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SWR4 Abendgedanken

17JUL2020
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Emojis. Das sind kleine Bildchen, die kurz und bündig eine Botschaft transportieren. In Kurznachrichten oder Emails kommen sie häufig vor. Das bekannteste Emoji ist der Smiley, ein gelber Kreis mit einem lachenden Strich-Gesicht. Da ist die Botschaft eindeutig und klar: Freude, große Freude.

Aber nicht immer ist die Bedeutung der Emojis so eindeutig, ich habe da schon ein paarmal danebengegriffen. So wollte ich vor kurzem ausdrücken, dass ich erstaunt bin und habe mit einem Emoji geantwortet. Aber das hat wohl nicht gepasst. Prompt ist die Reaktion gekommen. „Was soll das? Warum bist du so entsetzt? Habe ich etwas falsch gemacht?“ Ich war irritiert und habe geschrieben, dass ich im Gegenteil positiv überrascht, gewesen sei. Meine Freundin hat mich dann aufgeklärt, dass ich das falsche Emoji benutzt habe, besser wäre ein anderes gewesen.

Gar nicht so einfach, die richtige Bedeutung solch eines kleinen Zeichens zu erkennen und einzuordnen. Seit dieser Erfahrung bin ich vorsichtiger geworden und benutze nur noch wenige Emojis. Denn ich möchte richtig verstanden werden und auf keinen Fall möchte ich jemanden mit einem falschen Emoji verletzen.

„Sagt einfach ›Ja, Ja‹ oder ›Nein, Nein‹. Jedes weitere Wort kommt vom Bösen.“ Diesen Tipp gibt Jesus in der Bergpredigt. Da ging es nicht um Kurznachrichten, sondern um die Versprechen, die man anderen gibt. Die sollen eindeutig sein. Aber ich finde, das gilt genauso für die Kurznachrichten heute. Ich habe meine Erfahrungen gemacht und bin dadurch weiser geworden. Wenn ich wirklich etwas Wichtiges zu sagen habe, dann schreibe ich nicht, dann rufe ich an. Und falls ein Telefonat nicht möglich ist, dann nehme ich mir die Zeit und schreibe ganze Sätze. Das dauert zwar länger, aber es ist klarer.

Und ganz ehrlich: Ich freue mich viel mehr über einen eindeutigen Satz als über ein gelbes Grinsegesicht. Oder über einen kurzen, knackigen Anruf als über ein Emoji, das ich nicht verstehen kann. Missverständnisse klären sich besser im direkten Kontakt und ein echter Kuss fühlt sich besser an als ein Smiley, der ein Herzchen bläst. Eindeutigkeit ist wichtig. Ein Nein ist ein Nein, ein Ja ein Ja und wenn ich jetzt sage „ich wünsche Ihnen einen guten Abend“ dann kommt das von Herzen.

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16JUL2020
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„Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“: Das Sprichwort kommt aus einer Zeit, in der die Kirschen richtig teuer waren und nur die Reichen und Vornehmen sich die edle Frucht leisten konnten. Diese haben sich dann ab und an zum gemeinsamen Kirschenessen getroffen. Hat sich jedoch jemand zu diesem Essen eingeschlichen, uneingeladen mitgegesssen, so wurde er mit Kirschsteinen bespuckt und mit den Stielen beworfen. Mit dem war also nicht gut Kirschen essen. Ebenso wenig wie mit den Reichen, die anderen den Spaß verdorben haben.

Wo ich wohne, stehen viele alte Kirschbäume. Vor kurzem haben sich Äste und Zweige unter der Last der reifen Kirschen gebogen. Ich war dort öfter mit meinen Kindern unterwegs. Wir haben Kirschen genascht und dann „Kirschkernweitspucken“ gespielt. Wenn ich gewonnen habe, dann haben sich meine Kinder geärgert und für eine Weile war mit ihnen nicht mehr gut Kirschen essen.

Das hat mir dann leidgetan. Ich möchte nämlich lieber mit jemanden gut Kirschen essen, also gemeinsam unter dem Kirschbaum stehen, vergnügt spielen und hinterher am Tisch sitzen und erzählen. Auch und gerade mit meinen Kindern, wenn ich gewonnen habe im Kirschkernweitspucken.

