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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Das ist unsere Kirche!" Mit Stolz verweisen die Einwohner im nordpfälzischen Bubenheim auf ihr Gotteshaus. Und in der Tat: man kann sich dem Charme der kleinen Peterskirche kaum entziehen. Seit 850 Jahren steht sie hier- mitten in einem idyllischen Kirchhof.

Die klaren romanischen Formen lassen den Besucher rasch zur Ruhe kommen. Man spürt, dass hier Christen aller Zeiten ihren Glauben gefeiert und Kraft für ihr Leben gefunden haben. Die Bubenheimer wissen auch, wem sie ihr Kirchlein verdanken. Es war ein gewisser Godefried. Sein Bild findet man eingeritzt an einem Chorbogenpfeiler. Dazu die Stifterinschrift. Ein einzigartiges Zeugnis. 1163 hat der Gottesmann das Kirchlein von Grund auf erneuert. Godefried war Priester und Baumeister zugleich.

Längst hat die 400-Seelen-Gemeinde in der Nähe von Kirchheimbolanden keinen eigenen Pfarrer mehr. Und doch ist St. Peter weiterhin das Wahrzeichen Bubenheims, nicht weniger als es die Dome von Mainz, Worms und Speyer für die Menschen dort sind.

„Das ist unsere Kirche!" So sagen es die Gläubigen, die in diesen Gotteshäusern getauft wurden, zur Erstkommunion gingen, heirateten oder liebe Menschen zu Grabe trugen.

„Das ist unsere Kirche", sagen aber auch jene, die nicht zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern gehören. Auch für die „religiös Unmusikalischen" ist ihre Kathedrale, ihre Pfarrkirche ein Stück Heimat. Da sind viele Emotionen im Spiel.

Gerade in Zeiten des Wandels und der Schnelllebigkeit sind unsere Kirchen Symbole des Beständigen. Kirchen stiften Identität, sie sind Zeichen für die dörfliche oder städtische Gemeinschaft.

Es ist ermutigend, dass sich vielerorts die Bürger für den Erhalt ihres Gotteshauses einsetzen. Und sicher hätte auch Godefried seine Freude daran, wenn er wüsste, dass seine Peterskirche in Bubenheim den Menschen noch immer so viel bedeutet.

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Prunk und Pomp sind out. Einfachheit ist in. Vor genau einem Monat wurde Papst Franziskus in sein Amt eingeführt. Seither bleiben Hermelinroben und Brüsseler Spitzen im Schrank. Der Neue trägt ein schlichtes Gewand und läuft in ausgetretenen Straßenschuhen. Die roten Pontifikalschuhe seiner Vorgänger sind jetzt museumsreif.

„Der Karneval ist vorbei", soll Franziskus im Vatikan erklärt haben.

Wer das Evangelium glaubwürdig verkünden will, der muss bescheiden leben. Das sahen auch 40 Bischöfe so, die vor 50 Jahren am II. Vatikanischen Konzil teilnahmen.Sie wollten schon damals Ernst machen mit einer „Kirche der Armen".

Kurz vor Ende der Versammlung unterzeichneten sie eine Erklärung, den sogenannten „Katakombenpakt". Kein harmloses Papier, das man zu den Akten legen konnte. Nein, es war eine Selbstverpflichtung. In Zukunft wollten die Bischöfe „ein Leben in Armut führen, wie es dem Evangelium entspricht". Deshalb müsse Schluss sein mit prunkvollen Residenzen, teuren Dienstwagen und aufwendigem Essen. Verzichten wollten sie auf prächtige Garderoben und kostbare Amtszeichen. „Wir lehnen es ab mit Titeln wie Eminenz, Exzellenz oder Monsignore angesprochen zu werden." Im Mittelpunkt ihrer Arbeit - so die Bischöfe - stünden „die wirtschaftlich Bedrängten und Benachteiligten". Für deren Interessen müsse man in der Gesellschaft eintreten.

Was für eine Wende! Aus entrückten Kirchenfürsten wurden volksnahe Seelsorger.

Unterzeichnet haben sie die Erklärung in einem der unterirdischen Friedhöfe der frühen Christen, den Katakomben, daher auch der Name „Katakombenpakt". Der Ort war bewusst gewählt, steht er doch beispielhaft für die Anfänge der Kirche, für die Nähe zu Jesus und seiner Frohen Botschaft.

