Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Was ist ein anständiger Mensch? Ein anständiges Mädchen trägt keine zu kurzen Röcke, hat mir mein Vater beigebracht. Und meine Mutter hat gesagt: „Setz die anständig hin, sitz gerade, zappel nicht herum“. Und es ging darum, ordentlich mit Messer und Gabel zu essen. Die komplizierteren Sachen hat man später in der Tanzstunde gelernt.

Anstand hieß es dort, soll das Zusammenleben leichter machen. Das fand ich gut. Deshalb habe ich mir Mühe gegeben. Das Zusammenleben wird angenehmer, wenn sich die Menschen an solche Anstandsregeln halten, das ist wahr. Aber Anstand ist mehr, meine ich. Der Freiherr von Knigge, der sich die Regeln angeblich ausgedacht hat, der hat im Vorwort zu seinem dicken Regelbuch geschrieben, es gehe um „die Pflichten, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind“.

Was ist Anstand? Messer, Gabel und Serviette - oder was?? Welche Pflichten bin ich „allen Arten von Menschen“ schuldig?   Anscheinend hat sich auch der Apostel Paulus darüber schon Gedanken gemacht. Er hat in einem Brief an die Christengemeinde in Philippi geschrieben: „Nicht Eigennutz oder Eitelkeit soll euer Handeln bestimmen. Sondern nehmt euch zurück und achtet den anderen höher als euch selbst.“ (Phil2, 3) und konkret heißt das für ihn: „Seid nicht auf euren eigenen Vorteil aus, sondern auf den der anderen. – und zwar jeder und jede von euch.“

Für Paulus ist das ein anständiger Mensch, der so handelt. Das sind für ihn die Pflichten, die jedenfalls Christen „allen Arten von Menschen“ schuldig sind. Allen Arten von Menschen: Also schwarzen und weißen, Männern und Frauen, Reichen und Armen, Gebildeten und weniger Gebildeten, Zugereisten und Einheimischen, Verwandten und Fremden, Freunden und Gegnern. Wie auchdiese anderen gut leben können, daran soll ich denken..

Für Paulus ist das das Kennzeichen der Christen. „Seid nicht auf euren eigenen Vorteil aus, sondern auch auf den der anderen. – und zwar jeder und jede von euch.“ So, hat er gemeint, wird das Zusammenleben gut. Er hat das an die Leute in Philippi in Nord-Griechenland geschrieben. Zugegeben, so sehr viele Christen gab es damals noch nicht. Ob er heute dasselbe auch an uns Menschen im christlichen Abendland schreiben würde?

Es ist üblich geworden unter uns, dass jeder seine Möglichkeiten für sich ausnutzt so gut es geht. „Ich zuerst“ ist die Devise. Die anderen müssen schon selber sehen, wie sie zurechtkommen. Ich finde das unanständig. Christlich ist es auch nicht. Und das Zusammenleben wird es nicht leichter machen.

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