Manuskripte

Warum passiert so wenig gegen den Klimawandel? Viele fragen sich das. Der letzte Sommer ohne Regen, jetzt viel zu warm für Januar, in Bayern so viel Schnee wie noch nie. Der Klimaforscher Schellnhuber hat sein ganzes Berufsleben davor gewarnt. Jetzt sagt er:

Vielleicht haben wir das Thema auch falsch angepackt. Wir haben nur gedroht und gewarnt. Jeder Mensch will doch gern Teil einer guten Geschichte sein. Laden wir doch einander ein, Teil einer guten Geschichte zu werden. Für unseren Planeten.

Bei mir ist das der Garten. Wenn ich Himbeerbüsche pflanze, wenn ich die Erde umgrabe und neben mir eine Amsel drauf wartet, dass ich für sie einen Wurm abfällt, wenn ich Komposterde auf das Beet streue, dann bin ich glücklich. Dafür lege ich mich gerne krumm. Auch wenn ich am Tag danach vor Muskelkater kaum noch laufen kann. Es ist wunderbar, Teil einer guten Geschichte zu sein. Der Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung.

Diese Lust an der Schöpfung kennt die Bibel auch. Schon vor mehr als zweitausend Jahren haben Menschen das besungen.

„Du Gott breitest den Himmel aus wie einen Teppich, du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz des Menschen. Dass du Brot aus der Erde hervorbringst und der Wein erfreue des Menschen Herz.“

Vielleicht legen Sie sich weniger für einen Garten krumm und mehr für was Anderes: für plastikfreie Meere und plastikfreie Supermärkte. Für Straßen mit mehr Fahrräder oder für Smartphones, die man reparieren und tauschen kann. Oder Sie lieben es, Verantwortlichen Druck zu machen. So wie viele Schüler in unserem Land, die freitags jetzt immer streiken. Für gute Klimapolitik.

Und was ist, wenn das alles doch nicht mehr die Katastrophe aufhält? Dann ist es trotzdem gut, Teil einer guten Geschichte zu sein. Ich würde sagen: Auch wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch Himbeerbüsche pflanzen.

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Haben Sie dem lieben Gott schon mal bei der Arbeit zugeschaut? Er schafft ja mit. Damit wir die Welt nicht allein retten müssen. Mich beruhigt das ungemein. Vor allem montags, wo es wieder losgeht mit dem Schaffen. Also, haben Sie schon mal dem lieben Gott bei der Arbeit zugeschaut?

Einmal hab ich es genau gesehen. Ich hatte von einer Reise einen handtellergroßen Kern mitgebracht. Aufgesammelt an einem einsamen Strand, keine Ahnung was das war. Aber zu Hause hab ich ihn in einen Topf mit Erde gesteckt und auf die Fensterbank gestellt. Einen Monat hab ich ihn beobachtet. Nichts. Muss wohl eine hohle Nuss sein, dachte ich.

In der fünften Woche hat sich ein kleiner weißer Faden mit einem runden Kopf durch die Erde gebohrt. Eine Woche später hat sich der runde Kopf spiralförmig entrollt. Das kleine Blatt am Ende hat sich schließlich aufgeklappt, sodass es zwei waren. Wunderschön.

Und ich habe begriffen: Wenn der liebe Gott arbeitet, dann entsteht etwas, an dem man sich kaum satt sehen kann. So schön. So voller Wunder. Und immer sieht man erst mal - nichts.

So ist das immer, wenn Gott was schafft. Wenn zB. ein Menschenkind geboren wird und seine kleine Seele erwacht. Oder wenn man sich nach langem Streit miteinander versöhnt. Wunderschön. Aber wie kann man das erkennen, wenn Gott was schafft?

Die Jünger haben das Jesus gefragt. Und der hat ihnen von einem Bauer erzählt. Bauern schaffen und tun ja schon immer den ganzen Tag was. Damit Korn wächst und wir unser Brot auf dem Tisch haben. Aber damit was wächst, wirft er nur Samen auf die Erde. Und dann macht er -nichts. Beobachtet nur das Feld. Wochenlang. Erst tut sich gar nichts. Dann wächst langsam Halm und Ähre. Der Bauer schafft gute Bedingungen, düngt, vielleicht wässert er auch. Aber dass das Korn wächst, das kann er nicht machen. Das passiert.

Er kann nur Gott beim Schaffen zugucken. Und sich freuen über das Wunder. Und die Schönheit, die sich vor seinen Augen entfaltet. Ich bin sehr gespannt, was der liebe Gott diese Woche wieder alles schafft. Da geht mir meine Arbeit viel leichter von der Hand.

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Karin BeckerAnnette Bassler trifft Karin Becker, Pfarrerin und Schäferin in Rheinhessen

Von wegen „dummes Schaf“!

Sie ist Gemeindepfarrerin in Rheinhessen und ihren Schäfchen eine gute Hirtin. Also nicht nur den Schäfchen mit zwei Beinen, auch denen mit 4 Beinen. Seit vielen Jahren ist sie Hirtin. Und hat von ihren Schafen viel gelernt. Für ihren Beruf, für ihren Glauben und fürs Leben. Dabei hatte sie früher mit Schafen nichts im Sinn.

Es war ein Notruf, ein Notruf von einem Schafhalter, der einen Herzinfarkt hatte … sodass dieser Schafhalter überhaupt nicht wusste, wo mit den Tieren hin sollte, ob ich mitmachen würde, 8 Schafe zu übernehmen.

Anfangs wollte sie dem Schafhalter nur aushelfen. Hat die Tiere durchnummeriert. Aber dann hat sie entdeckt: Schafe sind ja Persönlichkeiten!

