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SWR3 Gedanken

Hauptsache gesund! Wie oft habe ich diesen Satz früher bei Geburtstagsbesuchen in der Pfarrei gehört. Auch nach der Geburt unserer beiden Kinder wurden wir von manchen Menschen mit diesem Satz beglückt. Hauptsache gesund! Was man wohl gesagt hätte, wenn eines unserer Kinder krank oder behindert zur Welt gekommen wäre. Hauptsache gesund? Ist das wirklich die Hauptsache? Gesundheit ist ein kostbares Gut, keine Frage. Dank High-Tech-Medizin und wirksamer Arzneimittel, dank Fitness-Kult und Jugendwahn ist Kranksein inzwischen fast zum bedauerlichen Betriebsunfall der Leistungsgesellschaft geworden. Gesundheit und Fitness, so erscheint es manchmal, haben für einige von uns schon beinah religiöse Qualität. Aber sind sie deshalb auch die Hauptsache im Leben?
Eine entfernte Verwandte, die ich als Kind gelegentlich mit meinen Eltern besuchte, litt schon in jungen Jahren unter schwerer Arthrose. Jeder noch so kleine Schritt durch ihr Haus wurde für sie zum schmerzhaften Unterfangen. Trotzdem ist sie mir bis heute als einer der gutmütigsten und lebensfrohsten Menschen in Erinnerung, die mir begegnet sind. Hauptsache gesund? Sie hätte das wohl etwas differenzierter gesehen! Für sie war Gesundheit ein wichtiger Aspekt, aber einer unter vielen, die Lebensqualität und Lebensfreude für sie ausmachten.
Für den Wert des ganzen Lebens möchte uns auch die „Woche für das Leben“ sensibel machen, die von beiden christlichen Kirchen gemeinsam getragen und heute in Würzburg eröffnet wird. Jedes Jahr nimmt sie einen Teilaspekt unseres Lebens in den Blick, um ihn besonders zu beleuchten. In diesem Jahr also: Gesundheit – höchstes Gut?? Ein Anstoß zum Nachdenken, was uns wichtig ist im Leben. https://www.kirche-im-swr.de/?m=3417
Ohne Religion geht es nicht! Zumindest dann nicht, wenn man in den USA politisch etwas werden will. In God´s own country, in Gottes eigenem Land also, haben streng religiöse Wähler schließlich ein mächtiges Wort mitzureden.
Als äußerer Beobachter des amerikanischen Vorwahlkampfs kann man zurzeit jedoch noch einen anderen Eindruck gewinnen. Da geht es nicht mehr nur darum, ob dieser oder jener Bewerber auch gläubig und fromm genug ist. Es scheint eine fast religiöse Sehnsucht nach Erneuerung, nach Aufbruch, einem neuen Gefühl von Einheit und Gemeinschaft zu geben. Überspitzt gesagt: Eine Sehnsucht nach Erlösung und nach einem, der sie bringen kann.
Für die Menschen der Bibel bündelte sich diese Sehnsucht immer wieder in der Figur des Messias. Ein von Gott gesandter Bote, auf den sich die unterschiedlichsten Hoffnungen richteten. Für die einen eine Art König, ein starker politischer Führer, der Frieden und Freiheit bringen sollte. Für andere wiederum ein charismatischer Gottesbote, der am Ende der Zeiten kommen und allen das ersehnte Heil bringen würde. Für uns Christen ist dieser Messias in der Person Jesu zwar schon Wirklichkeit geworden. Die Sehnsucht nach weltlicher Erlösung und nach einem, der sie endlich bringt, gab und gibt es dennoch immer wieder. So ist die Geschichte voll von gescheiterten Pseudo-Messiassen und den Katastrophen, die sie oft hinterließen.
Ob Clinton, Obama oder McCain. Die amerikanischen Bewerber ums mächtigste Amt der Welt scheinen jedenfalls klug genug, sich nicht zum Pseudo-Heilsbringer in quasi-göttlicher Mission zu stilisieren. Yes, WE can, heißt denn bezeichnenderweise auch einer der Schlachtrufe. Nicht ich, sondern wir können es schaffen, wir gemeinsam und natürlich - in God´s own country - mit Gottes Hilfe!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3416
Der Friede sei mit dir! Jeden Sonntag wünschen wir uns das im Gottesdienst und reichen uns dabei die Hand. Damit ist freilich mehr gemeint als nur der Wunsch, der Andere möge bitte vor Mord und Totschlag verschont bleiben. Man wünscht sich damit vielmehr jenen tiefen inneren und äußeren Frieden, den nach gläubigem Verständnis letztlich nur Gott selber schenken kann. Den Frieden mit sich selbst und mit anderen, den Frieden in und mit der Schöpfung.
