Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Eltern und Kinder, Gehbehinderte im Rollstuhl, Busladungen voller fröhlicher Senioren, kleine und große Familien, Einzelpersonen, Schulklassen und Betriebsausflügler: Die Landesgartenschau in Bingen zieht viele Menschen an, jeden Tag. Wunderschön ist es dort – da ist garantiert für jeden etwas dabei. Blumen natürlich zuerst, Blumen und Blüten im Überfluss, und Bäume, und dann traumhafte Spielplätze, Konzertbühnen, eine ökumenische Kirchenzone, Picknick-Wiesen, Lernbereiche, Kunstwerke, Ruhezonen und Cafés.
Die Landesgartenschau regt Leib und Seele an. Ich bin so richtig begeistert. Wenn ich könnte, würde ich jeden Tag einmal über das Gelände gehen. Weil hier die Schöpfung geradezu explodiert. Weil dieser Überfluss an Farben und Formen und Grünem einfach herrlich ist. Und einmalig. Die einen finden die aufwendig gestalteten Abschnitte schön. Andere fühlen sich in den naturbelassenen Teilen des Parks wohler. Das große Parkgelände ist ein Segen für die Besucher. Es ist zum Wohlfühlen schön.
Mittags und abends laden die Glocken auf dem Kirchengelände zum Gebet ein. Und es kommen viele, nehmen für ein paar Minuten Platz, singen und beten miteinander, danken für Gottes schöne Natur. Jeder darf teilnehmen und auf seine Weise dabei sein. Gottesdienste auf der Landesgartenschau ziehen immer viele Besucher an. Das liegt auch nahe. An einem solchen Ort, mitten in der Natur, kommt die Seele leichter zur Ruhe. Da werden Menschen fröhlich, und dankbar. Sie spüren eher etwas von den Wundern der Natur als im Alltag. Sie spüren diese Fülle, die uns in Gottes Schöpfung geschenkt ist. Sonst geht das im Trubel des normalen Lebens schon mal unter. Aber mitten in einem schönen Parkgelände – da ist es zu greifen, fühlen, riechen und zu sehen. Da kann sich die Seele erholen. „Ach, ist das schön hier“ – der Satz ist oft zu hören. Und ein solcher Seufzer ist manchmal schon ein halbes Gebet.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3953
„Gott hat mich verlassen“, klagte der Mann und weinte. „Er hilft mir einfach nicht, ich kann machen und tun, was ich will.“
„Machen und tun“, das war bisher sein Weg mit Gott. Stundenlang hat er gebetet, Kerzen angezündet, Geld gespendet, Gottesdienste besucht. Hat sich unendlich angestrengt, um Gottes Herz zu erweichen. Sein Ziel: Gott soll seine Frau gesund machen. Sie ist alkoholkrank, und das schon seit Jahren. „Ich kann jederzeit aufhören“, sagt sie. Doch das ist längst nicht mehr wahr. Sie ist schwer krank. Alkoholismus ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit. Und deshalb braucht sie dringend ärztliche und therapeutische Hilfe. Aber sie will nicht. Und so betet ihr Mann.
Dabei übersieht er: Auch er ist der Krankheit seiner Frau erlegen. Auch bei ihm dreht sich alles nur noch um die Alkoholkrankheit, nur von der anderen Seite. Was hat er nicht alles versucht. Hat auf seine Frau eingeredet, gebettelt, hat gedroht, sie zu verlassen, wenn es nicht besser wird, hat geweint und Szenen gemacht – aber nichts hat sich geändert. Dann fing er an, den Himmel zu bestürmen. Gott möge der Frau helfen, trocken zu werden. Doch nichts geschah. Schließlich war er völlig erschöpft, fühlte sich von Gott und der Welt verlassen.
Aber dann .... geschah doch ein Wunder. Irgendwann besuchte er eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholkranken. Und da lernte er etwas ganz Wichtiges: Er lernte, dass sich sein Leben nicht nur um seine Frau dreht. Dass er selbst auch ein Mensch ist, Interessen hat, ein eigenes Leben. Seitdem pflegt er wieder seine Hobbys. Und er betet anders. Weil er weiß: Seine Frau muss handeln, nicht er. Deshalb legt er seine Frau und ihr Schicksal jeden Tag in Gottes Hände. Vielleicht schenkt Gott ihr Einsicht in ihre Krankheit. Aber das ist nichts, was ihr Mann machen könnte. Das hat er gelernt. Er betet jetzt auch für sich. Für sein Leben. Und es geht ihm so viel besser. Sein Leben ist nicht mehr so angestrengt. Er fühlt sich schon lange nicht mehr von Gott verlassen. Hat wieder Lebensmut gefasst.