Nicht umsonst spielen die Schafe in der Kunst und überall eine so große Rolle, sie haben einen Charme und etwas Besonderes, einen Reiz, der einen nicht wieder loslässt.

Und wie entdeckt man diesen Charme? Indem man sie nicht bedrängt, sondern wartet.

Die wollten erst mal riechen, sind ja Nasentiere, und wenn man dann ruhig bleibt und sie nicht bedrängt, wollen sie meistens mehr wissen… die kontrollieren mal ihre Taschen, schnuppern überall rum.

Und bei der Gelegenheit hat Karin Becker angefangen, die Schafe zu kraulen. Das kannten die Schafe so nicht. Und fanden es prima.

Zum Schluss war ich ihr Putzerfisch, sie kamen dann, sie standen auch in Schlange und wollten gekrault werden. Für mich, für meine Finger war das sehr gut, denn ich hatte auch zwei OPs an den Händen und die wurden eigentlich gar nicht mehr so richtig gut, die Hände und durch dieses viele Kraulen und durch diese Wolle wurde das alles perfekt wieder geheilt und so hatten wir beide was davon.

Schafe können heilsam sein. Für Leib und Seele, aber auch für unsere Umwelt. Sie „befrieden“- im wahrsten Sinn des Wortes. Draußen in der Natur fressen sie zum Beispiel wildwuchernde Büsche nieder.

Und auf der anderen Seite sorgen sie dafür, dass der Samen der Pflanzen vor allem der Wildpflanzen auch weitergetragen wird, um dann die Artenvielfalt zu erhalten. In der Wolle hält sich ja unheimlich viel auf und die Schafe sind absolute Bio- Lkws könnte man sagen.

Mir war das alles gar nicht so bewusst. Vielleicht auch deshalb, weil wir Schafherden mit ihren Hirten kaum mehr zu Gesicht bekommen draußen. Viele Schäfer können nicht mehr von ihrer Arbeit leben.

Es gibt Schäfereibetriebe, die in der siebten, achten Generation sind. Es geht da ein Wissen verloren und kulturell bedeutet das auch, dass wir ja viele Bilder, die z.B. in der Bibel auftauchen, gar nicht mehr verstehen können.

Was meint Jesus, wenn er sagt: der gute Hirte, das bin ich!? Was macht eigentlich einen Hirten zu einem guten Hirten? Und warum könnten wir von Glück reden, ein Schaf in Jesu Herde zu sein?

Hirten mit Leitungskompetenz

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Vielleicht kennen und lieben Sie auch diesen 23. Psalm. Er meint: Gott ist da für mich. Wie ein guter Hirte für seine Schafe. Aber was ist ein guter Hirte? Karin Becker ist Pfarrerin und Hirtin. Die 59jährige hat aus eigener Erfahrung mit ihren Schafen verstanden: die sind alles andere als dumm. Und sie brauchen einen Hirten, der vor allem eins hat: Leitungskompetenz.

Wenn die Schafe Zweifel daran haben, an ihrer Leitungskompetenz, werden sie Ihnen das sehr bald zeigen. Und werden jede Gelegenheit nutzen um auszubüchsen und Sie haben verloren. Wenn Sie mit den Schafen frei gehen, dann müssen die Schafe 100 Prozent davon überzeugt sein: die wird uns niemals in eine schwierige Situation bringen, wir können uns ihr anvertrauen.

Der gute Hirte, das bin ich, hat Jesus gesagt. Kein orientalischer Despot, wie damals üblich, sondern einer, der be- hüten kann.

Es gibt zwei Formen des Hütens, das ist einmal das enge Gehüt, also da will man die Schafe beieinander halten. Das ist, wenn schlechtes Wetter ist oder auch Gefahren drohen. Und es gibt das weite Gehüt, das heißt, es ist eine große Fläche zum Beweiden da und man lässt die Schafe auch weit gehen. Und ich würde mal sagen: Gott ist derjenige, der das weite Gehüt bevorzugt. Und so darf jedes Schäfchen auch gucken und darf sich kundig machen, aber von Zeit zu Zeit sollte dieses Schäfchen mal gucken, ob es den Hirten noch sehen kann.

Aber was soll man tun als Hirte, wenn sich die Schäfchen zu weit entfernen? Was überzeugt Schafe, die zu weit weggelaufen sind? Weg von der Herde, raus aus der Kirche?

Auch das ist ein altes Hirtenprinzip. Es macht keinen Sinn, hinter den Schafen herzurennen, die sind immer schneller als Sie. Das musste ich leidhaft erfahren. Sie müssen dableiben. Sie müssen rufen. Und dann bleiben die irgendwann stehen, drehen sich um,  gucken zurück und kommen wieder. Wenn der Hirte rennt, dann ist Panik, dann ist alles vorbei. Und diese Geduld zu haben, um auf die Kirche zu kommen, diese Geduld wünschte ich mir. Wir sind jetzt in der Phase, wo wir etwas erhalten müssen für die kommenden Generationen.

Dass die Schafe auch den Weg zu kommenden Generationen ebnen können, das weiß Karin Becker aus ihrer Arbeit als Pfarrerin. Da nimmt sie ihre Schafe gern mal in den Konfirmandenunterricht oder zum Religionsunterricht mit.

Ich hatte einen, der hieß Kevin. Wo legt sich mein Schaf ab zum Schlafen? Zu Füßen dieses Kevin. Und der Kevin war wie ausgewechselt und hat gesagt: seid ruhig, das Lamm schläft. So einen Satz hat der noch nie gesprochen, in seinem ganzen Leben nicht.

