Manuskripte

SWR3 Worte

28MRZ2020
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Diese Frage stimmt den Filmemacher Wim Wenders, der in diesem Jahr 75 wird, nachdenklich. Er erzählt:

„Wenn man jung ist, denkt man ja, dass man eine unendliche Zahl an Filmen, Projekten und Büchern […] machen kann. Aber irgendwann kommt man drauf, dass es eine endliche Zahl ist. […]

Und irgendwann kommt man dann auch drauf, dass die Sachen, die bleiben, [... , dass das] die sind, bei denen man sehr viel Liebe und Menschenfreundlichkeit investiert hat. Und das alles, was man gemacht hat, um Geld zu verdienen oder vielleicht irgendjemand anderem zu gefallen, oder – man macht ja viele Sachen aus tausend Gründen – , dass die alle ziemlich schnell verbleichen. […] Aber die Sachen, wo man wirklich sein Herz reingesteckt hat, das sind eher die einzigen, die bleiben.“

Wim Wenders im Interview mit Bettina Flitner, Ich habe die Theorie, dass in jedem Foto, auch in jedem Film, sein Gegenschuss enthalten ist. In: https://www.mein-erbe-tut-gutes.de/persoenlichkeit/wim-wenders/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30553
27MRZ2020
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Vor 40 Jahren ist er gestorben, der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Erich Fromm. Über die „Kunst des Liebens“ hat er einen Bestseller geschrieben. Darin sagt er:

„Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Akt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt. Ganz allgemein kann man den aktiven Charakter der Liebe so beschreiben, dass man sagt, Liebe ist in erster Linie ein Geben und nicht ein Empfangen. […] Geben bereitet mehr Freude als Empfangen, weil im Akt des Schenkens die eigene Lebendigkeit zum Ausdruck kommt […] dann erlebe ich mich selbst als überströmend, hergebend, lebendig und voller Freude.“

Erich Fromm, Die Kunst des Liebens

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26MRZ2020
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Brayn Stevenson ist US-amerikanischer Anwalt und Bürgerrechtler. Der Kinofilm „Just mercy“ zeigt, wie er gegen den Rassismus kämpft und sich für Todeskandidaten in Gefängnissen einsetzt. Stevenson selbst sagt über seine Arbeit:

„Von jener Rechtswissenschaft, die Abstand zur realen Welt hält, habe ich mich verabschiedet, als ich zum ersten Mal einem zum Tode Verurteilten in die Augen sah. Er war so alt wie ich, ich war Jurastudent in Harvard und machte im Gefängnis ein Praktikum. Wir haben lange miteinander gesprochen. Ich hatte mir vorher angestrengt lauter Sätze zurechtgelegt, die ich dem Verurteilten vielleicht sagen könnte. Aber dann ging es so leicht. Ich habe nicht mit der Schönheit und mit der Würde gerechnet, die mir in den Todeszellen begegnet sind. […] Verstehen kommt ohne Nähe nicht aus. Nur aus der Nähe sieht man klar.“

Brayn Stevenson im Interview mit Elisabeth von Thadden, Unschuldsvermutung
In: https://www.zeit.de/2015/41/rassismus-bryan-stevenson-justiz/komplettansicht

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25MRZ2020
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Weiter, schneller und mehr – lange Zeit hat sich die Journalistin Judka Strittmatter von diesen Wörtern antreiben lassen. Sie erzählt:

„Dieser Konsum, dieses Immer-mehr-und immer-schneller, überfordert mich, raubt mir die Kraft. Inzwischen fühle ich mich genauso ausgelaugt wie Mutter Erde, auch wenn meine Existenz verzichtbar ist.

Let‘s face it! […] . Ich nutzte die Gunst der Stunde und beschenke mich mit Verzicht. Fahre Tram und Zug, essen selten Fleisch […] und jede Anschaffung von Garderobe oder Schnickschnack überdenke ich erstmals: Brauche ich das wirklich – oder ist das eher Ablenkung oder Trost? […]

Wer blickt, dass Konsum vor allem Ausbeutung bedeutet, der muss abrüsten im Haben-Wollen-Kosmos. […] Ich muss sagen, mein Ausstieg aus der Verschwendungssucht ist das Größte, was mir passieren konnte.“

Judka Strittmatter, Mein Immer-Mehr-Boykott, In: Brigitte. Nr.4, 29.1.2020

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30550
24MRZ2020
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Franziska Ferber ist eine der unzähligen Frauen und Männer in Deutschland, die ungewollt kinderlos sind. Lange Zeit hat sie gelitten, wenn ihr Schwangere oder junge Familien begegneten. Sie erzählt:

„Ich bin mit dem Satz aufgewachsen, dass ich alles schaffen kann, wenn ich mich nur genug anstrenge […] Das ist die Krux […]: Man probiert immer mehr aus, weit über die eigenen körperlichen, aber vor allem auch über die seelischen Grenzen hinweg. […]

Es hat Jahre gedauert, bis ich merkte, dass beim unerfüllten Kinderwunsch jegliche Anstrengung nicht hilfreich ist. Weil es ein Stück weit nicht in unserer menschlichen Macht steht, ob ein Kind kommt oder nicht – trotz allem, was wir medizinisch in unserem Land können.[…] Zu erkennen, dass ich keine Schuld trage, sondern anzuerkennen, dass es nicht sein soll und ich trotzdem glücklich leben darf, hat mich am Ende gerettet. Aber das war ein langer Weg.“

Franziska Ferber, Ungewollt kinderlos

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30549
23MRZ2020
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140 deutsche Städte aus dem Bündnis „sicherer Häfen“ sind bereit, sofort 500 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus dem Krisengebiet an der griechisch-türkischen Grenze bei sich aufzunehmen. Rottenburg am Neckar ist eine von ihnen und der dortige Baubürgermeister Thomas Weigel hat sich die Situation in den Flüchtlingslagern angeschaut. Er erzählt:

„Was ich [..] im Lager Moria auf Lesbos gesehen haben, spottet jeder Beschreibung. Alles für was Europa steht, wird hier mit Füßen getreten und wir müssen dringend diese Situation beenden. […] Es ist für mich ein Zeichen der kommunalen Verbundenheit, auch für die Einwohner der Insel Lesbos, dass wir bereit sind, das Unsere dazu beizutragen diese Situation zu verbessern und einen Teil – insbesondere der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge bei uns aufzunehmen“

Thomas Weigel, Rottenburg bietet Hilfe an

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22MRZ2020
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Heute ist Sonntag! Nach christlicher Auffassung ist er nicht der letzte, sondern der erste Tag der Woche. Was den Unterschied ausmacht? Die Theologin Susanne Breit-Keßler sieht es so:

„Der Sonntag steht nicht als Belohnung am Ende einer betriebsamen Woche. Er ist der Start in die Woche: das ist ein Sinnbild dafür, dass der Mensch weitaus mehr ist als alles, was er zu leisten vermag. […]

[Sonntag als der erste Tag der Woche, das] schärft das Bewusstsein, sich Erholung, Muße und vor allem den Wert der eigenen Person nicht erwerben zu müssen. Erst kommt die sonntägliche genussvolle Zusage, unabhängig von allen Erfolgen ein wertvoller Mensch zu sein, dann die wöchentliche Leistung: So herum wird ein großartiges Lebensgefühl daraus.“

Susanne Breit-Keßler und Team, Der erste Tag der neuen Woche

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30547