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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

An Pfingsten ist Gott am Zug. Manchmal vielleicht sogar im Zug. Jedenfalls habe ich das gerade so erlebt.
In Hannover steige ich in den ICE. Neben meinem reservierten Platz sitzt ein Mann und sagt. HALLO!
Er hat schwarze Haut. Ich weiße. Wir fahren los.
Er schläft, ich lese. In Göttingen wacht er auf. und sagt: HALLO AGAIN! Wir lächeln und es geht weiter.
In Kassel halten wir länger. Viele steigen aus. Wir nicht. Mit Verspätung fahren wir weiter. Wider vertiefe ich mich in meine Kirchendokumente.
Und plötzlich schläft mein Nachbar nicht mehr, sondern schaut mir so quer in meinen Lesestoff, so wie man jemanden in die Karten schaut, und plötzlich fragt er:
„you are a christian?" Sind Sie ein Christ?
Ich gestehe sofort und freiwillig und sage: „Yes, I am!"
Da ist es, als sei dieser junge Mann erst jetzt zum Leben erwacht, so präsent, so wach, so unglaublich strahlend.
Und ab sofort nimmt es kein Ende mehr. Er erzählt von seiner afrikanischen Heimat, von seiner Arbeit in der Botschaft seines Landes hier bei uns, von der Entwicklungshilfe der Mission in seiner Heimat:
Schulen, Gesundheitswesen, Infrastruktur, alles sei bei ihm zuhause durch die  Hilfe von Christen entstanden. Und er sei dankbar. Niemals wäre er hier ohne diese Unterstützung.
Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Ich verstehe noch nicht mal die Hälfte. Die Mischung aus Englisch und Suaheli ist aber auch wirklich nicht leicht.
Aber ich verstehe genug, um mich mit ihm zu freuen.
Ich erzähle von meinem Beruf als Pfarrer und dass es Mission auch in meinem Lande gibt und wie sehr wie Leute wie ihn brauchen, um weiter begeistert von Gott zu sein.
In Frankfurt steigt er aus. Wir verabschieden uns. Er segnet mich. Und ich ihn.
Unser gemeinsamer Glaube hat unsere zufällige Fahrgemeinschaft zu einer mitreisenden Glückserfahrung gemacht. Und das wenige Tage vor Pfingsten, wo es doch um die Begeisterung für Gott und füreinander geht.
Damit endlich zum Zug kommt, was uns fehlt auf der Welt, wenn auch verspätet.

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Die Kirche hat Geburtstag. Übermorgen. Pfingsten ist nämlich am Sonntag. Rund 2000 Jahre ist das her. Wenn manche Leute meinen,  die Kirche sähe ganz schön alt aus, dann muss man dazu sagen:
Sie ist es auch.
Als sie auf die Welt gekommen ist, da war das eine ziemlich schwere Geburt.
Sie war nämlich nicht nur sehr klein, sondern auch ziemlich ängstlich. Aber wer ist das nicht, wenn er klein ist.
Aber an Pfingsten schließlich, dem 50. Tag nach Ostern, da war es dann soweit.
Da wurde aus einem kleinen Häufchen Elend eine richtig mutige Bewegung.
Petrus hatte den Leuten in Jerusalem von Jesus erzählt und von seiner Auferstehung von den Toten.
Und da auf einmal waren alle Feuer und Flamme für diesen Glauben und ließen sich taufen, es heißt 3000 Leute auf einmal mindestens.
Und schon war die Kirche da, um das Licht der Welt zu erblicken und seitdem ist sie nicht mehr wegzudenken.
Immer mehr ist sie gewachsen, hat sich ausgebreitet, sich entwickelt, nicht immer zum Vorteil, manchmal hat sie auch ganz schwierige Phasen gehabt, aber Gott hat auf sie aufgepasst, wie ein guter Vater das eben macht und so ist sie bunt und vielseitig geworden.
Durch seinen Geist beflügelt hat sie sich auf der ganzen Welt verteilt, hat jede Menge Geschwister bekommen, die sich zwar von Weitem irgendwie ähnlich sehen, aber doch sehr, sehr unterschiedlich geworden sind.
Das Gute daran aber ist, dass Gott mit allen so redet, dass sie es in ihrer Muttersprache verstehen können.
Es gibt nicht eine Einheitssprache des Glaubens, kein Kirchen -Esperanto.
Ehe es so etwas wie eine Einheit der Kirche geben kann, soll und darf und muss es den eigenen Dialekt geben, das eigene Verstehen, das Selbstverständnis meines ganz eigenen Glaubens.
Wir glauben nicht im Gleichschritt, nicht auf Kommando, sondern unterschiedlich, so, wie wir es verstehen können.
Gott leistet sich eine Polyphonie, eine vielstimmige Kirche, mit hochwürdigen und merkwürdigen und denkwürdigen Eigenschaften.
Da kann man doch nur gratulieren, zu diesem Geburtstag!