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Annette Bassler trifft Anja Reschke, Fernsehjournalistin, Chefin des Politmagazins „Panorama“Anja Reschke copyright NDR/Thorsten Jander

Der „Job“, Journalistin zu sein

Die blonde Moderatorin des ARD- Magazins Panorama fasziniert mich schon lange. Vor drei Jahren- Tausende von Flüchtlingen sind grade in Deutschland angekommen- da hat sie in den Tagesthemen zu bürgerschaftlichem Engagement und Mitmenschlichkeit aufgerufen. Seitdem wird sie mit Hass- und Drohbotschaften überschüttet.

Ich hab gemerkt, dass ich natürlich die Debatte immer weiter anheize, je mehr ich im Fernsehen auftrete. Also jeder Auftritt in einer Talksendung, jeder Kommentar hat natürlich zu weiterer Wut geführt. Und dann gab es schon die Empfehlung auch aus meinem Sender: ja, dann halt dich doch mal ein bisschen zurück aus der Öffentlichkeit.  Und auch ich hab das Gefühl gehabt: Oh, ich muss mich jetzt mal ein bisschen zu Hause verstecken.

Wo sie als Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern sicher genug zu tun gehabt hätte.  

Dann war witzigerweise mein Mann, der gesagt hat: aber das bist du doch gar nicht es ist doch in dir drin, du musst doch jemand sein, der da draußen auch steht. Und dann hab ich auch gedacht: er hat recht. Es ist doch mein Job. Ich bin doch Moderatorin, ich hab ja die erste Reihe gewählt.

Die Propheten des Alten Testaments hätten es „Berufung“ genannt. Eine Antwort auf Gottes Ruf, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn es gefährlich wird. Anja Reschke würde ihren „Job“ nicht mit Gott in Verbindung bringen. Und  trotzdem bleibt sie. Will was bewegen in Zeiten von Fake- News. Auf einer Demo in Berlin ist ihr das beklemmend nah gerückt. Ein Mädchen war verschwunden und viele glaubten, sie sei von Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden. Deshalb haben sie demonstriert, obwohl das Mädchen bereits wohlbehalten von Freunden zurückgekehrt ist.

Und ich erinnere mich an ein Interview mit einer Passantin da.. und dann haben wir zu der gesagt: aber das stimmt doch gar nicht, sie ist doch gar nicht vergewaltigt und entführt worden. Und dann sagte die Frau: Fakten oder nicht, Wahrheit oder nicht ist mir egal, ich glaube das!

Das ist es, was Anja Reschke zu schaffen macht. Diese Art der Spaltung in unserer Gesellschaft. Die einen, die sich um Fakten und Beweise bemühen, bevor sie urteilen. Die anderen, die für wahr halten was sie fühlen. Wie sollen wir unsere großen Probleme angehen, wenn die Basis der Verständigung fehlt? Anja Reschke sucht den Kontakt mit den Anderen.

Ich kriege ja sehr viel Post und ich antworte darauf und oft ergibt sich daraus ein Briefwechsel. Das ist für mich wichtig, weil ich dadurch meine Argumente schärfen kann, überprüfen, vielleicht auch verwerfen. Ich hab dadurch schon viel Verständnis für das, was da passiert. Ich glaube aber, dass die Angst der Leute eigentlich größer ist als die Angst vor Migration oder vor Flüchtlingen

Und diese Art der Angst hat ihren „Job“ und ihre Ziele als Journalistin verändert.

Demokratie mit Leben füllen

Preisverleihung Anja Reschke und Theo KollAnja Reschke ist mit ihren 46 Jahren die jüngste Chefin des Politmagazins Panorama. Ihre Kommentare sind erfrischend klare Ansagen zum Zeitgeschehen. Dafür ist sie jetzt in Mainz mit dem Hildegard-von Bingen- Preis ausgezeichnet worden. Vor dem „who is who“ des deutschen Fernsehjournalismus. Nach der Preisverleihung dankt sie dem Laudator für seine Rede und meint: „Sie machen mich aber größer als ich bin.“ Ganz sachlich sagt sie das, als wolle sie einen Recherchefehler korrigieren. Genauso sachlich ist sie in ihrer Kritik an der eigenen Zunft.

Ich glaube, dass die letzten Jahrzehnte in der Berichterstattung viel so rübergekommen ist so nach dem Motto so „wir erzählen euch jetzt mal, was alles falsch läuft. Guckt mal, die da oben machen das falsch und ihr da unten seid dem ausgeliefert.   

Dadurch, so Reschke, haben Journalisten die Wut der Leute auf die da oben eher verstärkt. Und den Glauben, dass man gegen die eh nichts machen kann.

Das ist glaub ich Unsinn. Ich glaube der Punkt, dass die Demokratie schon mit allen zusammenhängt und auch von den Leuten mitgelebt werden muss, ist etwas, was wir zu wenig beachtet haben.

Und das will sie stärker angehen. Dafür will sie werben. Demokratie muss gelebt werden. Und dafür muss man sich eben schlau machen, komplizierte Zusammenhänge verstehen lernen. Dabei will sie helfen. Verstehen, was mit was alles zusammenhängt. Und sich dann einbringen. Und sich eben nicht ins Private, ins Häusliche zurückziehen. Oder ins Nationale, Völkische. Es weiß doch jeder, dass der Klimawandel samt den wirtschaftlichen Folgen vor keiner Grenze Halt macht. Deshalb geht es darum, sich mehr als Mensch unter Menschen zu verstehen. Und genau dafür findet sie Kirche wichtig.

Gibt ja viele Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, gibt ja auch genügend Gründe dafür, warum man austreten kann. Ich aber halte die Kirche für notwendig, auch in diesem gesellschaftlichen Diskurs, weil ich finde: wer soll denn die moralische Instanz sein, wenn nicht die Kirche. Irgendwo muss diese Instanz da sein, die uns ermahnt und letztendlich ist ja die Kirche nichts anderes, also wenn man sich mal die 10 Gebote anguckt, ist das ja nichts anderes als Regeln von gutem Zusammenleben.