Wenn sie sich mit der Niederlage arrangiert und ich meinen Sieg ausgekostet habe, dann macht es Spaß, miteinander harmonisch und einträchtig am Küchentisch zu sitzen. Dann merken wir, dass es nicht darum geht, wer gewinnt und wer verliert, wer mehr oder weniger hat, sondern dass wir zusammengehören. Natürlich kommt es auch ab und zu vor, dass wir umeinander einen großen Bogen machen, weil wir uns gestritten haben, weil wir unstimmig sind. Aber viel lieber sitzen wir beieinander und teilen. Das Essen und das Leben. Und nach manchem Sieg im Kirschkernweitspucken lasse ich mich dann auf eine Runde Fußball ein. Obwohl ich weiß, dass ich verlieren werde und mit mir dann nicht gut Kirschen essen ist. Meist werde ich dann von meinen Kindern getröstet und anschließend sitzen wir gesellig beieinander.

So wie es in einem alten biblischen Lied heißt: Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! (Psalm 133,1) oder mit einem umgedeuteten Sprichwort: Bei denen ist gut Kirschen essen.

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15JUL2020
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Manchmal verliert man sich gegenseitig. Das klingt etwas seltsam, ist aber vor wenigen Tagen hier in meinem Ort passiert. Schafe sind aus ihrer Weide ausgebrochen. Der Besitzer war ratlos. Wo sollte er suchen? Spaziergänger haben die kleine Herde gefunden.

Aber was macht man mit freilaufenden Schafen? Mitnehmen ist schlecht möglich, Festhalten irgendwie auch nicht. Und das Anlocken scheitert, weil die Schafe nicht auf jeden hören. Sie hören am besten auf die Stimme ihres Besitzers, der sich als Hirte um sie sorgt. Er ist derjenige, der sie erkennt, der ein Schaf vom anderen unterscheiden kann. Anhand der Größe, des Verhaltens und der Beschaffenheit des Fells. Hirte und Herde kennen sich gegenseitig.

„Ich bin der gute Hirte. Ich kenne die, die zu mir gehören, und sie kennen mich.“ (Johannes 10,11). Dieses Wort wird im Johannesevangelium Jesus zugeschrieben. Er hat das über die Menschen gesagt, die zu ihm gehören. Das ist mir eingefallen, als ich von den verlorenen Schafen gehört habe.

Ein Hirte und seine Schafe: das ist ein Bild, das mich anspricht. Ich fühle mich geborgen und auch verstanden. Geborgen, weil ich weiß, dass es da jemanden gibt, der mich kennt und zwar so wie ich bin. Mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Sorgen und Nöten, mit meinem Glück und meiner Liebe. Es gibt einen, dem ich etwas wert bin, der mich suchen wird.

Aber umgekehrt weiß ich auch, auf wen ich mich einlasse. Ich kenne mein Gegenüber, seine Werte und Ideale und versuche danach zu leben. Zwischen all den vielen Stimmen, die auf mich eindringen, bin ich froh, die eine genau zu kennen und sie herauszuhören. Ich muss nicht jedem hinterherlaufen, mich nicht jedem Trend, jeder Stimmung anpassen. Meinen Hirten kenne ich.

Und falls ich mal verloren gehe, weiß ich, dass er mich suchen wird. So ähnlich war es mit den freilaufenden Schafen. Man hat ihn benachrichtig. So hat der Besitzer schließlich seine Schafe gefunden und sie haben seine Stimme erkannt. Da konnte er sie zurückführen auf ihre Weide. Gut zu wissen, wer zu wem gehört und wer sich auf wen verlassen kann.

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14JUL2020
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In der Bahnhofsbuchhandlung schaue ich immer die Postkarten an. Besondere Postkarten. Solche mit tollen Sprüchen, schlauen Gedanken oder humorvollen Wortspielen. Meine Favoriten sind die Karten zum Thema „Lieblingsmensch“. Das ist nämlich ein Wort, das mir ganz gut gefällt und ein Gefühl bei mir auslöst.

Lieblingsmensch. Das ist die Person, die ich sehr gerne mag, mit der ich mich verbunden weiß. Nicht nur dann, wenn alles gut läuft, sondern gerade in schwierigen Zeiten.

