Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(GL 418, EG 361)

Heute startet eine ökumenische Pilgerfahrt nach Israel. Eine Woche lang sind Promis der evangelischen und katholischen Kirche unterwegs – vom See Genezareth bis nach Jerusalem. Darunter sind Landesbischof Bedford-Strohm, Kardinal Marx und der ehemalige Freiburger Erzbischof Zollitsch. Der Anlass der Pilgerreise ist das große Reformationsjubiläum: 500 Jahre Reformation. Die Reformation hat die Kirche gespaltet, getrennt in evangelisch und katholisch. Aber jetzt soll deutlich werden, dass die beiden Kirchen heute mehr verbindet als trennt. 

Für mich passt deshalb das Kirchenlied „Befiehl du deine Wege“ gut zum heutigen Sonntag. Dort wird deutlich, dass wir auf einer großen Pilgerreise unterwegs sind. Und es wird deutlich, dass Gott die Reise mitgeht, auch wenn sie voller Verletzungen und Kränkungen steckt.

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. (00:16´) 

 

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.  

Der Liedtext stammt vom evangelischen Theologen Paul Gerhard. Es wurde viel spekuliert, ob er damit einen Stellenwechsel oder seine Entlassung von der Berliner Nicolaikirche im Jahr 1666 verarbeiten wollte. Selbst wenn das nicht der Fall ist – das Lied eignet sich gut dazu, verworrenen Lebensgeschichten eine Deutung zu geben. 

Auch die Geschichte der evangelischen und katholischen Kirche ist keine gradlinige. Zum Glück nicht aus heutiger Perspektive, sonst hätten sie sich immer weiter auseinander entwickelt. Denn vor 500 Jahren ging es erst einmal heiß her und leider auch gewalttätig zu. Aber Luther hat nicht nur die evangelische Kirche geprägt, sondern auch die katholische. Ohne ihn hätte es die längst fälligen Neuerungen nicht oder nicht so schnell gegeben. Und heute sind die beiden Kirchen so gut in Kontakt, dass sich viele fragen, warum es überhaupt noch zwei getrennte Konfessionen gibt. 

Landesbischof Bedford-Strohm sagt: „Luther wollte damals neu auf Christus hinweisen“, und deshalb solle man das heute auch wieder tun. Eben mit einer gemeinsamen Pilgerreise dorthin, wo Jesus gelebt und gewirkt hat. Dieses „Hinweisen auf Christus“ – davon ist auch in der zweiten Strophe unseres heutigen Liedes zum Sonntag die Rede: 

Dem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohlergehn;

auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.  

2. Strophe

Dem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohlergehn;

auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.

Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein

lässt Gott sich gar nichts nehmen; es muss erbeten sein.  

So darf ich vielleicht weiter darauf hoffen, dass sich die beiden getrennten Wege von evangelisch und katholisch irgendwann wieder vereinen. Nicht nur auf einer einwöchigen Pilgerreise, sondern richtig und dauerhaft. Und bis dahin stimme ich ein in den Trost, dass uns beide Konfessionen mehr verbindet als trennt.

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