Gutes Zusammenleben ist möglich. Daran glaube ich. Darauf hoffen und daran glauben und nicht zynisch werden. Das ist für Journalisten gar nicht selbstverständlich. Sind sie doch ständig mit der Analyse von Krisen und Katastrophen beschäftigt. Anja Reschke stammt zwar aus einem protestantischen Elternhaus, aber der Glaube an Gott hat für sie persönlich- außer an Weihnachten und Ostern- keine große Rolle gespielt. Trotzdem hält sie sich innerlich dafür offen.

Der Glaube an Gott ist für mich eher der Glaube an irgendwas Gutes, also irgendwas, was auf das Positive und Grundgute zwischen den Menschen gerichtet ist. Und ich glaube:  in Zeiten der Not oder in Zeiten, wenn alles um dich rum versinkt, wirst du dich wahrscheinlich dem zuwenden, ja. Und deswegen suchen Menschen dann Zuflucht in der Kirche, wo soll man auch hingehen?

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Ilka FriedrichAnnette Bassler trifft Ilka Friedrich, Pfarrerin für interreligiöse Beziehungen in Mainz

Zu Hause ist, wo man sich mich nicht rechtfertigen muss

Sie ist Pfarrerin und organisiert in Mainz Begegnungen zwischen Christen, Muslimen, Juden undMenschen anderer Religionen. Wie zum Beispiel in der Mainzer Synagoge. Dort haben sich vor zwei Wochen Gläubige aller Religionen getroffen. Um 8 jungen Leuten- Christen, Juden und Muslime zuzuhören, wie die ganz konkret von ihrem Glauben im Alltag erzählt haben. Und davon, dass sie auch Freunde haben unter denen Andersgläubigen. Weil die Beziehung zählt. „Zu Hause bin ich dort, wo ich mich nicht rechtfertigen muss.“ Aber geht das? In einer Zeit anwachsender Fremdenfeindlichkeit?

Ich glaube, dass das geht. Und ich glaube, es ist die große Chance über den interreligiösen  und interkulturellen Dialog ein grundsätzliches Wohlwollen und Vertrauen zu gewinnen, dass man dann auch über kritische Fragen ins Gespräch kommt. Ohne Angst zu haben, direkt verurteilt zu werden, sondern wirklich von Mensch zu Mensch zu begegnen.

Zu Hause bin ich dort, wo ich mich nicht rechtfertigen muss. Der Satz geht mir nach. Wie oft muss ich mich rechtfertigen für meinen Glauben- auch vor Christenmenschen. Und wie oft erwarte ich, dass andere sich rechtfertigen? Weil sie nicht so sind, wie ich das gerne hätte. Ilka Friedrich hat die Vision, dass das geht- Wohlwollen und Vertrauen entwickeln. Zum Beispiel so:

Ich war verabredet mit einer jungen Muslima in einem türkischen Restaurant und wir wollten uns unterhalten über eine künftige Veranstaltung. Und seit Jahren habe ich mir wieder angewöhnt, ein kurzes Tischgebet zu sprechen und das wollte ich ganz leise am Tisch tun um meine Gesprächspartnerin nicht zu irritieren und dann schaute Birsa mich an und sagte:  „Ach bete doch laut für uns, ich bete mit.“

Natürlich glaubt die junge Muslima nicht an Jesus Christus oder an den dreieinigen Gott der Christen. Sie hat auch nicht mit Ilka Friedrich gebetet, sondern -neben ihr.

Das Anteilnehmen am Gebet des anderen, das geht. Und das Nebeneinander-Beten. Ich halte im Moment nichts davon, unsere verschiedenen Gebetsvorstellungen einfach zu vermischen. Das schafft mehr Irritation als Zusammenhalt. Aber mitzubekommen, wie sich jemand zu Gott hinwendet und daran Anteil zu nehmen, sei es zum trinitarischen Gott im Christentum oder zu Allah im Islam oder in anderen Religionen, das wahrzunehmen und wert zu schätzen, das verbindet sehr.

Den Anderen erst mal ihren Glauben lassen, sie nicht gleich als versponnen, fanatisch oder gar gewaltbereit zu verdächtigen, das wünsche ich mir auch. Nur so wächst Vertrauen. Und dann? Dann muss man miteinander reden. Miteinander, nicht übereinander reden. Denn Frieden ist immer konkret. Er entsteht von Mensch zu Mensch. Indem man mit ihm im Alltag etwas tut.

Frieden ist immer konkret

Vor einiger Zeit hat der bayrische Ministerpräsident vorgeschlagen, Kreuze an die Wand von Gerichtssälen anzubringen. Um die Strahlkraft des Christentums zum Leuchten zu bringen. Als Pfarrerin für interreligiöse Beziehungen in Mainz hat Ilka Friedrich dasselbe Ziel. Aber ihr Weg ist ein anderer.

Anderen zu helfen, ihr Menschsein, auch ihre Religion zu leben, finde ich eigentlich einen zutiefst christlichen Zugang zum Nächsten. Und natürlich ist es für mich wichtig, ein christliches Zeugnis abzulegen in unserer Stadt, aber dazu gehört eben auch, den Nächsten zu lieben und ihn erstmal so anzunehmen, wie er ist.

Wenn also in einer Stadt auch Muslime und Juden oder Hindus leben, dann braucht es neben der Kirche auch eine Moschee, eine Synagoge und einen Tempel, meint Ilka Friedrich.

Ich glaube, Religion in der Öffentlichkeit zu haben, auch durch Synagogen oder Moscheen  das ist auch immer eine Möglichkeit, Transparenz zu schaffen, auch Orte der Begegnung.

