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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Lasset die Kinder zu mir kommen“, hat Jesus gesagt. Welch eine Einladung! Was uns vielleicht selbstverständlich erscheint - für die damalige Zeit war das unerhört. Denn zur Zeit Jesu liefen Kinder nur irgendwie mit und haben meistens eben gestört. Erst mit Eintritt ins Erwachsenenalter - damals mit 12 Jahren - nahm man ein Kind als eigenständigen Menschen und Persönlichkeit wahr.
Und wie ist das heute, bei uns?
„Also, für die Kinder ist mir nichts zu teuer.“ so heißt das oft. „Bei den Kindern, da ist Beste gerade gut genug…“ Und es regnet Kleider, Spielzeug und Handys. Und vor allen Dingen regnet es Taschengeld.
Doch für die Kinder scheint es nicht „das Beste“ zu sein. Ein Junge sagte kürzlich im Fernsehen: „Ich finde, die Erwachsenen sollten einem erst einmal zuhören!“ Er war 12 Jahre alt und fühlt sich allein. Mutterseelenallein.
Zuhören? Das sitzt! Es ist, als ob auch wir die Kinder immer noch so behandeln, als würden sie nicht dazu gehören. Als würden wir nicht mit ihnen reden, sondern allenfalls über sie. Als würden wir nicht mit ihnen zusammen leben.
Kinder brauchen aber ein Gegenüber. Sie brauchen Gesprächspartner und sie brauchen Begleitung. Sie wollen mit anderen etwas Sinnvolles tun und sie wollen Lob und Anerkennung bekommen, wenn sie etwas angepackt haben.
Um das zu unterstützen, hat jetzt die Evangelische Kirche – gemeinsam mit anderen Hilfswerken – den „Deutschen Kinderpreis“ ausgerufen.
Es ist wunderschön, wenn man sich gemeinsam für etwas engagiert: Die Großen gemeinsam mit den Kleinen.
„Wir suchen Menschen, die solche Ideen umsetzen, die Kindern Vertrauen in die Zukunft zu geben“ heißt es in der Begründung des Deutschen Kinderpreis.
Kinder lernen am guten Beispiel: Wenn sie sehen, wie wir Erwachsene Verantwortung für andere übernehmen. Und Kinder lernen am besten, wenn man ihnen zuhört und etwas mit ihnen gemeinsam macht.
Wenn Sie eine Idee haben, dann schauen Sie doch mal vorbei auf der Internetseite www.deutscherkinderpreis.de
„Lasset die Kinder zu mir kommen“, hat Jesus gesagt, „denn ihnen gehört das Himmelreich.“
Und dieser Himmel, der leuchtet in den Augen der Kinder. Wenn wir ihnen aufrichtig und als Partner begegnen, können wir ihn sehen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=864
Ja, es gibt ein zweites Leben. Im Internet heißt es "Second Life".
Second Life ist im Moment das angesagteste Spiel im Netz. So etwas wie die aus dem Fernsehen bekannte Lindenstraße. Nur mit dem Unterschied, dass hier jeder seine Rolle selbst erfinden kann. Über drei Millionen Menschen tummeln sich da, die Mitgliederzahl wächst rasant. Man muss sich nur im Netz registrieren lassen, gibt sich einen neuen Namen, und schon beginnt das so genannte „neue Leben“.
Alles, was ich schon immer haben wollte, hier kann ich es kaufen. Und was mir im wirklichen Leben nicht gelungen ist, dort kann ich es sein. Endlich kann ich mein Leben selber gestalten!
Doch dann, beim genauen Hinschauen, entdeckt man: Bei Second Life wiederholt sich das sattsam Bekannte. Diskos, Partys und Propaganda. Die üblichen Markennamen herrschen, und alles zwängt sich in Designerklamotten und fährt dicke Luxusschlitten.
Das Spiel setzt auf die Hoffnung, einmal - wenigstens in der virtuellen Welt - der Gewinner zu sein. Doch der Stachel des Ansporns, das sind Neid und Konkurrenz… und die Angst, doch nicht der Größte zu sein.
