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SWR2 Lied zum Sonntag

Kantate Georg Philipp Telemann, Kantate Nr. 32 am 2. Pfingstfeiertag, TWV 1:1256, Daniel Johannsen und Le Concert Lorrain, M0304825 01-015-01-017

Festliche Musik, grüne Bäumchen als Schmuck, Kinder, die Blumen streuen – wer einen lieben Gast gebührend begrüßen möchte, feiert am besten ein großes Fest. So klingt Pfingsten – in der Dichtung und Musik des Barock. Hier in einer Pfingstkantate von Georg Philipp Telemann.

Pfingsten – was heute ein Festtag eher für den harten Kern der Kirchgänger ist, könnte eigentlich auch ein rauschendes Freudenfest für alle sein. Mir gefällt dieser Gedanke!
Schmückt das Fest mit Maien – mit diesen aus dem 118. Psalm geliehenen Worten hat auch der Pfarrer Benjamin Schmolck den Grund der Freude besungen. Er war ein Zeitgenosse von Telemann.

Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an,
denn der Geist der Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn.

Gottes Geist, Gott selbst kommt zu Besuch. Nicht, dass er eingeladen worden wäre. Nein, er hat sich selbst eingeladen. Ich finde das einen tröstlichen Gedanken. Es liegt nicht an mir, Gott einzuladen. Er kommt einfach. Und mit ihm bekommt das Leben neuen Schwung.
Aber, so fragen Sie vielleicht, ist das nicht zu enthusiastisch? Wenn sich Gottes Geist vor allem in der Festfreude findet, wo bleibt dann unser normales Leben mit seinen Tiefen und Untiefen?
Benjamin Schmolck hat das im Blick. Er weiß, dass unsere Liebe, unser Frieden, unsere Entscheidungen und unser Glück zerbrechlich sind. Und bittet deshalb:

starker Gottesfinger, Friedensüberbringer, Licht auf unserm Pfad,
gib uns Kraft und Lebenssaft,
lass uns deine teuren Gaben zur Genüge laben.

Um den Geist können wir nur bitten. Und trotzdem ist für Schmolck Pfingsten ein großes Fest für alle. Und ich finde: Er hat recht! Denn wenn der Geist Gottes tatsächlich tröstet, belebt und Menschen versöhnt und verbindet, dann kann das ja keine religiöse Privatsache bleiben. Deshalb finde ich es richtig, wenn Pfingsten nicht nur hinter dicken Kirchenmauern stattfindet, sondern sich ausbreitet in die Straßen der Stadt.

So wie am Pfingstmontag, wenn in der Stuttgarter Innenstadt wieder der „Tag der weltweiten Kirche“ stattfindet mit viel Musik und gutem Essen aus den unterschiedlichsten Ländern der Erde. Vielleicht ist dann auf den Straßen auch das alte Kirchenlied von Schmolck in so einer Tangoversion zu hören.
Sicher, auch an Pfingsten werden die Probleme, die in vielen dieser Länder herrschen, nicht überwunden. Und die Sorgen der einzelnen, die da durch die Straßen spazieren, auch nicht. Aber ich glaube, es ist doch etwas zu spüren vom Geist, der ganz unterschiedliche Menschen verbindet – wenn das gemeinsame Feiern die Sorgen in den Hintergrund treten lässt – und zeigt dass man nicht allein ist.
Und, so legt es uns Benjamin Schmolck in der letzten Strophe seines Liedes
nahe: Das Pfingstfest heute weist hin auf die große Hoffnung der Christen, dass am Ende der Zeit alles Leid überwunden sein wird. In seinen Worten klingt das so:

Lasst uns hier indessen nimmermehr vergessen, dass wir Gott verwandt;
Dem lass uns stets dienen und im Guten grünen als ein fruchtbar Land,
bis wir dort, du werter Hort,
bei den grünen Himmelsmaien, ewig uns erfreuen.

In dieser Perspektive möchte ich auch heute schon fröhlich Pfingsten feiern.

Schwäbischer Posaunendienst, Begleitsatz, von Übungs-CD zum Ulmer Sonderdruck 26 (CD-Nr. BUCH.110824.001), track 8 Tröster der Betrübten, Siegel der Geliebten, Geist voll Rat und Tat,
Tango, Schwäbischer Posaunendienst, Begleitsatz, von Übungs-CD zum Ulmer Sonderdruck 26 (CD-Nr. BUCH.110824.001), track 9

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