Manuskripte

SWR3 Worte

Ganz unter uns: Noch ist es nicht so weit.
Noch blüht kein Flieder hinterm Heckenzaune
Doch immerhin: ich hab ein neues Kleid,
bürofrei und ein bisschen Frühlingslaune.

Was hilft uns schon das ganze Trübsalblasen –
Da weiß ich mir ein bessres Instrument.
Ich pfeife drauf… Mich freut selbst kahler Rasen.
Und auf das Frohsein gibt es kein Patent.

Blau ist er Himmel wie im Bilderbuch.
Die Vögel zwitschern wie in Frühlingsträumen.
Herb mischt die Waldluft sich mit Erdgeruch
Und frühem Duft von knospig reifen Bäumen.

Die Sonne blickt schon ziemlich interessiert. 
Und wärmt beinah. – Doch während ich lobe,
verschwindet sie,von Wolken wegradiert.
Es scheint, sie scheint nur zur Probe.

Ganz unter uns: Noch kam der Lenz nicht an,
obgleich schon Dichter Frühlingslieder schrieben. -
Erst wenn man frei auf Bänken sitzen kann
Dann wird es Zeit, sich ernstlich zu verlieben…

Mascha Kaléko
Das große Osterbuch.

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Können Menschen sich verändern? Ja, sie können es. Mit Gottes Hilfe. Ein Gebet von Pfarrer Helge Adolphsen:

Gib mir Gott ein neues Herz, damit mein Sinnen sich löst von allem,
was mich bindet und fesselt; damit die Lust auf Neues sich stärker erweist als die Last, die ich mir selber bin; damit ich den Mut aufbringe, Ja zu sagen zu meinen Enttäuschungen und bitteren Erfahrungen und sie mitnehme auf meinen Weg in unbekannte neue Räume;

Gib mir Gott ein neues Herz, damit ich geduldiger und feinfühliger mit mir und anderen werde; damit ich die leisen Töne und die nicht gesagten Worte anderer Menschen wahrnehme;

Damit ich sicheren Schrittes, voller Erwartung und mit erhobenem Haupt über Schwellen gehen kann.
Gib mir ein neues Herz und einen mutigen Geist, damit ich jeden Tag neu anfangen kann mit dem Anfang.

Großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge. Edition chrismon 2016

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Gastfreundschaft ist in vielen Kulturen etwas Heiliges. Nicht nur, weil sie Fremden Schutz gewährt. Sie vermittelt auch ein Gefühl von der göttlichen Fülle des Lebens, wie der Theologe Fulbert Steffensky beschreibt:

„Die erste Form der Gastfreundschaft ist nötig, weil der Fremde gefährdet ist.
Die zweite hat ihre Schönheit gerade darin, dass sie eigentlich überflüssig ist.

Die Gäste könnten auch zu Hause essen, aber sie essen mit mir, und das macht mir und den anderen das Essen köstlicher.

Wer gastlich ist, kennt die Kunst der Verschwendung, er geizt weder mit sich noch mit seiner Habe.

Wie Geiz eine der hässlichsten Untugenden ist, ist Gastlichkeit eine der menschenwürdigen Schönheiten.

Sie kann bis zur Unvernunft gehen, aber es ist eine der schönsten Dummheiten, deren der Mensch fähig ist.“

ZUTATEN: Themenheft der evangelischen Kirche, 7 Wochen ohne

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Das Gastrecht orientiert sich schon immer am ???Menschsein?????, erzählt der katholische Theologe Fulbert Steffensky am Beispiel Albanien:

Albanien, ein kleines Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, wurde 1943 von den Deutschen besetzt. Damit waren die dort lebenden Juden und Jüdinnen in äußerster Lebensgefahr. Sie wurden von der muslimischen Bevölkerung versteckt, ernährt und schließlich bis auf eine Familie alle gerettet.

Die gefährdeten Gäste hatten ein Recht auf die Freundschaft der albanischen Familien. Besa heißt dies Recht. Es verpflichtet dazu, Menschen, gleich welcher Herkunft, in ihrer Not zu helfen und sie zu schützen, ohne Rücksicht auf die eigene Gefährdung.

Die Kinder jener Beschützer nennen den Grund für den Schutz der jüdischen Flüchtlinge. Eine Frau erklärt:

Unsere Eltern waren streng gläubige Muslime und glaubten wie wir auch, dass jedes Klopfen an der Tür ein Segen Gottes sei. Wir haben nie Geld von unseren jüdischen Gästen genommen. Alle Menschen kommen von Gott.

ZUTATEN: Themenheft der evangelischen Kirche, 7 Wochen ohne

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Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt die große segnende Kraft Gottes gibt.

Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln - Zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Marin Luther King jun.

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Auferstehung fühlt sich nie so an, als würde man hübsch sauber und fromm herausgeputzt, wie auf den Osterbildern.

Ich wäre nie bereit gewesen, für Gott zu arbeiten, wenn ich geglaubt hätte, Gott wäre daran interessiert, mich nett und hübsch oder auch nur gut zu machen… [Gott] wollte mich neu machen.

Neu sieht nicht immer perfekt aus. Neu ist oft chaotisch, wie die Ostergeschichte selbst. Neu sieht aus wie Alkoholiker auf Entzug.
Neu sieht aus wie Versöhnung zwischen Familienmitgliedern, die es eigentlich nicht verdienen. Neu sieht aus wie jedes Mal, wenn ich es schaffe, nicht zu erwähnen, dass ich recht habe. Neu sieht aus wie jeder Neuanfang und jeder Akt der Vergebung…

Gott greift immer wieder hinunter in den Dreck des Menschseins und lässt uns auferstehen aus den Gräbern, die wir uns selbst…gegraben haben.
Und immer wieder liebt uns Gott zurück ins Leben.

Nadja Bolz-Weber, Pfarrerin und Gründerin des House for all sinners and saints
Ich finde Gott in den Dingen, die mich wütend machen.

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Heute ist Ostern! Christen feiern heute die Auferstehung Jesu Christi. Der libanesische Dichter Khalil Gibran erzählt seiner Geliebten, wie sich das anfühlt:

Gestern, meine Geliebte,
stand ich allein in dieser Welt
und mein Alleinsein war erbarmungslos wie der Tod.

Doch heute erwachte meine Seele,
und ich sah dich an meiner Seite stehen.
Ich stand auf und ward beglückt…

Gestern schien die Berührung der Luft rauh zu sein,
und die Strahlen der Sonne wärmten nur schwach;
Nebel umhüllten das Antlitz der Erde…

Ich sah mich überall um, doch sah ich nichts als mein eigenes Leid,
das neben mir stand,
während die Schatten der Dunkelheit aufstiegen
und wie hungrige Geier über mich herfielen.

Heute erscheint mir die Natur in Licht gebadet
Und die Nebel sind verschwunden.
Gestern war ich ein tonloses Wort im Herzen der Nacht;
Heute bin ich ein Lied auf den Lippen der Zeit…

In einer Nacht, in einer Stunde,
in einem Augenblick der Zeit
stieg der Geist aus der Mitte des göttlichen Lichts herab
und blickte mich mit den Augen deines Herzens an.
Aus diesem Blick wurde die Liebe geboren.

Auferstehung. Das große Khalil Gibran Lesebuch

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