Manuskripte

SWR3 Gedanken

Seit dem Wochenende werden die Tage wieder kürzer. Für mich liegt in der Sommer-Sonnenwende immer ein Hauch von Torschlusspanik: Hab ich etwa den Sommer verpasst? Ich war doch noch kein einziges Mal am Baggersee. Was sollte ich alles noch tun, damit es auch bei mir Sommer wird? Es ist auf jeden Fall ein guter Zeitpunkt nachzudenken.

Das findet auch Johannes der Täufer. Heute ist sein Gedenktag, genau in der Jahresmitte.
Johannes lebt zurzeit Jesu, ist gleich alt und auch ein Prediger. Er ist ein bisschen freaky: lebt in der Wüste und ist mit ganz wenig zufrieden. Viele Menschen hören ihm zu und bewundern ihn. Sie lassen sich von ihm im Jordan taufen - unter fließendem Wasser. Das ist ein Zeichen, dass sie wieder rein werden wollen von all dem, was sie belastet. Johannes wird nicht müde allen zu sagen: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“

Ich finde, die Mitte des Jahres ist ein guter Zeitpunkt nachzudenken. Nicht nur, wie es noch ein guter Sommer werden kann, sondern was noch passieren muss, damit es ein gutes Jahr wird. Was ist aus all den guten Vorsätzen vom Jahresbeginn geworden? Ich wollte doch aufhören mit meinem Job als Notenwart und dafür mehr Klavier mit meinem kleinen Sohn üben. Ich wollte doch mal für Oma kochen, weil sie mir immer die Hemden bügelt. Ich wollte doch mal eine Übernachtungstour bei Freunden starten, weil ich sie immer mehr aus den Augen verliere.

OK, ich merke schon, die Jahresmitte ist ein guter Zeitpunkt darüber nachzudenken, was bisher gelaufen ist und was nicht. Denn noch liegen gut 180 Tage vor mir, um dem Jahr noch das ein oder andere Krönchen aufzusetzen.

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Jesus hat ein Gleichnis erzählt, das immer wieder für Empörung sorgt. „Das ist doch ungerecht!“, sagen die Leute. Jesus und ungerecht? Das passt doch irgendwie nicht, oder?

Das ungerechte Gleichnis geht so: Ein Herr geht auf Reisen und vertraut sein Geld drei Dienern an. Einem gibt er fünf, einem zwei und dem letzten ein Talent Silber. Das war ein Haufen Geld. Ein Talent sind ca. 60 Kilo Silber, heute wären das 25.000 Euro pro Talent.

Der erste Diener erwirtschaftet zu den fünf Talenten noch weitere fünf dazu. Auch der Zweite kann das Kapital verdoppeln: Aus zwei Talenten macht er vier. Der Dritte ist ein bisschen risikoscheu. Er gräbt ein Loch und versteckt das Geld.

Schließlich kommt der Herr zurück. Voller stolz präsentieren die ersten beiden Diener ihre 100 % Dividende und werden über den Klee gelobt. Der dritte  stammelt etwas kleinlaut: „Herr, ich wusste, dass du streng sein wirst, wenn ich´s verbock. Deshalb habe ich das Geld lieber eingegraben. Aber immerhin: Hier hat du alles unbeschadet wieder.“ Der Herr ist daraufhin stinksauer und sagt: „Du bist schlecht und faul. Ich nehme dir das Talent weg und gebe es dem ersten.“

Puh, hört sich nach Kapitalismus in Reinform an: Der am wenigsten bekommen hat, muss es auch noch an den Reichsten abgeben. Will Gott etwa, dass die berühmte Schere zwischen arm und reich immer größer wird? Eigentlich hat sich Jesus doch für das Gegenteil eingesetzt: die Schwachen stark machen.

Deshalb deute ich das Gleichnis so: Reichtum verpflichtet. Wer viel hat, der soll auch viel geben. Jesus wollte vielleicht damit sagen: Wenn du viele Fähigkeiten hast, dann ist das ein Hinweis darauf, dass Gott dir besonders viel zutraut: Gehe gewinnbringend mit ihnen um. Ob du ein Talent hast oder viele – setzte sie ein zum Wohl der Menschen.

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