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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Die Politik will die Einsamkeit bekämpfen, weil immer mehr Menschen in Deutschland allein und einsam sind. Eine Politikerin fordert deshalb weitere Mehrgenerationenhäuser, die den Austausch und Kontakt für alle Altersstufen erleichtern sollen. Insbesondere ältere Menschen können so ihre Isolation überwinden und neue Beziehungen herstellen. Solche Angebote der Politik können tatsächlich helfen. Viele Alte haben in diesen Begegnungsstätten schon neue Aufgaben und Kontakte gefunden. Doch das Problem geht tiefer. Bereits die Zehn Gebote mahnen: Du sollst Vater und Mutter ehren. Hätte nicht schon damals die Gefahr bestanden, dass alte Menschen alleine gelassen werden und ohne Unterstützung auskommen müssen, dann wäre dieses Gebot nicht nötig gewesen. Dabei belässt die Bibel es nicht bei dieser Mahnung. Das Gebot hat einen zweiten Teil: Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst und es dir gut geht. Es geht gar nicht nur um die Alten, sondern auch um das gute Leben der Jungen.

 

Wie das zu verstehen ist, macht eine Geschichte deutlich: Ein Mann beobachtet, wie sein alter zittriger Vater immer wieder den Teller beim Essen fallen lässt, das Geschirr zerbricht und den Boden beschmutzt. Er kauft ihm deshalb einen billigen Holzteller und setzt ihn abseits vom Familientisch in eine Ecke. So stört er nicht mehr das Familienmahl mit seiner Gebrechlichkeit. Eines Tages beobachtet der Mann seinen kleinen Sohn beim Schnitzen. Er fragt, was das Kind schnitzt, und der Kleine antwortet: Ich schnitze schon einmal einen Holzteller für Dich, wenn Du alt bist. Beschämt holt der Mann seinen Vater an den Tisch zurück und versöhnt sich mit dessen Schwäche.

Die Missachtung der Alten schadet letztlich allen, gerade auch den Jungen. Sie verdirbt das Miteinander über die Generationen hinweg und zerstört den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Deshalb heißt es: Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst und es dir gut geht

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Über 9000 verschiedene christliche Konfessionen soll es geben. Dazu gehören Katholiken und Protestanten, Anglikaner und Orthodoxe, aber auch Adventisten und Hutterer und viele kleine, teils unbekannte Gemeinschaften. Die Konfessionen reichen von einer örtlichen Gemeinde bis zur weltweiten Kirche. Viele sind entstanden, weil sie einen eigenen Weg gehen wollten im Glauben, im Gottesdienst oder in der Alltagspraxis. Sie fühlten sich nicht mehr zu Hause in der Gemeinschaft, zu der sie ursprünglich gehörten. Diese Konfessionen sind teils untereinander verbunden, grenzen sich aber auch deutlich voneinander ab.

Viele sehen in dieser Fülle  etwas Positives, ein Zeichen christlicher Vielfalt. Ich bin da skeptisch. Denn in dieser Vielfalt stecken auch viel Trennung, Streit und Misstrauen. Und Misstrauen unter Christen stärkt gewiss nicht das Vertrauen in den christlichen Glauben. Die Einheit der Christen ist immer noch eine fordernde Aufgabe. Da macht mir Hoffnung, dass zwar nicht alle Christen genau das Gleiche glauben, aber immerhin zusammen beten können: So hat Jesus etwa allen Christen das „Vater unser“ gegeben, das vielleicht wichtigste gemeinsame Gebet.

Heute ist Weltgebetstag. Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen. In über 170 Ländern feiern heute Frauen aus unterschiedlichen Konfessionen ökumenische Gottesdienste und laden alle zum gemeinsamen Gebet ein. In diesem Jahr sind es Frauen aus Surinam in Südamerika, die mit ihrem Leben und Glauben die Texte der Gottesdienste prägen.

Die Frauen erheben einen hohen Anspruch, wenn sie einen Welt-Gebetstag ausrufen. Zugleich machen sie klar: Es geht ums Ganze, um das gemeinsame Gebet aller Christen. Das kann ein Zeichen der Einheit sein. Vielleicht sogar über die christlichen Gemeinschaften hinaus - als ein Zeichen für die Einheit aller Menschen.

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Einfach nicht mehr für Geld arbeiten müssen. Sondern genug bekommen, um ein einfaches, sorgenfreies Leben führen zu können. Und nur noch tun, was einem wichtig ist, in Familie, Gesellschaft oder Beruf. Diesen Traum von Freiheit und Sicherheit verbinden viele mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Sie wollen sich so vom existentiellen Überlebenskampf befreien, um mehr Zeit für das wirklich Wichtige im Leben zu haben. Andere kritisieren dieses Konzept: Es sei zu teuer, sei eine Einladung zum Faulenzen und lasse zu viele Probleme offen.

Die Bibel hat einen anderen Ansatz. Zum einen warnt sie vor trügerischer Sicherheit. Sie erzählt von einem reichen Bauern, der eine phantastische Ernte in seine Scheune einfährt und sich nun auf Jahre sicher fühlt. Doch schon in der folgenden Nacht stirbt er und sein Reichtum gehört nun anderen. Vor den wirklich harten Lebenswenden schützt auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht.

