Manuskripte

SWR3 Gedanken

Meine Tochter Mathilde liebt dieses Kinderlied: „Heut geht’s mir gut. So richtig richtig gut. Die Sonne scheint mir auf den Bauch. Und das soll sie auch. Ist alles fein. So soll es sein. Ist alles so, wie ich es mag - heut ist mein Glückserdmännchentag.“

Es geht um ein kleines Erdmännchen, das in der Hängematte liegt und das Leben genießt.

Seitdem sie dieses Lied kennt, hat Mathilde Glückserdmännchentage. Immer, wenn es ihr gut geht oder sie einen besonderen Moment hat, ist ihr Glückserdmännchentag. Wir gehen an einem ganz normalen Tag ein Eis essen - „Mama, heute ist mein Glückserdmännchentag.“ Ein Tag mit Oma und Opa in der Stadt - „heute ist mein Glückserdmännchentag.“

Ich finde toll, dass sie so ausdrücken kann, wie gut es ihr geht. Und das eben schon bei Kleinigkeiten.

Das lerne ich gerade mal wieder von ihr. Dass Kleinigkeiten Tage häufig zu den schönsten Tagen machen. Kinder sehen, leben und genießen einfach den Moment. Das ist für mich oft schwierig. Ich hab immer schon das nächste im Kopf. Den nächsten Termin oder den nächsten Tag. Und darüber erlebe ich dann den Moment gar nicht richtig, sondern bin eher gestresst.

Mathilde holt mich mit diesem Lied wieder richtig runter in den Moment. Ich kriege ganz viele kleine Glücksmomente geschenkt. Dadurch gucke ich wieder anders in die Welt. Die ersten Rosen in unserem Garten, mein Sohn hat sich ohne Geschrei anziehen lassen -  Glückserdmännchentage. Ich hab eine gute Idee beim Arbeiten - auch das gehört dazu.

Interessant ist, dass der Glückserdmännchentag bei mir immer zieht. Egal, wie blöd der Tag bisher gelaufen ist oder wie genervt ich bin. Selbst wenn mir überhaupt nicht nach diesem Lied ist, macht es mich darauf aufmerksam, dass die unbeschwerten Momente viel mehr zählen als die anderen.

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Liebe Hörerinnen und Hörer. Liebe Hörende. Liebe Hörer*innen.

Wie spreche ich so, dass sich alle angesprochen fühlen? Das beschäftigt mich in letzter Zeit immer mehr.

Ich benutze selbstverständlich die männliche und die weibliche Form. Wenn ich spreche, kommt jede und jeder vor. Es war doch unmöglich, dass 50% der Menschen sprachlich lange Zeit nicht vorgekommen sind.

Was ich aber bis vor kurzem nicht auf dem Schirm hatte, sind Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen. Wie werde ich ihnen sprachlich gerecht? Ich kenne eine Person, die ist „gender queer“. Sie fühlt sich weder dem weiblichen, noch dem männlichen Geschlecht klar zugehörig. Die Person hat erzählt, dass sie mit ihrem weiblichen Vornamen gut zurechtkommt. Sie heißt Michaela. Aber dass die Anrede „liebe Michaela“ schon nicht passt. Ich hab sie dann gefragt, wie ich sie in Emails anreden soll. „Schreib einfach: Hallo und dann den ganzen Namen.“ Weiter gefasst  ist „die Person“ eine  Möglichkeit „sie“ oder „er“ zu umgehen. Und in der Mehrzahl kann ich von Menschen, Personen, Zuhörenden, usw. sprechen.

Dass es hier schon anfängt, Menschen gerecht zu werden, war mir bis dahin nicht bewusst. Ehrlich gesagt hab ich immer gedacht, die sollen sich alle nicht so anstellen. Das macht doch keinen Unterschied. Ich hab gelernt: macht es eben doch. Denn ich kann mit meiner Sprache Menschen verletzen. Und das will ich nicht. Bewusst schon gar nicht.

Für einige ist das alles zu viel. Sie können nicht nachvollziehen, dass es für andere schwierig ist. Oder Sprachforscher die sagen: wir haben doch das so genannte generische Maskulinum. Z.B. der Raucher oder der Wanderer. Die klingen zwar männlich, aber es sind alle gemeint. Genau das ist ja das Problem.

Wenn ich mir das klar mache, dann verändert sich meine Sprache ganz schnell.

Ich bin fest davon überzeugt, dass auch durch die Art wie ich spreche die Welt gerechter werden kann. Und dafür einzutreten ist letztlich ein Einsatz für die Würde des Menschen.

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