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Nächsten Sonntag ist Pfingsten. Das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes.
Als Kind habe ich mich an Pfingsten immer auf die Kirche gefreut, doch tatsächlich, weil es nämlich meistens etwas zu Lachen gab.
Sonst ja nicht so oft.
Aber an Pfingsten, da gab es eine eingebaute Unterhaltungsgarantie.
Denn die Pfingstgeschichte ist ein echter Zungenbrecher. Beim Verlesen der Apostelgeschichte Kapitel 2. kann, ja muss man sich so herrlich die Zunge verknüppeln.
Und da es ohne die schöne Geschichte nicht geht, ist meine Spannung immer groß gewesen.
Gefragt habe ich mich dann immer nur, an welcher Stelle es diesmal passieren wird, beim Verlesen der ganzen Völker und Rassen, die da in Jerusalem zusammen waren, als die große Begeisterung ausbrach. Aus aller Herren Länder waren sie ja zusammen:
die Parther und Meder und Elamiter, die aus Mesopotamien und Kappadozien, sogar aus Phrygien und Pamphylien!
Spätestens bei denen aus Pamphylien kam dann meistens auch der Versprecher. Da konnte man sicher sein.
Und wenn es dann endlich passiert war und sich der oder die Leser endlich verhaspelt hatten, dann gab es so ein menschliches, schön verschmitztes Schmunzeln.
Pfingsten ist komplett kompliziert mit all diesen Völkern und Nationen, die da dabei sind.
Sagenhaft, sogar Leute aus Rom sollen dort gewesen sein, Kreter und Araber natürlich, als der Geist kam.
Wortakrobatik an Pfingsten, weil alle dabei sind und dazu gehören.
Da mischt sich alles, da kommt sich alles Fremde ganz nah, da wird die Verständigung schwer.
Bis heute ist das so:
Was Fremd ist, das befremdet.
Und doch kann es gut gehen wie an Pfingsten.
An Pfingsten in Jerusalem, da wird die Verschiedenheit nicht abgeschafft, sondern gestärkt, gewürdigt, mit Begeisterung wahrgenommen.
Da versteht nämlich Jedermann und jede Frau dass Gott für alle da ist, weil man es nicht in einer Fremdsprache, sondern in seiner Muttersprache hört.
So gehört sich das.
Geistreich ist, dem Volk aufs Maul zu schauen!
Nur dann geht Pfingsten. Nur dann geht Pfingsten gut aus.
Wird niemand ausgegrenzt.
Gottes Geist verbindet alle, er ist der wahre Globalisierer, der ganze Globus ist sein Sendegebiet, die ganze Welt liegt auf seiner Wellenlänge. Davon kann man sich ruhig viel versprechen!

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„2000 Jahre Kirche sind genug!" Ein kritischer Zeitgenosse hat das auf das altehrwürdige Gemäuer der Landauer Stiftskirche gesprüht.
Viele Leute stimmen zu und sagen:
Die Kirche ist doch mausetot.
Die braucht doch auch kein Mensch mehr heute. Und so ähnlich muss wohl die Stimmung auch vor Jahren schon in einer Gemeinde in England gewesen sein.
Jedenfalls erzählt man sich, dass es der Pfarrer einfach nicht mehr länger hören konnte und deshalb eine Todesanzeige in der lokalen Presse geschaltet hat. Und die muss so richtig eingeschlagen haben. Kein Wunder:
Stellen Sie sich vor, Sie schlagen am Morgen die Zeitung auf, von Hinten, wie immer, und da fällt Ihr Blick auf eine Anzeige, in der steht:
Hiermit geben wir den Tod der Kirche bekannt. Und darunter:
Trauerfeier ist am kommenden Sonntag im Gottesdienst.
Das hat natürlich neugierig gemacht.
Das war der beste Werbespot gegen den Spott.
Und so soll es am Sonntag dann auch rappelvoll gewesen sein, wie sonst nur an Weihnachten.

Und zum Erschrecken der Leute stand tatsächlich im Altarraum ein Sarg. Die Predigt muss sehr kurz und knapp gewesen sein.
Es sollte für jeden genug Zeit sein, sich von der toten Kirche zu verabschieden.
Ein Schaudern ging durch die Kirchenbänke, als der Pfarrer den Sarg noch einmal öffnete und die Gemeinde bat, sich ruhig und gefasst aufzustellen. Im geordneten Gänsemarsch, gespannt natürlich, wie sie wohl aussehen würde, die tote Kirche zog die große Prozession nach vorne. Ich nehme an, die meisten haben sich dann fast zu Tode erschrocken, als sie beim Blick in den Sarg, sich selber sahen, in einem Spiegel.
Den hatte der Pfarrer nämlich in den Sarg gelegt.
Die Botschaft hat offenbar so gesessen, dass viele anschließend wieder angefangen haben, sich für Ihre Kirche zu engagieren.
Kirche ist nämlich immer nur so tot oder so lebendig, wie die Leute, die da sind.
Und da ist jede Menge Leben drin, jede Menge Begeisterung, jede Menge Liebe, Und davon kann unsere Welt doch gar nicht genug kriegen.
Auch nach 2000 Jahren nicht. Oder?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10797