Die meisten Bischöfe, die den Pakt unterschrieben, kamen aus Lateinamerika. So wie jetzt auch der neue Bischof von Rom, Papst Franziskus. Und dessen Kontrastprogramm hat im Vatikan gerade erst begonnen...

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„Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei."
So sah das George Orwell, der britische Schriftsteller schon vor über einem halben Jahrhundert. Und dabei lebte er noch in einer Welt ohne PC, Smartphone und Facebook!

Die neuen Medien beschleunigen den Tagesablauf immer mehr. Ständig muss man online sein. Viele Kinder und Jugendliche haben das schon verinnerlicht. Blitzschnell bedienen sie ihre Geräte, erledigen mehrere Dinge parallel. Gesellschaftsforscher nennen sie schon die „Generation Multitasking". Virtuell sind die jungen Leute vielerorts zuhause. Aber eben nur virtuell. Das wirkliche Leben gibt es nicht in Computerprogrammen. Nur dort, wo ich mit allen meinen Sinnen mit der Welt in Kontakt trete, da spüre und erfahre ich die Wirklichkeit. Der Austausch mit anderen befähigt mich, zu fühlen und zu empfinden. „Alles wahre Leben ist Begegnung." Nie war dieser Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber so wichtig wie heute. Technik - so perfekt sie auch erscheint - bleibt dagegen kalt und seelenlos.

Wissenschaftler berichten, dass unser Gehirn dann am meisten lernt, wenn wir Menschen begegnen, uns miteinander austauschen, von Angesicht zu Angesicht. Ganz direkt, ohne Medium. Und worauf setzt man in den meisten Schulen? Auf immer mehr High-Tech! Unsummen werden investiert, um Klassensäle digital aufzurüsten. Doch die Lernerfolge sind bescheiden. Joachim Bauer, ein renommierter Neurobiologe, mahnt zur Umkehr: „Die stärkste Motivationsdroge für junge Menschen ist der andere Mensch!"

Was für die Schule gilt, das gilt auch in anderen Lebensbereichen: im Beruf, in der Familie, in der Freizeit. Und erst recht in der Religion. Keine noch so intelligente Software kann die Begegnung mit den Mitmenschen ersetzen. In ihr nämlich teilt Gott sich mit. Und das geschieht nicht virtuell, sondern ganz konkret.

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„Heute ist ein schöner Tag", sage ich zu meiner Nachbarin. Und die entgegnet: „Aber morgen soll es regnen." Mag ja sein, aber: Heute ist ein schöner Tag.

Die Reaktion meiner Nachbarin macht mich nachdenklich. Heute ist doch heute. Warum ist es ihr nicht möglich, das „Heute" zu genießen, und alles andere getrost auf sich zukommen lassen?

Heute ist wichtig. „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot", heißt es im Neuen Testament. (1 Kor, 15,32) Deshalb lautet eine Bitte im Vater unser: „Unser tägliches Brot gib uns heute!" Brot für den heutigen Tag, denn morgen könnten wir schon tot sein. Jesus, der das „„Vater Unser"" formuliert und uns hinterlassen hat, wusste um die Nöte und um die Schönheit eines jeden Tages. Eben heute.

In einem seiner letzten Sätze spricht Jesus am Kreuz zu dem römischen Soldaten: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!" Heute noch. Nicht morgen oder nach einer kleinen Ewigkeit. Sondern: Heute noch. Im Paradies, noch heute. Was für ein Gedanke!

Ich lebe heute. Ich brauche die Zuneigung meiner Mitmenschen nicht irgendwann, sondern heute. Ein langersehnter Anruf kommt endlich - heute. Der Besuch nach einem Streit steht schon lange an. Den mache ich heute. Die Bitte um Vergebung meiner Schuld schiebe ich nicht auf morgen. Das geht noch heute. Morgen kann es zu spät sein.

Wie dem römischen Soldaten vor 2000 Jahren geht es auch mir. Die Zusage der Liebe Gottes zu mir und allen Menschen gilt nicht irgendwann und vielleicht, sondern heute und ganz sicher. Darauf kann ich bauen. So kann ich leben. Heute. Und jeden Tag.