In der Bibel wird von so einer wunderbaren Freundschaft, einer freundschaftliche Liebe berichtet. Da gab es den Hirtenjungen David und den Königssohn Jonathan, die in großer Freundschaft verbunden sind. Sie sind einander zu Lieblingsmenschen geworden. Und dass, obwohl diese Freundschaft unter keinem guten Stern stand. Saul, der König, der Vater Jonathans, wollte David töten lassen. Jonathan aber warnt seinen besten Freund und dann verabschieden sie sich voneinander. Es fällt ihnen schwer, denn so wird berichtet, sie hatten einander so lieb wie ihr eigenes Leben.

Eine tiefe Freundschaft. Lieblingsmenschen. Sie haben viel auf sich genommen und trotz der Trennung, trotz aller Distanz, hat die die Freundschaft gehalten. Bis Jonathan gestorben ist. Zu diesem traurigen Anlass hat David ein Lied geschrieben: „Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen als Frauenliebe ist.“

Ich verstehe gut, was David und Jonathan miteinander verbunden hat. Auch ich habe so einen Lieblingsmenschen. Eine Person, der ich vertrauen kann und die mir vertraut. Denn dies ist das Besondere an dieser biblischen Lieblingsmenschgeschichte: Dass die beiden Männer sich vertrauen, ja, sich sogar ihr Leben anvertrauen. David und Jonathan halten zueinander, stehen füreinander ein. So kann es sein bei einer Beziehung zwischen Lieblingsmenschen.

Vermutlich ist es gar nicht so selten, einen Lieblingsmenschen zu haben. Denn die Fächer mit den Lieblingsmenschkarten sind am Bahnhof oft beinahe leer. Genauso wie meine Schublade mit den Postkarten, die immer wieder geplündert wird, um eine Karte zu verschenken.

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13JUL2020
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„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. So heißt es im biblischen Schöpfungsbericht. Nicht alleine sein, sondern jemanden an der Seite haben. Das ist wichtig. Denn – das habe ich in den letzten Wochen und Monaten erfahren – der Mensch ist ein Beziehungswesen. Der Mensch braucht ein Gegenüber, jemanden, mit dem er in Kontakt ist, der ihn auch wahrnimmt.

Jedenfalls gilt das für mich. Ich bin gerne mal allein, aber nicht einsam. Ich habe gerne mal meine Ruhe, aber ich möchte entscheiden, wann.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ hat Gott deshalb gesagt, als er die Welt geschaffen hat. So erzählt es jedenfalls die Bibel. Meine Erfahrung in den letzten Wochen hat mir gezeigt, wie weise das ist.

Ich brauche jemanden zum Reden und ich höre auch gerne zu, ich nehme gerne jemanden in den Arm und werde selbst gerne mal gedrückt. Bei der Arbeit bin ich gerne in Kontakt mit anderen.

Ich bin als Mensch ein Beziehungswesen. Andere Menschen brauche ich zum Leben. Und zwar nicht immer die gleichen, nicht nur meine Familie, sondern auch meine Freunde, die Geselligkeit im Dorf, die Zusammengehörigkeit im Verein, die Gemeinschaft im Gottesdienst. Dann fühle ich mich richtig als Mensch.

Dies nur im bestimmten Maß und unter Auflagen zu haben, hat mich in meinem Menschsein eingeschränkt. Sogar die haben mir gefehlt, mit denen ich oft gar nicht so gut auskomme. Aber auch die haben mir gefehlt. Die Diskussionen mit ihnen, die Auseinandersetzungen um Kleinigkeiten.

Ja, es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist. Es ist besser, wenn er ein Gegenüber hat und noch besser, wenn er in einer Gemeinschaft leben kann.

In der letzten Zeit ist mir auch klar geworden: Wenn ich möchte, dass ich nicht alleine bin, dann muss ich meinen Teil beitragen zur Gemeinschaft. Nur so, wenn ich Rücksicht nehme und mich an Regeln halte, kann ich gemeinsam mit anderen leben. Mal mit Abstand, mal mit Nähe. Aber Hauptsache nicht allein. Deswegen nehme ich momentan noch manche Einschränkung in Kauf. Ich weiß ja wofür: Damit ich hoffentlich bald wieder uneingeschränkte Gemeinschaft habe. Bis dahin pflege ich meine Beziehungen zu anderen immer mal wieder anders: mal mit Abstand, mal ganz nah.

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