliche Glaube sich verflüchtigt und nicht mal mehr zehn Prozent in die Kirchen gehen? Wo offene Läden am Sonntag hingegen Zehntausende in die Innenstädte locken?

Nun, weil wir Menschen sind und keine Maschinen und deshalb Auszeiten brauchen. Auszeiten für uns selbst und für all die Anderen, die uns auch wichtig sind. Und weil auch die Schreiber der Bibel das schon vor ein paar tausend Jahren so gesehen haben. Nicht umsonst haben sie es gleich am Anfang in die Bibel reingeschrieben, als ein Grundgesetz der Schöpfung. Und darum werden wir Christen auch weiter um die freien Tage für möglichst viele Menschen kämpfen. Für die, die an Sonn- und Feiertagen in die Gottesdienste gehen möchten und auch für alle anderen. Egal ob fromm oder nicht. Einfach, weil wir alle Menschen sind, die regelmäßig eine Auszeit brauchen, für uns selbst und andere.

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