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Ich habe gesegnet und ich wurde gesegnet. Ein tolles Erlebnis. Als Theologe bin es gewöhnt, über den Segen zu sprechen -- seine Bedeutung in der Bibel und im Leben. Segen auf ganz überraschende Weise selbst zu erfahren ist aber noch mal ganz was anderes. Und das kam so.

Religionsunterricht in der 3. Klasse. „Du sollst Segen sein", so heißt auch eine Unterrichtseinheit. Du sollst Segen sein - die 22 Schülerinnen und Schüler sind verblüfft, und sie überlegen, was das wohl heißen könnte. „Freunde", meint einer, „Gesundheit", wird von einem Mädchen ergänzt, „Glück", und dann gibt's kein Halten mehr: Vertrauen, Sonnenschein, Wasser in der Wüste, Mama und Papa, die Geschichten von Opa, keine Schulaufgaben - keine Frage, das alles muss Segen Gottes sein. Warum auch nicht. Gott segnet mich, auf dass ich zum Segen werden für andere.

Doch wer segnet überhaupt? Gott -- klar. Aber nur Gott? Einige erinnern sich, dass auch die Mama oder der Papa sie abends vor dem Einschlafen schon gesegnet hat. Und natürlich der Pfarrer am Sonntag in der Kirche. Doch hier in der Schule, da segne ich. So durfte jedes Kind nach vorne kommen, bekam den Segen und ein Kreuzzeichen auf die Stirn. Kein Grinsen und kein Lachen - die Stimmung war plötzlich ganz feierlich. Das hatte ich nicht gedacht.

Und dann kommt's: Ein Mädchen steht plöötzlich auf, kommt zu mir nach vorn und flüstert: „„Du Herr Beck, tu mal deinen Kopf runter, Gott segnet auch dich!" Und sie legte mir ihre Hand auf den Kopf und zeichnete ein Kreuzzeichen auf meine Stirn. - Die Schulglocke läutete, und ich bin vor Freude zum ersten Mal aus dem Schulhaus fast geschwebt. Ich wurde im Religionsunterricht gesegnet.

 

 

 

 

 

 

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If you want to go fast, walk alone -- Wenn du schnell gehen möchtest, dann geh allein.
If you want to go far, walk together -- Wenn du eine weite Strecke laufen willst geh mit anderen gemeinsam

In Südafrika habe ich diese beiden Säätze gelesen. In Johannisburg stehen sie in großßen Buchstaben in der Flughalle an der Wand. „Wenn du schnell gehen möchtest, dann geh allein. Wenn du eine weite Strecke laufen willst, geh mit anderen gemeinsam.""

14 Tage haben wir Südafrika ein wenig kennen gelernt. Und die Sätze haben mich auf der ganzen Reise nicht mehr losgelassen. Viele, vor allem schwarze Frauen und Männer, laufen barfuß, können sich Schuhe nicht leisten. Auf der Autobahn kommen uns Menschengruppen entgegen, weit und breit keine Auf- oder Abfahrt zu sehen. Wir fragen uns: Wo gehen die hin? Und. Wo kommen diese Menschen her, es wird schon dunkel, sie sind barfuß und ohne Gepäck......Manchmal lachen und singen sie. Und machen mich staunen.

Ich lebe in einer Gesellschaft, in der alles ganz schnell gehen muss. Zeit ist Geld. Je schneller es geht, desto mehr Geld scheint man verdienen zu köönnen. Das scheint ein Gesetz zu sein. Die Kehrseite aber vermittelt oft etwas Anderes. Auf der einen Seite viel Geld, auf der anderen Seite Einsamkeit, brüüchige Beziehungen, burn-out, Leere und Sinnlosigkeit.

„Wenn du schnell gehen möchtest, dann geh allein. Wenn du eine weite Strecke laufen willst, geh mit anderen gemeinsam." Mir haben die Menschen in Südafrika etwas gelehrt: Nicht schnell und allein, sondern langsam und in Gemeinschaft unterwegs zu sein. Nicht blind durch das Leben rasen, sondern nach links und rechts schauen, nach Menschen schauen, die die mit mir gehen und die ich begleiten kann.

Das gilt auch für meinen Glauben. Ich glaube nicht allein. Ich teile meinen Glauben mit anderen. Und gemeinsam vertrauen wir auf die Gemeinschaft mit Gott, der immer mit uns ist. Mit ihm wird es möglich, die weite Strecke des Lebens zu gehen.

 

 

 

 

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