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SWR4 Abendgedanken

„Ich hätte gern früher gelernt, verlieren zu können“, hat ein erfolgreicher Wirtschaftsmanager gesagt. Ich habe das in einem Zeitungsinterview gelesen. Er erzählt, wie er als junger Mann das Physikstudium abgebrochen hat, als er merkte, dass andere klüger waren als er. Für ihn war das eine Niederlage. Und die hat ihm weh getan. Er begann Jura zu studieren. Später hat er es in den Vorstand eines Automobilkonzerns geschafft. Aber zum neuen Vorstandvorsitzenden wurde nicht er, sondern sein Kollege bestimmt. Wieder eine Niederlage. Jahre später ist er dann doch noch Vorstandvorsitzender geworden. „Ich habe gelernt“, schreibt er, „auch wenn man mal scheitert, es geht immer weiter. Ich glaube, dass es gut wäre, schon als Jugendlicher zu wissen: Wenn ich das, was ich mir vorgestellt habe, nicht erreiche, ist das nicht das Ende. Ich kann mir etwas Neues vornehmen, einen anderen Weg einschlagen.“  

Niederlagen kennen auch die Menschen in der Bibel. Petrus zum Beispiel. Er war ein Jünger Jesu. Sogar einer seiner besten Freunde. Er hatte Jesus hoch und heilig versprochen: „Ich lasse dich niemals im Stich – egal was kommt!“ Als Jesus aber verhaftet wurde und es auch für Petrus gefährlich wurde, hat er zu anderen gesagt: „Den Jesus kenne ich nicht!“ Das war eine Niederlage. Die hat Petrus so weh getan, dass er bitterlich weinte. Jesus aber hat ihm die Freundschaft nicht aufgekündigt, sondern ihn sogar zu seinem Nachfolger bestimmt. Warum hat Jesus ausgerechnet Petrus ausgewählt? Offensichtlich wusste Jesus: Niederlagen machen Menschen stark. Weil sie erfahren haben: Niederlagen gehören zum Leben dazu. Sie sind keine Schande. Wichtig ist nur, dass man sich nicht aufgibt, sondern einen neuen Weg einschlägt. Und das hat Jesus dem Petrus zugetraut. Und ihm dabei geholfen, neu anzufangen.

Ich finde es gut, wenn auch wir jungen Menschen ihre Niederlagen und ihr Versagen nicht vorhalten, sondern zu neuem Anfang Mut machen. Gott schenkt Kraft dazu. Um die können wir ihn bitten.

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„Was hätten Sie gerne schon früher gewusst – als Sie jung waren?“ - hat eine Zeitschrift gefragt und bekannte Persönlichkeiten um Antwort gebeten. „Ich denke oft daran, über wie vieles ich gern mit meinem Vater diskutiert hätte“, hat eine Bundesministerin geschrieben. Ihr Vater war ein bekannter Politiker gewesen. In seinen letzten Lebensjahren war er an Demenz erkrankt. Irgendwann war es zu spät, ihn um Rat zu fragen. „Zu schnell hatte die Demenz ihn um den riesigen Schatz seiner politischen Erinnerungen gebracht“, hat die Tochter geschrieben und hinzugefügt: „Wenn man 15 oder 16 Jahre alt ist, denkt man, dass noch so viel Zeit ist für alle Fragen an die Eltern. Welch ein Trugschluss das war, erkannte ich leider viel zu spät.“

Mich hat diese Antwort sehr berührt. Denn ich hätte meinen Vater auch gerne einiges gefragt. Er war Pfarrer - wie ich jetzt. Ich hätte zum Beispiel von ihm wissen wollen, wie sie sich damals gegen Fremdenhass und Rassismus gewehrt haben. Und was der Glaube da geholfen hat. Oder wie der Glaube Mut machen kann, wenn man bei null wieder anfangen muss. Aber als Jugendlicher war mir anderes wichtiger: die Schule und die Freunde, die Musik und der Sport. Heute ist es zu spät. Mein Vater lebt nicht mehr. Ich kann ihn nichts mehr fragen. Und das bedaure ich. 

