Manuskripte

SWR3 Worte

23NOV2019
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Morgen ist Ewigkeitssonntag. Ein Tag, um an die Lieben zu denken, die vor uns gegangen sind. Ein Tag der Tränen, aber manchmal auch des Lachen. Der Dichter Joachim Ringelnatz sagt dazu:

Der du meine Wege mit mir gehst,
jede Laune meiner Wimper spürst
meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst - - .

Weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?

Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
und in fremden Kleidern dir begegnen
und dich segnen.

Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!

Vom Anfang im Ende. Ein Trostbuch für Tage in Moll, Andere Zeiten e.V.

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22NOV2019
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Sie war eine widerspenstige und widerständige Theologin. Dorothee Sölle. Im Beten hat sie die Kraft dazu gefunden. Sie schreibt:

Beten bedeutet, nicht zu verzweifeln. Beten ist Widerspruch gegen den Tod. Es bedeutet sich zu sammeln, nachzudenken, Klarheit zu gewinnen, wohin wir eigentlich leben, was wir mit unserem Leben wollen;
Gedächtnis zu haben und darin Gott ähnlich zu werden;
Wünsche zu haben für uns und unsere Kinder;
die Wünsche laut und leise, zusammen und allein zu äußern und darin immer mehr dem Menschen ähnlich zu werden, als der wir gemeint waren.

Dorothee Sölle, antwort auf die frage der linken freunde warum wir beten

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21NOV2019
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Margarete Stokowski schreibt als Feministin. Sie schreibt dagegen an, dass Menschen diskriminiert werden, nur weil sie anders sind. Dafür hat sie jetzt den Tucholsky-Preis erhalten, sie sagt:

Wegen konkreter Drohungen hatte ich mal eine Sicherheitsberatung beim LKA. Ich bekam da den Tipp, abends im Dunkeln nicht allein unterwegs zu sein. Und wenn doch, eine Taschenlampe mitzunehmen. Und wenn mir etwas komisch vorkommt, die Polizei zu rufen.

Ja. Mir kommt etwas komisch vor. Taschenlampe gegen Nazis, ich fürchte, das funktioniert nicht. Das ist nicht der Antifaschismus, den ich mir vom Staat wünsche. Was funktionieren würde, wäre Abschreckung, weil Täter ermittelt und bestraft werden.

https://taz.de/Tucholsky-Preis-fuer-Margarete-Stokowski/!5639020/?fbclid=IwAR0D1lmBaxIzprnpZOC13ZsSD9YsddM6NwL_aXkII_4scuconq5uq2lo

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20NOV2019
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Buß und Bettag. Ein Tag wie gemacht, um zu spüren, wie perfekt unperfekt ich bin. Dazu ein jüdisches Gebet zum Versöhnungstag von Rabbiner Lewis Kamrass aus Cincinnati:

Was für eine außergewöhnliche Gabe, welch ein Segen und welch ein Wunder ist es, erzogen worden zu sein von unperfekten Eltern, die ihr Bestes gegeben haben; das Leben mit einem Partner zu teilen, der nicht fehlerhafter ist als wir selbst, jemanden zu seinen Freunden zu zählen, der uns meistens versteht und akzeptiert.

In dieser Nacht entscheiden wir uns für den Weg der Versöhnung, denen zu vergeben, die daran gescheitert sind so zu sein, wie wir uns erhofft haben; uns selbst zu vergeben, wenn wir es nicht geschafft haben, so zu sein wie andere es sich erhofft haben.

PLUS Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext zur Perikopenreihe 1

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19NOV2019
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Wer Hartz4 empfängt, unterliegt strengen Regeln. Wer dagegen verstößt, wird bestraft. Vor zwei Wochen hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass diese Sanktionen weitgehend gegen die Verfassung verstoßen. Eine junge Frau erzählt:

Ich hab die Schule geschmissen. Ich konnte da nicht mehr hin. Wurde gemobbt in der Klasse und habe gemerkt, dass ich immer weiter in eine Depression hinein rutsche.

Dann wurde ich auch noch krank. Ich konnte gar nichts mehr, nicht mal zum Arzt gehen. Um mich zu beruhigen, habe ich mir Kopfhörer aufgesetzt und Musik gehört, das hat ein bisschen geholfen.

Dann haben Sie gesagt, ich wäre nicht zuhause gewesen, als man versuchte, mich aufzusuchen. Aber ich war da, ich hab nur die Klingel nicht gehört. Und dann bekam ich 100 % Sanktion. Das war die Hölle nicht nur für mich, sondern für meine ganze Familie. Ich habe das so verstanden, dass mir gesagt wurde: du bist keinen Cent wert. Auch wenn du einfach krank bist. Gut, dass so etwas jetzt niemand mehr passieren kann!

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18NOV2019
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Manchmal, besonders am Montag hilft nur ein Stoßgebet. Eins wie dieses, von wem auch immer es stammt:

Lieber Gott;
Bis jetzt geht’s mir gut
Ich habe noch nicht getratscht,
die Beherrschung verloren, war noch nicht muffelig,
gehässig, egoistisch oder zügellos.

Ich habe noch nicht gejammert,
geklagt, geflucht oder Schokolade gegessen.
Die Kreditkarte habe ich auch noch nicht belastet.
Aber in etwa einer Minute werde ich aus dem Bett klettern
und dann brauche ich wirklich deine Hilfe.

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17NOV2019
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Sonntag mitten in der Friedensdekade, dazu ein Denkanstoß des Theologen Wilhelm Gräb:

Als ich vor einigen Wochen in einem der vielen Kommentare zur ‚Flüchtlingskrise‘ las, dass nichts die gegen den ‚Westen‘ kämpfenden Islamisten so sehr verunsichert habe wie die Willkommenskultur, die die deutsche Bundeskanzlerin im August [2015] auszulösen verstanden habe, da dachte ich, ja, das ist wahr.

Dem IS und AL Quaida und all den anderen islamistischen Gewalttätern drohte das Feindbild abhanden zu kommen. Es ist meine tiefste Überzeugung, dass das Ideal der Feindesliebe gerade kein weltfremdes Hirngespinst darstellt, sondern aus der völlig rationalen Überlegung geboren ist, dass anders die Gewaltspiralen in der Welt nicht zu durchbrechen sind.

PLUS Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext zur Perikopenreihe 1

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