Orte, an denen man sich treffen kann. Wo jeder mal Gast und mal Gastgeber ist. Wo man sich nicht auf Gewalt gegen Andersgläubige einstimmt, sondern aufs Zuhören und Fragenstellen. Und sich niemand für seinen Glauben rechtfertigen muss. Wenn wir, die christlich geprägte Mehrheitsgesellschaft, an den einen Gott glauben, dann ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Menschen mit anderen Religionen Heimat finden.

Und ich glaube, dass dies in Orten der Transparenz viel besser geschehen kann als an irgendwelchen merkwürdigen Orten, an denen Menschen das Gefühl haben: wir werden hier nicht anerkannt und wir müssen was Ganz eigenes fernab der Öffentlichkeit machen.

An solchen Orten kann man üben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Sich kennenzulernen. Angst abzubauen. Wie zum Beispiel vor zwei Wochen in der gut gefüllten Mainzer Synagoge. Da haben sich 8 junge Christen, Juden und Muslime über ihren Glauben ausgetauscht. Dass der ihnen sehr wichtig ist. Dass sie aber nicht mit allen können. Nicht mit denen, vor denen sie sich ständig rechtfertigen müssen. Ilka Friedrich freut sich, wie selbstverständlich sie im Alltag multikulti leben. Und auch am Glaubensgespräch interessiert sind. Wie schön, wenn wir, die ältere Generation sie dabei unterstützt. So wie an jenem Abend in der Synagoge.

Für mich einer der schönsten Momente -war lange nach der Veranstaltung. Ich stand noch draußen und sprach mit einem anderen Menschen über eine nächste Veranstaltung. Und die Jugendlichen standen in einem kleinen Grüppchen beieinander. Alle waren schon weg. Dann haben sie eine eigene Whatsapp- Gruppe eingerichtet, um sich zu vernetzen. Und riefen mir zu: Ilka, wir machen jetzt noch ein bisschen weiter, aber wir gehen in eine Kneipe und machen dort interreligiösen Dialog.

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Franz AltAnnette Bassler trifft Dr. Franz Alt, Journalist

Erneuerbare Energie

Ich war gespannt, ihn wiederzusehen nach 16 Jahren, den ehemaligen Report- Moderator. Der Katholik und Freund des Dalai Lama kämpft sein ganzes Berufsleben für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Seit Tschernobyl für erneuerbare Energie. Wie hält er es selber mit dieser Energie, jetzt, mit fast 80 Jahren?

Ich glaube, wir sind ja dazu da und haben die Möglichkeit eines langen Lebens um zu lernen, also warum soll ich das abkürzen. Der Sinn unseres Hierseins ist, dass dieser Planet ein Lernplanet ist für jeden von uns.

Wir sitzen in seinem Wintergarten. Drei Meter hohe Bäume wölben ihre Äste über uns. Auf die schaut er, wenn er seine Bestseller schreibt. Sein Jesusbuch zum Beispiel oder das über den Dalai Lama. Noch immer bereist er die Welt, informiert sich über die wissenschaftlichen Erkenntnisse, hält Vorträge.

Seit dem Jahr 2000 haben wir weltweit die Solarenergie verhundertfacht und die Windenergie versiebzehnfacht. Das heißt: bis zum Jahr 2030 kann die ganze Welt erneuerbar sein.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse bringt er dann unters Volk. Wie Journalisten das so machen. Aber weil für ihn Natur auch Schöpfung ist, wird der leidenschaftliche Journalist zum ebenso leidenschaftlichen Prediger.

Das Zeitfenster das uns noch bleibt zur Rettung der Schöpfung ist etwa 20 Jahre, sagen die Wissenschaftler und in der Zeit müssen wir die Wende schaffen. Die Energiefrage ist die Schlüsselfrage für die Zukunft der Menschheit.

Mich interessiert, wie Franz Alt diese Energiefrage für sich selber gelöst hat. Woher nimmt er diese unglaubliche Energie? Warum will er noch immer gestalten, verändern, etwas zum Guten hin bewegen? Als ich ihn das frage, fällt ihm zuerst ein, was Jesus einmal zu seinen Freunden gesagt hat.

„Ich werde bei euch sein alle Tage bis an das Ende der Welt.“ Das nenne ich eine kosmische Kraft. Und wenn ich offen bin für diese kosmische Kraft, dann spüre ich auch, dass ich gesund bleibe und gesund bin und ganzheitlich leben kann.

Diese kosmische Kraft findet er bei seinen täglichen Waldspaziergängen, in Begegnungen und in seinen Träumen. Energie ist unendlich. In uns und um uns herum.

Der liebe Gott hat es so gut mit uns gemeint, dass wir uns lässig zu 100 Prozent erneuerbar versorgen könnten mit Sonne, mit Wind mit Wasserkraft, mit Bioenergie, die Natur bietet uns alles!

Alles, was wir brauchen. Es muss nur geborgen und gerecht verteilt werden. Und deshalb gibt es auch Hoffnung für uns alle.

Die einzige Supermacht auf dieser Erde, die ich kennengelernt habe, ist die Seele, nicht Herr Putin, nicht Herr Trump, die Seele jedes Einzelnen ist die Supermacht unserer Zeit und so können Menschen einzelne Menschen, die das verstehen, auch die Welt verändern.

Wir sollten mehr an diese Supermacht und an Gott glauben, findet Franz Alt.

Wasser des Lebens

Von Anfang an war Franz Alt dabei, als es um die Energiewende ging. Als Journalist, als Buchautor, als Katholik und auch als „Prediger“. Seit der Katastrophe von Tschernobyl fordert er die Wende zu erneuerbaren Energien. Zum gerechten Teilen der natürlichen Ressourcen. Und er tut es noch heute, mit fast 80 Jahren. Und jetzt haben wir Evangelische für 2018 eine Losung, in der es um Wasser geht. Lebendiges Wasser, das Gott umsonst schenkt. Wie er das findet?  

