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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Engel gibt’s.

Aber es sind nicht genug.

Gott ist auf  der Suche nach Leuten,

die das Zeug haben,  seine Engel zu werden.

Und da kommen auch alle Leute in Frage, die jetzt zuhören.

Ein Engeltalent schlummert in uns allen.

Die Kompetenz einander gut zu tun ist weit verbreitet.

Helfen, Hinhören, Zupacken, Aufheben, Trösten und Beistehen.

Da kann jeder was.

Und deshalb ergeht hiermit die herzliche Einladung

bei dem Unternehmen Gott und Sohn einzusteigen,

je nach Zeit und Kraft,

Jeder und Jede bestimmt da selber wie viel geht-

Ob als  Zuhörer oder Zuneiger,

Gläubige, die zweifeln können

Oder Zweifler, die fast alles glauben,

ob als gute Besserwisser,

schlaue Schlaumeier oder sanfte Mutige.

Alles wird gebraucht.

Schlichte Schlichter, Aktenvernichter, Simultanübersetzer,

streitbare Streiter, charmante Skeptiker,

gut gelaunte Frühaufsteher und verträumte Nachtschwärmer.

Dringend nötig sind auch  barmherzige Verwalter und Gestalter,

betende Hände und offene Ohren,

Märchenerzähler und Angstabnehmer.

Alles Gute kommt von Oben

und ist ab sofort Engelsache, Ehrensache, unsere Sache.

 

Rudolf Otto Wiemer sagt es so:

„Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,

 oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.

 

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand

Oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

 

Dem Hungrigen hat er das Brot gebracht, der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,

erhört, wenn du  ihn rufst in der Nacht, der Engel

 

Er steht im Weg und sagt NEIN, der Engel.

Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein-

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,

die Engel.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27060

Engel gibt’s!

In der Bibel allemal.

Da sind sie von Anfang an Gottes Handlanger und Briefträger.

Überbringen Nachrichten, sagen ganz oft: Fürchte Dich nicht!

Geben Anweisungen, führen über Schwellen, zeigen wo es lang geht.

Manchmal sind sie da und niemand merkts.

Und eine Geschichte gibt es, da merkts nur ein Esel.

Und das ist besonders schön.

Esel haben ja schon lange vor den Bremer Musikanten wichtige Rollen.

Im orientalischen Raum sowieso.

In der Weihnachtsgeschichte spielt er mit,

beim  triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem ist er dabei.

Das ist aber alles nichts im Vergleich zu der Geschichte von dem Profeten Bileam,

der auch einen Esel hat.

Und mit dem ist er auf dem Weg zu Balak,

dem König der Moabiter.

Der sieht das Volk Israel, das aus Ägypten geflohen ist,

um sich aus der Unterdrückung zu retten

und hat Angst vor den vielen Fremden, die da in seinem Land Heimat suchen.

Und darum bestellt er den Gottesmann Bileam

und bittet darum, er möge dieses fremde Volk heftig verfluchen,

damit es nicht weiter in sein Land kommt.

Und als Bileam tatsächlich aufbricht,

um diesen Auftrag womöglich anzunehmen, wie auch immer,

da stellt Gott ihm einen Engel in den Weg.

Aber er sieht ihn nicht. Nur sein Esel.  Der sieht ihn genau

und bleibt störrisch stehen.

Schließlich fängt der Bileam an,  auf sein Reittier einzuprügeln.

Und da fragt man sich doch, wer da der wirkliche Esel ist.

Schließlich fängt der mit den 4 Beinen doch tatsächlich an zu sprechen

und fragt seinen Herrn und Gebieter,

ob er ihm denn jemals Anlass gegeben habe,

so unzufrieden zu sein.

Da gehen dem Bileam endlich die Augen auf

und er sieht den Engel auch,

der verhindern soll im Auftrag Gottes,

dass er sich instrumentalisieren lässt für die Fremdenfeindlichkeit.

Und am Ende segnet Bileam das Volk Gottes.

Und wieder war ein Engel im Spiel und hat dafür die Weichen gestellt.

So manche Eselsbrücke hat Gott schon so für uns gebaut

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27059

Engel gibt’s!

Und sie müssen nicht perfekt sein.

Ich hab einen getroffen, der hatte eine Macke.

Und das kam so:

Ich war in einem Blumenladen.

Und da seh ich ihn vor mir.

In seiner ganzen Schönheit steht er da.

Ein Engel aus Porzellan.

Schaut mich an und sagt:

Kauf mich doch!

Ich frage neugierig, was der denn kostet

und bekomme als Antwort,

der sei ganz billig, weil,

er sei ja kaputt.

