Manuskripte

Anstöße sonn- und feiertags

„Da sollte die Kirche doch mal was tun.“ – Oder: „Find’ ich toll, was die Kirche da auf die Beine stellt.“ Immer wieder höre ich solche Sätze. Und dann frage ich mich: Was oder wer ist da eigentlich gemeint mit „die Kirche“?

Vielleicht ist es mit der Kirche ein bisschen wie mit der Feuerwehr. Auch von der Feuerwehr ist ja häufig allgemein die Rede, als ob es sie einfach gibt. So wie in dem berühmten Kinderreim: „Tatü, tata, die Feuerwehr ist da!“ Aber die Feuerwehr besteht doch aus Menschen. Aus den Menschen, die sich in ihr einsetzen. Und das sind nur ganz wenige Berufsfeuerwehrleute. Die allermeisten Feuerwehrleute haben ganz normale Berufe – Malerin oder Sachbearbeiter oder Lehrer. Und mit diesen Berufen und mit ihrem Leben bilden sie eben auch die Feuerwehr. Dann, wenn sie im Einsatz sind, aber auch im ganz normalen Alltag.

Genauso ist es doch auch mit der Kirche. Die Kirche gibt es nicht einfach für sich. Sie besteht aus Menschen. Aus den Menschen, die sich in ihr einsetzen. Und das sind längst nicht nur die „Berufs-Christen“, also Pfarrerinnen und Pfarrer und so. Sondern vor allem Menschen mit ganz normalen Berufen – Malerin oder Sachbearbeiter oder Lehrer. Und mit diesen Berufen und mit ihrem Leben bilden sie die Kirche. In besonderen Momenten, zum Beispiel im Gottesdienst, aber auch im ganz normalen Alltag.

In der Bibel wird das mal so beschrieben: „Lasst euch […] selbst als lebendige Steine zur Gemeinde aufbauen“ [1. Petrus 2,5a; BasisBibel]. Das heißt doch: Jede und jeder kann dazugehören und in der Kirche mitmachen! Man braucht gar keine besondere Ausbildung dazu.

In England soll mal ein Pfarrer eine spektakuläre Todesanzeige veröffentlicht haben: „Wir nehmen Abschied von der verstorbenen Kirche. Der Trauergottesdienst ist am kommenden Sonntag.“ Das hat die Leute neugierig gemacht, die Kirche war rappelvoll am Sonntag. Und tatsächlich – im Altarraum stand ein schlichter Sarg. Er war offen. Am Schluss des Gottesdienstes hat es die Möglichkeit gegeben, sich persönlich von der Kirche zu verabschieden. Die Leute haben sich angestellt, sind nach und nach am Sarg vorbeigegangen und haben gespannt hineingeschaut. Und was haben sie gesehen? Sich selbst! In einem Spiegel. Der hat da im Sarg gelegen.

Durch diese Kirchengemeinde ist danach ein Ruck gegangen. Und die Leute haben gemerkt: Es reicht nicht, über „die Kirche“ zu reden. „Die Kirche“ gibt es gar nicht. Kirche besteht aus den Menschen, die sich in ihr einsetzen. Und jeder kann mitmachen.

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