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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Frau Pfarrerin, ich will Christin werden. Können sie mich taufen- jetzt! Sofort?“ Die evangelische Pfarrerin reagiert erstaunt, als eine muslimische Iranerin vor ihr steht und diesen Wunsch äußert,  doch die Zahlen sind eindeutig. Immer mehr Flüchtlinge, vor allem muslimische Frauen und Männer, wollen sich taufen lassen und Mitglied einer christlichen Kirche werden. Unter den Asylsuchenden sind es vor allem Iraner, die sich taufen lassen wollen. Sie haben in ihrer Heimat mit dem schiitischen Islam die eigene Religion als gewalttätig erfahren. Experten schätzen, dass etwa jeder fünfte Flüchtling aus dem Iran sich für den christlichen Glauben interessiert.

Warum dieser Wunsch? Hier in Deutschland können Muslime problemlos und ohne Gewalt ihren Glauben leben. Auch der Hinweis, dass sich eine Taufe auf ein noch nicht abgeschlossenes Asylverfahren keineswegs positiv auswirke, ändert nichts am Wunsch von Muslimen, getauft zu werden. Sie wollen Christin werden, sie wollen in Deutschland als Christ leben.

Für die christlichen Gemeinden stellen diese Taufwünsche eine Herausforderung dar. Nur selten bitten Erwachsene um die Taufe. Und jetzt Menschen, die Muslime sind, die in einer muslimischen Kultur groß geworden sind? Kann das gut gehen?

Ich glaube, es ist eine gute Sache, wenn der Taufwunsch erst und echt gemeint ist, Und davon ist auszugehen. Wenn muslimische Frauen und Männer in unser Land kommen, unsere Kultur und das christliche Gemeindeleben kennenlernen und dann den Wunsch haben, Christen zu werden – dann sollte uns das froh und glücklich machen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, das ist sicher auch mit Schwierigkeiten auf beiden Seiten verbunden, aber nach einiger Zeit, nach einem Taufkurs kann dem Wunsch, Mitglied in unseren Kirchen zu werden, entsprochen werden. „Jetzt beginnt für mich ein neues Leben“, sagte eine Frau aus dem Iran, die getauft wurde. Es ist schön, wenn Menschen den christlichen Glauben für sich entdecken und als Flüchtlinge eine Heimat auch in den Kirchen finden.

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Die Vorfreude auf die Europameisterschaft in Frankreich erfüllt mich schon lange, und spätestens dann, wenn übermorgen am Abend  im Spiel gegen die Ukraine die deutsche Mannschaft ins Geschehen eingreift, steigt mein Blutdruck. Ich freue mich den ganzen Tag über auf die Partie, möchte sie auf keinen Fall verpassen.

Seit Kindertagen liebe ich den Fußball. Ich habe an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Mannschaften trainiert und gespielt. Mit fünf  Jahren ging ich den Fußballverein in Schwäbisch Gmünd, und dann gab es nie eine Zeit ohne Fußball. Heute spiele ich bei den Alten Herren beim FSV in Nieder-Olm. Langsamer im Tempo, aber genauso leidenschaftlich wie vor 50 Jahren.

Fasst enauso alt wie meine Begeisterung für den Fußball ist meine Begeisterung für den Glauben. Mit neun Jahren wurde ich Ministrant, und seitdem gab es nie eine Zeit, in der ich nicht irgendwie kirchlich engagiert gewesen wäre – hauptamtlich oder ehrenamtlich. Ich habe Theologie studiert, bin Lehrer, Seelsorger und Journalist. Auch da hat die Begeisterung für den Glauben nicht nachgelassen.

Was meine Leidenschaft anbelangt, bin ich eine Art fußballspielender Christ. Beides, Fußball spielen und Christ sein, sucht die Gemeinschaft. Fußballspielen kann man nicht alleine, und  Christsein geht für mich auch nur in Gemeinschaft.

So führt mein Glaube mich immer wieder in die Gemeinschaft. Der sonntägliche Gottesdienst, aber auch Feste und Feiern führt die christliche Gemeinde immer wieder zusammen. Ich würde ansonsten die Orientierung verlieren. Würde Unwichtiges plötzlich für wichtig erachten. Ich brauche den Gottesdienst, um das Wort Gottes zu hören, immer wieder.

Jetzt freue ich mich auf den Sonntag, wenn es für die deutsche Nationalelf Ernst wird. Um 21.00 Uhr ist Anpfiff.  Da gibt es ein kleines Stoßgebet zum Himmel, aber ob der liebe Gott auf der Seite der Deutschen ist, das muss ich bei aller Begeisterung dann doch offen lassen.