Dieses Motto der evangelischen Kirche in diesem Jahr ist deshalb so wichtig, weil der Klimakrise ganz logischerweise die Wasserkrise folgen wird. Es ist ja kein Zufall, dass wir ein Klima haben, das Wasser speichert. Und ein Großteil unserer Süßwasserquellen ist in der Arktis und Antarktis, im noch ewigen Eis.

Dort war er schon, hat mit Arktisforschern gesprochen und Bücher darüber geschrieben.

Die Klimakrise verändert sämtliche Wasserkreisläufe auf der ganzen Welt! Spüren wir heute schon. Vor fünfzehn Jahren hätte sich kein Mensch vorstellen können, dass Kalifornien austrocknet, dass in Johannesburg das Wasser rationiert werden muss. Der Dalai Lama erzählt mir, in Asien, Indien und China sind 2 Milliarden Menschen in wenigen Jahren von einer Wasserkatastrophe betroffen, weil die Gletscher des Himalaja schmelzen. Das war immer die Wasserquelle für  eine Milliarde Inder und eine Milliarde Chinesen.

Erstaunlich, dass er so gar nicht verbittert oder zynisch geworden ist wegen der Entwicklungen der letzten Jahre. Beim Thema Wasser fängt er vielmehr an zu schwärmen.

Ich hab ja das Glück gehabt als Fernsehreporter an vielen Stellen der Welt zu sein. Für mich hat das Wasser in der Arktis eine andere Farbe als in der Antarktis, das hängt auch mit den Wolkenspielen zusammen. Himalaya Schnee macht ein ganz anderes Wasser als Nordsee oder Ostsee Schnee. Wasser am Mittelmeer ist was Anderes als am Golf von Bengalen, hab ich gesehen. Am Polarkreis, am Suezkanal am Panamakanal in den Reisfeldern Indonesiens oder am Ganges Ufer hatten wir jeweils ein völlig anderes Wasser. Ich hatte jeweils ein anderes  Empfinden über das Wasser, was ich dort angetroffen habe.

Und so nimmt Franz Alt mich mit, sodass ich genauer hinschaue, rieche, schmecke und vor allem staune über das Wunder, das uns da entgegenfließt. Allein wenn ich den Wasserhahn aufdrehe. Sollten wir nicht achtsamer mit diesem Geschenk umgehen?

Alles, was wir wirklich zum Leben brauchen, sind Geschenke und ist umsonst. Wie sagt Jesus: die Früchte wachsen von selbst. Wir Menschen  müssen zwar was tun, aber dann in Geduld warten. Die Luft, die wir brauchen zum Atmen, ist ein Geschenk. Das Wasser, das wir brauchen, um nicht zu verdursten, ist ein Geschenk. Was auf dem Acker wächst, noch nie hat ein Wissenschaftler ein Grashalm wachsen lassen können von sich aus das sind alles- Geschenke!

 

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Mona SaroinsongAnnette Bassler trifft Mona Saroinsong, Humanitarian Worker, Manado- Nordsulawesi

Evangelisch dort, wo der Pfeffer wächst
Geboren und aufgewachsen ist sie dort, wo der Pfeffer wächst. Und dort haben wir uns auch getroffen: Auf der Insel Sulawesi. Die gehört zu Indonesien und liegt zwischen Borneo und Papua- Neuguinea. Mona Saroinsong ist in Bürgerkrieg und Hunger hineingeboren worden.

Meines Vaters Dorf das eigentlich war islamisches Dorf, aber mein Großvater kam und hat eine Schule dort gebaut und er hat Reisfelder geplant und die ganzen Leute waren Islam. Ich war nicht dort geboren, ich war in anderem islamischen Dorf geboren, weil mein Vater ein Lehrer war. Er war immer irgendwo weg und wir waren umgezogen.

Umgezogen. Das macht Mona Saroinsong bis heute. So hat sie in Holland Pädagogik studiert, war im Rahmen von kirchlichen Austauschprogrammen in der Schweiz und in Deutschland. Und jetzt arbeitet sie für eine kanadisch- amerikanische NGO in Indonesien, Nepal und den Philippinen. Mühelos wechselt sie zwischen indonesisch, englisch und deutsch, als wir uns treffen. Sie als Übersetzerin und Mitglied der evangelischen Kirche von Sulawesi, ich als Mitglied einer Delegation von Pfarrerinnen und Pfarrern der evangelischen Kirche von Hessen und Nassau. Und immer, wenn sie für uns übersetzt hat, konnte ich ihn spüren: den Geist evangelischer Freiheit, den sie so sehr liebt.

Die Freiheit! Und alle sind gleich! Und es gibt so viele Treffen, Kindergottesdienst, Jugendliche, Frauen Männer und ich studierte auch in christlicher Schule. GMIM Schule.

Bei unseren Treffen mit der GMIM- die evangelische Kirche von Sulawesi- übersetzt und vermittelt sie so selbstverständlich, als wäre sie in beiden Kulturen zu Hause.

Ich war in islamische Umgebung geboren, aber wir hatten eine Kirche dort, so wir gingen in die Kirche dort. So für mich Islam und andere Religionen sind nicht fremd. Niemals sagen wir: Ah, du bist Islam, du kannst nicht mit uns! Nein! Nur sagen wir: Ej, das ist Schwein, du kannst nicht essen!  Aber wenn die möchten essen, kein Problem.

Und ich lerne: Freiheit ist, wenn man tolerant sein kann in Geschmacksfragen und Traditionen der Kultur. Aber Freiheit ist auch, sich umso entschiedener aufs Wesentliche zu  konzentrieren.

