Manuskripte

SWR3 Worte

Es braucht nicht viel, um sich als Mensch wahrgenommen zu fühlen. Der Reporter Jochen Metzger hat diese wohltuende Erfahrung gemacht. Er erzählt:

„Manchmal begegnet man im Alltag einem Augenpaar und oft schaut man dann schnell wieder weg. Doch dann gibt es auch die andere Situation: Der andere schaut nicht weg, sondern erwidert den Blick. Man zählt die Sekunden: einundzwanzig, zweiundzwanzig – und auf einmal kommt ein Lächeln dazu, ein Lächeln aus den Augen. … Tja, und dann habe ich das Gefühl, dass die anderen den Menschen in mir sehen.“

Jochen Metzger, Auf der Suche nach einem anderen Leben .In: Für Sie. Zeit für mich, Nr. 19/2014

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Am Ende des Lebens den Freitod wählen? Das ist eine herausfordernde Frage! Der Schauspieler Bruno Ganz sagt dazu:

Menschen reisen zum Sterben in die Schweiz - das hat für mich einen durchaus touristischen Aspekt. Ich kann einerseits nichts dagegen sagen, wenn es jemand nicht mehr aushält, wenn er sterben will. Ich denke, es muss möglich und erlaubt sein, dass solchen Menschen geholfen wird. […]

Ich bin da aber gespalten und ambivalent, denn andererseits ist immer noch viel christliche Erziehung in mir, die das ablehnt. Und eine Scheu, deren Ursprung mir verborgen ist, wehrt sich auch dagegen. […] Wir leben in Großstädten, entfernen uns von der Natur, werden virtuell, schaffen Gott ab. Es ist sehr selbstherrlich, dass wir glauben, wir könnten alles kontrollieren, bestimmen und beherrschen.

Bruno Ganz, Das besondere Gespräch: Ich laufe gern. Aber nicht über rote Teppiche. In: Brigitte Woman. Heft 2/2011.

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Als Generalsekretär des Europarates verfolgt und analysiert Thorbjørn Jagland Entwicklungen in Europa sehr genau. Er sagt:

„Europa ist von einer neuen und gefährlichen terroristischen Bedrohung gepackt. […] An deren vorderster Front steht eine Gruppe, deren Mitglieder sich selbst als ‚Islamischen Staat‘ bezeichnen.
Aber sie sind kein Staat, […] und sie sind auch nicht islamisch – das kann gar nicht häufig genug gesagt werden.
Die hasserfüllten und blutrünstigen Taten dieser Organisation finden keine Rechtfertigung im Koran […]. Mit ihrer Brutalität beleidigen und kränken sie Millionen von friedliebenden Muslimen […].
Wir haben die Pflicht, es immer wieder ganz klar auszusprechen: Terror hat keine Religion.“

Thorbjørn Jagland, Titel: Preface
In: Council of Europe: Compilation of Council of Europe standards relating to the principles of freedom of thought, conscience and religion and links to other human rights. Adopted by Steering Committee for Human Rights (CDDH) on 19 June 2015

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Der Schweitzer Theologe und Autor Pierre Stutz lacht gern und weiß auch warum. Er erzählt:

„Ich kenne zum Glück viele Momente in meinem Leben, in denen mein herzhaftes Lachen mich verwandelt hat.
Was gibt es Befreienderes als durch ein Lachen von seiner Müdigkeit, seinem Blockiertsein und seinem Gefangensein in sich selber, erlöst zu werden?
Welche Wohltat breitet sich für mich selber und für meine Mitmenschen aus, wenn ich über mich selber lachen kann!
Herzhaft lachen können, nährt meine Hoffnung und mein Vertrauen in das Leben.“

Pierre Stutz. In: Lächle dem Leben zu. Eine Ermutigung.

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Seit alters her lädt der Wonnemonat Mai dazu ein, die Natur und die Schöpfung zu genießen. Die Lyrikerin Rose Ausländer empfindet es so:

„Mit Maiglöckchen läutet das junge Jahr seinen Duft.
[…] Bäume erfinden wieder ihr Laub […]

Wolken umarmen die Erde mit silbernem Wasser,
da wächst alles besser.

Schön ists im Heu zu träumen
Dem Glück der Vögel zu lauschen.

Es ist an der Zeit sich zu freuen
An atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder

Ja, es ist Zeit sich zu öffnen,
allen ein Freund zu sein,
das Leben zu rühmen.“

Rose Ausländer, Mai II. In: Frühlingsgedichte, ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell.

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Pfingsten feiern die Christen den Heiligen Geist. Die Schriftstellerin Christina Brudereck vergleicht seine Wirkmacht mit Pippi Langstrumpf und erzählt:

„Ich persönlich stelle mir die Heilige Geistkraft am liebsten vor als eine Pippi Langstrumpf. Wenn ich verzagt bin, allzu angepasst oder mich klein fühle, schickt sie diesen „Annika-Seiten“ in mir Besuch von nebenan vorbei.
Sie ist die Nachbarin aus der Villa Kunterbunt, die mich in eine andere Welt lockt. Sie ist die Stimme, die mich ermutigt, meine Stimme zu nutzen. Die mich auffordert, beherzt zu sein. Die mich mitreißt, die Welt zu verändern, zu beschenken und neu zu sehen. […] Sie ist die Kraft, die ich nie beweisen könnte, die mich aber trägt. Und sie singt: Das Leben ist zum Glück- und Seligsein. Brüderlein, Schwesterlein, komm, tanz mit mir.[…] Unter meinen roten Zöpfen hab ich einen Heiligenschein. Komm, ich küss Dein Herz gesund.“

Christina Brudereck,  Hoffnung für müde Herzen. In: Andere Zeiten, Magazin zum Kirchenjahr

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Paulus Terwitte, Vorsteher des Frankfurter Kapuzinerklosters, liebt das Pfingstfest. Er erzählt:

„Weihnachten denken wir an das Jesuskind, Ostern an den auferstandenen Jesus. Aber Pfingsten?
Kein Bild von Gott. Wie sympathisch. Denn Pfingsten bewegt: ein mitfühlender Geist; Kraft, die im Innersten wirkt. […] Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen […] und entzünde […] das Feuer Deiner Liebe – so beten Christen seit Jahrtausenden.

Dieser Ruf ist bitternötig. Denn das innere Feuer […] erlischt leicht. Es droht zu ersticken in den Strukturen des Alltags, in den Regeln und Abmachungen, die wir Menschen wohl brauchen. […]
Pfingsten bringt eine Kraft, die den inneren Antrieb steuert und zur Tat antreibt. Deshalb liebe ich dieses Fest.“

Paul Terwitte, Vom Geist Gottes beatmet. In: Andere Zeiten, Magazin zum Kirchenjahr

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