Um diesen Frieden Gottes, der alles umfasst, geht es letztlich auch der weltweiten ökumenischen Initiative Pax Christi, die in Deutschland genau heute vor 60 Jahren gegründet wurde. Der Irrsinn des zweiten Weltkriegs lag damals erst wenige Jahre zurück. Anlässe, sich als Christen für den Frieden einzumischen, gab es seither leider mehr als genug: Der Vietnam- und der Koreakrieg, die Nachrüstungsdebatte oder die Diskussion um die Wehrpflicht. Aber auch die christlich-jüdische Verständigung oder die Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern machte sich Pax Christi zu Eigen.
Die Bewegung will sich auch künftig zu Wort melden, wo ungerechte Verhältnisse Menschen in Armut und Abhängigkeit zwingen, wo Menschenrechte mit Füssen getreten werden oder ökologischer Raubbau an der Natur stattfindet. Die Vision des umfassenden Friedens Gottes, wie er in der Bibel beschrieben wird, treibt sie an. Menschlich herstellen lässt er sich letztendlich nicht. Als Christen aber können und wollen die Leute von Pax Christi zu all dem nicht schweigen, wenn der Wunsch „Der Friede sei mit dir“ mehr sein soll, als eine belanglose Floskel.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3415
Beim gelegentlichen Blick auf den Kontostand muss es sein wie im Märchen von Schneewittchen: Egal was man da sieht. Eines scheinen die Zahlen immer zu sagen: Da draußen hinter den sieben Bergen, da gibt es welche, die sind noch viel reicher als du! Vielleicht ist nur so zu erklären, warum auch Menschen, die schon so viel haben, dass sie eigentlich nie mehr arbeiten müssten, trotzdem immer noch mehr zusammenraffen – zur Not illegal in Liechtenstein. Da sind halt immer welche, die noch viel reicher sind als sie. Gibt es demnach keine Grenze bei der Gier nach immer mehr?
1994 machte eine für Otto-Normal-Sparer schier unglaubliche Nachricht die Runde. Der Microsoft-Gründer Bill Gates, seines Zeichens damals reichster Mensch der Welt, brachte einen erheblichen Teil seines unvorstellbaren Reichtums in eine Stiftung ein. Sie sollte von nun an den Armen der Welt etwas Gutes tun. Vor zwei Jahren schließlich tat der zweitreichste Mensch, der Börsenspekulant Warren Buffet, es Gates gleich. Er kündigte an, den größten Teil seines riesigen Vermögens ebenfalls in diese Stiftung zu geben. Ob es doch so etwas wie eine Grenze gibt, hinter der eine weitere Anhäufung von noch mehr Geld schlicht sinnlos wird? Eine Grenze der Gier gewissermaßen? Was Gates und Buffet letztlich dazu bewogen hat, blieb ihr Geheimnis. Bekannt war allerdings, dass Warren Buffets Frau kurz vor seiner Riesenspende verstorben war. Es gibt eben doch Wichtigeres im Leben als die Jagd nach Erfolg und das Anhäufen von Reichtum. Immerhin wird der folgende Satz ebenfalls ihm zugeschrieben: „Großes Vermögen, das anzusammeln die Gesellschaft ermöglicht hat, soll auch dahin wieder zurückfließen.“ Wenn es tatsächlich immer so wäre, dann hätte sogar die Gier am Ende noch etwas Positives.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3414
Overkill! Das bizarre Wort ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Es umschreibt das bis dahin Unvorstellbare: Die Fähigkeit des Menschen, dank Massenvernichtungswaffen alles Leben auf Erden auslöschen zu können. Eine Fähigkeit, die bis dahin nur Gott zukam. Die biblische Geschichte von Noah erzählt davon. Eines Tages bekommt Noah von Gott den Auftrag, ein riesiges Schiff zu bauen, eine Arche. In diesem Schiff soll er sich und seine Familie in Sicherheit bringen und darüber hinaus auch von allen Tieren je ein Paar. Eine gewaltige Flut werde nämlich kommen und alles Leben auf Erden vernichten. Seine Nachbarn lachen sich scheckig über diesen Irren, der mitten auf dem Festland beginnt, ein Riesenschiff zu zimmern. Als die Flut schließlich kommt, lacht niemand mehr. Seine Familie ist die einzige, die überlebt – und mit ihm die Tiere in der Arche.