„Lerne gerne von den Alten.“ Dieser Satz steht in der Bibel im Buch Jesus Sirach (6, 35). Darin finden sich kluge Ratschläge für junge Menschen. So auch diesen: „Lerne gerne von den Alten.“ Frage sie nach ihren Lebenserfahrungen. Höre ihnen zu. Dann kannst wissen, worauf es im Leben ankommt - und das macht weise.

Ich weiß, dass das Gespräch mit älteren Menschen nicht immer einfach ist. Sie geben einem oft ungefragt Ratschläge - und das kann ganz schön nerven. Oder sie kommen beim Erzählen vom Hundertsten ins Tausendste. Da braucht man dann Geduld beim Zuhören. Trotzdem denke ich: Sie haben viel über das Leben zu sagen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollte man das Gespräch mit ihnen suchen. Ich bin sicher: Irgendwann später wird man froh sein, ihnen zugehört zu haben. Und es bedauern, wenn man es versäumt hat – so wie die Politikerin. Darum: „Lerne gerne von den Alten“. Ich finde, das ist ein kluger Ratschlag.     

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Haben Sie einen Namen für Gott? So wie Hagar? Von ihr erzählt die Bibel, dass sie einen Namen für Gott gefunden hat. 

Hagar war Sklavin. Sie gehörte Sarah, ihrer Herrin. Die konnte keine Kinder bekommen. Da hat sie kurzerhand Hagar ins Bett ihres Mannes Abraham gelegt, damit sie von ihm schwanger wird. Hagar sollte sozusagen die Leihmutter spielen. Damals war das üblich in so einem Fall. Und tatsächlich: Hagar wurde schwanger. Aber damit gingen die Probleme erst richtig los. Denn Hagar verlor nun allen Respekt vor ihrer Herrin. Die beschwerte sich bei ihrem Mann. „Tu mit ihr, was du willst!“ sagte der. Und Sarah schickte Hagar in die Wüste. Dort sollte sie umkommen. Und das Kind gleich mit ihr.

Die arme Hagar irrte in der Wüste umher. Sie rastete bei einem Brunnen. Da sprach ein Fremder sie an und gab ihr einen Rat: „Geh‘ zu deiner Herrin zurück! Gott wird dir so viele Nachkommen geben, dass sie nicht zu zählen sind. Denn Gott hat deinen Hilferuf gehört. Er ist für dich und dein Kind da.“  Da begriff Hagar, dass Gott selbst mit ihr gesprochen hatte. Durch diesen Fremden, der für sie ein Engel geworden war: „Du bist ein Gott, der nach mir schaut“, hat sie gesagt. Und sie war sicher: „Gewiss habe ich hier den Gott gesehen, der mich ansieht!“

Auch heutzutage gibt es Menschen wie Hagar. Menschen, die Gott erfahren als den, der auf sie achtgibt, der sie behütet. Die sagen: „Was Hagar gesagt hat, das stimmt. Gott ist ein Gott, der nach mir schaut! Ich habe es selbst erlebt!“

Es gibt aber auch Menschen, die Gott anders erfahren haben. Die geben Gott einen anderen Namen. Nicht den Namen: „Du bist ein Gott, der nach mir schaut!" Sondern: „Du bist ein Gott, der mich vergessen hat!“

Ob Hagar damals am Brunnen über Gott auch so gedacht hat? Wahrscheinlich war die Versuchung groß, so zu reden. Da war ja niemand mehr, der sich um sie gekümmert hätte. Aber gerade da hat sie Gott erlebt, wie er ist: „Ich bin für dich da. Ich schaue nach dir.“ Hagar hat Gott so erfahren. Und ihm vertraut. Ihm, der nach ihr schaut.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gott so erleben, dass auch sie ihm den Namen geben könnten: Du bist der Gott, der nach mir schaut. Und dass Sie - wie Hagar - Gott fest vertrauen. Diesem Gott, der nach uns schaut.

