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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

28DEZ2019
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Ich habe letztes Jahr kurz vor Weihnachten die Kinder gefragt, was sie sich von uns wünschen. Das war leichtsinnig und sehr gewagt. Nein, ich hatte einfach nicht mit einem solchen Wunsch gerechnet. Wer denkt denn an so was! Guten Pfälzer Wein hätte ich gedacht, oder was zum Lesen. Vielleicht Unterstützung für das neue Auto. Aber doch nicht damit.

„Papa!“, sagten sie, „Dann wünschen wir uns, dass du unseren Keller aufräumst!“ Zwischen den Jahren hätten wir Zeit und du doch bestimmt auch. Nun, da ich bestimmt auch Zeit hatte, sind meine Frau und ich dann zu ihnen gefahren mit Hänger, Handschuhen und Heldenmut.

Wie so ein Keller aussehen kann, das ist nicht zu beschreiben, das muss man gesehen haben. In der Bibel gibt es dafür einen urheberrechtlich geschützten Spezialbegriff und der heißt TOHUWABOHU.

Das herrschte vor Beginn der Schöpfung, ehe Gott höchst selbst anfängt aufzuräumen. Vorher weiß man nicht, was Oben und Unten ist. In diese quasi biblischen Zustände sind wir also mutig hinab gestiegen, haben sortiert, rausgetragen, in den Anhänger gepackt und aussortiert.

Als wir mit der ersten Fuhre zum städtischen Wertstoffhof kamen, war da eine Schlange bis vors Tor. Jetzt erst wurde mir klar, wie viele Opas und Omas und Schwiegereltern aus Versehen vor Weihnachten die Wünsche der Kinder abgefragt haben mussten. Und der Befund war ergreifend. Es war eine Massenbewegung.

Die Keller der ganzen Stadt wurden archäologisch erforscht. Es gab kein Halten mehr, außer vor dem Tor der Entsorgung. Es hat lange gedauert, bis wir reinkamen. Und dann ging es erst los, denn alles musste ja getrennt in verschiedene Container. Da nicht unter die Räder zu kommen, kam schon einem Wunder gleich. Noch 3 mal sind wir an dem Tag gefahren. Und dann ab nachhause. Die Arme so lang wie die Beine aber glücklich und zufrieden wie lange nicht mehr.

So eine Räumaktion ist so ziemlich das Beste, was man nach Weihnachten mit der Familie machen kann. Erschöpft aber zufrieden wie lange nicht, bin ich in den Nachtschlaf gefallen und habe geräumt davon, wie der liebe Gott uns den Keller aufgeräumt hat als die Schöpfung begann.

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27DEZ2019
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Hätten Sie gewusst, dass heute Freitag ist? Es ist auch irgendwie gar nicht so wichtig. Ausnahmsweise-Weil wir im Ausnahmezustand sind. Nach so viel freier Feierzeit, bei der Überdosis Familie und Besuch, nach so viel gutem Essen und Trinken.

Irgendwie gabs keine Werktage mehr. Da kann man schon mal durcheinander kommen und was die Wochentage betrifft die Orientierung verlieren. Also ich versichere ihnen aber feierlich, dass heute wirklich Freitag, der 27. Dezember ist.

In diesen Tagen sind die Leute schon immer neben der Spur gewesen. Deshalb haben unsere Vorfahren diese außergewöhnliche Zeitspanne „Zwischen den Jahren“ genannt. Weil alle so aus der Zeit gefallen sind. Früher kam es den Leuten so vor, als würde tatsächlich die Welt angehalten. Alles kam plötzlich zum Stehen.

Kein Wunder, dass es zu ganz merkwürdigen Regeln kam, die beachtet werden sollten in dieser Auszeit. Wäsche waschen zum Beispiel war verboten. Nähen, Flicken, Stopfen verpönt. Selbst die Ställe sollten möglichst wenig ausgemistet werden. Staub wischen, auskehren- alles nicht vorgesehen. Betriebsruhe auf der ganzen Linie. Knechte und Mägde hatten endlich einmal frei und konnten ihre Familien besuchen. Eine Sabbatzeit, alles außer gewöhnlich. Mit einem ganz merkwürdig anderem Takt und Zeitgefühl.

Eigentlich wunderbar, ja himmlisch könnte man sagen. Denn die Bibel erzählt ja, dass Gott selber auch ein ganz ausgefallenes Zeitempfinden hat. Für ihn sind 1000 Jahre wie ein Tag und ein Tag wie 1000 Jahre.

Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Und da spielt es keine so gro0e Rolle, was für einen Namen der Wochentag gerade hat.
Zwischen den Jahren lebe ich ein bisschen göttlich anders, entrückt fast aus dem Zeitdruck der Normalität. Wir sollten es uns leisten. Uns das Recht heraus nehmen, nicht nach Freitag zu fragen, sondern vielleicht einen freien Tag daraus machen.

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24DEZ2019
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Ich weiß noch ganz genau, wie ich als kleiner Junge an Heiligabend in aller Frühe nochmal zum Einkaufen ins Dorf geschickt worden bin. Eine kleine Kleinigkeit sollte ich holen. Ein Päckchen Hefe, zum Kuchenbacken. Es hätte alles gutgehen können.
Stattdessen traf ich vor dem Bäckerladen meinen gleichaltrigen Schulfreund. In meiner noch unzerstörten Naivität gestand ich Kindskopf ihm ganz offen, wie gespannt ich auf das Christkind doch sei.

Und ich seh ihn noch heute vor mir stehen, triumphal die Hände in den Hosentaschen, so hin und her wippend mit einem verächtlichen Blick. „Was?- sagt er „Du glaubst noch ans Christkind-“Von dem Tage an wusste ich absolut sicher, dass wer in dieser Welt ernsthaft etwas gelten will, jedenfalls nicht mehr ans Christkind glauben darf. Das ist nicht gut fürs Image
Und schon gar nicht für die Hefe, ohne die ich weinend nachhause kam-mit der großen Frage:
Menschenskind, Wie ist das mit dem Christkind bloß? Wer ist das? Und wenn ja wie viele?
Das Christkind, dem man Wunschzettel schreibt-das Plätzchen bäckt, wenn der Himmel rot ist-das die Wohnzimmertür verschließt, das Bäumchen schmückt-klingelt, wenn fertig ist-verschwindet, ehe das Fest beginnt…

Glauben Sie noch ans Christkind? Ist es ein Fabelwesen, eine Engelsgestalt, weitläufig verwandt mit Klapperstorch und Osterhasen?
Kann das sein: Heute Abend kommt das Christkind und niemand weiß, wer das ist?
Was machen wir bloß heute mit diesem Heiligen Abend, an dem sich das Christkind schon wieder angesagt hat?
Wir machen es am besten so, dass wir anfangen, uns über das Christkind zu freuen, das Christus-Kind heißt, geboren vor mehr als 2000 Jahren im Stall, heruntergekommen in ziemlich bescheidene Verhältnisse, arm aber selig, damit es möglichst viel mit uns allen gemeinsam hat.
So können Gottes Kinder auch wenn sie schon groß sind, immer noch ans Christkind glauben. Mit oder ohne Hefekuchen…

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23DEZ2019
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„Kleider machen Leute!“ heißt es doch. Gut gekleidet muss zum Beispiel ein König sein, eine Königin erstrecht. In Samt und Seide womöglich. Mit Hut wäre gut!

Es gibt die Uniform und die Amtstracht, das Festgewand und die Arbeitsklamotten. Und alle wollen gut daherkommen, trendy sein und modebewusst. Nur Gott macht da nicht mit. Er kommt auf die Welt und es heißt:

„Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen!“ Gott kommt also nicht ehrfurchtsgebietend, erhaben in Samt und Seide daher, mit Insignien der Macht. Er kommt in der Uniform des kleinen Mannes. Er kommt in Windeln. Das ist die Amtstracht derer, die nicht immer ganz dicht sind.

Damit hat Gott ein ganz ungewöhnliches Erkennungszeichen ausgewählt. Wer ihn finden will, muss einen Blick für das Unscheinbare und Banale, das allzu Weltliche haben. Wer Jesus finden will, sollte sich mit Windeln auskennen.

Eine Windel brauchen die, die wissen, dass nicht immer alles gelingt, dass auch ab und zu mal was in die Hose geht: In der Schule, daheim, bei der Arbeit, in der Clique, in Partnerschaft und mit Lebensgefährten.
Niemand von uns ist immer nur stark und groß und sicher. Umso wertvoller und wichtiger ist es, dass wir in Jesus einem Gott begegnen, der weiß, was eine Windel ist. So klein, so wehrlos, so angewiesen auf Hilfe und Zuwendung, auf Pflege und auf achtsame und respektvolle Zärtlichkeit.

Windeln – als Erkennungszeichen für das Christuskind in einer Krippe, dem Möbelstück für Stallgenossen. Deshalb habe ich einmal an Weihnachten an alle Leute im Gottesdienst Windeln verschenkt, weil man in diesen Tagen einfach wissen wollte, was eine Windel ist.

Denn: Kleider machen Leute. Und ich finde:
Die Windel liegt gerade voll im Trend, ist absolut salonfähig. Wer das nicht glaubt, ist schief gewickelt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30021