Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Menschen bezahlen unterschiedlich viel Kirchensteuer – ganz egal, welche kirchlichen Leistungen sie tatsächlich nutzen. Wer nur selten Gottesdienste besucht, keine Seelsorgegespräche möchte und in keiner kirchlichen Musikgruppe mitmacht, der zahlt oft mehr als ein anderer, der das alles tut und noch dazu seine Kinder in den kirchlichen Kindergarten schickt. Auf den ersten Blick wirkt das ungerecht.

Neulich hat mir dann auch jemand gesagt, sein Kirchenaustritt vor einigen Wochen habe „rein finanzielle Gründe“. Und er hat weiter gemeint: „Was ich von Jahr zu Jahr an Kirchensteuer zu bezahlen habe, steht in keinem Verhältnis.“

Ich kann diese Sicht verstehen. Tatsächlich ist es so, dass manche Menschen ziemlich viel bezahlen für ihre Kirchenmitgliedschaft. Die Kirchensteuer ist nämlich davon abhängig, wie viel Lohn- oder Einkommensteuer jemand entrichtet.
Zwei Drittel aller Kirchenmitglieder dagegen müssen überhaupt keine Kirchensteuer bezahlen. Weil sie gar kein oder zu wenig Einkommen haben. Das sind zum Beispiel Kinder und Jugendliche oder Geringverdienende oder Menschen mit kleiner Rente.
… und das alles ist völlig unabhängig davon, welche Leistungen der Kirche man selber tatsächlich in Anspruch nimmt. Ich verstehe, dass man das ungerecht finden kann.

Auf der anderen Seite denke ich: Kirche ist eben eine Solidargemeinschaft. Zu der gehören ganz verschiedene Leute. Diese Menschen haben unterschiedlich viel Geld. Und sie haben auch unterschiedliche Bedürfnisse, wie sie ihren Glauben leben – und wie sie die Angebote der Kirche persönlich nutzen. Das funktioniert doch nur, wenn die Stärkeren die Schwächeren mittragen, auch in finanzieller Hinsicht. „Helft einander, die Lasten zu tragen“ – so sagt die Bibel das mal (Galater 6,2a).

Und außerdem: Die Kirchensteuer fließt nicht nur in die „eigene“ Kirchengemeinde im Wohnort. Mit den Beiträgen der Kirchenmitglieder werden Arbeitsbereiche der gesamten Landeskirche finanziert. Die Jugendarbeit wird oft bezirksweit organisiert, dann werden auch große Freizeiten und Zeltlager möglich. Das können einzelne Gemeinden kaum stemmen. Die Telefonseelsorge gibt es, die diakonischen Beratungsstellen, die Betreuung von Obdachlosen. Das alles kostet Geld. Und das kommt vor allem aus Mitteln der Kirchensteuer.

Der Mann, der aus der Kirche ausgetreten ist, hat mir dann übrigens angeboten, in Zukunft ab und zu etwas für die Kirchengemeinde zu spenden. Wenn das wirklich klappt, dann ist es wieder ein Schritt zu mehr Solidarität.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27969

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