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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

12MAI2007
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»Unser Lied für Helsinki«. Heute Abend tritt Roger Cicero für Deutschland beim »Eurovision Song Contest« an. „Frauen regier’n die Welt“, heißt sein Song. Er hat sich auch durchgesetzt gegen Monrose – eine Mädchen-Band. Ihr Lied „Even heaven cries – sogar der Himmel weint“ ist zwar beim Vorentscheid nicht zum Wettbewerb in Helsinki gewählt worden, hat es aber auch so in die Charts geschafft.
Das Lied hat einen spannenden Text, finde ich. In ihm geht es drum, zu sich selbst zu stehen. Wenn man vor dem Spiegel steht und so gar nicht perfekt aussieht, sich nur danach richtet, was andere sagen und von einem wollen, dann kommen schon mal Selbstzweifel. Im Lied heißt es: „Niemand sieht, wer du wirklich bist, aber du musst dich nicht verstecken. Auch wenn es manchmal hart ist und die Welt zusammenbricht, dann denk dran, dass sogar der Himmel weint. Nein, du bist nicht allein. Hab keine Angst, es ist alles gut.“
Für mich erzählt dieser Text von Gott: Es kommt nicht drauf an, was andere von dir halten, wie sie dich sehen. Im Himmel gibt es einen, der dich gut verstehen kann, der mit dir lacht und weint, der dich annimmt und gern hat, wie du bist. Du bist nicht allein, hab keine Angst, alles ist gut. Das ist ein Trost, den mir der Glaube an Gott gibt.
Wenn ich den Eindruck habe, die Welt bricht zusammen, dann hilft mir dieser Glaube. Lässt mich nicht allein sein. Gott sieht mich, wie ich wirklich bin, vor ihm brauche ich mich nicht zu verstecken, keine Rolle zu spielen, keine überdrehten Erwartungen zu erfüllen. Gott fühlt mit – in Höhen und Tiefen, wie ein guter Freund. Der größte Trost, den ein Freund geben kann, ist manchmal, dass er einfach mit aushält. Da ist. So ist auch Gott. Und wenn es einem schlecht geht, glaube ich: Dann weint sogar Gott mit - Even heaven cries.
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11MAI2007
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Frohe Ostern! Nein, das ist kein Scherz. Denn Ostern ist nicht nur am Ostersonntag. Ostern geht weiter! Es gibt nämlich nicht nur die sieben Wochen Fastenzeit vor Ostern , als Einstimmung und zur Vorbereitung. Es gibt auch noch sieben Wochen nach Ostern – die Osterzeit dauert bis Pfingsten. Also noch gut zwei Wochen.
Die Christen feiern an Ostern das Fest der Auferstehung Jesu. Bis heute ist das Grund zum Feiern für die Gläubigen. Denn Ostern heißt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Natürlich sterben noch Menschen, natürlich ist das Leid auch heute noch da, man muss da ja nur mal die Nachrichten ansehen: Massaker in einer US-Schule, Tote bei Anschlägen im Irak, Raketen der Hamas auf Israel, tragische Verkehrsunfälle bei uns und Kinder, die vernachlässigt werden und elend sterben müssen. Aber die christliche Hoffnung sagt: Das ist nicht alles. Es bleibt nicht dabei. Das Leben siegt am Ende, denn dem Menschen ist sogar ein Leben bei Gott bestimmt, in einem himmlischen Leben ohne Leid und Schmerz. Das vertröstet nicht erst auf später, sondern kann schon jetzt zuversichtlich machen.
Der Tod ist nicht das Ende. Wer das glauben kann, der hat schon jetzt wirklich allen Grund zum Feiern. Und deshalb geht Ostern im Kirchenkalender ganze sieben Wochen lang weiter. Rein äußerlich erkennt man das etwa, dass der Priester im Gottesdienst die weißen Festgewänder der Osterzeit anhat, dass die Osterkerze an einem hervorgehobenen Platz in der Kirche steht, und dass sich in den Liedern auffällig oft ein „Halleluja“ findet.
Es gibt also in der Kirche nicht nur sieben Wochen Verzichten und Fasten vor Ostern. Es gibt vor allem auch sieben Wochen Feiern wegen Ostern. Und deshalb wünsche ich Ihnen, dass Sie eine frohe Osterzeit haben, viel Sonne, und nicht zuletzt die Freude am Leben. Das ist Ostern: Freude am Leben. Also noch mal: Frohe Ostern!


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10MAI2007
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Der Papst besucht Brasilien. Ein Land, in dem zwei Drittel aller Menschen katholisch sind. Ein Land aber auch, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist. Gewalt, die mit uns zu tun hat. Denn heute genau vor einem Monat wurde der Trierer Priester Wolfgang Hermann in Brasilien ermordet. 46 Jahre alt. Die Hintergründe sind noch unklar.
