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SWR3 Gedanken

"Ausländer rein!" Ich weiß, das Wort Ausländer ist politisch nicht mehr korrekt. Aber ein Slogan wie "Willkommen ihr MEnschen mit Migrationshintergrund" ist einfach nicht ganz so prickelnd. "Ausländer rein!", diese wunderbar gedrehte Parole ausländerfeindlicher Rechtsauleger kommt, man höre und staune, aus der Wirtschaft. Der deutschen Wirtschaft fehlen Facharbeiter, Akademiker und vor allem Menschen im Dienstleistungs- und Pflegebereich. Sie fehlen heute schon und in den nächsten Jahren wird sich der Mangel noch verschärfen. Nach Berechnungen der Industrie- UNd Handelskammer werden allein in Baden-Württemberg in den nächsten Jahren 200 000 Fachkräfte fehlen. Deutschland ist ein Abwanderungsland geworden. Und rechnet man unsere BEvölkerungsentwicklung hinzu, bei der es bald mehr alte als junge Menschengeben wird, greift man sich doch an den Kopf, dass wir uns so abschottengegenüber Menschen, die aus ärmeren Ländernzu uns kommen wollen. Ja, ich weiß in den Flüchtlingsbooten sitzen keine Facharbeiter mit ihren Bewerbungsunterlagen an Bord. Und ich weiß auch, dass Zuwanderung klare Regelungen braucht, ein Geben und Nehmen sein muss. Aber die Menschen, die seit Jahren übers Mittelmeer nach Europa kommen, tun das ja nicht aus Jux und Tollerei. Sie tun es, weil sie um ihr Leben fürchten, weil sie nichts zu essen oder keine Arbeit haben. Und was macht Europa? Es zieht Mauern und Stacheldraht hoch. Oder baut Lager wie Italien für libysche Flüchtlinge. Es ist nicht zu fassen, ein Mangel trifft auf den anderen. In Nordafrika fehlt es na politischer Stabilität, an Arbeit an Zukunftsperspektiven, besonders für junge Leute. Und uns fehlt es an jungen Leuten und Arbeitskräften. Aber es wäre zynisch, diese Menschen nur zu uns zu lassen, wenn wir sie wirtschaftlich bruachen. Nein, sie haben ein Recht darauf, ein Menschenrecht.

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"Die Nacht  in der das Fürchten wohnt"
„Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond". Diesen Satz der Autorin Mascha Kaléko hat mir eine Freundin geschrieben. Sie hat eine ernste Krankheit und ist gerade am Ende der Behandlung. Und jeder, der selbst noch keine schwere Krankheit selbst noch keine schwere Krankheit hatte, kann nur ahnen, durch welch dunkle Nächte man wohl in dieser Zeit wohl durch muss. Schlaflose Nächte, mit Zweifeln und verzweifelten Fragen. Warum? Warum ich? Was wird werden - mit mir und mit denen die mir lieb sind? Wird alles wieder gut? Ernste Fragen in Zeiten einer ernsten Krankheit. Fragen, die besonders bedrängend in der Nacht kommen. Weil die Stille und die Dunkelheit der Nacht den Menschen auf sich selbst zurückwerfen. Und weil die Dunkelheit auch ein Bild ist für Unsicherheit und Angst. Wo auch das Fürchten wohnt. Und genau da kommen die Sterne und der Mond ins Spiel. Nicht als Kitsch, sondern als unumstößliche ewige Hoffnungslichter, die umso heller sind je dunkler die Nacht ist. Hoffnung wieder gesund zu werden. Keine Schmerzen mehr zu haben. Endlich keine Schmerzen mehr zu haben. Hoffnung auf Geborgenheit, in diesem Leben oder wenn es denn sein muss im anderen. Hoffnung durch Menschen. In Zeiten der Krankheit können sich viele Türen öffnen. Mit überraschenden Einblicken, mit schönen Ausblicken. Zum Beispiel wenn Menschen Zeit haben, sich Zeit nehmen füreinander. Das tut einfach gut, allen Beteiligten. Und vielleicht hilft es sogar auch heilen. Wenn Menschen werden wie der Mond und die Sterne. Und wenn es dunkel wird, das Licht der Sonne aufnehmen und es ausstrahlen.