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Am Katholikentag in Leipzig Ende Mai habe ich teilgenommen, und es war eine zwiespältige Erfahrung für mich. Etwas über 3 Prozent der Einwohner in Leipzig und Umgebung sind katholisch, und so hat mir die Entscheidung eingeleuchtet, eben dort – in einem schwierigen Umfeld -  den Katholikentag abzuhalten.

Einerseits hat es mir in Leipzig gut getan, mit anderen zu diskutieren, zu feiern, zu singen und zu beten. 30 000 Dauerteilnehmer waren da – bunt, fröhlich, offen und tolerant. Wer anderer Meinung war, konnte ausreden und seine Position begründen. So soll es sein, wenn Christinnen und Christen miteinander, mit Menschen anderen Glaubens oder mit Konfessionslosen reden.

Die meisten Menschen in der Stadt Leipzig sind ohne Konfession. Diese Gruppe ist mit 75 % der Gesamtbevölkerung in der Mehrheit. Das habe ich in Leipzig gespürt, und auch deshalb war der Katholikentag in Leipzig etwas Besonderes.

Andererseits  wurde ich in Leipzig mehrfach  von Einwohnern angesprochen, was das denn alles solle. Warum wir eigentlich hier seien. Dass wir Christinnen und Christen hier nichts verloren haben. Und schon gar nicht die Katholiken, die man ja sonst kaum erkennen könne, so klein, wie die Gruppe hier ist. Usw.

Ich kam so nur schwer mit den Einwohnern von Leipzig in ein wirkliches Gespräch.  Zu negativ war die Grundstimmung, zu fremd waren die Themen und auch die Einstellungen zu kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen.

Ich weiß, dass die Kirchen in Deutschland gesellschaftlich auf dem Rückzug sind. Viele Kirchenaustritte und weniger Taufen führen dazu, dass sie kleiner werden, Mitglieder verlieren. Vielleicht sind es irgendwann auch bei uns weniger als 5 % Kirchenmitglieder, so wie jetzt schon in Leipzig.

Die Erfahrungen auf dem Katholikentag in Leipzig waren zwiespältig, aber wichtig. Das Kirchentreffen hat mir gezeigt, dass es nicht selbstverständlich, zu glauben und als Gläubige in der Mehrheit zu sein.  Deshalb war es wichtig,  diesen Glauben auch zu zeigen in einer Stadt, die sich darüber wundert. So war Leipzig genau die richtige Stadt, um den 100. Katholikentag zu feiern. Für mich, und für viele andere auch.

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„Früher hieß soziales Netzwerk DRAUßEN“! Vor kurzem habe ich diesen Satz auf einer Karte im Vorbeigehen gelesen – und noch immer klingt er mir nach. Ich musste schmunzeln. Ja, wenn ich mich an früher erinnere, an Kindheit und Jugendzeit, dann war es wirklich so. Nachmittags, wenn die Hausaufgaben erledigt waren, dann bin ich raus, einfach „raus auf die Gass‘“, auf die Straße, auf den Kirchplatz um die Ecke oder den Spielplatz nicht weit von zuhause. Und da haben wir uns getroffen. Mädels wie Jungs, größere und kleinere, ältere und jüngere – alle kamen nach und nach dazu. Wir haben miteinander gespielt, irgendetwas ausgeheckt, ein Abenteuer bestanden, den Bach gestaut und einiges mehr…

Wir waren unter Leuten, sind uns begegnet, ohne vorher stundenlang über „Whatsapp“ zu diskutieren, was wie geht oder gehen könnte….

Ohne große Verabredung war DRAUßEN  – heute würde man sagen – „die Plattform“, um sich zu treffen. Und ich glaube, das war gut!

Vielleicht können wir uns jetzt in diesen Sommermonaten wieder daran erinnern, wie schön es ist, anderen zu begegnen – sei’s auf den unzähligen Festen in Stadt und Land, in unserer unmittelbaren Umgebung, auf der Straße oder in der Nachbarschaft, und natürlich bei den Gelegenheiten in Gemeinde und Ökumene. 

Schon Martin Buber erkannte: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“.

So lädt der Sommer uns ein: Wir können uns DRAUßEN treffen an schönen Orten, in blühenden Gärten, sprudelnden Gewässern und an wohltuenden Plätzen. Dort können wir zusammensitzen, Leben und Glauben miteinander teilen und das „soziale Netzwerk“ im lebendigen und lebensnahen Miteinander verwirklichen.

