Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Wer lange unterwegs ist, muß essen und trinken. Das gilt beim Wandern, und es gilt auf der Lebensreise. Für Christen ist dabei besonders wichtig die Eucharistie , die Kommunion, das Abendmahl, so die drei gängigsten Namen. Deshalb gibt es auch viele Lieder, die dafür danken. Eines davon beginnt mit den Worten: O heilge Seelenspeise.

O heilge Seelenspeise / Auf dieser Pilgerreise / O Manna, Himmelsbrot!/ Wollst unsern Hunger stillen/ Mit Gnaden uns erfüllen/ Uns retten vor dem ewgen Tod. Ursprünglich hatte dieses Lied den Titel „Himmelbrodt“. Es erinnert daran, wie das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste gezogen ist und durch Manna vor dem Verhungern gerettet wurde. Manna, das ist eine Art Brot, das jede Nacht vom Himmel fiel und von den Menschen aufgesammelt wurde. Christen verstehen die Kommunion als ein solches Manna, von Gott geschenkt, um uns Menschen zu stärken. Der Unterschied zum Manna in der Wüste: hier im Abendmahl ist Jesus Christus gegenwärtig. 

Ihn zu empfangen, gemeinsam mit andern Menschen, das nährt die Seele. Das hilft leben, weil es den existenziellen Hunger stillt, den Hunger nach Sinn. Deshalb darf sich auch jede und jeder, der danach hungert, eingeladen wissen. Denn Jesus hat gelebt und ist gestorben für alle Menschen. Kommt alle, die auf Erden / Von Not bedränget werden.“ / So spricht Dein eigner Mund/ „Ich will euch wiedergeben / Mit meinem Blut das Leben! / Dies ist der neue, ewge Bund.“ „ 

Die letzte Strophe hat dann einen Gedanken, der weit in die Zukunft geht, über den Tod hinaus. Sie geht aus von dem Glauben, daß Jesus da ist in diesem Brot und dem Wein, natürlich verhüllt und verborgen. Und das Lied spricht von der Hoffnung, diesen Jesus einmal unverhüllt zu sehen, „von Angesicht zu Angesicht“. 

O Herr, was wir hier schauen, in Glauben und Vertrauen. das zeige uns im Licht,

und laß es einst geschehen, daß ewig wir dich sehen von Angesicht zu Angesicht. 

Ein Lied nur für fromme Christen? Ursprünglich ist es das wohl, aber es verweist mich weiter, auf andere, die Hunger und Durst haben. Manna in der Wüste ist für alle da: „Kommt alle, die auf Erden von Not bedränget werden“. Das gilt hier im Lied für den seelischen Hunger. Aber ich kann das Lied nicht singen, ohne an Menschen zu denken, die körperlich hungern und dürsten. Die Kommunion im Gottesdienst ist nicht nur für mich. Sie schickt mich zu den andern Menschen. 

(O heilge Seelenspeise. Windsbacher Knabenchor, Karl-Friedrich Beringer und Torsten Laux, Orgel. In: Hansjakob Becker u.a. (Hgg.) Geistliches Wunderhorn ISBN 3-406-48094-2,

Track 11)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20239