Aber - kennen wir das nicht im wirklichen Leben schon zur Genüge? Bringt das nicht hier schon eine öde Leere mit sich?
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und zwar in Fülle!“ sagt Jesus in der Bibel. „Fülle“, das ist bei ihm keine Frage der Quantität, oder der Menge an Konsumgütern. „Fülle“, das ist, wenn ich mich geborgen fühle in meinem Leben. Wenn ich das genießen kann, was ich habe – und sei’s auch wenig.
Und „Fülle“, das sind Freunde. Gute Freunde, bei denen ich mich geliebt, geschätzt, geachtet weiß. „Fülle“ ist Qualität! Ist Liebe, ist gegenseitige Wertschätzung.
Und dazu ist Jesus gekommen. Um uns zu zeigen, dass Gott uns allemal schon liebt. Noch bevor wir bewiesen haben, was wir alles so auf die Beine stellen und leisten… Wir Christen versuchen uns gegenseitig diese Fülle zu sein: Jeder ist angenommen, so wie er ist. Von Gott geliebt.
Das ist das andere, das wirklich zweite, second life. Um glücklich zu sein im Leben, da braucht es keinen Besitz. Sondern Gemeinschaft und Liebe.
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Kirchtürme prägen noch immer unsere Dörfer und Städte.
Wer sich von außen einem Dorf nähert, der weiß: Da, wo der Kirchturm steht, da ist die Mitte.
Der alte Ortskern ist da, mit seinen Geschäften, seinen Straßen und Plätzen. Manchmal auch ein Brunnen oder ein Bach.
Die Menschen haben eng gewohnt früher, dicht an dicht. Und oft haben sie den Ort geradezu um die Kirche drum herum gebaut.
Mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Wissen, wo man herkommt, wo man hingehört, wissen, wo man zu Hause ist.
Kirchtürme sind so etwas wie ein Sinnbild dafür. Ein Sinnbild, dass die Seele eine Heimat braucht, dass das Leben einen Grund benötigt.
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr,
meine Seele verlangt und sehnt sich nach dir“, so hat man das in der Bibel damals umschrieben, dieses Gefühl, bei Gott ein Zuhause zu haben.
Wo finden wir heute unsere Heimat? Unseren Grund?
Wo ist unsere Seele zuhause?
In den Städten überragen die Tempel der Wirtschaft und des Geldes mit ihren hohen Türmen manches Stadtbild. Die Scheiben glänzen in der Sonne. Und die Kirchen verschwinden dahinter, fast wie Erinnerungsstücke aus früheren Zeiten.
In diesen modernen Wirtschaftstempeln regiert das Geld. Sie wollen ein Sinnbild der Sicherheit sein. Doch es regiert noch etwas in ihnen und das sind Sorge und Angst. Denn die Banken-Türme, das sind Trutzburgen. Wer in ihnen haust, der hat viele gegen sich. Geld ist sicher notwendig zum Leben, aber Geld allein macht nicht glücklich, denn wer Geld hat, der hat viele Feinde.
Wo ist meine Seele zuhause? Wo finde ich Heimat und Grund?
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr“, heißt es im Psalm. Vielleicht ein wenig blumig beschrieben, aber das heißt doch: Bei Gott ist jeder willkommen. Und es tut unendlich gut, dort seine Seele zu bergen: Im Schatten der Kirchtürme. Da finden sich ganz viele und ganz unterschiedliche Menschen ein. Menschen, die mit all ihren Unterschieden dennoch gleich sind vor Gott. Kaum zu glauben, wenn man an die Trutzburgen aus Glas und Beton denkt, die die Menschen auseinander sortieren in Gewinner und Verlierer.
Vor Gott sind wir alle gleich, gleich schutzbedürftig, bedürftig einer Heimat für die Seele. Und so sind wir miteinander verbunden und füreinander da.
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr…“, die Kirchtürme prägen noch immer unsere Dörfer und Städte. Gott sei Dank!
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Vor 2000 Jahren waren Hinrichtungen etwas Alltägliches.
Die Römer benutzten dazu grobe Holzbalken.
Einen Balken senkrecht, einen oben quer. Fertig war das Folterinstrument.
