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SWR2 Lied zum Sonntag

Heute Morgen - ein Lied gegen Albträume. Johann Franck hat es gedichtet. Es ist das Lied eines trotzigen Menschen, der gegen die bösen Mächte ansingt und sie, mutig, auch ein bisschen ironisch, zum Teufel schickt. Trotz dem alten Drachen! Trotz dem Todesrachen!
Also: Heute Morgen, vielleicht mit ein bisschen Schlaf in den Augen, oder noch bettwarm - ein Lied gegen die Albträume dieser Welt. Gerade, weil ich um ihre Macht weiß. Manche Nachtmahr ist ganz real, die Feinde gibt es, die Stürme auch, wie oft bin ich bedrängt worden, durchgezaust, und, ja, ich hatte auch lange Zeit, noch als Erwachsene, richtig Angst vor Gewittern. Unter deinen Schirmen, bin ich von den Stürmen, aller Feinde frei, lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern. Das singt man nicht einfach so, dass kommt einem vielleicht erst noch ganz zaghaft über die Lippen. Doch, singend, werde ich mutiger und vertrauensvoll: Mir steht Jesus bei! Da müssen die Abgründe verstummen!
Johann Franck, der hat die Feinde auch gekannt, und die Stürme. Wer im ersten Kriegsjahr des Dreißigjährigen Kriegs 1618 auf die Welt kommt, der hat gewusst, was Schrecken ist: Marodierende Horden jeder Konfession, Pest, und Hunger. Johann Francks Vater stirbt, als er drei Jahre alt ist. Er hat die Trauergeister gekannt.
Und er hat gewusst, was eine sichere Ruh bedeutet: die Zuflucht beim Onkel, der ihm eine Ausbildung ermöglicht, sogar ein Studium. In Königsberg, wo er neben Jurisprudenz auch das Dichten gelernt hat und Dichtern begegnet ist, die ihm zu Freunden werden und ihn lehren, seine Albträume in wunderschöne barocke Metaphern zu kleiden: Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern. Trotz der Furcht dazu!
Heute Morgen: Ein Mutmachlied. Denn so leicht geben sie sich nicht geschlagen, die Wellen und die Stürme, die Angst auch. Doch sie sollen uns nicht am Leben hindern. Und nicht an unseren täglichen Aufgaben. Die gibt es. Auch für Johann Franck. Der musste als Bürgermeister nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs seine kriegszerstörte Stadt Guben aufbauen. Viele Menschen waren gestorben. Doch Johann Franck hat gewusst: Die Trauergeister und der alte Drachen, auch der Todesrachen, sie haben, nie mehr, das letzte Wort. Selbst der Tod hat es nicht. Das letzte Wort hat der, der meine Freude ist. Und meine Liebe. Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben, lauter Freude sein.
Unser Mutmachlied ist deshalb auch ein Liebeslied. Und war tatsächlich ursprünglich ein Liebeslied, auf ein Mädchen namens Flora gedichtet: Flora meine Freude, und Johann Franck hat es umgewidmet auf Jesus. Jesu meine Freude, meines Herzens Weide. (Musik wird eingeblendet, dann auf Musik gesprochen) Denn: Was hilft besser gegen die Albträume als ein Kuss am Morgen. Ein leibhaftiger oder ein gesungener Kuss: du bist mein Ergötzen, Jesu meine Lust. Da hat die Furcht keine Chance: Da kann die Welt toben und springen und der alte Drache fauchen. Ich singe dagegen, trotzig und froh - und ruhig.

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