Ich habe Wolfgang Hermann im letzten Sommer kennen gelernt: Unkonventionell, anders. Da war er noch Pfarrer in der Eifel. Aber schon damals hing sein Herz an Brasilien, er bereitete sich gerade auf den Umzug an den Amazonas vor.
Schon Mitte der 90er Jahre war er als Seelsorger in einer brasilianischen Gemeinde. Ein schwarzer Ring an seiner Hand drückte seine Liebe zu den Menschen in Südamerika aus. Ein Freundschaftsring aus der Nuss der Tukum-Palme. Für ihn ein Zeichen der Solidarität mit der armen Bevölkerung. Einheimische Frauen schnitzen ihn in mühevoller Handarbeit, um sich so den Lebensunterhalt zu verdienen. Der Ring hat ihn auch daran erinnert, was für ihn zählt: Manches Problem, das hier ach so groß erscheint, ist dann im Vergleich viel geringer. Man merkt dann, was wirklich zählt. Wer mal in echter Armut gelebt hat, für den ist die Frage, ob die Mehrwertsteuer hier 16 oder 19 Prozent beträgt, banal. Wer mit bewaffneten Kinderbanden zu tun hatte, der kann sich nicht mehr über die hier in Deutschland ach so verkommene Jugend aufregen.
Seine Liebe zu Brasilien hat Wolfgang Hermann jetzt mit dem Leben bezahlt. In einem Nachruf für ihn heißt es: „Ihm war bewusst, dass er in einem gewalttätigen Land leben und arbeiten würde. Aber sein Herz schlug für Brasilien.“ In Brasilien ist er jetzt beerdigt. In der österlichen Hoffnung, dass Gewalt und Tod auch dort nicht das letzte Wort haben.
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Wenn man 15 Jahre alt ist, beschäftigt man sich mit allem möglichen, aber nicht mit Grabsteinen. Es muss also einen besonderen Grund dafür geben, wenn sich Jugendliche ausgerechnet mit einem solchen Thema beschäftigen. Und dieser Grund lautet: die jungen Menschen im Dekanat Andernach – Bassenheim bereiten sich auf das Sakrament der Firmung vor. Als sie nach einer Möglichkeit suchten, sich wie Jesus für andere Menschen einzusetzen, stießen sie auf die Situation von Menschen in indischen Steinbrüchen. Sie erfuhren, dass Marmor - und Granitplatten, die als Grabsteine auch auf deutschen Friedhöfen landen, unter katastrophalen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Sie hörten davon, dass der aggressive Steinstaub die Lungen der Menschen schädigt. Sie informierten sich darüber, dass durch die archaischen Werkzeuge oder den eingesetzten Sprengstoff viele Hände verstümmelt werden. Besonders betroffen waren die jungen Firmlinge, als sie erfuhren, dass auch schon Kinder und Jugendliche in den Steinbrüchen arbeiten müssen, weil unseriöse Geldgeber ihre Eltern in eine Überschuldung getrieben haben. Die Firmlinge beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. Über das Hilfswerk Misereor hörten die Jugendlichen von einer Möglichkeit, diesen Menschen zu helfen. „Befreiung eines Steinbruchs“ lautet die Aktion. 15.000 Euro müssen zusammenkommen, um mehrere Familien in einem Steinbruch aus der Schuldenfalle zu befreien. Rechtsanwälte müssen bezahlt werden, damit die Familien den ausbeuterischen Verhältnissen entkommen können. Lehrer müssen bezahlt werden, damit die Kinder die Schule besuchen können. Eine solche Befreiungsaktion kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Aber für die Betroffenen ist sie die einzige Möglichkeit, dem Elend zu entkommen. - Keine Frage: Die jungen Firmlinge haben sich da wirklich ein großes Projekt vorgenommen. Ob sie mit ihrer Informationsarbeit und durch die geplanten Aktionen das nötige Geld zusammenbekommen, steht im Moment noch nicht fest. Aber eines steht fest: wenn der Bischof bei der Firmung diesen jungen Menschen die Hände auflegt, haben sie mit dieser Aktion für ihr Leben als Christen die richtigen Weichen gestellt. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1279
