Manuskripte

SWR3 Worte

Morgen ist der erste Advent.
Wir werden Lichter anzünden gegen das Dunkel in der Welt und gegen die Angst davor. Worauf dabei gehofft werden darf, sagt ein Adventslied: 

„Das Volk, das noch im Finstern wandelt,
bald sieht es ein Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel Dein Gesicht,
und steh und lausche, weil Gott handelt.

Die Liebe geht nicht mehr verloren.
Das Unrecht stürzt in vollem Lauf.
Der Tod ist tot.
Das Volk jauchzt auf und ruft: ‚Uns ist ein Kind geboren.‘“

Jürgen Henkys (nach Jes. 9,1-6)
Das Volk, das noch im Finstern wandelt

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Für alle, die nach ihrer Work-Life-Balance suchen, eine Geschichte von Friederike Höher:

Ein Weiser wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen sein könne. Er sagte: „Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort: „Das tun wir doch auch, aber was machst Du darüber hinaus?“ Er antwortete: „Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Wieder sagen die anderen: „Das tun wir auch!“ er aber sagte: „Nein, das tut ihr nicht, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon; wenn ihr steht, dann geht ihr schon; Und wenn ihr geht, dann seid ihr schon am Ziel.“

Friederike Höher
In: Lila Blätter, Nr. 39, Juli 2009: Thema: Im Gleichgewicht bleiben. Balance Akte für ein gelingendes Leben. Magazin des Frauenreferates der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Der Vater des Schriftstellers Arno Geiger ist an Alzheimer erkrankt. Der Versuch, die Welt mit den Augen seines Vaters zu sehen, macht Arno Geiger das Zusammenleben leichter. Er erzählt:

"Eines Tages erkannte mein Vater sein eigenes Haus nicht mehr. [… Seit diesem Zeitpunkt trieb ihn eine tiefe Heimatlosigkeit umher. … Ich begriff:]  Wenn er sagte, dass er nach Hause gehe, richtete sich diese Absicht in Wahrheit nicht gegen den Ort, von dem er weg wollte, sondern gegen die Situation, in der er sich fremd und unglücklich fühlte. Gemeint war also nicht der Ort, sondern die Krankheit. […] Als Heilmittel gegen ein erschreckendes und für ihn nicht zu enträtselndes Leben bezeichnete mein Vater einen Ort, an dem Geborgenheit möglich sein würde, wenn er ihn erreichte. Diesen Ort des Trostes nannte er Zuhause, der Gläubige nennt ihn Himmelreich."

Arno Geiger
Der alte König in seinem Exil

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Jeden Morgen, auch heute, geht die Sonne auf und es wird wieder hell. Dietrich Bonhoeffer, ein Widerstandskämpfer im Dritten Reich, fühlte sich in diesem Rhythmus geborgen. Er meinte:

„Gott schuf Tag und Nacht, damit wir nicht im Grenzenlosen wandern, sondern am Morgen schon das Ziel des Abends vor uns sehen. Wie die alte Sonne doch täglich neu aufgeht, so ist auch die ewige Barmherzigkeit Gottes alle Morgen neu.“ (Klagelieder 3,23)

Dietrich Bonhoeffer
„Er weckt mich alle Morgen“ In: So will ich diese Tage mit euch leben. Dietrich Bonhoeffer Jahreslesebuch

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„Liebet Eure Feinde“ – das ist eine Provokation – besonders für jene, die beleidigt, bedroht oder verwundet worden sind. Jesus hat Feindesliebe eingefordert. Der Theologe Friedrich Schorlemmer versteht das so:

„Es geht um Überschreitung, um eine wunderbare Selbstüberschreitung. Ich werde leben können, wenn es mir gelingt, […] in ein anderes Verhältnis mit dem Feind zu treten. Deswegen werde ich den Feind nicht in einem emotionalen Sinn lieben können. Aber ich kann ihn achten, kann ihm seinen Feindcharakter nehmen und aufhören, ein menschliches Gegenüber auf das Feindsein zu reduzieren. […]
Feindesliebe, also Achtung des Lebensrechts des Gegners, ist die heilsame Unterbrechung unserer tödlichen Kreisläufe.“

Friedrich Schorlemmer
Selig sind die Verlierer. In: Friedrich Schorlemmer im Gespräch mit Meinhard Schmidt-Degenhard

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Welche Ziele lohnt es sich im Leben zu verfolgen?
Die Bibel bringt es auf den Punkt:

Besser wenig mit Gerechtigkeit als große Geschäfte ohne Recht.
Besser bescheiden mit Verachteten leben, als Diebesgut mit Hochnäsigen teilen.
Besser ein Gericht Gemüse mit Liebe, als ein gemästeter Ochse mit Hass.

Die Sprüche Salomos, Kapitel 16, 8 und 19 und Kapitel 15, 17.
Bibel in gerechter Sprache

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Heute ist Totensonntag oder auch Ewigkeitssonntag. Da denken viele an ihre Liebsten, die gestorben sind und sie fragen sich: Wie wird es sein in der Ewigkeit – nach dem Tod? Die evangelische Theologin Johanna Haberer sagt:

„Die Bibel spricht von einem anderem Leben nach dem Tod. Sie spricht davon in Bildern […] und die haben eines gemeinsam: Sie malen nicht das Bild einer nicht endenwollenden Jugend, faltenfrei und körpergestylt. Sondern sie lassen dem Leben seine Höhepunkte und seine Niederlagen, seine Länge, sein Recht und seine eigenen Erfahrungen. […] Wir werden die Erinnerungen, die Spuren und Narben unseres gelebten Lebens an uns tragen und zugleich werden wir dereinst bei Gott ganz andere sein, als wir jetzt sind – Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen.

Johanna Haberer
Es werden kommen die Tage. In: Andere Zeiten, Magazin zum Kirchenjahr, hrsg. von Andere Zeiten e.V., Initiative zum Kirchenjahr, Hamburg, Heft 3/2005

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