Manuskripte

SWR3 Gedanken

Zwei Tonnen Gold und 21 Tonnen Silber: die liegen in deutschen Schubladen. Tonnenweise Edelmetall – verarbeitet in alten Handys. 85 Millionen Handys sollen es sein, die irgendwo rumliegen und die keiner mehr wirklich braucht.

Das muss aber nicht so sein. Denn mit seinem alten Handy kann man noch was Sinnvolles machen. Man kann es zum Beispiel an die Hilfsaktion “Missio” spenden. Die lässt jedes alte Handy professionell recyceln und bekommt für jedes Gerät noch einen Euro. Dieses Geld fließt dann direkt in Entwicklungsprojekte im afrikanischen Kongo.

Das Ganze soll eine kleine Wiedergutmachung sein. In den Böden im Kongo gibt es nämlich eine Menge Gold und Silber, was die Handyindustrie so dringend braucht. Die Metalle sind so heißbegehrt, dass es seit Jahren einen brutalen Streit darum gibt. Rebellen plündern die Böden. Ganze Dörfer haben sie deswegen schon zerstört und die Bewohner haben sie einfach umgebracht.

Auch ich habe ein Handy und brauche es. Aber seit ich weiß, wie schmutzig das Geschäft im Hintergrund abläuft, seitdem hoffe ich, dass mein Gerät möglichst lange hält. Und wenn es doch irgendwann mal kaputt geht, dann weiß ich schon, wo es die Adressaufkleber zum Einschicken gibt. Ganz einfach: online unter: missio.de.

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Meine Freundin Steffi hat mir eine Geschichte erzählt, in der spielt roter Nagellack eine Rolle und eine tote Frau! Steffi macht gerade eine Ausbildung als Sterbebegleiterin. Sie will lernen, wie man Menschen am Lebensende begleitet. Deswegen macht sie Besuche bei Patienten, die nicht mehr lange leben und sie tauscht sich mit anderen darüber aus. Steffi hat sogar ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht. Und da hat sie was total Ungewöhnliches machen dürfen. Sie hat einer verstorbenen alten Dame, die Fingernägel rot lackiert. Für Steffi war das eine krasse Erfahrung. Sie sagt, sie wird das nie vergessen, wie sich das angefühlt hat, als sie die Hände der Frau gehalten hat und wie sie den Nagellack aufgetragen hat. Als die verstorbene Frau noch jung war, hat sie immer Nagellack getragen. Und ihr war es wichtig, dass sie auch im Sarg noch schöne gepflegte Hände hat. Eben mit rotem Nagellack. Meine Freundin hat das auf eine gewisse Weise schön gefunden und das auch gerne gemacht: dieser Frau ihren letzten Wunsch erfüllt.

Weil sie gespürt hat, dass da noch viel mehr dahintersteckt.: nämlich der Wunsch der Frau, dass ihr Körper auch nach dem Tod noch schön und würdevoll sein darf.

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In einer Talkshow im Fernsehen habe ich den Zuversichts-Streuer kennengelernt. Die Bestseller-Autorin Sabine Asgodom war als Gast eingeladen und sie hat ihn vorgestellt. Er sieht aus wie ein Salzstreuer, aber statt Salz ist Zuversicht drin. Frau Asgodom schreibt nicht nur Bücher, sie arbeitet auch als Coach. Der Moderator hat sie gefragt, wie sie das macht: Leute coachen. Leute, die zu ihr kommen, weil sie immer wieder am selben Punkt festhängen. Zum Beispiel, wenn jemand nicht weiß, ob er den Job wechseln soll. Oder jemand, der in einer anderen großen Entscheidung einfach nicht weiterkommt.

Im Gespräch wird klar: manchmal ist die Situation richtig verfahren. Trotzdem können oft Kleinigkeiten weiterhelfen. Solche verrückten kleinen Sachen, die helfen, dass ich kurz Abstand gewinne - zu meinem Problem, und ich dann irgendwie umdenke.

Und dann hat Sabine Asgodom die Sache mit dem Zuversichts-Streuer erzählt. Sie hat gesagt; „Ich hatte eine Frau im Coaching, die immer total mutig war, wenn wir gesprochen haben. Sie war sich ganz sicher, was sie alles anpacken und ändern möchte. Und zuhause war der ganze Mut dann wieder weg und sie hatte dann doch Angst irgendwas zu verändern. Dann habe ich ihr etwas geschenkt. Eben den Zuversichts-Streuer. Ich habe ihr gesagt: Immer wenn Ihnen die Zuversicht fehlt, streuen sie sich damit Zuversicht auf den Kopf. Also richtig mit dem Streuer über dem Kopf schütteln. Das ist natürlich albern! Aber es hat geholfen.“

Ich könnte mir vorstellen, das wäre vielleicht auch etwas für mich. Und es wäre vielleicht auch etwas für alle, die ab und zu mal daran erinnert werden müssen, dass sie eigentlich zuversichtlich sind. Und der Streuer kann ihnen ihre Zuversicht wieder entlocken. 

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In unserem Nachbarort gibt es einen großen Gemüsehof. Da werden Salat und Gemüse in rauen Mengen angebaut. Für unser letztes Familienfest habe ich da kiloweise Salat bestellt.

Als ich den Salat im Gemüsehof abgeholt habe, war das eine seltsame Erfahrung.

Erstmal muss ich an einem riesigen Tor klingeln und dann muss ich noch ziemlich lange warten. Während ich so vor dem großen Tor rumstehe, tauchen dahinter immer mehr Saisonarbeiterinnen auf. Es ist halb neun morgens und die meisten Frauen sehen schon richtig fertig aus. Sie quetschen sich alle auf zwei, drei alte Bierbänke. Ein paar packen ihre ausgebeulten Thermoskannen aus, manche ein Vesperbrot, aber es unterhält sich niemand. Erst fühle ich mich unwohl so direkt daneben. Aber mit der Zeit bekomme ich Mitleid mit den Frauen. Die schuften hier ohne Ende, vielleicht für ziemlich wenig Geld, denke ich. Sie bekommen bestimmt nicht mal den Mindestlohn… ob die überhaupt ein richtiges Wochenende haben? Und das nur damit ich hier meinen Salat günstig kaufen kann. Regional, ok, aber was ist mit den Arbeitsbedingungen?

Eine der Arbeiterinnen beobachtet mich. Sie kommt zu mir ans Tor, lacht mich an und sagt: „Chefin gute Frau. Du warten.“ In dem Moment kommt sie schon, die Chefin. Sie wirft erstmal einen lustigen Spruch in die Runde, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Alle lachen. Dann kommt sie in meine Richtung und klopft auf dem Weg noch ein paar der Frauen liebevoll auf die Schultern. Sie öffnet das Tor ein Stück und gibt mir meinen Salat. Alles wie bestellt, hier ist die Rechnung. Danke. Alles klar.

Gut, dass ich so lange warten musste. Sonst hätte ich nur meinem ersten Eindruck getraut und von der Situation auf dem Gemüsehof nur eine Seite mitbekommen. Manchmal kann ein zweiter Blick auf die Sache richtig erhellend sein!

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