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„Manchmal kann ich mich gut daran erinnern, ein anderes Mal überhaupt nicht.“

„Hin und wieder bin ich für kurze Zeit so ‚gefangen‘ darin, dass ich nicht weiß, wo ich mich gerade befinde.“

Zwei Äußerungen zu einem Thema, das uns allen bekannt ist. Vielleicht hätten Sie Ihre Erfahrungen ähnlich umschreiben können – Erfahrungen zum Thema „Träume“.

Es kommt vor, dass ich mir Gedanken mache über das, was ich geträumt hatte. Hin und wieder gelingt es mir, ein Thema vom Tag zuvor zu entdecken. Personen, denen ich begegnet war oder an die ich gedacht hatte – Orte und Ereignisse werden auf eigene Art im Traum verarbeitet. Meine persönlichen Stimmungen, meine Sorgen und Ängste, meine Wünsche und Sehnsüchte sind da irgendwie mit im Spiel – eine faszinierende Welt kommt da zum Vorschein.

Soweit zu den Träumen, die während des Schlafes kommen. Nur ein kleiner Teil davon bleibt mir in Erinnerung.

Etwas anderes sind Träume, die eine Sehnsucht zum Ausdruck bringen. Da kann ich träumen von etwas, das ich mir wünsche. Vielleicht ist es ein Wunsch in Zusammenhang mit meiner persönlichen Zukunft. Ich kann träumen von einer gelingenden Beziehung, von einer glücklichen Familie und von beruflichem Erfolg. Träume gibt es natürlich auch im weiteren Sinn, in Bezug auf die Zukunft unserer Gesellschaft, auf die Schöpfung oder auch auf Kirche.

Mit dem Ausspruch „I have a dream!“ (‚Ich habe einen Traum‘) machte Martin Luther King zum Beispiel vor vielen Jahren aufmerksam  auf seinen Traum und seine Vision von einer gerechten Welt. Er träumte vom friedlichen Miteinander der Menschen unterschiedlicher Hautfarben. Er hatte diesen Traum und er hatte den Mut, sich dafür einzusetzen. Gut, dass er es nicht beim Träumen allein ließ. Gut, dass ein Teil seiner Träume mittlerweile wahr geworden ist.

Es ist wichtig, Lebensträume nicht zu vergessen und sich manche Träume nicht ausreden zu lassen.

   

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Manchmal stört es mich, wenn zu viel gesprochen wird. Ich meine damit jetzt nicht den frühen Morgen und die nötige ‚Anlaufzeit‘, bis der ein oder die andere wach ist. Ich denke an das Unterwegssein in Bus oder Bahn, wenn ich ohne Chance aufs Weghören erfahre, wo sich die Mitfahrerin gerade befindet, was sie bereits erledigen konnte oder welche Termine für sie noch anstehen. Da stört es mich, wenn zu viel gesprochen wird – da ist es hilfreich, wenn sich andere per sms oder whatsapp mitteilen.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich unterhalte mich gerne, ich spreche gern mit anderen Leuten und ich hoffe, ich kann auch zuhören. Manchmal aber ist es auch gut, wenn ich einfach schweigen darf – wenn ich nichts sagen muss, und wenn dies auch für andere möglich ist.

Gerne erinnere ich mich an die Hinweise vor der Kirche in Taizé, wo in einfachen Buchstaben das Wort „Stille!“  oder das Wort „Silence!“ zu lesen war. In dem Fall mag es sofort einleuchten, dass es Sinn macht, einen ‚Raum der Stille‘ zu haben. Kirchen oder andere religiöse Orte können zu bestimmten Zeiten – auch Tags über - Gelegenheit bieten, still zu werden, zu hören, einfach ‚zu sein‘…

Mir selbst ist es wichtig, auch an ganz ‚normalen‘ Orten hin und wieder still zu sein. Da braucht es dann keinen extra ‚Raum der Stille‘, da kann alles um mich herum zu solch einem Ort werden! Das ist möglich, auch dann, wenn andere sprechen, wenn Verkehrslärm oder andere Geräusche zu hören sind: Bus und Gehweg, Supermarkt oder Natur können so zu einem Ort des Schweigens werden – wenn ich dies möchte. 

Da tut es gut, keinen Zwang zum „Smalltalk“ zu haben und keinen Druck zu spüren, mit dem smartphone „in Kommunikation zu sein“. Unser Reden braucht das Schweigen, um nicht sinnlos zu verklingen!

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