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Behindert - kein Mensch ist perfekt
„Das ist voll behindert"! Junge Leute gebrauchen das Wort „behindert" als Schimpfwort. So unbedacht wie selbstverständlich. Bei ihnen steht es für sichtbar anders, weniger wert, doof, nervig. Schlicht für Ausgrenzung und für Außenseitertum. Wie kann es kommen, dass ein Wort für eine Andersartigkeit zu einem Schimpfwort geworden ist? Vielleicht weil das Funktionierende, das Gleiche, Glatte zu sehr in die Köpfe und Herzen der Menschen gedrungen ist. Durch Computer, Autos und Menschen, die immer mehr gleich aussehen und die meistens auch gut funktionieren. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich junge Leute in Topmodellshows oder Sangeswettbewerben quälen und demütigen lassen um dem Ideal zu dienen und perfekt zu sein. Der Mensch ist aber nicht perfekt. Gerade das macht ihn aus. Genau das gibt ihm seine Würde. Perfektion wäre kalt und leer. Weil sie keine Entwicklungsmöglichkeit in sich trägt. Aber das Leben ist Entwicklung bis auf das Sterbebett und in den Tod hinein. Darum sind behinderte Menschen auch kein Fehlmuster der menschlichen Kollektion, sondern deutlich sichtbarer Ausdruck der Regel, der Regel, dass kein Mensch perfekt ist. Die 10 % unserer Bevölkerung, die behindert sind, spiegeln den anderen 90 % dass auch sie nicht perfekt sind. Erinnern sie daran, dass jeder Mensch seine Schwächen und Behinderungen hat. Ich zum Beispiel habe verschiedenste Allergien, die mich manchmal gehörig behindern. Und die 10% Behinderten erinnern  daran, wie viel Stärke aus manchen Schwächen kommen kann. Dass uns die schönsten Ausdruckformen des menschlichen Geistes auch und gerade von behinderten Menschen geschenkt worden sind. Von einem an seinem Lebensende fast ganz gehörlosen Ludwig van Beethoven. Einem psychisch schwerkranken Vincent van Gogh. Und von einem vollkommen gelähmten Astrophysiker - und derzeit wohl größten Genie - Stephen Hawking.

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Der Polizist aus der Kirche
Folgenden Text habe ich von einer SWR Kollegin geschickt bekommen. Und wenn er nicht wahr ist, dann ist er sehr gut erfunden: Werner schaute noch mal auf den Tacho, bevor er langsamer wurde, 78 km/h innerhalb einer Ortschaft. Das dritte Mal, dass er in diesem Jahr erwischt wurde. Der Polizist, der ihn angehalten hatte stieg aus seinem Auto und kam mit einem Notizblock auf Werner zu. „Christian?!" Die Uniform irritierte zunächst, aber es war Christian aus der Kirche! Werner sank tiefer in seinen Sitz. Das war schlimmer als der Strafzettel! Ein christlicher Bulle erwischte einen Typen aus seiner eigenen Kirche. „Hallo, Christian, komisch, dass wir uns so wiedersehen." „Hallo, Werner" - kein Lächeln. „ Oh Christian, ich bin nur so schnell gefahren, weil ich schnell nach Hause wollte, zu meiner Frau und meinen Kindern." „Ja, so ist das manchmal." „Mit wie viel hast du mich erwischt?" „70", „Ach Christian komm, das waren höchsten 65. ". Christian war fleißig am Schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte er nicht Führerschein und Papiere sehen? Ungeduldig sagte Werner: „Mann kann doch auch mal ein Auge zudrücken, oder?" Christian schrieb weiter, riss dann den Zettel ab und gab ihn Werner. Ohne ein Wort zu verlieren ging Christian wieder zu seinem Streifenwagen zurück. Werner wartete und schaute ihm im Spiegel nach. Dann faltete er den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wohl kosten? Hey, war das ein Witz, es war kein Strafzettel, es war nur ein kleiner Brief. Und darin stand: „Lieber Werner, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie 5 Jahre alt war starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten, der Typ ist zu schnell gefahren. Ein Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast, dann war der Mann wieder frei. Frei um seine beiden Töchter wieder in die Arme nehmen zu dürfen. Ich hatte nur eine und ich werde wohl warten müssen bis ich sie im Himmel wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht diesem Mann zu vergeben. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bitte bete für mich und bitte: sei vorsichtig, Werner. Gruß. Christian.

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Das 6. Gebot oder wenn die Ehe ins Schleudern kommt
Es sagte der Seiltänzer zu seiner Frau: „Du müsstest wissen, dass ein Seitensprung für mich nicht in Frage kommt." Ein schönes Bild der Schweizer Autorin Brigitte Fuchs. Ein Bild für die eheliche Treue. Und auch ein wenig schillernd, mit dem tragenden Seil als Ehe und dem Seitensprung als dem Absturz. Und warum erzähl ich das? Weil ich was über den Sinn des sechsten Gebots sagen will „Du sollst nicht Ehe brechen!" Klingt so knochig wie moralisch. Man sieht schon den erhobenen Zeigefinger, wittert heimlichen Sex oder erinnert sich schlimmstenfalls an unsägliche Beichtsituationen mit furchtbar indiskreten Pfarrern. Aber das sechste Gebot ist alles nur kein „Sexgebot". Klar, es geht es auch um Sex, aber nicht nur. Es geht um Verlässlichkeit, um Sicherheit. Oder anders ausgedrückt um Treue. Natürlich ist der Bund der Ehe keine Garantie für ewige Liebe und Treue. Und natürlich scheitern auch viele Ehen. Und wenn der Himmel auf Erden zur Hölle geworden ist, dann müssen Menschen in Gottes Namen auch auseinandergehen. Aber nicht gleich auseinander gehen, wenn's mal schwierig wird. Denn Treue hat auch mit Warten zu tun. Mit Geduld. Niemand ist ohne Fehler und jeder braucht Zeit, Zeit um sich zu entwickeln oder um zu vergeben. Und Treue hat auch mit Verzicht zu tun. Manchmal mit schmerzlichem Verzicht. Aber nicht nur aus starren Prinzipien, sondern um dem Partner oder, wenn Kinder da sind, um der ganzen Familie einen Schutzraum zu geben. Man kann nicht alles und nicht alle haben. Dass ich, wenn ich treu bin, auf andere, vielleicht auch ungeheuer spannende Erfahrungen verzichte, das gibt dem Partner und der gesamten Familie Halt, Sicherheit und Stabilität. Das sechste Gebot will dabei helfen. Nicht als Gefängnis, in das die Ehepartner eingesperrt sind, sondern als Leitplanken, die das Paar in der Spur halten, wenn die Ehe ins Schleudern kommt.

