Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Adventskalender helfen, geduldig zu sein. Die Kinder sehen an ihrem Adventskalender, wie die Zeit vorangeht bis Weihnachten. Jeden Tag kommt der Heilige Abend ein bisschen näher. Und zugleich wird man jeden Tag erinnert, das was ganz Schönes kommt. Ich finde, das tut auch Erwachsenen gut. Man spürt schon ein bisschen was von der Freude und von der Liebe, die möglich ist. Das stärkt die Abwehrkräfte gegen die Dunkelheit jetzt im Winter und gegen die Resignation, die sagt: „Ach was, das sind doch bloß Träume, zerbrechlich wie Tannenbaumkugeln. Wer darauf wartet, der macht sich was vor.“
Christen warten nicht nur auf Weihnachten. Sie warten auch darauf, dass Gott irgendwann endgültig alles Trübe und Dunkle beiseite wischen wird. Dann wird Frieden sein. Dann wird die Welt sein, wie sie sein sollte: hell und warm und mit Platz für jeden und Freude für alle Menschen.
Wie gut wäre es, wenn es auch für solche Hoffnungen einen Adventskalender gäbe. Gegen Ungeduld und gegen die Enttäuschung, die sagt: Gib es auf. Es lohnt nicht, zu hoffen. Ich lese in der Bibel, dass es diese Ungeduld und vor allem die Enttäuschung schon bei den ersten Christen gab. Die Menschen haben damals schon gemerkt: Es gibt noch so viel Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit – sogar unter uns Christen. Man hat einander weh getan, die Reichen sind reicher geworden und die Armen ärmer. Von Nächstenliebe und Solidarität kaum eine Spur. Viele haben da die Geduld verloren. Besser, wir bringen jetzt hier unsere Schäfchen ins Trockene, haben sie sich gesagt Was man hat, das hat man. Alles andere sind fromme Träume.
Da schreibt ihnen einer einen Brief, inzwischen steht er in der Bibel, in den evangelischen Gottesdiensten wird daraus heute vorgelesen. Ein Brief wie ein Türchen im Adventskalender. Ein Brief, der helfen will, geduldig zu sein. „Seid geduldig“ steht darin. „Gott wird kommen und die Welt neu machen. Bald.“ Und bis dahin: „Stärkt eure Herzen“. Gebt euch gegenseitig Anlass zur Freude. Man kann nicht alles auf einmal besser machen. Aber immer mal ein kleines Stück. Kleine Gesten der Liebe. Wie bei einem Adventskalender. Eine sms, die sich erkundigt: Geht es dir gut? Ich denke an dich. Ein Anruf: Ich möchte ins Kino. Hast Du Lust? Kommst Du mit? Freundlichkeiten, die einen aufmuntern. Zuwendungen, die das Leben leichter machen. Dass auch in trüben Zeiten etwas aufblitzt vom Licht Gottes. Damit niemand die Geduld verliert. Damit es einem leichter fällt, auf Gottes neue Welt zu warten. Damit man jeden Tag ein bisschen von der Liebe Gottes spürt. Dazu kann man eine Menge tun. Gerade im Advent. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7272

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