Erinnerungen, die mir in den Sinn kamen, als vor vier Wochen im ewigen Eis von Spitzbergen wieder eine Arche eröffnet wurde. In einem Stollen, tief in der gefrorenen Erde, sollen die Samen aller bekannten Nutzpflanzen archiviert werden – für Jahrhunderte. Eine Art Backup der Schöpfung also, falls durch menschlichen Irrsinn einmal ein Teil davon unwiederbringlich verloren geht. Dass für uns – anders als in der Bibel - in dieser Arche aber kein Platz reserviert ist, könnte wohl als Fingerzeig verstanden werden. Für uns gibt es keinen Plan B.
Allen Untergangsszenarien zum Trotz. Die biblische Geschichte endet mit einem grandiosen Happy End: Nachdem die Katastrophe vorüber ist, schließt Gott einen Bund mit den Überlebenden. Nie mehr soll von nun an das Leben auf Erden vernichtet werden. Zum Zeichen dieses Versprechens stellt er seinen leuchtenden Bogen in die Wolken. Das Bild eines Regenbogens über dem Stollen in Spitzbergen. Es wäre vielleicht das sinnenfälligste Zeichen einer Zukunftshoffnung für die Schöpfung.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3413
Mancher würde wohl ganz gerne, wenn er denn könnte: Glauben nämlich. Kirchen sind zwar immer noch allerorten zu finden, doch praktizierte Religion ist bei uns schon länger keine Selbstverständlichkeit mehr.
So wünschen sich etwa viele Eltern durchaus eine irgendwie geartete religiöse Erziehung ihrer Kinder. Aber wie? Viele sind selber sprachlos geworden, haben verlernt wie man das macht, die Saite des Glaubens in sich zum Klingen zu bringen. Der Kontakt mit Orten, an denen der Glaube gelebt und praktiziert wird, ist brüchig geworden. Die Welt des Religiösen bleibt ihnen seltsam fremd. Die Fragen allerdings bleiben auch, nach dem Woher und Wohin, nach dem, was Sinn gibt und Halt. Besonders dann, wenn die sicher geglaubten Konstanten des Lebens plötzlich in Bewegung geraten.
An vielen Orten gibt es deshalb nun so genannte Glaubenskurse. Sie sprechen Menschen an, die nach Mehr suchen. Menschen, die grundsätzlich offen sind für die religiöse Dimension in ihrem Leben, aber nicht wissen, wie man das macht und was es da überhaupt zu entdecken gibt. Im Glaubenskurs können sie Menschen begegnen, die kritischen Fragen nicht ausweichen. Hier bekommen sie sachliche Informationen und können den Glauben der Kirche näher kennen lernen. Dabei geht es weder um Indoktrination noch um weltfremde Frömmelei. Es geht darum, sich selbst noch ein andere, weitere Dimension des Lebens zu erschließen. Ob man dem Weg dann weiter folgen will, bleibt letztlich der Freiheit jedes Einzelnen überlassen. Wer interessiert ist, der sollte einfach mal nachfragen, zum Beispiel bei der nächsten Kirche.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=3412
Heute morgen setzen sich überall im SWR3-Land festlich gekleidete Menschen in Bewegung. Sie besuchen die katholischen Kirchen, um dort mit den Kindern zu feiern, die heute ihren großen Tag, ihr Fest haben. Tausende Kinder nehmen nämlich heute morgen zum ersten Mal am Abendmahl teil. Jesus selber hat es damals als das Zeichen der Gemeinschaft mit ihm eingesetzt. Den Weißen Sonntag nennen wir Katholiken diesen Sonntag nach Ostern auch. Der Name reicht in die Anfangszeit der Kirche zurück. Damals wurden die erwachsenen Taufbewerber nämlich in der Osternacht getauft. Die weißen Gewänder, die sie dabei anlegten, zogen sie erst am folgenden Sonntag, dem Weißen Sonntag eben wieder aus.
Heute kommt am Weißen Sonntag oft eine ziemlich bunte Gruppe in unseren Kirchen zusammen: Regelmäßige Kirchgänger neben solchen, die nur heute mal dabei sind. Tiefgläubige Gemeindemitglieder neben Menschen, die sich ihres Glaubens alles andere als sicher sind. Menschen aus dem oberen Drittel der Gesellschaft neben solchen, die eher am Rand stehen. Kurzum: Eine ungewöhnliche Gemeinde über die so manch besonders Frommer schon mal die Nase rümpft. Und doch spiegelt sich darin genau das wieder, was Jesus selber wichtig war. Denn er ging damals nicht zuerst zu den Etablierten und Frommen, sondern schaute auch auf jene, die am Rand standen: Die Zweifler und Sünder, die Untergebutterten und die Schräg-Angesehenen. Gerade mit ihnen suchte er immer wieder die Gemeinschaft im Mahl und er ist es letztlich auch, der heute morgen alle einlädt. Alle - egal, wer sie sind und woher sie kommen.

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