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SWR4 Abendgedanken

26FEB2021
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Ich habe eine neue Bibel geschenkt bekommen. Der Einband ist leuchtend rot, darauf hebt sich ein weißes Kreuz ab. Noch sind die Seiten der Bibel ganz glatt. Es ist die neue „Basisbibel“, eine Bibelübesetzung in einem Deutsch, das gleich beim ersten Lesen gut verständlich ist. Das gefällt mir. Am Rand der Seiten stehen dazu Informationen zu den biblischen Orten oder manchmal auch einfach zu Worten, deren Bedeutung gar nicht mehr so klar ist. „Gnade“ steht dann da zum Beispiel, „Gnade ist die liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt“ So kann man viel besser verstehen, worum es geht, finde ich. Es gibt sogar eine digitale Ausgabe dieser Bibel, da ist es dann jedes Mal ein Link zur Erläuterung.

Eine neue Bibel, mögen Sie nun denken. Wozu? Hatte Sie noch keine? Nun, ich habe, wenn ich ehrlich bin, ein ganzes Regal von Bibeln. Darunter habe ich Lieblingsbibeln: Natürlich “meine“ Bibel, die mich seit dem Konfirmandenunterricht begleitet, in der vorne in noch kindlicher Schrift mein Mädchenname steht.  Oder meine griechische Bibel aus dem Studium. Beide vollgekritzelt und ziemlich zerfleddert mit dem einen oder anderem Tee- und Kaffeefleck. Diese Bibeln leben mit mir. Sie begleiten mich nun ziemlich lange.

Das erstaunliche ist, dass ich immer wieder Neues in ihnen entdecke. Manchmal denke ich, dass Gott mir sozusagen ein Wort oder auch eine Geschichte neu zuwirft. Ich lese sie und lasse mich durch sie ansprechen. Entdecke in ihr Aspekte, die mir vorher wenig gesagt haben. Da gibt es bei Paulus diese komplizierte Stelle von der Auferstehung.  „Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich“ heißt es bei Luther. In der Basisbibel heißt es nun: „Wie werden die Toten auferweckt? Mit welchen Körper werden sie wiederkommen?“ Was für eine dumme Frage! Was du säst, muss sterben. Erst dann kann es wieder lebendig werden. Und was du säst, ist ja nicht die ausgewachsene Pflanze. Du säst nur ein nacktes Samenkorn… Aber Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat. (1. Kor. 15,35ff)“ Das, finde ich, kann man verstehen.

Meine neue rote Bibel macht mir Lust auf mehr solcher Entdeckungen. Und vielleicht haben auch Sie Lust, am Wochenende einfach mal ein wenig in ihrer Bibel herumzublättern und für sich Neues zu entdecken.

https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/BB/1CO.15/1.-Korinther-15

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25FEB2021
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Es gibt Bibelverse, die pflanzen sich irgendwie in mein Herz ein. Ich habe sie irgendwann irgendwo gelesen oder aufgeschnappt und seitdem begleiten sie mich. Also, nicht immer rund um die Uhr, aber sie wissen sich irgendwie zu melden, wenn ich sie brauche. Dazu gehört bei mir ein Wort des Propheten Jesaja. Bei ihm heißt es: „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde“(Jes 40,31).

Dieser Vers tut mir gut, wenn ich spüre, dass ich gerade in einer Sache festsitze. Ja, wenn alles um mich herum Grau in Grau erscheint oder schlimmer, wenn alles einfach übervoll ist. Diese Worte tun mir gut, weil sie mich ermutigen, eine andere Perspektive auf mein Leben einzunehmen. „Flieg einfach einmal los wie ein Adler!“ ruft mir der Prophet zu. „Lass die großen und kleinen Probleme, lass Ärger und Streit los, schau von oben auf die Dinge.“ Und dann spüre ich, dass das, was mich eben noch gefangen gehalten hat, mit etwas Abstand sofort Wirkkraft verliert.

