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SWR2 Lied zum Sonntag

14NOV2021
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Louis Armstrong Strophe 1 Sword and Shield

Eine tiefe Sehnsucht nach Frieden kommt in dem alten Gospelsong zum Ausdruck: I ain’t gonna study war no more. Und die Erkenntnis: Frieden fängt bei mir selbst an. Ich werde nicht mehr lernen, Krieg zu führen

Das Lied sangen vor 150 Jahren die Sklaven auf den Plantagen der Südstaaten Nordamerikas – so hielten sie ihre Hoffnung wach und damit sich selbst am Leben. Die Worte der Hoffnung auf Frieden aber sind noch viel älter – sie finden sich beim biblischen Propheten Micha. Eines Tages, so war seine Vision, wird kein Volk mehr wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Micha 4,3b) Eine uralte Hoffnung – und gleichzeitig sehr aktuell heute, am Volkstrauertag. An vielen Orten wird heute der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Und weiterhin lernen Menschen, Krieg zu führen.

Golden Gate Quartet Strophe 1 Burden

Das Lied steckt mich an mit seinem befreienden Schwung – nicht nur durch die beschwingte Melodie. I’m gonna lay down my burden, down by the riverside. So beginnt der Text in den meisten Versionen. Ich werde meine Last ablegen, unten am Fluss. Für mich steckt darin eine tiefe Weisheit: Wenn ich Frieden haben will mit anderen, muss ich zuerst selbst Frieden finden. Ich muss loswerden, was mich lähmt und beschwert – im übertragenen Sinne, aber auch ganz konkret. Für diejenigen, die den Gospel zuerst gesungen haben, war der Weg durch den Grenzfluss Ohio auch der Weg aus den Südstaaten in den Norden der USA, aus der Sklaverei in die Freiheit. Wer unterdrückt ist und belastet, ist schnell im Kampfmodus. Wer sich frei fühlt und sicher, kann seine Waffen ablegen.

Mahalia Jackson Strophe 3 Long white robe

I’m gonna put on my long white robe down by the riverside. In den seltener gesungen Strophen des Liedes wird deutlich: Die Hoffnung auf Frieden, die das Lied besingt, reicht noch weiter: Ich werde mein langes, weißes Kleid anziehen, unten am Fluss. Da ist der Fluss nicht nur der Ohio, sondern auch der Jordan. Das weiße Kleid ist das Taufkleid. Und es zeigt: Es ist Jesus, der da unten am Ufer wartet. Jesus nimmt die Last ab – und die Schuld auf sich. So schenkt er Freiheit. Mitten im Leben – und auch am Ende. Wenn man, wie es im Lied weiter heißt, unten am Fluss „die Sternenkrone aufsetzt“ und „die liebe alte Mutter wiedersieht“, „der ganzen Welt die Hand reicht“ und dann alle Kriege endgültig hinter sich lässt.

Bourbon Street Stompers Instrumental

Noch dauert die Suche nach Frieden an. Was dabei hilft? Mir hilft es, darauf zu vertrauen, dass jemand meine Sorgen hört und mir Lasten abnimmt. Dass Jesus da ist – aber auch andere Menschen. Und ich glaube: Es hilft auch, wenn ich versuche, die Last anderer mitzutragen. Wenn ich mich für Gerechtigkeit einsetze. Und die alte Hoffnung wachhalte: Dass irgendwann niemand mehr lernen muss, Krieg zu führen. Und die Freude alle erfasst. In der Musik spüre ich das schon jetzt.

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