Manuskripte

SWR3 Worte

Was ändert sich, wenn der Körper von einem Tag auf den anderen querschnittsgelähmt ist? Pozzo di Borgo aus dem Film „Ziemlich beste Freunde" meint:
„Vor meinem Unfall lag der Schwerpunkt meines Lebens
zwischen meinem Kopf und dem Bereich unterhalb meines Gürtels.
Seit dem Unfall hat sich dieses Zentrum nach oben verlagert.
Es befindet sich nun zwischen Herz und Himmel.
Religion ist für mich sehr wichtig geworden.
Was das Christentum von allen anderen Religionen unterscheidet, ist,
dass es nicht unbedingt eine göttliche Hand ist,
die alles entscheidet, sondern dass Gott uns als freie Menschen will,
die ihre Verantwortung für das Leben annehmen."

„Das Schicksal ist doof",
Spiegel-Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo; in:
Der Spiegel, Nr. 29/2012 vom 16.07.12, Spiegel-Verlag Hamburg, S.115.

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Warum lässt Gott so schlimme Dinge zu?
Samuel Koch, der in der „Wetten-das-Show" verunglückte Stuntman, sagt:
„Mein Schicksal ist doof - ja.
Aber mit Sicherheit will Gott körperliche Unversehrtheit für alle.
Allerdings glaube ich,
dass er eine andere Prioritätenliste hat als ich.
Für ihn sind wohl andere Dinge wichtiger - leider."

„Das Schicksal ist doof",
Spiegel-Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo; in:
Der Spiegel, Nr. 29/2012 vom 16.07.12, Spiegel-Verlag Hamburg, S.115

 

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Pozzo di Borgo aus dem Film „Ziemlich beste Freunde"
ist seit seinem Unfall querschnittsgelähmt.
Wie wird er damit fertig? Er meint:
„Ich habe einen sehr gefährlichen Sport ausgeübt:
das Gleitschirmfliegen, einen Risiko-Sport.
Unsere Gesellschaft fördert so etwas:
Wir suchen dieses starke Gefühl, das extreme Erlebnis.
Und dabei hält man sich für unsterblich und unzerstörbar.
Aber die Suche nach diesem starken Gefühl und der Glaube,
wir seien unzerstörbar, sind ein Irrtum der modernen Zeit.
So ein Unfall wie meiner bringt die Dinge dann wieder ins rechte Maß -
zum Teil eben etwas brutal.

„Das Schicksal ist doof",
Spiegel-Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo; in:
Der Spiegel, Nr. 29/2012 vom 16.07.12, Spiegel-Verlag Hamburg, S.115.

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Wenn eine Ehe vor dem Aus steht - was kann sie retten?
Dazu eine kurze Geschichte:
„Im Garten eines Freundes blüht ein Rosenstrauch.
Ich lobe ihn für sein Gärtnertalent, aber er antwortet mir:
Vor einigen Jahren war meine Ehe ernsthaft in Gefahr -
zu viel Langeweile und zu wenig Zeit - du kennst das ja.
Da hat meine Frau diese Rose gepflanzt.
Und wir verabredeten, dass wir uns scheiden lassen,
wenn die Rose eingeht.
Solange sie aber wächst, wollen wir zusammenbleiben.
Und weißt du, was passiert ist?
Meine Frau und ich ertappen uns immer wieder,
wie wir heimlich Wasser zur Rose schleppen."

Von einem unbekannten Verfasser; zitiert nach:
„Magazin zum Kirchenjahr" Nr. 2/2012,
hg. v. „Andere Zeiten e.V." in Hamburg, letzte Umschlagseite.

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Wem gehört mein Leben?
Der krebskranke Junge aus dem Roman „Oskar und die Dame in Rosa"
meint:
„Lange dachte ich, das Leben sei ein Geschenk.
Am Anfang des Lebens überschätzt man dieses Geschenk,
weil man glaubt, dass man ewig lebt.
Später unterschätzt man das Geschenk,
wenn man das Leben kümmerlich findet und zu kurz.
Manchmal würde man das Leben sogar wegschmeißen.
Aber am Ende wird einem klar,
dass das Leben gar kein Geschenk ist,
sondern eine Leihgabe."

Zitiert nach: Eric-Emmanuel Schmitt, „Oskar und die Dame in Rosa"
Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2009, S.101.

 

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Was hat das Leben noch für einen Sinn, wenn man querschnittgelähmt ist?
Samuel Koch, der in der „Wetten-das-Show" verunglückte Stuntman,
sieht das für sich so:
„Ich hatte mich schon vor meinem Unfall dagegen entschieden,
einen Beruf mit der Aussicht auf viel Geld anzustreben.
Geld und Macht gehörten nicht zu meinen Idealen,
denn beides ist sehr vergänglich.
Der Unfall hat mich darin noch mal bestätigt."

„Das Schicksal ist doof",
Spiegel-Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo; in:
Der Spiegel, Nr. 29/2012 vom 16.07.12, Spiegel-Verlag Hamburg, S.117.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=13793

Pozzo di Borgo aus dem Film „Ziemlich beste Freunde"
ist seit seinem Unfall querschnittsgelähmt.
Und doch ist er nicht wütend auf Gott und die Welt. Er meint:
„Wenn es einen Gott gibt,
dann ist er in jedem Fall unschuldig.
Er hat das nicht gewollt.
Es ist Pech, ein Missgeschick, ein Fehler von mir oder ein Unfall,
aber es ist auch eine Chance für mich.
Ich bin vielleicht ein bisschen auf einem Abweg gewesen,
und das ist korrigiert worden.
Das wäre dann eine Art von Sinn."

„Das Schicksal ist doof",
Spiegel-Interview mit Samuel Koch und Philippe Pozzo di Borgo; in:
Der Spiegel, Nr. 29/2012 vom 16.07.12, Spiegel-Verlag Hamburg, S.115.

 

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