Manchmal komme ich mir vor wie ein Analphabet. Wenn die Computerfreaks zusammenstehen und sich unterhalten.
Das hört sich wie eine Geheimsprache an, die nur Eingeweihte entschlüsseln können. Und mich haben sie nicht eingeweiht.
Dauernd kommen sie mit neuen Wörtern, die ich nicht kenne.
Ja die Welt erfindet ständig neue Sprachen, neue Begriffe, die kein Mensch begreift.
Und wenn ich bedenke, dass ich im letzten Jahrhundert noch auf der Schiefertafel schreiben gelernt habe und heute mit Laptop umgehen kann, einigermaßen jedenfalls, dann ist das doch schon eine große Leistung. Oder?
Gut, ich habe auch faxen und dann später mailen gelernt, ich weiß was eine homepage und eine webside ist, ich kann abspeichern und downloaden und ich gehe ins Internet, soft und hardware machen mir keine Angst mehr, ich schätze meinen Rechner und was der alles auf der Festplatte hat...aber twitter und facebock überfordern mich, skypen kann ich nicht, nur googeln, das schon.
Was ist eigentlich mit power point gemeint? Wer erklärt mir die Welt?
Wenn mich jemand mit meinem erst knapp 10 Jahre alten handy telefonieren sieht, dann kann es passieren, dass ich ein Autogramm geben muss, weil wir beide so dermaßen museumsreif sind, dass es schon wieder eine Attraktion zu sein scheint.
Wenn heute mein Großvater noch einmal auf die Welt käme, er würde vermuten, er sei auf einem falschen Planten gelandet, so außerirdisch käme ihm das alles vor.
Und doch ist es noch nie anders gewesen.
Immer schon und unaufhörlich haben die Leute neue Dinge begriffen und auf den Begriff gebracht, erfunden und erdacht. Und genau so ist es auch von Gott gewollt.
Schon ganz am Anfang, als er das Ganze installiert hat, gab er den Menschen den klaren Auftrag, alles zu erkennen und zu benennen.
Und so ist es dabei geblieben.
Wir finden und erfinden ständig etwas neu.
Daran kann man sehen, wie viel uns Gott von seinem Erfindergeist geschenkt hat.
Wir dürfen mitmischen bei seiner Erschaffung der Welt. Wir sind schöpferisch, bis zur Erschöpfung.
Göttlich ist das, wunderbar, wenn wir nur nicht vergessen, wer uns das ganze Betriebssystem gegeben hat, dass Gott uns ein sicherer back up ist, damit wir nicht hoffnungslos abstürzen.
Haben Sie das jetzt abgespeichert?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10796

Heute läuft wieder Einiges. Bei Ihnen bestimmt auch. Wir haben allerhand vor an diesem Montag. Das kann wieder ein echter Marathon werden. Bis alles erledigt ist, sind wir es dann auch.
Apropos Marathon:
Da hab ich doch nicht schlecht gestaunt, als nach dem Gutenberg Marathon vor ein paar Wochen in Mainz ein erfolgreicher Läufer interviewt wurde.
Und auf die Frage, wie man denn so einen Marathonlauf durchhält, hat er gesagt:
„Man muss die richtige Langsamkeit finden."
Ich dachte, ich hör nicht recht.
Nicht so schnell wie möglich, hat er gesagt, sondern wohl dosiert, so langsam also, dass man nicht zu schnell alle Kräfte verbraucht hat und dann nicht mehr weiterlaufen kann.
Langsam genug muss man einen Marathon laufen. Wenn das mal kein Motto ist für diesen Montag.
Nicht aus der Tür stürzen, davonrasen und alles auf einmal erledigen wollen, sondern Schritt für Schritt abmarschieren, was zu tun ist.
Und das gilt dann wohl auch für den gesamten Lebenslauf.
Der ist ja nun erst recht mit dem Marathon zu vergleichen.
Mit seinen Durststrecken und  allem Kampf und Krampf zwischendurch.
Wo man am liebsten aufgeben und aussteigen möchte. Was für eine Kondition brauchen wir da. Was für einen langen Atem.
Und wie viel Seitenstechen und weiche Knie gibt es dabei.
Ich weiß nicht, ob Jesus jemals Marathon gelaufen ist, aber weit gegangen ist er schon.
Und er hat für seine Leute einen Trainingsplan, eine Konditionsübung, eine Durchhalteparole bereit.
Und die scheint mir ziemlich viel versprechend zu sein.
Er sagt nämlich, „Sorgt Euch nicht um den morgigen Tag. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat."
Also nicht die ganze Woche auf einmal anstarren, was da alles auf uns zukommt, nicht fasziniert und abgeschreckt zugleich alle Aufgaben starren, sondern bei dem sein, was jetzt dran ist. Morgen ist auch noch ein Tag.
Sorgen ja, aber nicht um alles auf einmal.
Gott allein hat die ganze Strecke im Blick, Er kennt den Weg und das Ziel -Darauf sollen wir vertrauen und dann den Montag begrüßen:
Sorgsam aber nicht ängstlich, bemüht, aber nicht leidend, laufend bei der Sache, aber nicht auf der Flucht.
Und so wünsche ich Ihrem Marathon für heute einen guten Verlauf.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=10795