Und erst jetzt sehe ich, dass er tatsächlich eine Macke hat,

ein Stück vom Flügel fehlt.

Auf der Heimfahrt schau ich ihn so von der  Seite an,

wie er da auf dem Beifahrersitz   tront und denke:

Wie schnell doch so ein Engel an  Wert verliert,

nur weil er nicht ganz ganz ist.

Leider hab ich ihn nicht  vorschriftsmäßig angeschnallt

und als ich an der roten Ampel etwas zu heftig bremsen muss,

fliegt er unfreiwillig nach vorne und bricht sich auch noch den Arm,

der arme.

Zuhause angekommen bringe ich den Patienten zu meiner Frau,

die ihn mit ihren heilenden Händen kompetent verarztet.

Zumindest was den Arm betrifft, kann ihm geholfen werden.

Und da auf  einmal habe ich angefangen etwas von ihm zu lernen:

Ich glaube nämlich, dass Engel nicht perfekt sein müssen.

Gott braucht sogar gerade die ganz dringend  als Begleiter und zum Trösten,

die selbst nicht ganz fehlerfrei und makellos sind,

sondern auch Schwächen und  Beschwerden kennen.

Unbeschädigt und unversehrt

ist ein Engel ganz verkehrt.

 

Gott braucht eher  Leute als Boten und hilfreiche Helfer,

die selbst eigene Gebrechen und Bruchlandungen kennen.

Gott braucht Engel mit Macken und Zacken,

 

Leute, die wissen, wie es ist mit Rissen und Wunden,

wie es sich anfühlt,

das liebe Leben,

wenn es lebensgefährlich wird,

Wunden schlägt,

Schmerzen macht,

Angst und Bange auch.

Mein Engel mit dem Flügelschaden jedenfalls

ist mir zum wunderbaren Modellathleten geworden.

Und darum habe ich ihn auch bei der nächsten Taufe verschenkt.

Jetzt fliegt er wieder.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27058

Engel gibt’s!

Und sie sind überall im Einsatz,

grenzenlos aufmerksam

und aktiv bis ins hohe Alter.

Ich habe einen getroffen,

schon über 80 Jahre alt

und immer noch aktiv.

Und das kam so:

Wir sind auf der Rückfahrt aus dem Urlaub gewesen.

Plötzlich streikt unser Auto.

Wir bleiben sozusagen auf der Strecke.

Mit Müh und Not schaffen wir es noch, runter zu rollen von der Autobahn.

Wir stehen am Stra0enrand,

gut 700 KM weit weg von zuhause.

Warndreieck aufstellen,

Pannenhilfe anrufen,

Hund beruhigen,

Wohnwagen umräumen.

Warten.

Es dauert nämlich.

Gelbe Engel können manchmal nur sehr langsam fliegen.

Eine gefühlte Ewigkeit harren wir in der Mittagshitze aus.

Urlaubsentschleunigt und lärmentwöhnt tut es einfach nur weh,

so  dermaßen ausgesetzt zu sein, so hilflos auch.

Und da wissen wir noch gar nicht, dass es ganze 3 Tage dauern wird,

bis wir heimfahren werden. 

Noch stehen wir einfach nur so da und schauen uns ratlos an.

Wissen nicht, was kommt.

Da kommt sie.

Eine alte, etwas gebeugte, freundlich dreinschauende Frau.

Sie muss uns wohl schon länger von da drüben aus ihrem Häuschen beobachtet haben.

Und dann hat sie offenbar den Entschluss gefasst, erste Hilfe zu leisten.

Jedenfalls trägt sie sorgsam einen Teller mit Kuchen und Schokolade an unser Auto.

Und an ein Getränk hat sie auch gedacht.

Ihre Sprache verstehen wir nicht.

Aber das ist auch gar nicht nötig.

Denn Verstehen tun wir uns doch.

Sehr gut sogar.

Sie strahlt uns an mit einem so offenen Menschengesicht,

das unendlich viel sagt,

tröstet,

ermutigt.

Sie tut uns gut einfach.

Wir sind dankbar und greifen gerne zu.

Sogar der Hund wedelt.

Der hat eine Schwäche für Engel.

Da kommt der Abschleppwagen.

Wir bedanken uns herzlich, sind froh, dass es jetzt weiter geht,

zwar anders, als wir denken,

doch wenigstens mal weg von der Straße.

Aber das Gesicht unseres Pannen-Kuchen-Engels

leuchtet  noch lange.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27057

Engel gibt’s!

Und sie können auch Fahrrad fahren.

Ich hab jedenfalls mal so einen getroffen.

Und das war so:

Wir haben eine Fahrradfreizeit gemacht.