Seine Frau übrigens hat sich verändert, seit er nicht mehr so viel für sie sorgt. Sie hat gemerkt, dass sie etwas tun muss. Seit Kurzem geht sie auch in eine Selbsthilfegruppe.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=3952
Der kanadische Premierminister Stephen Harper hat sich in diesen Tagen öffentlich entschuldigt: bei den Ureinwohnern des Landes. Über 100 Jahre lang wurden mehr als 150.000 indianische Kinder in Internate gesteckt. Sie sollten den Einflüssen und Traditionen ihrer Stämme entzogen werden. Ziel der staatlich geförderten Umerziehungspolitik: Die Indianer an das moderne Leben anzupassen. Dafür war jedes Mittel recht: Viele Kinder wurden auch misshandelt und missbraucht.
Der oberste indianische Stammesführer Chief Phil Fontaine nahm die Entschuldigung des Premierministers persönlich entgegen. Und er zeigte sich sehr erleichtert. Phil Fontaine ist selbst ein Opfer der Zwangsinternierungen. Er erinnert sich schmerzvoll an die Misshandlungen. Sie sind bis zum heutigen Tag wie Messerstiche in der Seele, sagt er Umso wichtiger ist für ihn nun, dass die kanadische Regierung sich öffentlich entschuldigt und zugibt, dass sie schweres Leid über viele Menschen gebracht hat.
Entschuldigungen – sind nur Worte. Nicht immer reichen Worte aus. Aber die indianischen Stämme in Kanada haben die Entschuldigung angenommen. Mich beeindruckt diese Haltung außerordentlich. Denn die Ureinwohner Kanadas zeigen dadurch wirkliche Größe. Ihr Stammesführer sagte, dass endlich der Blick von den Verletzungen weg nach vorne gehen kann, in eine heiler werdende Zukunft. Dazu brauchte es einen mutigen Premierminister. Er nannte das Unrecht laut Unrecht. Er würdigte damit den Schmerz der Indianer öffentlich und gab ihnen so ihre Ehre wieder. Und damit können die Urkanadier beginnen, sich mit ihren seelischen und körperlichen Verletzungen zu versöhnen und neu ins Leben zu schauen.
Entschuldigungen - sind nur Worte. Aber was heißt hier „nur“!? Wenn Worte der Entschuldigung ernst gemeint und tief empfunden sind, wirken sie heilsam. Nicht nur bei den kanadischen Indianern.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=3951
02JUL2008
DruckenAutor*in
In Deutschland gibt es mehr Handys als Einwohner: Über 90 Millionen Mobiltelefone, Tendenz stark steigend. Das hat eine neue Statistik herausgefunden.
Und es ist ja auch toll, was man mit den kleinen Bordcomputern alles machen kann – abgesehen vom Telefonieren. Vom Mailen bis zum Online-surfen, von der Terminverwaltung bis zum Wecker. Einfach gut.
Wer mithalten will, muss sich in regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand bringen. Aber was passiert dann mit den alten Handys? Die landen in der Schublade oder im Müll. Und so hat jeder irgendwo noch mindestens ein altes rumliegen.
Diese „Not“ hat die Jesuitenmission, eine kirchliche Ordensgemeinschaft, zur Tugend gemacht und ruft dazu auf: „Her mit dem Handy!“ Jeder, der sein altes, vielleicht auch kaputtes Handy loswerden will, kann es einschicken. Er kriegt dann zwar kein Geld mehr dafür, kann aber etwas Gutes tun. Denn die Leute von der Jesuitenmission sammeln die Altgeräte, reparieren und nutzen, was noch zu nutzen ist als Ersatzteillager. Und verkaufen es weiter.
Von dem Erlös wird die Arbeit von einem Missionar im Amazonasgebiet unterstützt. Der hilft dort den Indianern, gegen die Vertreibung aus ihrem Stammland zu kämpfen. Pater Gunter Kroemer ist im Urwald unterwegs, auf der Suche nach geflohenen Indianervölkern. Großfarmer und Holzhändler dringen immer tiefer in die Weiten des Amazonas vor. Mit dem Regenwald zerstören sie auch die Lebensgrundlage der Indianer. Das soll anders werden. Deshalb besucht der Pater sie, um so auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Das kann er durch die Erlöse aus der Handy-Aktion.
Also: „Her mit dem Handy!“ Denn wer dabei mitmacht hilft nicht nur, seine Wohnung von unnötigem Elektromüll zu säubern, sondern tut auch noch ein gutes Werk dazu. Und Gutes tun ist doch auch schick – mindestens genauso wie das neue Handy, das man sich gerade gegönnt hat.

Infos unter: www.handy.jesuitenmission.de
https://www.kirche-im-swr.de/?m=3983
01JUL2008
DruckenAutor*in
Das Landeskriminalamt in Düsseldorf hat jetzt das Phantombild eines Mannes erstellt, der vor etwa 2000 Jahren lebte. Gesucht wird ein gewisser „Paulus aus Tarsus“, ein Türke. Eine hohe Stirn, große Augen, ein längliches, zerfurchtes Gesicht. So schildern Historiker und Archäologen diesen Mann. So blickt er einen auf dem Phantombild an.
