Manuskripte

SWR3 Worte

Weihnachtsgedicht von Bertolt Brecht

Die Nacht ihrer ersten Geburt war
Kalt gewesen.
In späteren Jahren aber
vergaß sie gänzlich
den Frost in den Kummerbalken und den rauchenden Ofen…
Aber vor allem vergaß sie die bittere Scham
nicht allein zu sein
die dem Armen eigen ist.
Hauptsächlich deshalb
ward es in späteren Jahren zum Fest, bei dem
alles dabei war.
Das rohe Geschwätz der Hirten verstummte.
Später wurden aus ihnen Könige in der Geschichte…
Alles dies kam vom Gesicht ihres Sohnes, der leicht war,
Gesang liebte
Arme zu sich lud
Und die Gewohnheit hatte,
unter Königen zu leben
Und einen Stern über sich zu sehen zur Nachtzeit.

Aus: http://frech-fromm-frau.blogspot.de/2011/12/weihnachten-geburt-jenseits-jeder.html

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David Grabow ist es gegangen wie dem Josef in der Weihnachtsgeschichte. Sein Kind ist auch nicht von ihm. Er erzählt:

Plötzlich musste alles sehr schnell gehen. “Wir holen das Kind jetzt. Die Sauerstoffversorgung reicht nicht mehr aus….“

Jetzt ist alles vorbei, dachte ich. Das ist nun die Strafe dafür, dass wir der Natur ins Handwerk pfuschen wollten. …Sie sind unfruchtbar,  .. war die Diagnose. Weil meine Frau so drängte, hatte ich einer Samenspende zugestimmt.  Werde ich das Kind lieben können wie mein eigenes? Eine Viertelstunde später. Über dem Sichtschutz vor dem Bauch meiner Frau wird ein kleines zappelndes Menschlein hochgehalten. Dann darf ich mit dem Kind für einen Moment alleine sein.

Wir schauen uns an. Die Zeit steht still- und all meine Fragen sind beantwortet. Ich danke Gott und bete zum ersten Mal in meinem Leben ohne einen störenden Gedanken.

Aus: Der Andere Advent 2014/15, andere Zeiten e.V.

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Segen zum Frieden, von Hanns Dieter Hüsch

Im Übrigen meine ich, Gott, der Herr, Rufe in uns alle guten Dinge und Gedanken… in Herz und Hirn und Leib und Seele wieder wach. …

Das freundliche Wort und den guten Blick, die einfache Weise, miteinander umzugehen,
als wäre jeder ein Stück vom anderen und ohne den einen gar nicht möglich.

Und nehme von uns die dunklen Gedanken des Herrschens und des Kriechens und das Rechthaben und alle Besserwisserei.

Gott der Herr mache uns wieder anfällig

Für seine Geschichte, die nicht von dieser Welt ist, und uns doch tröstet, hoffen lässt, Mut macht.

Frohgemut macht.

 Licht in der Finsternis, Texte zur Weihnachtszeit. Hrsg. Ursula Baltz- Otto

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In Worms- Rheindürkheim schreiben die Konfirmanden ihr  eigenes Glaubensbekenntnis. Das Glaubensbekenntnis von David Thiel und Leon Beutel geht so:

Ich glaube an Gott, unseren coolen Vater,
denn er beschützt uns, unterstützt uns, hält uns…

Er schickt Menschen, die uns helfen,
das heißt, dass wir alle Gehilfen von Gott werden können.
… Er ist in jedem barmherzigen Menschen.

Man kann sich leiten lassen von seinem Mitgefühl und auf ihn vertrauen,
denn mit seiner Hilfe ist das Leben leichter.
Weil wir keine Angst mehr haben müssen allein zu sein…

Gott vereint uns jeden Sonntag.
Ich glaube an die Kirche, die unserer Gemeinschaft Halt und einen Rückzugsort gibt.
So können wir gemeinsam neue Wege gehen.

Amen.

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Der Advent ist eine gute Zeit für Liebeserklärungen. Hier ist eine von der Schriftstellerin und Poetry Slamerin Christina Brudereck.

Ich hab dich wunderlieb
Ich hab dich herzensgern
Ich nenn dich erster Abendstern
Du strahlst weitfern
Wo kommst du plötzlich her
Was triffst du mich so sehr
Wie brauch ich dich noch mehr

Ich hab dich wunderlieb
Ich hab dich seelennah
Alle Zeit mit dir ist Jubeljahr
Ich hab dich wunderlieb
ich sehnsuch, finde und dann lieb ich dich.

Aus: Der Andere Advent 2014/15, andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr
Christina Brudereck zum 10.12.15

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Rot heißt Stopp!
Das sagt uns die Ampel, die rote Karte, der Fliegenpilz. Rot warnt. Stopp, bis hierher und nicht weiter.

Eva hat dieses Warnsignal vielleicht missachtet, als sie im Garten Eden die roten Äpfel  begehrte. Zur  Erinnerung an paradiesische Zeiten hängen sie heute an unseren Weihnachtsbäumen.

Und wie wäre es, das heimelige Weihnachtsrot der Äpfel, der Kerzen, der Pappsterne ernst zu nehmen?

Es zu deuten als das Feuer, das im Advent aufglüht. Achtung! Gott macht bald einen spektakulären Neuanfang! Rotwärts liegen Wärme, Leben und Liebe. Pulsiert das Blut.

Die Theologin Iris Macke
Aus: Der Andere Advent 2014/15, andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr

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Heute ist internationaler UNO Gedenktag der Migranten. Gerhard Trabert engagiert sich seit Jahren als Arzt für Obdachlose und Flüchtlinge. Im Sommer auf der Seawatch, um Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Nach seiner Rückkehr sagte er mir- tief bewegt:

Ich bin dorthin, um durch diese Aktion den Menschen ein Stück Würde zurückzugeben, weil ich die europäische Flüchtlingspolitik grade im Mittelmeer als würdelos empfinde.

Was ich erfahren habe, war, dass die Menschen mir Würde zurückgegeben haben. Durch die Begegnung, durch dieses direkte miteinander reden, sich in die Augen schauen, sich auch zu umarmen, haben sie mir eine Stück Würde zurückgegeben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23335