Es sah nicht aus wie ein Kreuz, wohl eher wie ein frei in der Landschaft stehendes „T“.
Wie kam es, dass die ersten Christen ein Hinrichtungsinstrument zu ihrem Erkennungszeichen, ihrem Logo, machten? Ist das nicht ein Symbol dafür, dass einer an seiner Aufgabe gescheitert ist?
Auf den ersten Blick scheint das so. Schaut man jedoch genauer hin, öffnet sich ein ungeahnter Horizont:
Der lange senkrechte Balken, ein Symbol für mein Leben:
Mit der Erde bin ich unten verwurzelt, gebunden an meine Heimat, meine Familie. Das alles gibt mir Bodenhaftung und Fundament.
Der Balken weist in den Himmel. Ich hoffe, dass dieses Leben nie aufhört. Aber wenn ich nach oben schaue, weiß ich genau: Da kommt ein Ende. Ich muss nur im Spiegel meine Falten betrachten und ich weiß: Ich bin sterblich. Dieses Leben kommt zu einem Ende Der Balken liegt quer.
Für die Jünger damals taugte dieses aufgerichtete „T“ wohl kaum als Symbol für Hoffnung.
Deshalb haben sie den senkrechten Balken einfach nach oben hin verlängert.
Über den Querbalken hinaus.
So haben sie ein Hoffnungszeichen daraus gemacht, haben symbolisch nachgezeichnet, was sie erlebt hatten: Jesus stirbt zwar an dem senkrechten Balken, doch sein Weg ist damit nicht zu Ende. Das hatten sie ja gesehen: Der Tod behält nicht das letzte Wort. „Er ist auferstanden“, so rufen sie am dritten Tag. Er hat den Tod durchschritten. Der Tod hat keine letzte Macht.
So wurde das Kreuz für Christen zum Symbol für ein Leben, das den Tod hinter sich lässt. Für eine Hoffnung, die man nicht totkriegen kann.
Viele Menschen tragen dieses Symbol heute bei sich. Es steht an Kreuzungen und Landstraßen, in Schulräumen und Krankenzimmern sehen wir es.
Wenn Sie heute ein christliches Kreuz sehen, dann will es Ihnen dies sagen:
„Ja, ich weiß, der Balken in deinem Leben. Der liegt quer. Ja, du bist begrenzt in allem, was du tust und kannst. Aber fürchte Dich nicht. Gott verlässt Dich nicht. Hinterm Horizont geht´s weiter“.
Das sagt uns das Kreuz. Kein schlechtes Logo. Oder?
Gott schütze sie.


https://www.kirche-im-swr.de/?m=847
Da steht die Frau. Fremdgegangen ist sie. Die gerechte Strafe für Ehebruch ist die Steinigung, sagten die Männer damals, die übrigens auch die dazu nötigen Gesetze gemacht haben.
Recht aufgeheizte Stimmung damals, vor den Toren der Stadt.
Jesus ist auch da. Und was macht der? Dem wird gerade von einem Rechtsgelehrten eine fiese Fangfrage gestellt: „Na Jesus, was würdest du denn tun mit dieser Frau?“ „Sie hat gesündigt, Ehebruch, du würdest sie doch auch steinigen lassen, wie es in unser aller Gesetz steht, oder?“
Klarer Fall, die Geschichte wäre nicht in unserer Bibel gelandet, wenn Jesus dem Volksempfinden entsprochen hätte.
Jesus setzt Neues in Gang: Aber was macht er da?
In unserer Bibel steht:
Er bückt sich und malt mit dem Finger in den Sand. Was er wohl in den Sand gemalt hat? Die Rechtsgelehrten setzen nach: Los, sag: „Jesus, wie würdest du urteilen?“ Jesus aber lässt sich Zeit. Und dann sagt er nur diesen einen Satz. „Wer hier ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Sagts und malt mit seinem Finger weiter im Sand. Verflixt, was malt er da?
