Manuskripte

SWR3 Worte

Wie kann man Gespräche so führen, dass sie für Andere hilfreich sind? Eine Mitarbeiterin der Stuttgarter-Telefonseelorge nimmt sich bei jedem neuen Anruf vor:

„Lass mich in Deinen Schuhen stehen und die Welt mit Deinen Augen sehen. […] Ganz offen - ohne Vorbehalt - schau ich mir Dein Leben an.

Ich höre Dir zu, so gut ich kann. […]

Und wenn ich Dich dann vielleicht versteh’ […], kann ich Deine Gefühle nachempfinden und sie zusammen mit Dir ergründen.

Vielleicht kehren sie dann zurück in Dein Leben
und können Dir auf Deine Fragen Antwort geben.“

Lass mich in Deinen Schuhen stehen
In: Empathie. Jahresbericht der TelefonSeelsorge Stuttgart e.V. für das Jahr 2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23532

Der Journalist und Autor Uwe von Seltmann hat viel darüber nachgedacht, dass sein Großvater als SS-Mann an der Niederschlagung des Warschauer Ghettos aktiv beteiligt war. Wenn er darüber spricht, melden sich dazu auch andere zu Wort. Er erzählt:

"Wenn ich rede, beginnen plötzlich auch andere zu reden - Enkel, die wissen wollen, was ihre Großmütter und Großväter getan haben, Söhne und Töchter, die sich für die Taten ihrer Mütter und Väter schämen und mit ihren Schuldgefühlen nicht fertig werden. Eines ist für mich klar: Moralische Schuld vererbt sich nicht, aber die psychischen, moralischen und sozialen Folgen ihres Beschweigens beschädigen noch die folgenden Generationen. […] Die Vergangenheit wirft ihre Schatten bis in die Gegenwart, sie wirkt in uns weiter, erst recht, wenn wir versuchen, sie zu verdrängen und zu verschweigen."

Uwe von Seltmann
D
ie Schatten der Vergangenheit, in: Claudia Brunner, Uwe von Seltmann: Schweigen die Täter, reden die Enkel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23531

Heute vor 27 Jahren wurden die Gesetze zur Rassentrennung in Südafrika aufgehoben und der Apartheid eine Ende gesetzt. Dafür hat Nelson Mandela sein Leben lang gekämpft. In seiner Autobiographie schreibt er:

„Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden. [...]

Erst als ich zu begreifen begann, daß meine jugendliche Freiheit eine Illusion war, und ich entdeckte, daß meine Freiheit mir längst genommen war, begann ich nach ihr zu hungern. [...]

Ich wußte so gut, wie ich nur irgendetwas wußte, dass der Unterdrücker genauso befreit werden musste wie der Unterdrückte. Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses, er ist eingesperrt hinter den Gittern von Vorurteil und Engstirnigkeit.“

Nelson Mandela
In: Der lange Weg zur Freiheit. Autobiographie.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23530

Wenn es ganz dicke kommt - worauf soll man vertrauen? Der Kabarettist Hanns-Dieter Hüsch meint:

"Ich setze auf die Liebe,
wenn Sturm mich in die Knie zwingt und […]
ein dunkler Abend mir die Sinne trübt. […]

Ich setze auf die Liebe,
das ist das Thema, den Hass aus der Welt zu vertreiben. […]

Die einen sagen, es läge am Geld.
die anderen sagen, es wäre die Welt, sie läg' in den falschen Händen.

Jeder weiß es besser, woran es liegt, doch es hat noch niemand den Hass besiegt, ohne ihn selbst zu beenden.Er kann mir sagen, was er will […] und mir erklären, was er muss:
Aber ich setze auf die Liebe! Schluss!“

Hans-Dieter Hüsch
Ich setze auf die Liebe, In: Hans-Dieter Hüsch: Das Schwere leicht gesagt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23529

Maria, Sina, Susan und Andreas sind in der 11. Klasse und haben ein modernes Glaubensbekenntnis formuliert:

"Wir glauben an den Einen,
den oft Kopierten - doch nie erreichten.
Der Wachende der ganzen Welt über alle Geschöpfe.
Sehen kann man ihn nicht.
Er ist der Rückhalt der sozialen Sicherung.
Die Stimme aller Stummen und die Augen der Blinden.“

Maria, Sina,Susan und Andreas (Nachnamen unbekannt)
In: Dieterich, Veit-Jakobus: Theologisieren mit Jugendlichen, in: Anton A. Bucher u.a. (Hg.): "Man kann Gott alles erzählen, auch kleine Geheimnisse". Kinder erfahren und gestalten Spiritualität.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23528

Wie kann ich andere trösten? Auf diese Frage antwortet die Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast: Wenn mir ein Mensch, der seinen Partner verloren hat, erzählt, wo er mit ihm zum letzten Mal war, frage ich nach: "Erzähl doch mal! Wie war denn das, als ihr dort gewesen seid?" Und dann höre ich zu!

In Verlustsituationen und Trauerprozessen hilft es am meisten, wenn man einen Menschen hat, der einen in den Arm nimmt und zuhören kann. Dem man sagen kann, wie verlassen man sich fühlt, welche ungeheure Angst oder wahnsinnige Wut man hat. Sich Zeit nehmen, das ist die Aufgabe der Tröstenden!

Verena Kast
"Wenn das Essen warm ist und gut richt." In: Zeitschrift: Brigitte woman. Das Magazin für Frauen über 40. SH 1/2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23527

In fast 50 Gemeinden finden sie in diesem Winter im SWR-3-Land statt: die Vesperkirchen. Kirchen öffnen ihre Türen und laden zu einem bezahlbaren, warmen Essen in freundlicher Atmosphäre ein.
Jennifer Erber, Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen, hat eine Woche lang unentgeltlich bei der Essensausgabe geholfen. Sie sagt:

„Wir leben in einem reichen Land. Zu sehen, wie viele Menschen doch hilfsbedürftig sind, das ist erschreckend. Gerade die Altersarmut ist besonders auffallend, davon hatte ich bisher keine Vorstellung.

In dieser Woche habe ich immer wieder versucht, mich in die Menschen hineinzuversetzen und habe gemerkt, wenn man das versucht, dann reagiert man deutlich gelassener. Ich denke, diese Erfahrung werde ich gut auf meinen beruflichen Alltag übertragen können“.

Jennifer Erber
Titel: Monika Johna: Blickrichtung gewechselt, neue Erkenntnis gewonnen.
http://www.vesperkirche.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_vesperkirche_stuttgart/Ausgabe2016_02_web.pdf

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23526