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Das 8. Gebot - radikale Ehrlichkeit?
Jeder Mensch lügt ein bis zweimal täglich. Von solchen Statistiken hört man oft. Aber stimmt das denn? Und wenn ja, was heißt dann lügen? Gehört etwas schön zu reden auch dazu oder jemandem nicht die volle Wahrheit zu sagen? Ein Journalist hat einmal ein interessantes Experiment gemacht: er hat 40 Tage lang nur die Wahrheit gesagt, also immer volle Kanne das raus gelassen, was er gedacht, gefühlt oder gewusst hat. Das hat unter anderem dazu geführt, dass seine Freundin ihn aus dem Schlafzimmer geworfen und sein bester Freund ihm die Faust in den Magen gerammt hat. Nachdem der radikal ehrliche Journalist der Freundin seines Freundes erzählt hatte, dass sein Freund mit einer anderen Frau schläft. Also immer und überall die volle Wahrheit sagen? Ich denke nein. Und ich denke auch nicht, dass das achte der zehn Gebote das meint, wenn es sagt, du sollst kein falsches Zeugnis geben. Es bedeutet aber schon, nicht bewusst die Unwahrheit sagen, über sich selbst und über andere. Ein ehrlicher Umgang gegenüber anderen aber auch gegenüber sich selbst ist lebensnotwendig. Denn wenn man sich nicht mehr aufeinander verlassen kann, wird das Leben kalt, hart und brüchig. Der Journalist, der 40 Tage lang die nackte Wahrheit gesagt hatte, kam übrigens auch zu diesem Fazit: Radikale Ehrlichkeit geht nicht. Respektvolle Ehrlichkeit tut gut und tut auch der Beziehung gut. Und was kann das heißen „respektvolle Ehrlichkeit"? Vielleicht das, was ich bei einem Familientherapeuten gelesen habe. Eine Frau hat ihm über ihren Mann folgendes erzählt: „Als ich zugenommen hatte, hat mein Mann gesagt, er mag dicke Frauen. Und als ich wieder abgenommen habe, hat er gesagt, er mag schlanke Frauen. Irgendwann habe ich begriffen, dass er mich liebt."

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„Die Gefühle hausen in unseren Pausen"
Die Gefühle hausen in unseren Pausen", ja, das hört sich nicht nur gut an, das ist auch noch wahr. In Gesprächen zum Beispiel, wenn ich kurz innehalte, mir selbst Zeit lasse, das nachzuempfinden, was ich gesagt habe. Oder erstmal zu spüren, was ich sagen will. „Die Gefühle hausen in unseren Pausen" - wenn ich beim Reden eine Pause mache und darauf achte was der andere sagt, wie er es sagt oder was er nicht sagt. Wenn ich nachdenke darüber und das Gesagte nicht gleich mit meiner Antwort vergessen mache. Es gibt Menschen, die pausenlos auf einen einquasseln. Lawinentreter nenne ich sie. Du gibst ihnen ein Stichwort und wie eine Lawine stürzt ein nicht enden wollender Redeschwall auf dich ein. Sie gehören zu der Gattung Mensch, die ich wirklich schwer verstehe. Sind sie so gefühllos, dass sie selbst keine Pausen brauchen? Oder haben sie so viele Gefühle, dass sie alle in ihren Redeschwall legen und für die des anderen kein Platz mehr ist? Oder haben sie vielleicht Angst vor den Gefühlen und reden deshalb pausenlos, damit nur ja keine Gefühle aufkommen können?
Wie auch immer! Pausen sind alles nur kein Leerlauf! Sie schaffen Qualität, Gesprächsqualität - Lebensqualität. Aber unsere Welt ist viel zu pausenlos. Maschinen laufen Tag und Nacht, die Medien senden ohne Unterbrechungen und wir Menschen arbeiten zu oft und zu lange ohne Pausen. Und Gefühle werden dabei überspielt, betäubt oder verdrängt. Aber Pausen schaffen Raum für das, was Lebenskraft und Lebensfreude gibt. Der Sonntag ist eine gute Gelegenheit dazu.

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