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SWR4 Abendgedanken

Wenn selbst Schwieriges für etwas gut sein kann

Vor langer Zeit lebte einmal ein alter Bauer. Eines Nachts laufen ihm alle seine Pferde davon. „Ach herrje", sagen da seine Nachbarn, „die schönen Pferde - alle weg." Der Bauer antwortet nur: „Wer weiß, wofür es gut ist."

Am nächsten Tag kehren die Pferde von alleine wieder zurück - begleitet von einigen Wildpferden. „Welch ein Glück du hast" rufen da die Leute. Und sie gratulieren dem Bauern zu diesen prächtigen Wildpferden. „Wer weiß, wofür es gut ist", sagt der Bauer wie immer.

Nun will der Sohn des Bauern die wilden Pferde zähmen. Doch ein Pferd wirft ihn ab und er bricht sich das Bein. Nun bedauern die Nachbarn den Bauer wieder und schimpfen über die Wildpferde... blöde Biester! Der Bauer erwidert nur gelassen: „Wer weiß, wofür es gut ist."

Bald darauf kommt ein Trupp Soldaten vorbei und will alle jungen Männer zum Krieg mitnehmen. Doch mit dem gebrochenen Bein kann der Sohn des Bauern nicht mit. Ihm bleibt das Schlachtfeld erspart.

Soweit diese kleine Geschichte. Der alte Bauer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, obwohl er einigen Grund gehabt hätte. Seinen Satz „Wer weiß, wofür es gut ist..." verstehe ich so: Der Bauer bleibt offen für das, was das Leben mit sich bringt. Nicht gleichgültig, sondern zuversichtlich.

Dieses Vertrauen ins Leben hat für mich viel mit Gott zu tun. Vielleicht weiß ich gerade nicht, wofür etwas gut ist. Momente, in denen ich mich frage, ob ich lachen oder weinen soll. Dann weiß wohl nur Gott, wofür es gut sein könnte.

Leicht fällt es mir nicht, immer auf Gott zu vertrauen. Aber ich denke viel darüber nach: Über das Auf und Ab in meinem Leben, über die Sternstunden und die Katastrophen. Mit viel Abstand kann ich dann sagen: Ja, es war auch zu etwas gut. Es hat mich verändert. Hat mich etwas gelehrt.

Manchmal nehme ich mir das morgens schon vor: heute mache ich nicht aus allem ein Riesending, sondern will darauf vertrauen, dass selbst Schwieriges für etwas gut sein kann.

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 Wer sich selbst etwas gönnt, der kann auch anderen Gutes tun

So langsam komme ich in das Alter, in dem ich mit Freunden häufiger auf Knie oder Rücken zu sprechen komme. Hier zwickt es, da geht es nicht mehr so schnell wie früher. Der eigene Körper stellt auf einmal Ansprüche: Beweg Dich mehr, sonst schmerzt der Rücken. Mach mal Pause, sonst mach ich schlapp.

Wenn sich der eigene Körper meldet, will ich natürlich möglichst schnell wieder fit werden. Manchmal hilft auch schon eine Kopfschmerztablette. Und natürlich gilt: Bei ernsten Beschwerden führt der Weg zum Arzt.

Auf die Dauer kann es aber nicht schaden, mal in Ruhe darauf zu hören, was sich mein Körper wünscht. Für mich ist das sowas wie Freundschaft mit dem eigenen Körper zu schließen. Der Körper als Freund, dem ich zuhöre: Wo habe ich ihn in letzter Zeit vergessen? Oder zu stark beansprucht?

Eine Freundschaft gedeiht, wenn ich weiß, was der andere braucht. Und wenn wir dann zusammen schöne Dinge unternehmen: mal ins Schwimmbad, mal gemütlich einen Kaffee trinken. Das Ziel lautet: Ich fühle mich wohl in meinem Körper.

Ich hab ja lange gedacht: Klingt gut, dafür habe ich aber keine Zeit. Schließlich muss ich noch viel für den Chef erledigen oder den Kindern hinterherfegen. Ständig gibt es noch ganz viel zu erledigen. Doch dann hat mir ein Freund eine Postkarte mit diesem Satz geschickt: „Wer sich selbst nichts gönnt, wem kann der Gutes tun?" Der Spruch stammt aus der Bibel. Den habe ich mir an den Kühlschrank gehängt. Und da ist mir klar geworden: Wer gut mit sich umgeht, der sieht auch, was andere brauchen. Sonst sind irgendwann alle nur noch gestresst. Wer sich immer nur für andere aufopfert, fühlt sich früher oder später ausgenutzt. Und dann lässt der nächste Streit nicht lange auf sich warten.