Meine Mission ist, dass alle Leute können Haus haben und Wasser und Essen und in die Schule, mindestens die Grundschule, oder secondary Schule.

Und dafür ist sie überall in der Welt unterwegs. Sie lässt sich auf Begegnungen mit fremden Menschen ein. Redet mit mir deutsch, auch wenn sie es nicht perfekt beherrscht. Für ihren Einsatz wurde sie im Jahr 2008 für den Friedensnobelpreis nominiert.

Frieden schaffen ist mühsam, aber ganz einfach
Selten habe ich eine Frau getroffen, die so frei und entschieden ihren Weg geht wie Mona Saroinsong. Aufgewachsen auf der indonesischen Insel Sulawesi, hätte die studierte Pädagogin Karriere machen können.

Als Lehrerin und Dozentin an der Uni in Manado. Und seit 2005 hab ich wie heißt das in deutsch? Resigned. Und dann jetzt – ein humanitarian worker. Von einer Kirche in Nordamerika und Kanada.

Für ihre Arbeit als „Humanitarian Worker“- also als Koordinatorin eines Projektes in Zentralsulawesi wurde sie vor 9 Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert. Weil sie es geschafft hat, dass Christen und Muslime zusammengearbeitet haben beim Wiederaufbau nach Krieg und Zerstörung. Dabei hat sie auch radikale Muslime kennen- und schätzen gelernt.

Wenn die wissen, was machen wir, dann die verstehen, was passiert und dann wir können zusammenarbeiten, die sind ganz, ganz, ganz nett. Sind Muslime. Mein Stuff war mehr als einhundert, vielleicht nur sieben Christen. Wir können zusammenarbeiten 4 ½ Jahre, kein Problem.

Über 1000 Häuser hat sie mit ihrem Mitarbeiterstab gebaut. Aber sie macht nicht nur und geht weg. Sie kommt wieder und schaut, ob die Leute weitermachen. Oder woran es liegt, wenn es nicht weitergeht.

Das ist gut für die Organisation, eine long-term evaluation.

Nachhaltigkeit ist ihr ganz wichtig. Deshalb ist sie nach unserem Treffen noch einmal in die Provinz Banda Aceh geflogen. Dort leben fast nur Muslime. Und alle haben durch den Tsunami von 2004 ihre Existenz und Familie verloren. Viele sind noch immer traumatisiert. Fast 13 Millionen US- Dollar hat ihre NGO für das Projekt bereitgestellt.

Eigentlich mein Kontrakt nur für ein Jahr, aber dann noch kommt Geld, und dann zwei Jahre und dann noch kommt Geld, dritte Jahr… sie kommen und gucken „oh, du hast gut gemacht, wir haben noch Geld!“

Erstaunlich, wie leicht sie nimmt, was das Schicksal ihr vor die Füße legt. Arbeit, Einkommen, eine Mission. Dabei wird sie nächstes Jahr schon 60 und ist- ganz ungewöhnlich für eine indonesische Frau- noch immer nicht verheiratet. Vielleicht mit 70- sagt sie und lacht. Als ich unsere Angst vor islamistischem Terror anspreche, wird sie nachdenklich..

Ich denke, es gibt eine Angst vor dem Islam eigentlich nach dem September 11 in Amerika, es gab auch ein sehr radikaler Islam. Aber das ist klein eigentlich, ganz ganz klein.

Vielleicht hat Mona Saroinsong recht. Vielleicht sind die, vor denen man Angst haben muss, viel weniger als es den Anschein hat. Und vielleicht kann man das so sehen, wenn man wie sie- mit denen auch den Kontakt sucht. Und dabei entdeckt: Frieden ist garnicht so kompliziert. Friede ist, wenn jeder ein Dach über dem Kopf hat, genug zu essen und eine Perspektive fürs Leben. Und ist nicht dafür auch Gott Mensch geworden? In Bethlehem? Damals, am Ende der Welt?

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Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der schönste Lebenslauf. Den Spruch haben mir meine Erzieherinnen im Kindergarten mitgegeben. Als Proviant fürs Leben. Fürs Anfangen und Aufhören. Weil so viel davon abhängt, wie man das macht.

Wie hört man gut auf? Tür zu und Schluss? Oder: Ich bin dann mal weg? Ein Freund hat das so gemacht in seinem Job. Letzter Tag und weg. Kein großes Gedöns, keine Lobhudeleien, wie er sagte. Ehrlicher Schnitt. Jetzt ist er weg, aber denkt oft darüber nach: Was hab ich wohl bewegt? War ich wichtig für Andere? Oder nur ein austauschbares Ersatzteil. Dass er so fragt, hat was mit seiner Würde zu tun, sagt er.

Ein anderer Kollege ist mit großem Bahnhof aus dem Job gegangen. Viele Lobreden, viele Huldigungen. Am Ende haben sich manche gewundert. Und sich gefragt: war er das wirklich? Oder feiert die Firma nur die Gelegenheit, sich selber im Hochglanzprofil zu zeigen?

Von beiden habe ich gelernt: Gut aufhören ist wichtig. Das hat was mit Würde zu tun. Wenn ich mit Gott aufhöre, dann weiß ich zuerst: diese Würde ist unantastbar. Wer ich war, ob ich wer war, das ist vor Gott schon längst beschlossen. Vor Gott habe ich einen Namen. Lange bevor ich angefangen habe, mir selber einen Namen zu machen. Ich bin Gottes geliebtes Kind. Deshalb frage ich anders nach dem, was „Erfolg“ und „Lebensleistung“ ist.