Eben dachte ich noch, dass mir alles zu viel ist und ich gar nicht weiß, wie es weiter gehen soll, und auf einmal denke ich: Wie gut habe ich es doch: Ich bin mit meinen Sachen ja gar nicht alleine. Um mich herum sind Menschen, die es gut mit mir meinen: Meine Familie, meine Freundin, die so fest zu mir hält, die Kolleginnen und Kollegen. Und wo ich eben noch ganz kraftlos war, fließt mir auf einmal neue Kraft zu. Ich schaffe es, meinen Kopf zu heben, ich nehme viel bewusster wahr, was um mich herum geschieht: Ich fliege wie der Adler in die Höhe und schaue von oben auf mein Leben. Es muss ja gar nicht alles jetzt sofort gelöst werden. Es hat Zeit. Und dann nehme ich wieder das wahr, was um mich herum passiert. Das Hochwasser zieht davon, ja, der Frühling scheint aufzubrechen. Ich höre die Vögel singen, für die ich kurz davor überhaupt kein Ohr hatte. „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler“ Ja, so ist es. Ein Bibelwort mit großer Kraft für mich, vielleicht tut es Ihnen ja auch gut.

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24FEB2021
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Geburtstage sind etwas Besonderes im Jahr. Ein Tag steht ein Mensch im Mittelpunkt, einfach so, weil es ihn gibt. Und ich denke, jeder hat im Grunde eine klare Vorstellung, was zu einem Geburtstag dazu gehört. Menschen sind verschieden und so verschieden sie sind, so unterschiedlich ist auch „ihr Geburtstag“. In den letzten Monaten war nun manches anders und dazu gehören gewiss auch die Geburtstage.

Vor Kurzem habe ich jemandem einen Geburtstaggruß der Kirchengemeinde an die Tür gebracht. „Ach“, meinte der Herr, „wie lieb. Mein Geburtstag ist dieses Jahr ja ausgefallen. Ging ja nicht.“ Nun, was sagt man da? Irgendwie hat der Mann ja recht. Groß Besuch konnte er ja nicht haben. Und es gab Wochen, da war es sogar mit Blumen schwierig. Aber trotzdem ist und bleibt es doch der Geburtstag eines Menschen. Geburtstag hat man einfach. Egal, ob es an diesem Tag regnet, stürmt oder schneit – ob man krank oder gesund ist Auch mitten in der Pandemie.

Darum möchte ich heute allen Geburtstagskindern der vergangenen Tage und Wochen noch einmal gratulieren. Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihr neues Lebensjahr. Ich wünsche Ihnen auch, dass Sie Gott darin entdecken. Entdecken, wie er für Sie da ist, für Sie sorgt – auch wenn es am Geburtstag vielleicht keine Blumen und keine Feier gegeben hat. Wir Christen glauben, dass Gott uns unser Leben schenkt und dass er jeden von uns einmalig und besonders geschaffen hat. Geburtstage sind für mich ein Anlass, dies bewusst in den Blick zu nehmen. Wir feiern ein Menschenkind, das uns als Familie, als Nachbar, als Freundin von Gott geschenkt wurde. Wir feiern, dass wir miteinander durchs Leben gehen und es miteinander teilen. Dazu gehören gute und schöne Zeiten, aber auch einmal schwere Zeiten. Aber auch in diesen Zeiten fällt der Geburtstag nicht aus. Im Gegenteil! Gerade jetzt bin ich froh und dankbar für die Menschen, deren Geburtstag in meinem Notizbuch stehen. Ihnen und allen anderen Geburtstagskindern der vergangenen Wochen sei gesagt:

„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!“

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23FEB2021
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„Homeschooling!“ gehört zu den Worten, die ich vor einem Jahr gar nicht richtig gekannt habe. Unser Sohn geht in die 9. Klasse, unsere Tochter in die 6. Klasse – wir sind dabei. Ich weiß jetzt genau, was Homeschooling ist. Und, anstatt über die Technik zu meckern, möchte ich einmal sagen: Die Lehrer unserer Kindergeben sich große Mühe, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. Anders als sonst bekommen wir als Eltern viel intensiver mit, was im Unterricht gerade dran ist. Ich kann mir jetzt wieder vorstellen, was Kreisdiagramme sind und irgendwelche Raupen hausen in einem Glas auf der Fensterbank zur Langzeitbeobachtung in Bio.