Darum ist es gut, wenn ich eine Freundschaft fürs Leben mit mir selbst pflege. Jeder kann da so seine Tipps und Tricks sammeln. Zum Beispiel: Ich fühle mich in meinem Körper richtig wohl, wenn ich... joggen gehe, ausschlafe oder schöne Musik höre. Denn: Wer sich selbst etwas gönnt, der kann auch anderen Gutes tun.

 

 

 

 

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Oder: Wie lange dauert das ewige Leben?

Woran glaubst Du? Zu dieser Frage läuft gerade eine Themenwoche in der ARD. Ich persönlich glaube unter anderem daran, dass es weitergeht nach dem Tod, dass es ein ewiges Leben gibt.

Als Kind habe ich versucht, mir das vorzustellen: ewig zu leben. Zehn Jahre, hundert Jahre, tausend Jahre und immer so weiter. Puh, das kann aber lang werden.

Heute schätze ich es anders ein. Denn ich weiß: Die Zeit läuft nicht so gleichmäßig wie meine Armbanduhr das vorgibt. Wissenschaftler können zum Beispiel berechnen, dass die Zeit langsamer vergeht, wenn ich mit Lichtgeschwindigkeit durchs Weltall reise. Je schneller ich bin, desto langsamer tickt die Uhr. Nach ein paar Jahren könnte ich also jünger sein als mein kleiner Bruder. Auch in der Nähe eines schwarzen Lochs passieren verrückte Dinge: Die Zeit kann sich verkrümmen oder sogar zusammenbrechen.

Kurz gesagt: Die Zeit ist nicht so langweilig wie gedacht. Mit den richtigen Mitteln könnte sich ihr Lauf für mich beschleunigen oder verlangsamen.

Ewiges Leben meint aber etwas ganz anderes: Die Zeit hört auf von gestern nach morgen zu fließen. So heißt es in der Bibel: Für Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag. Bei Gott ist die Zeit erfüllt.

Viele Leute erzählen, dass im Gebet oder in der Meditation Zeit und Raum nicht mehr wichtig sind. Tief in uns steckt ein göttlicher Funke, dem die Zeit nichts anhaben kann. So kann ich bereits hier und heute erfahren, was es heißt, ganz gegenwärtig zu sein. Ich kann das manchmal selbst spüren, wenn ich bete: Gott ist da, er ist einfach da. Und ich bin ganz da. Es gibt nur noch diesen einen Augenblick, der alles enthält.

Woran glaubst Du? Mit dieser kleinen Frage kommt bei mir viel in Bewegung. Dabei komme ich großen Worten wie Zeit und Ewigkeit auf die Spur. Wer Lust hat, kann mit dieser Frage bis Samstag in der ARD auf Entdeckungstour gehen.

 

 

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Woran glaubst Du? Zu dieser Frage läuft gerade eine Themenwoche in der ARD. Um besser zu verstehen, woran ich glaube, habe ich auch bei anderen Religionen gestöbert. Da habe ich zum Beispiel gelernt, dass es im Buddhismus zwei Wege gibt, zu glauben: den Weg des Kätzchens und den Weg des Äffchens. Fängt ein Kätzchen an zu jammern, dann kommt die Mutter und trägt es im Maul davon. Das Kätzchen kann sich einfach hängen lassen. Beim Äffchen läuft es anders: Das Äffchen klagt nicht, sondern läuft selbst zur Mama und klettert geschwind auf ihren Rücken.

Diese beiden Wege gelten gleich viel. Die Menschen sind halt unterschiedlich: Die einen bitten Gott um Hilfe wie kleine Kätzchen. Die anderen versuchen die Sache erst einmal alleine zu regeln. Noch bevor die himmlischen Mächte Hilfe schicken können, haben diese Menschen oft schon selbst ihre Probleme gelöst.

Nun bin ich kein Buddhist und würde mich auch für keinen dieser Wege entscheiden wollen. Aber es gibt Tage, da fühle ich mich wie ein Kätzchen. Dann lade ich alle meine Sorgen bei Gott ab, lass mich hängen und sage „Gott, ich kann die Dinge nicht ändern. Kannst Du mir nicht helfen?" Manchmal kommt dann etwas in Bewegung - ohne dass ich selbst viel dazu tun musste. Andererseits gibt es auch bei uns die Redensart: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott." Es gibt so Tage, da sage ich mir: Vertrau auf Gott und schau erst mal, wie weit Du selber kommst. Schwierigkeiten hin oder her: Mutig anpacken und loslegen.

Der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr hat ein Gebet geschrieben, das gut dazu passt. Da heißt es:

„Gott, gib mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

die Gelassenheit, die Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!"

Das wünsche ich Ihnen heute: Viel Kraft für ihre Aufgaben. Und die Weisheit, zu erkennen, welcher Weg der richtige ist, um gut ans Ziel zu kommen.

 

 

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