Manuskripte

SWR3 Worte

Der Schweizer Philosoph Peter Bieri macht sich Gedanken zum Zeit verschwenden: 

Wer möchte im Ernst unsterblich sein? Wer möchte bis in alle Ewigkeit leben? Wie langweilig und schal es sein müsste zu wissen: Es spielt keine Rolle, was heute passiert (…) Es kommen noch unendlich viele Tage, Monate Jahre. (…) Würde, wenn es so wäre, noch irgend etwas zählen? 

Wir bräuchten nicht mehr mit der Zeit zu rechnen, könnten nichts verpassen, müssten uns nicht beeilen. Es wäre gleichgültig, ob wir etwas heute tun oder morgen, vollkommen gleichgültig. (…) 

Nicht einmal in den Tag hinein leben könnten wir, denn dieses Glück zehrt vom Bewusstsein der verrinnenden Zeit. (…) Wenn immer und überall Zeit für alles und jedes ist: Wo sollte da noch Raum sein für die Freude an Zeitverschwendung?

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Heute ist Freitag der 13. „Missachte das Unglück“, sagt der Schriftsteller Peter Handke. Und weiter: 

Vermeide Hintergedanken. (…) Sei weich und stark. Sei schlau, lass dich ein und verachte den Sieg. Beobachte nicht, prüfe nicht, sondern bleib geistesgegenwärtig bereit für die Zeichen. Sei erschütterbar. (…) Scheitere ruhig. (…) 

Überhör keinen Baum und kein Wasser. Kehr ein, wo du Lust hast, und gönn dir die Sonne. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus ins Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück (…).

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Die Bärenraupe - eine Geschichte des Dichters Rudolf Otto Wiemer: 

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. (…) Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist. Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds. 

Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber. Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. 

Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen. Zwanzig Autos in einer Minute. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster. Ein Schlepper. (…) Geht los und geht und geht und kommt an.

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Der Kabarettist Kai Magnus Sting zum Thema Glauben: 

Es kann mir keiner sagen, dass er an nix glaubt. Gewagte These - aber das ist meine Meinung. Selbst wenn Du an nix glaubst, glaubste was.

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Ein Zitat aus dem Buch „Dienstags bei Morrie“ von Mitch Albom: 

Wenn du versuchst anzugeben, um die Leute an der Spitze zu beeindrucken, dann vergiss es. Sie werden sowieso auf dich herabschauen. Und wenn du versuchst, die Leute, die unter dir stehen, zu beeindrucken, dann vergiss es. Sie werden dich nur beneiden. Gesellschaftlicher Status wird dich nicht weiterbringen. Nur ein offenes Herz wird es dir ermöglichen, wirklich Kontakt zu anderen Menschen zu finden.

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Der Pfarrer Lambert Schuster hat im Jahr 1883 ein Gebet fürs neue Jahr geschrieben - hintersinnig und witzig:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden. 

Lasse die Leute kein falsches Geld machen und auch das Geld keine falschen Leute. (…) 

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde. 

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind. (…) 

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen aber nicht sofort.

 

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Der Wissenschaftsjournalist Stefan Klein hat das Buch geschrieben „Der Sinn des Gebens“. Darin kommt er zu folgendem Schluss: 

Fragwürdig erscheint (…)die verbreitete Vorstellung, dass jeder (Mensch) sein Schicksal selbst in die Hand nehmen soll. (…) (Es) gilt, die Menschen in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit zu bestärken. Die Zeit des einsamen Cowboys ist abgelaufen. Denn je mehr Menschen einander brauchen – und sich ihre Bedürftigkeit eingestehen – umso eher sind sie zum Teilen und zur gegenseitigen Hilfe bereit.

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