In Deutsch hat unser Sohn nun die Aufgabe erhalten, ein Bild im Schulbuch zu betrachten und sich darüber – ja, mit wem? – mit uns, auszutauschen. Also dann: Auf dem Bild waren ein Kleinkind, eine junge Frau und ein Greis zu sehen – verbunden durch einen Schleier. Der Greis, eher ein Totenskelett, hat eine Sanduhr in den Händen gehalten. Wir sind ins Gespräch gekommen, was die Zeit für uns bedeutet. - für uns Erwachsene, die wir überrascht sehen, wie schnell unsere Kinder heranwachsen. Unser Sohn hat dagegengehalten, er findet, dass die Zeit gerade extrem langsam vor sich hindümpelt.

„Alles hat seine Zeit“ heißt es in der Bibel –  Und das ist es eigentlich. „Alles hat seine Zeit“ ist für mich ein Aufruf, jeden Moment des Lebens als ein Geschenk mit eigenem Wert zu nehmen. Ich mag es nicht, wenn mir mein Gegenüber sagt: „Wenn ich in Rente bin, dann…“ Nein, ich möchte mein Leben hier und jetzt voller Gottvertrauen führen. Es macht mir Freude zu leben -  zu sehen, dass jetzt bald der Frühling kommt. Es macht mir Freude zu erleben, wie sich unsere Kinder entwickeln und ich bin gespannt, welchen Weg sie gehen werden. Und dann stand da in diesem Schulbuch: „Schreibe ein kurzes Gedicht über das Bild“ Und unser Sohn hat geschrieben:  

Das Leben fließt so schnell dahin, das sagt man jedem Kind.
Es zieht an einem schnell vorbei, noch schneller als der Wind.
Drum leb dein Leben nur du selbst und lebe deinen Traum.
Denn wenn du dann zu Ende gehst, bedauerst du es kaum.

Inzwischen denke ich: Homeschooling ist besser als sein Ruf.

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22FEB2021
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Vor einer Woche hat die Fastenzeit begonnen. In der jungen Christenheit diente diese Zeit der Vorbereitung der Täuflinge, die an Ostern getauft wurden. Ohne Ablenkung durch irgendwelche Genüsse sollten sie sich besinnen. Genau wie Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet hatte, bevor sein öffentliches Wirken begann.

Ich will einmal ehrlich sein: so überzeugend hat das mit dem Fasten für mich früher nie geklungen. „Fasten“ heißt ja erst einmal Verzicht – und auf etwas zu verzichten, was man mag, naja, wer tut das schon gern. Aber, dieser Aufenthalt Jesu in der Wüste, diese Zeit des Verzichts, hat Jesus offensichtlich Zeit zum Nachdenken und Kraft für seine große Aufgabe gegeben. Und diesen Gedanken, dass Verzicht einen Gewinn bringt, habe ich spannend gefunden.

Dann habe ich vor ein paar Jahren im Gemeindebrief unserer katholischen Schwestergemeinde gelesen, dass dort eine Fastengruppe angeboten wird. Das hat mich neugierig gemacht. Ein paar Menschen mit Erfahrung im Fasten haben einfach erzählt wie das für sie ist. Der Anfang sei schwer, aber dann sei es sehr befreiend und gut für Körper und Seele. Und dann habe ich es ausprobiert. Nicht bloß „ich verzichte mal auf Schokolade“, sondern ich faste seitdem jedes Jahr um diese Jahreszeit ein paar Tage ganz. Der Körper muss sich erst umstellen, das geht nicht von heute auf morgen und der Arzt sollte vielleicht auch gefragt werden. Ich kann inzwischen sagen, es tut mir gut. Ich freue mich sogar ein wenig darauf. Durch den Verzicht fühle ich mich freier. Irgendwie kann ich von dem ein oder anderem loslassen, was mich in den vergangenen Monaten bewegt hat. Dazu habe ich den Eindruck, dass in mir Raum für Neues frei wird und die Freude am Leben zunimmt. Vielleicht mögen Sie das ja in diesen Tagen auch einmal ausprobieren. Ich finde, es lohnt sich.

Und, es muss ja gar nicht so ein großes Fasten sein. Es könnte ja auch etwas Kleines sein. Wie wäre es mit Schokolade, dem Glas Wein am Abend oder dem Handy? Was es sein könnte und einem gut tut, das muss jeder für sich selbst herausfinden.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32636