Wer seinem Gewissen folgt und dabei gegen Gesetze verstößt, riskiert Ärger. Diese Erfahrung mußte vor über 60 Jahren auch der schweizerische Berufssoldat Max Waibel machen. Er wurde von seinen Vorgesetzten scharf gerügt, und das, obwohl es ihm gelungen war, den Zweiten Weltkrieg um mehrere Wochen zu verkürzen. Das Ganze kam so: Im Frühjahr 1945, als der Ausgang des Krieges längst entschieden war und große Teile Europas bereits vom Krieg gezeichnet waren, stand Norditalien die eigentliche Katastrophe noch bevor. Die deutschen Soldaten sollten in Norditalien auf Befehl Hitlers Straßen und Eisenbahnen sprengen, Fabriken und Krankenhäuser zerstören, Tausende von Gefangenen erschießen und sich dann in die Alpen zurückziehen. Die Vorbereitungen für diese Vernichtungsaktion waren schon abgeschlossen. Da erfuhr ein kleiner Kreis um den Schweizer Major Max Waibel von verhandlungsbereiten deutschen Offizieren. Die kleine Gruppe beschloss, sich auf eigene Faust um einen Waffenstillstand zu bemühen. Die Verhandlungen zwischen der deutschen Heeresleitung in Norditalien und den Allierten mußten geheim bleiben; außerdem brauchte man einen neutralen Vermittler. Der Berufssoldat Max Weibel war bereit, diese heikle Aufgabe zu übernehmen. Hinter dem Rücken der Schweizer Behörden vermittelte er zwischen den Deutschen und Alliierten. Er war sich bewußt, dass er damit seine Dienstpflichten verletzte, denn die Schweiz hatte sich zu strikter Neutralität verpflichtet. Doch Waibel stellte sein Gewissen über Befehl und Gesetz. Mehrmals trafen sich in seinem Privathaus Unterhändler beider Seiten. Nach wochenlangen zähen Verhandlungen geschah das Unglaubliche: die deutsche Heeresleitung in Norditalien unterschrieb am 28. April 1945 die Kapitulation. Tausende von Menschenleben wurden gerettet, Norditalien vor der Zerstörung bewahrt und der Zweite Weltkrieg um mehrere Wochen verkürzt. Auch wenn Max Waibel nach dem Krieg von seinen Vorgesetzten scharf gerügt wurde: Heute, an diesem 8. Mai, dem Jahrestag des Kriegsendes vor 62. Jahren, tut es gut, an diesen weithin unbekannten, aber mutigen Menschen zu erinnern.


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„Ihr geht mit unserer Erde um, als hättet ihr eine zweite im Keller“, lautete in den 80 er Jahren ein bei Umweltaktivisten beliebter Spruch. Seit zwei Wochen kann man dieses Argument nicht mehr so einfach in die Debatte werfen. Denn ein internationales Astronomenteam hat einen Planeten entdeckt, der unserer Erde in vielem ähnlich sein soll. So soll auf diesem Planeten eine Temperatur zwischen 0 und 40 Grad herrschen, was unserer durchschnittlichen Erdtemperatur von 15 Grad erstaunlich nahe kommt. Es gibt also doch Hoffnung auf neue Lebensräume für die Menschheit, sollte unsere Erde einmal nicht mehr bewohnbar sein. Das Problem dabei ist nur: die Astronomen wissen leider noch viel zu wenig von diesem Planeten. Keiner kann z.B. sagen, ob es auf diesem Planeten Wasser gibt. Das wäre schon wichtig zu wissen. Abgesehen davon ist dieser Planet etwa 20 Lichtjahre entfernt, so dass ein heutiges Spaceshuttle etwa 30.000 Jahre unterwegs wäre. Schließlich dämpfen die Astronomen alle Hoffnungen auf eine zweite Erde mit dem Argument, dass das Entstehen unserer Erde das Ergebnis einer unglaublichen Folge günstiger Zufälle ist. Wenn nicht heftiger Regen in der jungen Lufthülle der Erde die Treibhausgase aus der Luft entfernt hätte, würde heute auf der Erde eine Hitze von 425 Grad herrschen - ähnlich wie auf der Venus. Und würde unser schwerer Nachbarplanet Jupiter nicht immer wieder Schutzengel spielen, hätte schon mancher Komet unsere Erde zerstört. Diese Reihe unerklärlich günstiger Umstände ließe sich beliebig fortsetzen. Es grenzt wissenschaftlich schon an ein Wunder, dass unsere Erde überhaupt entstehen konnte. Man muss deshalb noch lange nicht religiös werden und an Gott glauben. Aber bedenkenswert sind diese Dinge doch. Der deutsche Astronaut Ulf Merbold, der in seinem Leben einige Wochen im Weltraum verbrachte, sprach einmal davon, wie zerbrechlich und zart die Erde vom Weltall aus erscheint. Die Existenz einer zweiten Erde hielt er für eher unwahrscheinlich. Ihn bewegte etwas ganz anderes: Im Weltall, so bekannte er, denkt man sehr viel darüber nach, ob man die Schöpfung nicht etwas sorgfältiger behandeln sollte. https://www.kirche-im-swr.de/?m=1277