Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Die Adventszeit versetzt Menschen in Spannung. Geistig und emotional. Auch die Adventslieder tun das. Wie der alte Hymnus, den ich Ihnen heute vorstellen möchte.

In welche Spannung versetzt dieses Lied? Zum einen drückt es aus: Die Welt ist nicht das Paradies. Überall auf der Welt haben Menschen Gründe sich zu sehnen: Viele würden einfach nur gern satt werden, andere gesund. Und wie viele ersehnen Frieden. Oder, wenn doch wenigstens die Waffen schweigen würden.

Musik 1 Conditor alme  Str. 1

“Conditor alme siderum“. Erhabener Schöpfer der Gestirne, Christus, Erlöser aller, erhöre die Bitten der Flehenden.“
Das Elend von Menschen wird laut. Und die andere Seite in Adventsliedern. Sie trösten.

Musik 2 Conditor alme     

Qui condolens interitu mortis perire saeculum, salvasti mundum languidum, donans eis remedium,

„Gott rettet die kranke Welt“. Er ist nicht taub für das Elend. Diesen Trost - Gott kommt in die Welt - macht der Hymnus ebenso stark und stellt ihn neben die unerfüllte Sehnsucht.

Musik 3 instrumental Keys Orgel

 „Dann es ging dir zu hertzen sehr, dass wir gefangen waren, schwer, solten ewig des todes sein; drum namst du auff dich schuld und peyn.”

So hat Thomas Müntzer den Hymnus übersetzt. 1523. Da war er Pfarrer in Sachsen-Anhalt. Glühender Reformator wie Luther. Die Rufe auch nach politischer Veränderung in Europa wurden immer drängender. Irgendwann hat ihn das Elend der Bauern so untröstlich gemacht, dass Müntzer sie in den Krieg geführt hat. Der Bauernkrieg sollte Gottes Ordnung herstellen: Gerechtigkeit. Die Folgen waren furchtbar.

Musik 4 “creator of the starry heights” Keys Orgel

Wir bitten dich, o heilger Christ, der du zukünftig Richter bist, lehr uns zuvor dein' Willen tun und an dem Glauben nehmen zu.

Auch über diesem Advent liegt diese Spannung. In der Welt ist vieles nicht gut. Und Gutes ist in Gefahr. Umso wichtiger ist mir diese Hoffnung in den Adventsliedern: Dass Gott heilsam in der Nähe ist und dass seine neue Welt kommt. Daraus wächst Kraft, Leid und Not zu begegnen, mit positiven Mitteln.

Musik 5 conditor alme Str. 4  

Cuius forti potentiae genu curvantur omnia; caelestia, terrestrinutu fatentur subdita.
(du, vor dessen gewaltiger Macht alles die Knie beugt, auf dessen Wink Mächte des Himmels und der Erde sich unterworfen bekennen.)

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Musiken 1,2,5:  conditor alme siderum track 5 aus CD Freiburger         
Chorbuch 2   LC 3989
Musiken 3,4   “Creator of the starry heights” track 14 aus CD Ultimate Hymn  Organ Accompainments,
Vol. 2 Label John Keys  (ohne LC Code)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23261