Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Da ist guter Rat teuer“ – so sagt man mir in einer völlig verfahrenen Situation. Nun bräuchte ich einen guten Rat, wie es weitergehen kann. Doch den bekomme ich nicht oder könnte ihn mir nicht leisten. Der Streit, der eine gute Freundschaft beschädigt oder zum Zerwürfnis mit einem Mitarbeiter geführt hat. Oder gar ein Rechtsstreit, den jemand gegen mich angestrengt hat. Ich habe das Gefühl, alle sind gegen mich. Es hat sich alles verschworen. Kompromisse, überhaupt Gespräche, scheinen nicht mehr möglich. Da ist guter Rat teuer, weil so dringlich!

Ich schlage das Gesangbuch auf. Hier ist guter Rat oft umsonst. In den alten Liedern kann ich immer wieder lesen, dass Jesus längst für mich bezahlt habe. Diese Lieder verströmen die unerschütterliche Zuversicht der gläubigen Dichter vergangener Jahrhunderte: Was auch geschieht, mir kann nichts wirklich mehr passieren. Christus ist für mich in die Bresche gesprungen.

Da werden Streit und Anfeindung Gott vor die Füße gelegt, unter Jesu Kreuz. Und auf einmal kann der vorher Ratlose sich aufrichten und anfangen zu singen. Wie im Lied: Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich:

Musik

Im Jahr 1653 hat Paul Gerhardt dieses Lied gedichtet. Es wurde erst viel später mit dieser alten englischen Melodie verbunden. Die Chansonsängerin Vera Hahn lässt es so klingen, als wäre es gerade erst entstanden. Wie sich ein Mensch vor Hunderten Jahren Trost und Stärkung herbeigesungen hat – das kann mir auch heute helfen! „Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt.“

Musik

„Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ Diese Frage des Apostels Paulus aus dem Römerbrief hat Paul Gerhardt zu seinem Mutmach-Lied angeregt. „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Christus Jesus ist hier, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt.“

Wenn ich mich an Gott halte, dann kann ich glauben, dass ich auch in Schwierigkeiten nicht alleine bin. „Die Welt, die mag zerbrechen, du stehst mir ewiglich; kein Brennen, Hauen, Stechen soll trennen mich und dich …“

Paul Gerhardt beschreibt plastisch, was die Welt an Unheil bereithalten kann. Doch vor diesem düsteren Hintergrund schildert er umso leuchtender, worauf er im Glauben hofft: „Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“

Das möchte auch ich mir zu Herzen nehmen!  Ich schaue auf Jesus, den Paul Gerhardts Lied mir als Sonne malt. Bei diesem Jesus, so höre ich, ist guter Rat nicht teuer. Und so gebe ich die Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung, dass die Sonne Jesus auch mir Wege leuchten wird, die ich jetzt im Dunkeln nicht sehen kann.

Mit dem alten Glaubenslied singe ich mir Mut und Vertrauen zu.

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Musikangaben:
Musiktitel 1-3: Gerhardt, Paul; Anonym; Ist Gott für mich, so trete
Interpretin: Vera Hahn
CD: Reiß die Himmel auf! Alte Kirchenlieder als Chansons

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