Dieser Paulus lebte kurz nach Jesus und ist einer seiner ersten Jünger. Bis heute ist das, was der Apostel Paulus in seinen Briefen über Jesus geschrieben hat, Kern der christlichen Botschaft. Und diese Botschaft bringt Paulus unter die Leute. Dafür reist er kreuz und quer im Mittelmeerraum und kommt bis nach Rom. Überall gründet er christliche Gemeinden. Bekannt ist auch sein sprichwörtlicher Wandel vom Saulus zum Paulus – vom Christenverfolger zum Botschafter Jesu.
Und warum haben die Beamten des Düsseldorfer Landeskriminalamtes nun dieses Phantombild erstellt? Hintergrund ist das sogenannte „Paulusjahr“. Weil Paulus wohl vor ziemlich genau 2000 Jahren geboren wurde, hat es der Papst jetzt ausgerufen. Ein ganzes Jahr lang heißt es: „Gesucht wird ... Paulus!“
Wer sich mit auf die Suche macht, der wird vielleicht entdecken, warum die Liebe das A und O von allem ist. Es ist ein Klassiker bei Hochzeiten: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.“ (1Kor 13,2) Oder der entdeckt, dass Paulus in seinen Reise-Reportagen so etwas wie der erste christliche Journalist war. Der erfährt auch, was es mit der „Freiheit eines Christenmenschen“ so auf sich hat – und wieso Christen ein besseres Leben haben als andere, die keine Hoffnung aus der Zuversicht des Glaubens haben (1 Thess 4,13).
Es lohnt sich, im Paulusjahr mit auf die Suche zu gehen. Gesucht wird: Paulus. Das „Kopfgeld“ ist ein Gewinn für den eigenen Glauben.

Infos unter: www.dbk-paulusjahr.de https://www.kirche-im-swr.de/?m=3982
Guten Morgen. Ich bin Thomas Weißer. Und ich bin immer noch total geplättet von dem Spiel. Deutschland – Spanien; das war Adrenalin pur. Hoffen und verzweifeln. Bangen bis zum Schluss. Und mit einem besseren Ende für Spanien. Gratulation. Aber – wir sind Vize-Europameister. Das ist trotz allem, trotz der Finalniederlage, ein toller Satz. In dem steckt nämlich alles, was mich und viele andere an dieser Europameister-schaft gepackt hat. In dem steckt: Wir alle haben mit der Mannschaft gehofft und gezittert, manchmal ziemlich geflucht, aber immer wieder an Jogis Truppe geglaubt. An „unsere“ Jungs.
Dieser Glaube verbindet uns, auch wenn wir verloren haben. Dass wir gemeinsam an etwas glauben, an Ziele, aber vor allem an andere Menschen, an ihre Fähigkeiten, an sie als Menschen. Die Europameisterschaft hat mir mal wieder vor Augen geführt: An sich glauben, an andere glauben – das brauchen wir. Nicht nur auf dem Fußballplatz – auch im richtigen Leben. Natürlich wäre es toll gewesen, wenn sich der ganz große Erfolg eingestellt hätte – aber das ist nicht entscheidend. Zu merken: Ich kann etwas – und ich traue anderen etwas zu, das macht das Leben richtig rund. Und nicht erst der erste Platz.
An sich, an andere glauben, das steht im Mittelpunkt auch vieler biblischer Geschichten. Hier geht es genau darum: Dass jemand an den Menschen glaubt. Gott glaubt an den Menschen. Will aus ihnen das Beste herausholen. Glaubt, dass immer noch mehr möglich ist als jeder denkt. Bei Mose zum Beispiel. Gott will ihn zum Anführer der Israeliten machen. Die sind Sklaven in Ägypten. Und Mose soll sie da rausholen. Aber Mose zuckt zurück. Nimm meinen Bruder, schlägt er vor, der kann das besser. Aber Gott lässt nicht locker. Er glaubt an Mose. Solange, bis auch Mose an sich glaubt. Und sein Glaube versetzt zwar keine Berge – aber macht aus seinem versklavten Volk freie Menschen.
Gott setzt auf den Menschen, glaubt an ihn, gibt ihm immer wieder neue Chancen. Und wenn wir dann an Menschen glauben, dann spiegeln wir etwas von Gottes Glauben an uns wieder. So ein Glaube kann mit der Vizeeuropameisterschaft gekrönt wer-den – aber auch ganz einfach nur durch den heutigen Tag führen. Mich macht das frei: Wir können an uns glauben, weil Gott an jeden von uns glaubt – egal ob Europameister oder nicht. Und in vier Jahren siehts ja vielleicht ganz anders aus. Bei der nächsten Europameisterschaft. https://www.kirche-im-swr.de/?m=4003