Mit einer Jugendgruppe unserer Kirchengemeinde.

Es sind wohl etwa 20 Jungs und Mädels  dabei gewesen,

alle so zwischen 14 und  16 Jahren.

In den  Osterferien wars.

Am ersten Tag sind wir über Neustadt nach Speyer gefahren.

Am zweiten dann von der Jugendherberge in Speyer nach Worms am Rhein.

Und da gibt es einen wunderbaren Fahrradweg am Ufer entlang.

Super zu fahren. Weit weg vom Verkehr.

Die Stimmung  prächtig, das Wetter auch.

Abgesehen von ein paar unvermeidlichen Stürzen

wegen zwischenzeitlich ausgetragener Wettrennen

zwecks Beeindruckung der angebetenen Mädels.

Fast schon am Ziel,

kommt uns einer mit einem klapprigen alten Drahtesel entgegen,

fährt mitten auf dem Weg,

weicht nicht etwa aus und macht uns Platz,

sondern zwingt uns zum Anhalten.

Einigermaßen irritiert steige ich ab

und schau ihm ins Gesicht.

Er merkt meine Verunsicherung und sagt:

„Sie müssen entschuldigen!

Ich stelle mich so unverschämt  in den Weg,

weil ich Sie warnen muss.

Da vorne hört der Fahrradweg nämlich ganz plötzlich auf

und er mündet direkt auf der Bundestraße.

Da ist sehr viel Verkehr.

Das ist gefährlich.

Sie müssen gut aufpassen!“

 

„ Oh Danke!“  sag ich nur-

und schick 2  erwachsene Begleitpersonen vor,

die sichern ab und sorgen dafür,

dass sich die Jugendlichen nahtlos hintereinander einfädeln können.

Beim Abendessen später sagt mein  Freund  Gernot,

der mich seit Jahren auf solchen Touren begleitet,

 

 „Das muss ein Engel auf dem Fahrrad gewesen sein!“ 

Ich nicke

und sag zu ihm,

„Ziemlich klapprig aber, der Dienstwagen!“

Und wir lachen  herzhaft über unseren Schutzengel aus Worms am Rhein. 

Und viele Jahre später noch,

erzählen wir uns diese  Geschichte. 

Weil:

Engel vergisst man nicht!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27056

Engel gibt’s!  Ich glaube fest daran.

Sie sind überall.

Ich hab einen getroffen, der war mit dem Auto unterwegs.

Und das war so: 

Ich fahre nach Mainz zum SWR. Ich habe Aufnahme. Neue Anstöße und Morgengrüße.

Ich muss unbedingt pünktlich sein.

Auf der Autobahn ein Unfall. Vollsperrung, Umleitung. Navi hab ich damals noch nicht.

Ich werde zu spät kommen, fürchte ich.

Ich komme nach Mainz an eine Stelle, an der ich noch nie zuvor jemals gewesen bin.

Keine Ahnung, wo von hier aus das Funkhaus ist. 

An der roten Ampel kommt neben mir ein weißer Opel  zu stehen.

Ich schau rüber und sehe das Logo des SWR an der Tür. 

„Na, der muss ja wohl wissen, wo das Funkhaus steht!“ denk ich.

Ob er dahin fährt?

Ich setze mich hinter ihn und fahre ihm nach.

Er ist viel zu schnell. Oder ist es eine Sie?

Ich trau mich nicht, schneller als 70 zu fahren –

und deshalb verlieren wir uns.

Die nächste Ampel ist wieder rot. Für mich.

Der weiße Opel ist noch drüber gefahren und rechts abgebogen.

„Jetzt ist er weg!“ sag ich mir und schick ein Stoßgebet zum Himmel.

Ich komme zu spät, wenn überhaupt jemals an…

Es wird grün, ich biege auch rechts ab

und denk, ich seh  nicht recht,

denn da steht der  Raser an einer Bushaltestelle und wartet auf mich,

setzt den Blinker,

schert wieder ein und fährt weiter vor mir her.

Quer durch die Stadt bis zu dem alten Bruchwegstadion von Mainz 05.

Ich sehe rechts das Funkhaus, blinke, biege ab,

der Engel aber fährt geradeaus weiter

zu seinem nächsten Einsatz wahrscheinlich.

Ich rauf aufs Parkdeck, renn über den Vorplatz, rein ins Funkhaus.

Ich werde begrüßt mit den Worten:

„Na, Sie sind aber heute pünktlich! Wie haben Sie das denn geschafft?“

„Mit einem Engel!“ sag ich.

 „Er fährt einen weißen Opel und arbeitet beim SWR.

Und wenn  er weiter so rast, ist er bald seinen Führerschein los…“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27055