Manuskripte

SWR3 Worte

Mein Beten beginnt in der Stille.
Ich steige aus und lege den Alltag ein paar Atemzüge beiseite. [...]
Ich sammle, was mich bewegt. Den Ärger, die Verletzungen, meine Unsicherheit […], die Hoffnung, den Stolz, meine Sehnsucht […].
Nichts ist zu groß, zu unverschämt oder zu alltäglich […].
Ich buchstabiere mein Leben. Die Worte sind nicht gefeilt […], ich will nichts schönfärben, nichts glätten. Ich halte all dies vor Gott, vertraue darauf, dass er versteht.
Ich warte auf ihn, Gott wartet auf mich.
Manchmal treffen wir einander.

Susanne Niemeyer, Sozialpädagogin

Beten
In: Der Andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 2. Dezember 2006 bis 6. Januar 2007, hrsg. vom Andere Zeiten e.V., Hamburg, 7.12.06.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5074
Für alle, die den Tag heute nicht ohne Hilfe angeh’n wollen, hier einen Engel-Rap aus dem Kindergesangbuch:

Einen Engel, einen Engel,
Gott, den brauch ich jetzt!
Einen Engel, einen Engel,
der so richtig fetzt!

Einen, der mir, wenn ich penne, einen Tritt gibt, dass ich renne.

Einen, der mich, wenn ich fies bin, dran erinnert, dass ich mies bin.

Einen, der mich an der Hand fasst und im Chaos auf mich aufpasst.

Einen, der mit aller Kraft, da – wo Krieg ist – Frieden schafft.

Einen Engel, einen Engel,
Gott, den brauch ich jetzt!
Einen Engel, einen Engel,
der so richtig fetzt!

Werner Tiki Küstenmacher

In: Das Kindergesangbuch, hg. v. Andreas Ebert in Gemeinschaft mit Ulrike Aldebert, Johannes Blohm, Kirsten Fiedler, Werner Küstenmacher und Karl Mehl, München (Claudius Verlag), 2007, Lied 117
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5073
Mein Taxifahrer behält die Ruhe. Erstaunlicherweise! Denn das Auto, das vor uns rückwärts aus der Parklücke auf die Straße stößt, […] hätte uns fast gerammt. […] Rücksichtsvoll hält der Taxifahrer an und winkt den hilflosen Fahrer freundlich heraus. „Geben wir ihm diese Minute“, meint er geduldig.
Fünfhundert Meter weiter am Zebrastreifen: Ein Vater mit seiner kleinen Tochter, die verspielt mit ihrem Dreirad vor sich hin trödelt.
Der Fahrer vor uns hupt heftig. Es schimpft und gestikuliert, als hätte man ihm gerade einen Totalschaden zugefügt. […]
Mein Taxifahrer schüttelt mit dem Kopf: „Schade, ich habe doch auch auf ihn Rücksicht genommen!“

Christian Collin

Schade eigentlich.
In: Der Andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 28. November 2004 bis 6. Januar 2005, hrsg. vom Andere Zeiten e.V., Hamburg, 12.12.04.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5072
Leonie, 10 Jahre, beschreibt ihren Engel:

An traurigen Tagen schlüpft mein Engel meistens ganz allein ins Haus. Ich brauche ihn gar nicht zu rufen. Er kennt sich gut bei mir aus.

Wir hocken dann still beieinander. Er sagt nicht, tu dies oder tu das.
Und ich spüre, bei uns tut sich was. https://www.kirche-im-swr.de/?m=5071
Wie wäre es, wenn der Platz an meinem großen Tisch nicht mehr frei bliebe.
Wenn manchmal die ältere Frau dort säße, die ich abends, wenn es dunkel ist, verstohlen in die Mülltonne gucken sehe.
Wie wäre es, wenn sie und mein Freund und ich zusammen äßen, und sie würde erzählen von früher […].
Nein, nicht gleich eine Ersatzfamilie bilden. Auch nicht ständig beieinander sitzen, nur manchmal, hier und da, achte die eine auf die andere:
Ich brächte ihr die Wasserkisten in die Wohnung und dann und wann auf dem Weg zur Arbeit ein paar frische Brötchen. […]
Und sie könnte während meines Urlaubs meine Blumen gießen, und vielleicht wüsste sie, was gegen Blattläuse hilft.
Wie wäre das?

Susanne Niemeyer, Sozialpädagogin

Wie wäre es.
In: Der Andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 2. Dezember 2006 bis 6. Januar 2007, hrsg. vom Andere Zeiten e.V., Hamburg, 15.12.06
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5070
1,82 Milliarden Euro: mit dieser ansehnlichen Summe konnte in den vergangenen 50 Jahren vielen Notleidenden in der ganzen Welt geholfen werden – gesammelt wurde das Geld von der Hilfsaktion der evangelischen Kirche „Brot für die Welt“.

Christian Berg, der 1958 bei der Mottofindung dabei war, erinnert sich:
„Noch heute ist es mir unauslöschlich in Erinnerung, wie befreit wir an jenem [A]bend nach Hause gingen, als es auf einem Blatt Papier dort in den Zehlendorfer Hilfswerk-Baracken niedergeschrieben war: „Brot für die Welt. […]: ‚Brot' – das elementar Notwendige […]
‚die Welt' – die universale Liebesabsicht Gottes […]
‚für' – also positiv, hilfreich und aufbauend. […]
Dieser Ruf in Kirche und Öffentlichkeit hat sich rasch durchgesetzt!”

Christian Berg

Brot für die Welt, Bemerkungen zur Entstehung und Bedeutung einer ökumenischen Aktion der evangelischen Christenheit in Deutschland 1961
In: Christian Berg (Hg.), „Brot für die Welt”. Dokumente, Berichte, Rufe, Berlin 1962
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5069
Das Volk, das noch im Finstern wandelt,
bald sieht es ein Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel Dein Gesicht
[.…] und steh und lausche, denn Gott handelt.

Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittere Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.

Die Liebe geht nicht mehr verloren.
Das Unrecht stürzt in vollem Lauf.
Der Tod ist tot.
Das Volk jauchzt auf und ruft: „Uns ist ein Kind geboren.“

Jürgen Henkys

Jürgen Henkys in Anlehnung an Jes 9,1-5.
Evangelisches Kirchengesangbuch. Ausgabe für die Landeskirche in Württemberg.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=5068