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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ich möchte nicht sterben. Und ich möchte auch nicht, dass Sie sterben. Und doch ist es nicht anders. In den nächsten 100 Jahren werden rund 6 Milliarden Menschen auf unserer Erde diesen Weg gehen. Ganz normal und trotzdem macht es mir Angst. Ich fürchte mich vor diesem Weggehen aus der Welt, vor meinem letzten Tag irgendwann. 
Auch Jesus am Kreuz schreit diese Angst heraus. Wohl nirgendwo kommt uns Menschen dieser Jesus so nahe wie in diesem Satz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Es ist auch meine Angst, die hier ruft und verzweifelt frage ich, warum der Mensch am Ende sterben muss? Ich glaube, Gott weiß hier bereits mehr. Am Ende muss ich aus der einen Welt heraus, in die andere Wirklichkeit hinein sterben. In noch größere Nähe zu Gott. Das ist mir zugesagt, das darf ich glauben. In der Bibel steht: „Der Tod hat nicht das letzte Wort, hat keine Macht." Durch den Tod hindurch geht der Einstieg in die Welt Gottes. Von Gott stammen wir und da kommen wir auch wieder hin. In die Liebe Gottes sterben wir. Die Bibeltexte trösten mich damit, dass Gott mehr weiß, als der Tod mir Angst machen kann. „Denkt daran, dass ihr einmal sterben müsst, auf dass ihr klug werdet", steht in einem Psalm. Klug werden ist das Gegenteil von Angst. Klug wäre es, das Leben zu genießen. Die Zeit als geschenkte Zeit zu verstehen, in der ich mit anderen unterwegs sein will, etwas entwickeln will, das Freude und Sinn macht. Ich will mich heute wohl fühlen, meine Seele soll leicht sein, innerlich singen und sich am Leben erfreuen. Es soll heute Atemzüge geben, die ich genussvoll wahrnehme. Tief durchatmen will ich und meinem Körper das schenken, was er sucht: Lebensfreude, pure Lust am Leben. Gar nicht einfach, die Angst vor dem Tod zu bändigen. Ich tröste mich damit: Am Ende ist alles gut. Den Tod muss ich nicht selbst besiegen. Das macht Gott. Klug werden und mir das Leben mit anderen schön machen. Das wäre es. Und das will ich heute gerne probieren.

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„Was kommt nach dem Tod? Nach dem Sterben... was passiert da?" Thomas will´s wissen. Er ist Lehrling in einer Kfz-Werkstatt. In der Klasse hören 25 Mitschüler teils aufmerksam, teils müde und ermattet zu. Drum provoziere ich die Klasse: „Hey Thomas, hast du da ein persönliches Problem? Vielleicht sogar das gleiche wie ich? Naturwissenschaftlich stoßen wir hier ja wohl an eine Grenze. Ich glaube, wir können da anders rangehen, mit Bildern und Phantasie." 
Was erwartet uns nach dem Tod? Ein gutes Arbeitsblatt zur christlichen Auferstehung bietet den Schülern Vorstellungshilfen an: Was war eigentlich vor meiner Geburt? Könnte sich das Kind im Mutterleib die Welt da draußen überhaupt vorstellen? Wenn wir ihm sagen könnten: Du musst da bald hinaus aus deiner bekannten Welt, da erwarten Dich liebe Menschen, die dich in die Arme schließen. Sie werden Dir eine Welt zeigen, die du im Bauch deiner Mutter nicht mal ahnen kannst. Noch weißt du nicht, welche Lebendigkeit dir die Luft in deiner Lunge geben wird. Müsste das Kind im Mutterleib nicht Angst haben, seine bekannte Welt zu verlassen? Die Nabelschnur wird gekappt, wird das nicht das sichere Ende sein? Ist das mit dem Sterben nicht ähnlich? Auch eine Art Durchgang? Nabeln wir uns hier nicht auch ab vom Diesseits in die Auferstehung? Unser Leben, vergleichbar mit Lichtstrahlen, die sich im Brennpunkt einer Linse konzentrieren? Dann im Sterben bündelt sich alles, was wir bisher gesehen, geschaffen und gelebt haben. Unser Lebenslicht geht durch den Tod hindurch. Nach dem Durchgang, auf der anderen Seite der Linse erfahren wir Vollendung. Auferstehung. Der Apostel Paulus sagt das in der Bibel so: Jetzt sehen wir noch wie durch einen Spiegel auf ein Rätselbild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur ein Stückwerk, dann aber alles in allem. „Thomas, naturwissenschaftlich können wir das nicht beweisen, aber wir können das glauben. Religion ist genau die Wissenschaft, die nicht aufhört Fragen nach dem Sinn und Ziel zu stellen." Was nach dem Tod kommt, Thomas? Ich persönlich glaube und hoffe: Gott ist das A und das O, mag uns und hält uns am Anfang und am Ende unseres Lebens. Und am Ende bei ihm, ist alles gut.