Wie die Geschichte weiter geht? Jesus hat die Selbstgerechtigkeit der Männer ausgebremst. Jetzt ist Selbstreflexion angesagt. Schau dich selber an! Jeder hat Dreck am Stecken, jeder kennt den eigenen Schmuddel, von dem man schwer wegkommt, der an einem klebt „Wer hier ohne Sünde ist …, ja wer ist denn ohne Sünde? Keiner ist ohne Sünde!
Und deshalb gehen sie alle, einer nach dem anderen öffnet die Faust, lässt die Steine fallen und geht. So einfach ist das: Sünden anderer lassen sich leichter vergeben, wenn man sich seiner eigenen Sünden bewusst wird.
Wichtig zu wissen, auch für unsere Beziehungen heute. Nichts ist gefährlicher als Selbstgerechtigkeit! Und noch etwas sagt mir die Geschichte: In der Krise sind schnelle und einfache Antworten oft einfach falsch.
Spannende Geschichte! Kann man was lernen! Über unsere Selbstgerechtigkeit und über Schnellschüsse, wenn´s da um Richtig und Falsch geht. Jesus zeigt uns wie es anders geht, malt uns das vor Augen: Leute, wenn´s hitzig wird, erstmal ruhig durchatmen, sich Zeit lassen. Zeit und Geduld schaffen oft, dass mitten unter uns etwas Neues entstehen kann.
Was Jesus in den Sand gemalt hat, steht nicht in der Bibel. Haben Sie eine Idee?
https://www.kirche-im-swr.de/?m=846
„Liebe Leute, heute erzähle ich Ihnen etwas über die Ungerechtigkeit gegenüber Kindern.
Ungerechtigkeit ist, in der Schule nachsitzen müssen, aber Lehrer müssen nie nachsitzen, ganz egal wie blöd sie sind.
Ungerecht ist Süßigkeitenverbot, aber die Eltern schütten ihren Kaffee mit Zucker voll.
Still sein müssen, wenn die Alten quatschen, selbst wenn’s nur Mist ist,
aber selber dürfen sie immer stören wenn man grad mit Freunden spielt.
Dass Eltern sich scheiden lassen und nicht mal fragen, ob man auch geschieden werden will. Das alles ist ungerecht.“
„Emil und die Detektive“ heißt der Roman von Erich Kästner, aus dem ich Ihnen eben vorgelesen habe. Was Kästner uns Erwachsenen damit sagen will, ist klar: wir messen oft mit zweierlei Maß und merken es nicht.
Nicht leicht zu hören, aber da ist viel Wahres dran.
Ich bin als Pfarrer in einer Schule tätig und Vater von zwei Töchtern. Wie oft bin ich ungerecht? Daheim, in der Schule? Wie schnell ist da eine Klassenarbeitsnote festgeschrieben, obwohl ich genau weiß, dass die doch nur eine Tagesform des Schülers zeigt?
Ich möchte mit Ihnen mal einen Moment träumen von einer Welt, die anders funktioniert.
Eine Welt, in der jeder sagen darf, welche Tagesform er gerade hat und wie es ihm geht.
Eine Welt, in der ich sein kann wie ich bin, mit meinen Erfahrungen im Leben, mit all dem was mir gelingt, aber auch misslingt.
Eine Welt, in der jeder offen und ehrlich sein darf, ohne dafür gleich erzogen und bewertet zu werden.
So zu träumen ist nicht weltfremd, denn in dieser geträumten Welt gewinnen wir alle.
Wo ich ehrlich sein darf und wo ich weiß, dass ich für meine Offenheit geliebt werde, da hat auch die Gerechtigkeit schon ein Stück gewonnen.
Ich weiß, dass wir das alles nicht aus eigener Kraft schaffen. Deshalb möchte ich für diesen Tag Gott bitten:
Gott, schenke uns die Ruhe und die Besinnung, auf das zu hören, was wichtig ist für die Kinder in dieser Welt und auch für das Kind in mir.
Gott, gib mir Menschen an meine Seite, die mir die Wärme und Zuneigung geben, die wir alle brauchen. Die Wärme und Zuneigung nach der sich Emil in der Geschichte sehnt, von der ich träume und nicht aufhören will zu bekommen. Amen.
Gott schütze Sie. https://www.kirche-im-swr.de/?m=845