Ich frage anders, weil ich dabei auf die Geschichte Jesu schaue. Der hat ja wahrlich keinen goldenen Abgang hingelegt. Damals in Jerusalem. Sogar seine engsten Freunde haben geglaubt, er wäre auf ganzer Linie gescheitert.

Aber vor Gott ist er nicht gescheitert. Er ist nur seiner Bestimmung gefolgt und dem Willen seines Vaters im Himmel. Er wollte nicht so sein, wie die anderen ihn gerne gehabt hätten. Er wollte nur tun, was nötig war. Wollte da sein, wo Not war. Alles andere war ihm nicht wichtig. Und bis heute wärmen sich Menschen an den Geschichten über ihn und dem Geist, der von ihm ausgeht.
Ich glaube, damit lässt sich gut aufhören.

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„Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der schönste Lebenslauf.“ Den Satz habe ich im Kindergarten gelernt. Lange her. Unsere Erzieherinnen haben uns dazu im Kreis aufgestellt und dann sollten wir im Rhythmus des Satzes mit den Füßen aufstampfen. „Mit Gott fang an mit Gott hör auf, das ist der schönste Lebenslauf.“ Das hat sich mir eingeprägt. Anfangen und aufhören, nicht irgendwie, sondern mit Gott.

Warum das so wichtig ist, habe ich erst später begriffen. Als ich groß angefangen habe. Zum Beispiel mit einer Ausbildung. Mit meiner Ehe. Oder mit dem Beruf. Anfangen- ist ja immer so eine Schwelle. Da fragt man sich: „Schaff ich das, was ich mir vorgenommen habe? Kann ich das überhaupt?“ und manche sagen: Besser, ich fang erst gar nicht an. Dann werde ich auch nicht scheitern. Bevor ich was falsch mache, mach ich lieber nichts. Oder wie in der vergangenen Woche: bevor wir falsch regieren, regieren wir lieber nicht. Man muss wissen, wo die Grenzen sind. Eigentlich ganz vernünftig.

Aber- wo kämen wir hin, wenn wir nur das tun, was wir uns selber zutrauen? Wenn wir unserer Angst das letzte Wort überlassen? Wenn wir unsere Selbsteinschätzung das Maß aller Dinge wäre? Ich glaube, es wäre gottlos.

Und wahrscheinlich wäre kein Kind geboren worden, würden die Frauen nur danach gehen, was sie sich zutrauen. Denn bei jeder Geburt kommt ein Punkt, an dem frau sagt: ich kann nicht mehr. Meine Kräfte sind am Ende. Aber sie macht weiter irgendwie und gebiert so neues Leben. Mit Kräften, von denen sie nicht mal zu träumen gewagt hätte.

Mir ist es mit vielen Anfängen so gegangen. Oft habe ich gedacht: das schaff ich nicht, das weiß ich nicht. Da kann ich nur auf Gottes Hilfe vertrauen. Und immer hat sich eine Lösung gefunden. Nicht immer sofort, aber dann, wenn ich es brauchte. Ist mir eine gute Idee in den Schoß gefallen. Oder stand ein Engel in Gestalt einer lieben Bekannten vor der Tür und hat mir gezeigt: Du bist nicht allein, wenn du anfängst. Gott ist an deiner Seite und er will, dass du lebst. Vielleicht ist heute ist ein guter Tag, um etwas anzufangen.

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Komm doch mit, sagt eine Freundin zu mir. Gerade ist der Gottesdienst vorbei und im Gemeindehaus gibt es einen Brunch. Komm doch mit, ich hab auch lecker Schokokuchen gemacht. Aber ich hab mich doch gar nicht angemeldet, sage ich. Und mitgebracht hab ich auch nichts! - Macht doch nichts!- Aber dann reich´ts doch nicht für die, die sich angemeldet haben! Meine Freundin schaut mich groß an. Das wär doch echt komisch, wenn nur die was kriegen, die sich angemeldet haben, oder? 

Und sie hat Recht. Wenn Christenmenschen zum Essen einladen, sitzt nämlich immer Jesus mit am Tisch. Nicht leibhaftig. Aber im Geist. Für Jesus war gute Planung immer wichtig. Aber wichtiger war für ihn der Geist, der die Menschen miteinander verbindet. Dazu erzählt die Bibel ja diese unglaubliche Geschichte von den 5000 Leuten, die von 5 Broten und 2 Fischen satt werden sollen. Die Leute haben den ganzen Tag Jesus zugehört und jetzt hatten sie Hunger. Die Jünger checken ihre Vorräte und wissen sofort: das funktioniert nie: 5000 Leute und 5 Brote mit zwei Fischen. Besser, sie gehen nach Hause, als dass sie sich um die letzten Krümel kloppen.

Aber überzeugend das Zahlenspiel ist: 5000 Leute und 5 Brote- Jesus glaubt nicht an Zahlen. Er glaubt an Gottes Geist. Und mit Gottes Geist geht das. Deshalb bittet er Gott um seinen Segen. Bittet, dass sich der Himmel öffnet und die Herzen der Menschen. Und so werden alle satt. 5000 Leute werden satt von 5 Broten und 2 Fischen. Aber das war kein Zahlenwunder. Gut möglich, dass manche noch was in ihrer Tasche hatten. Dass manche nicht so hungrig waren.

Diese Geschichte ist ein Verteilungswunder. Wenn Gottes Geist uns beseelt, wenn wir um Gottes Hilfe und Liebe bitten, dann werden wir fähig zu teilen. Dann überwinden wir den Hunger und die Not bei uns und den Hunger in der Welt. Das meint die Geschichte und daran glaube ich.

Beim Gemeindebrunch war tatsächlich genug da. Nur das letzte Stück Schokokuchen hat mir ein Kind vor der Nase weggeschnappt. Aber was ist schon Schokokuchen verglichen mit dem Lächeln eines Kindes!

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