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In Berlin gibt es das Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud. Unsere beiden Töchter wollten da unbedingt mal hin. Die Stars sehen, in Echtgröße: Thomas Gottschalk, Michael Jackson und so. Ich hab mir etwas Puder und Schminkkram eingesteckt. Denn ich habe da einen Plan. 
Ich brauche viel Zeit vor dem Spiegel, aber dann: Klasse..., wachsweich sieht mein Gesicht jetzt aus. Dunkle Sonnenbrille und Hut auf stelle ich mich zwischen die Wachsfiguren. Jetzt heißt es: Stillstehen! Schräg gegenüber steht Boris Becker. Marilyn Monroe kann ich aus den Augenwinkeln sehen. Es wird ernst. Es ist superschwer eine Wachsfigur zu sein. Stillstehen ist eh eine der schwersten Übungen für mich. Was mich wundert: die Leute merken nichts, sie trotten uninteressiert an mir vorbei und ich beginne das zu genießen. Alles geht gut, bis meine Familie kommt. „Wo ist denn Papa?", höre ich eine meiner Töchter sagen. Was jetzt? Durchhalten oder kapitulieren? Ich bin entschieden: Ruhig bleiben, Herzschlag kontrollieren, durchhalten. Meine Tochter steht ganz nahe mit dem Rücken zu mir, schaut kurz auf Boris Becker, dann geht sie weiter. Sie hat nichts gemerkt! Puh!  Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter. Ein Arm legt sich um meine Starrheit, meine Frau küsst mir auf die Wange und haucht mir leise ins Ohr: „Den nehm ich. Der gefällt mir." Wie war das noch, in dem biblischen Mythos von der Erschaffung der Menschen? In der Bibel steht: „Gott macht den Menschen aus Erde vom Acker und haucht ihm danach den Odem des Lebens ein. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen." Schöne Geschichte! Gott erlöst uns aus der Starrheit! „Den nehm ich, der gefällt mir.", ein Satz, der von Gott sein könnte. Seinen Atem schenkt er mir jeden Morgen neu. Seinen Atem haucht er uns Menschen morgens neu ein, damit wir miteinander eine Zeit lang leben. Danke guter Gott!  Unsere andere Tochter kommt vorbei, sieht mich da mit Hut und Sonnenbrille mit meiner Frau im Arm und poltert: „Sagt mal, spinnt ihr jetzt total? Was steht ihr denn da so starr herum? Los bewegt euch...,boah,  ist das peinlich!"