Zum anderen schlägt die Bibel einen Perspektivwechsel vor. Der berechtigten Sorge um Essen und Kleidung hält sie zwei Bilder entgegen: Die Vögel am Himmel säen und ernten nicht, haben keine Scheune – und doch ernährt sie Gott. Die Lilien auf dem Feld arbeiten und spinnen nicht, und doch kleidet sie Gott prächtig in ihrer Blüte. Diese Bilder machen keinen Hungrigen satt und wärmen keinen Nackten. Aber sie weiten den Blick. Wenn Gott schon Vögel und Blumen im Auge hat, um wie viel mehr dann seine geliebten Menschen.

Den Armen in unserer Gesellschaft helfen und die Güter gerecht verteilen müssen wir dann immer noch. Vielleicht auch durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Aber die Sorge um uns selbst wird dann nicht mehr so verbissen sein. Wir sind mit unseren Sorgen nicht allein. Gott, der die Spatzen ernährt und die Lilien kleidet, wird auch ganz sicher uns nicht aus dem Blick verlieren.

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„In Ihrem Beruf haben Sie ja soo viel zu tun, da kann ich nicht erwarten, dass Sie sich Zeit für mich nehmen!“ Das höre ich immer mal wieder bei Gesprächen, wenn ich z.B. auf meine Aufgaben als Pfarrer und Dekan angesprochen werde.

Ich gebe zu, dass es mir nicht gerade langweilig ist und dass ich mitunter genau darauf achten muss, wann und wie was zu organisieren ist. Das geht aber nicht nur mir so und ich weiß um viele Menschen in anderen Berufen und Lebenssituationen, die ebenfalls viel zu tun haben.

Ich erfahre immer wieder, dass ich beim Umgang mit meiner Zeit ständig neu dazulernen muss. Da helfen mir diese Wochen der Fastenzeit, manches neu zu gewichten.

Das ist natürlich das ganze Jahr über möglich-, aber in dieser Zeit versuche ich, mich diesen Aufgaben bewusst zu stellen:
Welche Zeiten sind neu zu ordnen?

Welche Tage kann ich von Verpflichtungen freihalten?

Wo plane ich etwas für meine Frau, für meine Familie, für mich selbst ein?

Habe ich genügend Zeiten für Stille und fürs Beten reserviert?

Gibt es in meinem Kalender Zeiten für Gott?

Diese Wochen von Aschermittwoch bis Ostern können zu einer Chance werden, wenn ich mir die Frage stelle: Was zählt wirklich, und was erscheint mir nur wichtig…?

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„Hauptsache: Ich bleibe gesund!“

Wie oft schon ist mir dieser Satz begegnet, wenn ich andere Menschen zum Geburtstag besucht habe und ihnen viel Gutes für die kommende Zeit wünschen durfte.

Ich gebe zu, fast hätte ich in dem ein oder anderen Fall gesagt: ‚Sie werden vielleicht nicht immer gesund bleiben!‘

Natürlich ist es wichtig, auf Signale des eigenen Körpers zu achten, für mögliche Gesundheit zu sorgen, auf ausgewogene Ernährung zu achten und sich zu bewegen. Gerade in diesen Wochen hören und lesen wir immer wieder von Fastenkuren, von der Sorge um körperliche Fitness. Es ist gut, wenn wir daran erinnert werden und das ein oder andere in die Tat umsetzen.

Auch ich bin froh, wenn ich gesund bin und ich verstehe andere, denen es genauso geht. Wir dürfen dankbar sein, wenn es uns gut geht – nicht nur einmal, sondern immer wieder; das ist keine Frage.

Aber: Gesundheit ist nicht alles!

Ich kenne Menschen, deren Leben schon seit langem durch eine Krankheit gezeichnet ist und die dennoch zufrieden sind.

Ebenso gibt es Menschen, die – trotz bester Gesundheit – sehr unzufrieden und unglücklich sind.

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir das Leben als Ganzes anschauen, mit all seinen Facetten. Und wenn wir krank sind, dass wir uns dann trotzdem an etwas Schönem freuen können. Mag es auch noch so klein sein.

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„Die Fans von Eintracht Frankfurt möchten sich durch ihr Schweigen Gehör verschaffen!“ Diese Aussage hatte gesessen! Es ging um den Protest von Fußballfans gegen die Austragung von Bundesligaspielen am Montagabend.

‚Sich durch Schweigen Gehör verschaffen!‘

Mich bewegt der Satz deshalb, weil er gut zur Fastenzeit passt.

Wie gut und wichtig ist es, hin und wieder zu schweigen…

Aber: Ich möchte jetzt auch nicht dazu aufrufen, immer den Mund zu halten.

Wer mich kennt, weiß, dass es mir wichtig ist, Unrecht beim Namen zu nennen und Dinge zu sagen, die ‚dran‘ sind. Durch unsere Sprache teilen wir uns mit.

Es ist wichtig für unser Leben, dass wir aufeinander hören und dass wir miteinander reden!

Es ist allerdings auch wichtig, dass wir lernen, zur rechten Zeit zu schweigen.

In einem Moment der Stille kann ich darüber nachdenken, was ich sagen möchte, was es wert ist, gesagt zu werden.

Besonders in hitzigen Diskussionen, wo ich schon zu einer verletzenden Antwort ansetzen möchte, ist es sinnvoll, einige Augenblicke zu warten und dann erst zu sprechen.

Ich bin sicher, für unser ganzes Leben gilt: Nicht nur durch unser Reden, sondern mitunter auch durch Schweigen können wir uns Gehör verschaffen!

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