Manuskripte

Anstöße sonn- und feiertags

Liebe duftet. Sie duftet nach kostbarem Parfum. Manchmal jedenfalls. Und der Duft macht die Liebe zu etwas Besonderem. Der Duft macht die Liebe kostbar und er hält lange an, wenn die Gerüche des Alltags schon wieder alles zudecken.

Das habe ich von Jesus gelernt und von einer unbekannten Frau. Die Frau hat Jesus mit duftendem, kostbarem Öl überschüttet. Mit solchem Öl hat man damals Könige ausgezeichnet. Du bist mein König, sollte die Geste der Frau wohl heißen. Sie wollte Jesus Gutes tun. Das duftende Öl war sicher erfrischend an einem heißen Tag. Aber was sie getan hat, war noch mehr, denke ich. Sie wollte ihm das Leben schön machen, diesem Mann, der auf dem Weg war nach Jerusalem, wo man ihn vermutlich hinrichten würde. Dieser Mann sollte sich fühlen wie ein König, wenigstens in diesem Moment. Wenigstens für ein paar kurze Augenblicke.

Aber war das nötig? Was das nicht eine unnötige Verschwendung? Das haben sich damals die Jünger von Jesus gefragt. „Für das Geld hätte sie vielen Armen Gutes tun können. Wäre das nicht vernünftiger gewesen?“ haben sie gefragt. Aber Jesus hat die Frau in Schutz genommen. „Armen könnt ihr jederzeit Gutes tun“, hat er gesagt, „aber dies ist jetzt wichtig gewesen und hat mir gut getan. Man wird von ihr überall erzählen, wo man von mir erzählen wird.““

Ich verstehe: Es ist wichtig, anderen Gutes zu tun. Gerade in schweren Zeiten wie diesen. Wir können trotz allem für andere da sein. Für die Kinder mit Geduld und Phantasie, damit sie die Zeit zu Hause nicht als Qual empfinden, für die alten Eltern, die man trotz allem gerade jetzt regelmäßig anrufen kann. Wie gut, wenn man für sie da sein kann und helfen, dass sich keiner allein gelassen fühlt.

Aber manchmal braucht die Liebe etwas Außerordentliches: Ein gutes Essen bestellen vielleicht, das geht doch auch in Corona-Zeiten. Ein schönes Kleid anziehen. Einen außergewöhnlichen Duft. Ein Kompliment. Das muss ja alles nicht teuer sein. Essen kann man auch selber kochen. Das Kleid kann ruhig schon älter sein. Vielleicht hängen ja schöne Erinnerungen daran. Es sollte halt mehr und anders sein als das Selbstverständliche und Notwendige. Also nicht: „Aber du weißt doch sowieso, dass ich Dich liebe!“. Auch nicht: „Aber das wäre doch nicht nötig gewesen!“.

Solche Sätze machen das Leben alltäglich und die Liebe auch. Sie nehmen der Liebe und dem Alltag den Duft. Die Frau aus dem Evangelium aber erinnert mich: Liebe duftet. Und kostbarer Duft hält lange, gerade auch, wenn der Alltag schwieriger ist als sonst.

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