Manuskripte

SWR3 Gedanken

Ich treffe ihn im Café der Diakonie. Sagen wir, er heißt Rainer: Rainer fragt mich immer wieder: Wissen Sie nicht irgendwie eine Wohnung für mich? Ich weiß leider nix und kenne gerade auch niemand, der etwas zu vermieten hätte. Aber ich weiß warum er sucht und es so schwierig für ihn ist: Er lebt von Hartz IV, verdient ein bisschen etwas dazu mit einem 1-Eurojob.

Jahrelang konnte er nicht arbeiten, schon früh ist er abgerutscht in die Drogensucht, das hatte viele Gründe. Aber letztes Jahr endlich war er so weit:

‚Jetzt mach ich einen Entzug. Nach mehr als zwanzig Jahren.‘ Ein halbes Jahr war Rainer weg. Erst dachte er, er schafft es nicht, wenn er wieder in das gleiche Umfeld zurückzieht. Aber dann erklärt er mir: „Die haben mir hier so geholfen, dass ich genau weiß, dass ich es schaffe!“ „Die“ das sind die Leute im Diakoniepunkt, einer Einrichtung für Bedürftige direkt neben unserer Kirche.

Hier kann man gebrauchte Kleider kaufen, Brot von gestern, alte Schallplatten und Bücher. Seit Monaten hilft er hier. Ein paar Wochen habe ich ihn nicht gesehen. Bei unserer nächsten Begegnung ist es anders, ich frag ihn: was ist denn nun mit Ihnen und der Wohnung: er strahlt von einem Ohr bis zum anderen: „jetzt hawwisch änni, s‘wa abba auch zeit“.

Nicht genau da wo er es sich gewünscht hätte, aber eben, in seiner Stadt. So dass er hier weiter arbeiten kann. „Da fühlt ma sisch endlich widda wie’n Mensch!“ Es ist Ostern! Rainer ist auferstanden.

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Ostermorgen –Wir sitzen in einer riesigen Kirche. Mittendrin. Die Kirche steht auf der Chicagoer Southside, mitten im afroamerikanischen Ghetto. Ein sozialer Brennpunkt. Hier toben Bandenkriege und Polizeigewalt. Jedes Jahr gibt es Tausende von Schießereien, Hunderte Tote. Hier sterben mehr Amerikaner als im Irak- und Afghanistaneinsatz der USA zusammen.

Viele Menschen sind arm und arbeitslos. Viele sind drogenabhängig und verzweifeln am Leben. Auf den Straßen kann man nicht spielen. Die Eltern fürchten sich vor verirrten Kugeln, die die Kinder treffen könnten. Aber dann diese Kirche, mitten im Stadtteil: 3.000 Leute passen hier rein, rappelvoll ist sie an diesem Morgen.

Eine afroamerikanische Gemeinde: Junge Leute, alte Leute. Sie kümmern sich um Obdachlose, um Leute, die aus dem Gefängnis kommen. Sie stehen auf gegen die Rassendiskriminierung, immer geht es darum einander Mut zu machen.

Studierende aus Mannheim haben sich auf den Weg gemacht, um hier zu erleben, was Ostern bedeutet. Was heißt Auferstehung in einer Situation in der das Leben so bedroht ist; in der fast jede Familie einen Toten zu beklagen hat, der Opfer der Gewalt wurde.

In der Jugendliche lernen müssen, sich so zu verhalten, dass sie lebend nachhause kommen, wenn sie der Polizei begegnen.

Ostern ist hier anders: Trotziges Aufstehen gegen die Mächte des Todes. In der Gemeinschaft die Kraft zum Leben finden. Singen, Beten, Predigen – lautstark. Gegen die Verzweiflung. Jesus lebt – und ihr sollt auch leben!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28517

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