Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Irgendwie habe ich Gott wie einen vergesslichen Opa behandelt.“ Den Satz habe ich von einem Pfarrer gehört. Der hat mit diesem seltsamen Vergleich erklärt, wie sein Verhältnis zu Gott früher war. Heut ist das anders.

Der Pfarrer hat gesagt: „Früher habe ich Gott behandelt wie einen alten Opa, der in meinem Leben immer dann da ist, wenn ich ihn brauche. Das heißt, wenn es mir schlecht gegangen ist, habe ich gebetet. Wenn es mir gut gegangen ist, habe ich ihn, wie so einen Opa im Rollstuhl aus meinem Leben hinausgeschoben. Dabei habe ich Gott ja eigentlich wie einen vergesslichen Opa behandelt, weil ich gedacht habe: ich hole ihn einfach wieder rein und er merkt es gar nicht, wie lange er aus meinem Leben draußen war. Ich tu einfach so, als ob ich Gott grad gestern besucht habe.“

Der Vergleich ist heftig. Und es ist auch nur ein Vergleich. Natürlich hat der Pfarrer nichts gegen alte Opas und Gott ist kein Mensch wie du und ich. Gott ist sicher völlig anders als ich mir das vorstelle. Aber trotzdem, der Vergleich mit dem Opa, der hat was in mir angestoßen. Ich kenn das, dass ich mit Gott manchmal nicht aufrichtig umgehe und ich denke, dass es Gott vollkommen egal ist, wie oft ich ihn in mein Leben schiebe. „Vollkommen egal“ in dem Sinne, dass er mich eh immer nimmt wie ich bin und dass er auch dann für mich da ist, wenn ich ihn nicht ständig auf dem Schirm habe.

Aber ich glaube: Gott ist eben nicht wie ein vergesslicher Opa, sondern wie ein Jungspund, der jeden Tag tausend Ideen hat, wie er in mein Leben kommen kann. Also kann ich ihn auch jedes Mal „wie neu“ behandeln.

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