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Ob es wohl möglich ist, einen Wolkenkratzer auf einem winzigen Grundstück zu bauen? So einen richtig hohen? Und ganz oben, auf der Spitze - ein Kraftwerk. Dann würde sich niemand über die Abgase beschweren. Es bräuchte dann nur noch Versorgungsleitungen bis zum Boden - naja und flexibel müsste er auch sein. Sonst hält er dem Wind nicht stand. Stattdessen sollte er sich vom Wind hin und her wiegen lassen. Ob sich wohl ein Architekt finden würde, der solch einen Wolkenkratzer bauen könnte - doch wahrscheinlich würden selbst die Stararchitekten dankend ablehnen - unmöglich.
Und doch gibt es solche Wolkenkratzer. OK, es sind vielleicht keine wirklichen Wolkenkratzer - nach unseren Maßstäben. Aber haben sie sich einmal einen Getreidehalm genauer angesehen? Auf einer kleinen Grundfläche wächst er imposant nach oben. Dort sitzt das Kraftwerk, das die Körner reifen lässt, verbunden mit dem Ackerboden. So kommt es an Wasser und Nährstoffe. Und der Halm wiegt sich im Wind und hält ihm so stand. Einfach nur genial.
Gerade in diesen Herbstwochen fallen mir solche Wunder der Natur wieder auf: Die wunderbaren Farben der Blätter und die vielen Früchte, die wir in den letzten Wochen ernten konnten - besonders die vollen Weintrauben, die die Winzer nun in ihren Kellern weiterverarbeiten. In diesem Jahr soll es ja mal wieder ein ganz besonderer Jahrgang werden. Doch alle Kellerkunst würde nichts nützen, wenn am Weinstock nicht die Trauben reifen könnten - auch so ein Wunderbauwerk.
Die Natur, Gottes Schöpfung ist doch etwas komplexer, etwas wunderbarer, als es auf den ersten Blick aussieht. Und wer sich die Zeit nimmt, einen zweiten Blick zu versuchen, wird aus dem Staunen kaum noch herauskommen. Ein Grund für mich, nicht nur das Machbare in der Natur zu suchen, sondern ihr als Schöpfung Gottes mit Respekt zu begegnen. Ein Grund für mich sorgsam mit der Natur umzugehen, da es eben nicht so leicht ist, sie zu reparieren oder gar ganz neu zu schaffen.
So genieße ich die letzten Herbsttage in diesem Jahr und bin Gott dankbar. Was hat er doch alles für wunderbare Dinge geschaffen. Imposant ragen sie empor und liefern uns dazu noch Nahrung und Freude - ich habe meinen Stararchitekten auf jeden Fall schon gefunden.

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Stau, wohin das Auge reicht. Wer kennt das nicht. Da fährt man mit Schwung zum nächsten Termin, zur Arbeit und wird plötzlich ausgebremst. Das nervt und meine Geduld ist da schnell zu Ende.
Ich fahre dann lieber von der Autobahn runter, quäle mich mit dem Navi über Landstraßen, stehe vor roten Fußgängerampeln und vor geschlossenen Eisenbahnschranken. Schließlich fahre ich hinter dem Stau wieder auf die Autobahn und stehe vor einem LKW, den ich schon mal überholt habe. Meine Ungeduld hat nichts gebracht.
Geduldig sein, das fällt mir nicht leicht - nicht nur auf der Autobahn, auch im Alltagsgewimmel. Vor allem mit Leuten, die ein bisschen langsamer sind. Warum dauert das immer so lange, bis sie fertig sind? Warum sind die Probleme nicht schon längst gelöst? Geduld ist nicht so meine Sache.
„Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein", so steht es in der Bibel. Das Lied stammt aus einer Zeit, als in Israel alles in Trümmern liegt. Die Hauptstadt Jerusalem ist zerstört. Kein Ende der Tragödie in Sicht. Da stimmen die Israeliten ein Klagelied an und singen: Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein. Gerade in dieser Situation entdecken sie neu die Geduld, das Abwarten.
Allerdings geht der Satz noch weiter. Da heißt es: „Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen". Beides gehört zusammen. Geduldig sein, Grenzen akzeptieren und darauf vertrauen, dass Gott die Dinge doch zum Guten führen will. Gott ist ja nicht fern. Gott ist da und er tut etwas. Ihm ist das Leben seiner Geschöpfe wertvoll - auch wenn es manchmal nicht so aussieht. Und so werden sich die Umstände wieder zum Guten verändern - mit ein bisschen Geduld.
Gewiss, ein Stau auf einer Autobahn ist nichts Tragisches - da gibt es viel Schlimmeres. Und doch kann man in einem Stau wunderbar einüben, geduldig zu werden: Mit Problemen, mit Menschen, mit allem, was sich in den Weg stellt. Vielleicht ist man am Ende sogar schneller am Ziel, wenn man nicht nervös auf Landstraßen ausweicht und Umwege sucht. Vielleicht bringt gerade Geduld am schnellsten und besten zum Ziel. Mit guter Musik im Radio und Gottes Hilfe.

