Manuskripte

SWR3 Worte

Hape Kerkeling hat in Jerusalem den Garten Gethsemane besucht. Es ist der Ort, an dem Jesus vor seiner Verhaftung, die ihn zum Tod am Kreuz führte, mit seinen Jüngern zusammen war. Über seinen Besuch berichtet Kerkeling:

„Eigentlich bin ich jemand, der heilige Stätten oder sogenannten spirituellen Orten eher skeptisch gegenübertritt, da diese Plätze meist nur das sind, was Menschen unbedingt in ihnen sehen wollen. Aber dieser Garten ist ganz anders als alles, was ich bisher an Vergleichbarem sehen durfte. Er besitzt so etwas wie eine eigenständige Wirksamkeit. […] Das karge Wäldchen durchströmt spürbar eine liebevolle Kraft, der ich mich, selbst wenn ich es wollte, nicht erwehren kann. […] Tatsächlich empfinde ich es als eine Art Gnade, meinen Fuß in dieses gut bewachte Heiligtum setzen zu dürfen.“

Hape Kerkeling, Haben Sie es gespürt?

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Wenn es mehrere Religionen gibt, sind dann manche falsch und andere richtig? Der Theologe und  Religionswissenschaftler Stefan Schreiner sagte hierzu:

„Richtig oder falsch sind falsche Kategorien, wenn es um religiöse Aussagen geht. Vielmehr finde ich, sollte man heute wieder daran erinnern, dass nicht die eine Religion richtig und alle anderen falsch sind, sondern dass sie verschieden sind. Einen religiösen Satz kann man weder positiv beweisen noch negativ widerlegen. Es sind subjektive Aussagen, die für diejenigen, die sie formulieren, wahr sind. […]

Wir müssen uns erinnern, dass jede religiöse Aussage ein Versuch einer Welterklärung ist, ein Deutungsmodell, mit dem man leben kann. Mehrere Deutungsmodelle stehen nebeneinander und keines kann für sich in Anspruch nehmen, die ganze Wirklichkeit abzubilden.“

Peter Schreiner im Interview mit „Welt und Umwelt der Bibel“

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Der Anthropologe Carel van Schaik und der Wissenschaftsjournalist Kai Michel lesen die Bibel als Tagebuch der Menschheit und stellen fest:

„In kaum einem Punkt sind sowohl das Alte als auch das Neue Testament so deutlich wie in der Kritik an Ungleichheit, Reichtum und Tyrannei. Da protestiert unsere egalitär veranlagte menschliche Natur, die sich während eines fast zwei Millionen Jahre langen Daseins als Jäger und Sammler entwickelte. Deshalb fasziniert auch eine Figur wie Jesus noch heute: Er steht bedingungslos aufseiten der Armen und Schwachen.“

Carel von Schaik, Kai Michel, Die wahre Bedeutung der Bibel. In: GEO 1/2018

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Die Philosophin Rebekka Reinhard denkt über die Bedeutung von Zahlen nach:

„Wenn ich mich in der Welt umschaue, stelle ich fest: […] Zahlenwerte bestimmen mehr denn je unseren Alltag. So gut wie alles, was irgendwie wertvoll erscheinen soll, hat eine Nummer:
33 Facebook-Likes, 98 Tinder-Matches, 387266 Goolge-Treffer. Was bringt was? […] Erfolg natürlich, […] Attraktivität, Status und Gewinn! Der Erfolg 4.0 muss ins Raster der Zahlen passen. Hautsache messbar […] und Algorithmen-freundlich. Selbst, was sich nicht messen lässt, ein gutes Argument, eine schöne Idee, wird in Rankings […] gepresst. […]

Wir haben uns angewöhnt, zwei Dinge zu verwechseln – den Erfolg und das gute, gelungene Leben. Wonach wir uns sehen, ist das, was die griechischen Philosophen einst „eudaimonia“ nannten: eine glückliche, sinnvolle Existenz. Doch die finden wir nicht in Zahlen.“

Rebekka Reinhard, Das wir den Wert vom Guten und Schönen schätzen. In: freundin, 6/2018

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Die Kirchbänke sind umgebaut. Immer zwei sind zueinander gedreht und mit einem Tisch dazwischen versehen, kann man herrlich daran essen. So sieht es zurzeit in der Esslinger Vesperkirche aus. Beate Latendorf ist eine der Ehrenamtlichen und erzählt:

„Die Vesperkirche ist gelebte Solidarität in einer Gesellschaft, die immer mehr ausein­anderdriftet. Sie ist für mich ein Ort, an dem Menschen in Tischgemeinschaften zusammenkommen, die sich sonst nicht begegnen würden. Besonders schätze ich das gute Miteinander im Team. Es trägt dazu bei, dass sich die Gäste bei uns in der Frauenkirche wohlfühlen und sich mit ihren Bedürfnissen angenommen fühlen. Aussagen wie die […]einer alleinerziehenden Mutter „Vesperkirche ist wie drei Wochen Urlaub“ spornen mich immer wieder an, mein Bestes zu geben, und zeigen mir, dass sich unser Engagement lohnt.“

Beate Latendorf, In: Jubiläumszeitung, 10 Jahre Vesperkirche Esslingen Frauenkirche
http://www.vesperkirchen-landkreis-esslingen.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/E_vesperkirchen_lkesslingen/Diakonie_Vesperkirche_JubiZtg_6s_end_ES_screen_2___1_.pdf

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Genau 411 Jahre ist es heute her, dass der Liederdichter Paul Gerhard geboren wurde. Er hat die schwere Zeit des 30-jährigen Krieges erlebt. In der Natur, in der er Gottes gute Schöpfung sieht, fand er Trost und Lust. Eines seiner bekanntesten Lieder ist „Geh aus meiner Herz und suche Freud“, hier schreibt er:

„Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide;
Narzissen und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen“

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Die 25jährige Hanna Buiting lebt wie viele ihrer Freunde nicht mehr in der Stadt ihrer Kindheit. Deshalb setzt sie auf Wahlverwandtschaft. Sie erzählt:

Wir erwarten ein Baby. Nicht unser eigenes, sondern das unserer Freunde. Seit einer Woche sind wir in Rufbereitschaft, denn die Herkunftsfamilien unserer Freunde leben hunderte Kilometer entfernt. […]

Wenn unsere Freunde ins Krankenhaus fahren, um ihr zweites Kind zur Welt zu bringen, dann werden wir auf ihre erstgeborene Tochter Acht geben […]. Das ist eine Tatsache, die unsere Freundschaft verändert. […] Unsere Bindung geht nun übers Biertrinken, Yogamatte-Teilen und gelegentliche Telefonate hinaus. Wir […] sorgen uns umeinander und halten zueinander. […]

Wir sind da, als Freunde und Wahlverwandte. So Gott will, allezeit – und wenn jetzt das Telefon klingelt mit der Nachricht,  ‚Das Baby kommt!‘, dann sowieso.“

Hanna Buiting, Wahlverwandte
http://www.evangelisch.de/blogs/vom-sehnen-und-suchen/148856/26-02-2018?kamp=b-009

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