Manuskripte

SWR3 Worte

Morgen ist Totensonntag. Dabei geht es um die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Für den Theologen Thomas Kärst sieht diese Hoffnung so aus:  

Ich gehe nur selten auf den Friedhof. Doch wenn die Blätter fallen und die Tage gar nicht aus dem Dämmerlicht herauskommen, dann zieht es auch mich zu den Gräbern. An einem Novembertag schlendere ich langsam durch die Reihen. Zwischen schlichten Standardsteinen entdecke ich auch hübsche Details. Ein Holzkreuz. Einen anrührenden Engel. Eine bemooste Marmorsäule.
Ich lese die vielen Namen und Daten und reime mir die Schicksale dahinter zusammen.

Ein Friedhof bleibt ein Ort der Namen, auch wenn die goldgefassten Buchstaben verwittern. Und er ist ein stiller Garten.

So schließt sich der Kreis: Ein Garten stand am Anfang der Menschheit – der Garten Eden, das Paradies. In dieses Paradies, so die Botschaft unserer Friedhöfe, werden wir am Ende wieder hingehen. 

Gedanken von Thomas Kärst zum Totensonntag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20889

Worin die Kunst des Lebens besteht, beschreibt die Autorin Cornelia Elke Schray in einem Gedicht: 

An allen Tagen,

an denen die Sonne ihr Wolkenversteck nicht verlassen will und der Himmel weint,

bitte ich dich inständig:

Halte dich doch an Wunder.

Bleibe nicht auf dem Boden der traurigsten Tatsachen.

Schenke dem Spatz in der Hand seine Freiheit

Und mache aus der Mücke einen Elefanten des Glücks.

Immer wieder ist dein Leben eine leere Leinwand

Und wartet nur auf den Pinsel in deiner Hand.

Du kannst malen. 

Ein Gedicht von Cornelia Elke Schray.

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Viele Menschen sind täglich auf der Flucht, weil sie in ihrer Heimat verfolgt und unterdrückt werden. Nadja aus Teheran im Iran erzählt, welche Erfahrung sie in Deutschland gemacht hat:

Vor einiger Zeit habe ich eine Einladung zu einem Fest in der großen Kirche in Bremerhaven bekommen. Da saßen Moslems und Christen zusammen und haben ein Fest gefeiert. Bei uns zu Hause gibt es so etwas überhaupt nicht. Dort werden Christen unterdrückt. Diese offenen Menschen haben mich sehr berührt, denn so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.

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Die Theologin Ulrike Berg über den Buß- und Bettag: 

Buß- und Bettag – als Kind der Horror für mich. Langweilig… Die Geschäfte alle zu (mitten in der Woche!), die Straßen leergefegt, getragene klassische Musik im Radio und dann auch noch graues Novemberwetter. Die einzigen Lichtblicke waren der Braten zum Mittagessen und der anschließende Spaziergang mit den Eltern – auch nicht das, was ein Kind vom Hocker reißt.
Heute ist der Buß- Bettag ein ganz normaler Mittwoch. Die Kinder gehen zur Schule, die Erwachsenen zur Arbeit, die Geschäfte haben geöffnet, normale Betriebsamkeit auf den Straßen. Und ich sehne mich nach einem arbeitsfreien Buß- und Bettag zurück. Nach einem Tag, an dem ich Zeit und Ruhe habe, mein eigenes Leben und das, was ich tue, zu hinterfragen (…). Klar, über mich und mein Leben nachdenken – das kann ich an jedem anderen freien Tag auch, aber ein gemeinsamer Feiertag ist eine besondere Chance.

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Der Autorin Cornelia Elke Schray geht es wie Vielen, wenn sie abends nach Hause kommen und den Briefkasten öffnen. Doch eines Tages erlebt sie eine Überraschung:  

Ich öffne den Briefkasten, wühle mich durch Überflüssiges und Unsinniges.
Da wirbt einer für ein neues Sofa.
Ein anderer glaubt, seine Blumen blühen am schönsten.
Alles Mögliche soll ich kaufen.
Und dazwischen ein Brief von dir.
Was für ein Geschenk deine Freundschaft.
Die beste Werbung für das Leben.

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Der Theologe Christian Modehn erinnert sich an ein ganz besonderes Ritual aus seiner Kindheit:

 (…) Meine Mutter war fest überzeugt: Ihren Kindern tue es gut, wenn sie uns vom Balkon aus nachwinkt. So drehte ich mich winkend um, auf dem Weg zur Schule (…) Das Winken war Tradition geworden, aber es war keine leere Geste, sondern Ausdruck von Verbundenheit. „Das Winken (…) überwindet noch mal den Abstand“, sagte meine Mutter. „Wenn zwei Hände sich suchen und berühren wollen, entsteht eine Bewegtheit, etwas Lebendiges. Aber sofort müssen wir es akzeptieren, dass wir uns schließlich aus den Augen verlieren. Wir müssen unseren Weg weitergehen, allein oder mit anderen.“ 

Erinnerungen von Christian Modehn.

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Heute ist Volkstrauertag. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt, um der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. 2012 hat Bundespräsident Joachim Gauck an diesem Tag folgendes gesagt:  

"Wir gedenken heute derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt."

Ein Zitat von Bundespräsident Joachim Gauck.

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