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„Ungenügend" - mit roter Tinte steht die Note unter der Arbeit des Jungen. Dabei hat er sich doch solche Mühe gegeben. „Ungenügend - das kann ich meinen Eltern auf keinen Fall zeigen", denkt er sich, nimmt einen Stift und schreibt schnell den Namen seines Vaters unten ins Heft.
Wenige Tage später wird er zum Direktor gerufen. Sein Vater ist auch schon da. Das Arbeitsheft liegt auf dem Schreibtisch. Der Direktor zeigt dem Vater die Unterschrift.
Was wird der Vater tun? „Ja", beginnt er und schaut den Direktor an, „das war neulich morgens. Es musste ganz schnell gehen, und ich war noch ziemlich müde." Er schaut sich die Unterschrift - „seine" Unterschrift an und lächelt: „Besonders gelungen ist mir meine Unterschrift nicht." Der Junge schweigt und staunt. Am Abend haben Sohn und Vater noch lange miteinander geredet. Das war nicht angenehm für den Jungen. Aber eins wusste er jetzt: Sein Vater würde immer zu ihm stehen.
Was für ein Vater! Aber gibt es so einen Vater auch in echt? Ein Vater, der auch zu mir steht, wenn ich Fehler gemacht habe? Wenn ich ihn missachtet habe? Schwer vorzustellen. Und doch redet die Bibel immer wieder von Gott als solch einem Vater. Und um das zu verstehen, erzählt das Johannesevangelium folgende Geschichte.
Eine Frau wird vor Jesus gezerrt. Die Männer klagen sie an: Untreue, Ehebruch. Doch Jesus sitzt nur am Boden und schreibt im Sand. Die Männer werden immer lauter: „Sie ist schuldig." Da schaut Jesus kurz auf und sagt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!" Nach und nach schleichen sich alle Ankläger weg.
Schließlich steht die Frau nur noch allein bei Jesus - was wird nun passieren? Wird er sie nun verurteilen? Jesus wendet sich ihr zu. „Wenn Dich die Männer nicht verurteilt haben, dann will ich es auch nicht tun. Geh hin und sündige hinfort nicht mehr."
Gibt es das also wirklich, dass ich noch einmal eine Chance bekomme, statt von anderen verurteilt zu werde? Das ich nicht für immer mit meiner Schuld leben muss? Ja, meint die Bibel.

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Wie soll das alles bloß in den Koffer passen? Auf meinem Bett türmen sich all meine Sachen, die ich mit in den Urlaub nehmen will. Man weiß doch nie, wie das Wetter wird und was sich so ergibt. Vielleicht brauche ich auch Flossen und einen Anzug. Man sollte auf alles vorbereitet sein, hat mir meine Mutter immer eingeschärft. Aber wie soll das alles bloß in diesen Koffer passen? Und doch versuche ich es, ich packe und stopfe - irgendwie muss das doch klappen.
„Es ist schon verrückt, was ich alles mit mir herumschleppe", geht mir durch den Kopf. Wäre es nicht viel schöner, mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein? Diese Frage klingt auch in einem Gespräch zwischen Jesus und einem jungen Mann an. Der junge Mann würde am liebsten mit Jesus unterwegs sein. Aber er ist reich, sehr reich. Wohin mit seinem Reichtum, wenn er mit Jesus ziehen will? Jesus meint „Verschenke Dein Geld an die Armen und dann komm mit uns". Wir reisen mit leichtem Gepäck, wir vertrauen darauf, dass Gott uns behütet auf unserem Weg. Alles, was wir zum Leben brauchen, wird uns zufallen, Gott wird für uns sorgen. Weil wir für die da sind, um die Gott sich Sorgen macht.
Doch den jungen Mann verlässt sein Mut. „All die Sicherheit aufgeben? Nein!" und so geht er weg. Jesus schaut ihm traurig hinterher. Wie gerne hätte er ihn mit dabei gehabt - mit leichtem Gepäck.
Mein vollgestopfter Koffer auf dem Bett erinnert mich an diese Geschichte von dem jungen Mann. Bin ich nicht vielleicht auch viel zu sehr auf Sicherheit aus? Was schleppe ich da nicht alles mit mir herum! Brauche ich das wirklich alles? Wäre es - bei allem Risiko - nicht ein Gewinn, mich von manchem zu verabschieden. Ich wäre offen für das, was kommt und mit leichterem Gepäck unterwegs.
Die Geschichte vom reichen jungen Mann regt mich dazu an, über das Bedürfnis nach Sicherheit nachzudenken. Wo ist es übertrieben? Wo behindert es und verstellt die Sicht auf Andere? Das braucht Mut - gewiss. Aber kann ich mit Gott an der Seite nicht auch einmal etwas riskieren?
Am Ende klappt es dann doch - der Koffer ist zu - allerdings ohne Flossen und Anzug. Im Urlaub muss ich eben nicht auf alles vorbereitet sein - wobei, nur im Urlaub?!

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