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Drei Wörter können das Leben verändern. Zum Beispiel: „Ich liebe dich“ oder „Opa ist tot“ oder „Ich bin schwanger“. Nach solchen Drei-Wörter-Sätzen ist das Leben für den, der sie hört, nicht mehr dasselbe wie zuvor.

Auch Gott verwendet drei-Wörter-Sätze, wenn er den Menschen etwas Wichtiges sagen will. „Ich bin da“, hat Gott zu seinem Volk Israel gesagt als es den Leuten schlecht ging. Sie mussten in Ägypten schwere Sklavenarbeit leisten. „Ich bin da“, hat Gott gesagt. „Ich lasse euch nicht im Stich.“ Und tatsächlich: Gott hat sein Volk mit Hilfe von Mose aus der Sklaverei befreit, erzählt die Bibel. Und nicht nur das: Als die Menschen in der heißen Wüste monatelang unterwegs waren, hat Gott sie mit Essen und Trinken versorgt: mit Manna und Wachteln und frischem Quellwasser. „Ich bin da.“ Gott hat sein Versprechen gehalten.

Wüstenwege im Leben gibt es heute noch. Wo alles mühsam ist und das Leben zu vertrocknen droht. Zum Beispiel eine Krankheit, wenn einer viele Wochen und Monate im Bett liegen muss. Da braucht man viel Geduld. Die fällt keinem leicht. Und es gibt auch den Wüstenweg der enttäuschten Liebe, wenn die Partnerschaft auseinanderbricht und man sich trennen muss. Das tut weh.   

Mancher beginnt dann am Sinn des Lebens zu zweifeln. Und auch an Gott: „Was soll das, Gott? Warum lässt du mich so hängen?“ Aber das andere gibt es auch, dass einer erfährt: Gott ist da. Nicht so, dass Gott alle Probleme einfach wegnimmt. Aber so, dass er einem Kraft gibt, die schwierige Zeit durchzustehen.

Das habe ich selber so erlebt. Als es mir schlecht ging, hat mich ein Freund besucht. Das Gespräch mit ihm tat mir gut und hat Kraft gegeben. Ich bin sicher: Gott hat ihn zu mir geschickt. Und auch wenn ich bete und Gott sage, was mich bedrückt, merke ich: das Beten gibt Kraft und neuen Mut. Dann spüre ich: Gott ist da.

Und dann bin ich wieder voller Hoffnung, weil ich erfahren habe, dass Gottes Drei-Wörter-Satz stimmt: „Ich bin da.“ Da für dich.

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„Nachrichten gefährden ihre Gesundheit“, habe ich in der Zeitung gelesen. Schlechte Nachrichten über Terroranschläge und Naturkatastrophen würden das Immunsystem des Menschen schädigen, habe ein Arzt erklärt: Wenn Menschen hören und lesen, was sie beunruhigt, gelangt das Stresshormon Cortisol in die Blutbahn. Die Folge: die Menschen sind anfälliger für Infekte und Verdauungsstörungen. Und auch das Wachstum von Knochen und Haaren wird gestört. Der Arzt empfiehlt: weniger Nachrichten hören. Also strenge Nachrichtendiät.

Auch ich habe beim Zeitungslesen oft das Gefühl, die Welt gerät immer mehr aus den Fugen. Darum kann ich die gut verstehen, denen das Zeitunglesen und Nachrichtenhören Angst macht. Diese Angst scheinen manche Politiker noch zu verstärken. Sie wissen genau: ängstliche Menschen sind leicht verführbar. Die sehnen sich nach starken Politikern, die sagen, wo`s lang geht. Denen kann man dann einfach folgen.

„Ihr Christen sollt euch nicht Angst machen lassen! Denn ihr seid Kinder des Lichts!“ Das steht in der Bibel. Kinder des Lichts orientieren sich an Jesus Christus. Der ist das Licht der Welt. Wo Menschen in seinem Sinn leben, wird es hell. Daher gibt es für Christen keinen Grund, pessimistisch in die Zukunft zu blicken, sagt die Bibel. Christen sind nicht Kinder der Angst, sondern des Lichts!

Mir tut es gut, mich daran zu erinnern, wenn ich von schrecklichen Nachrichten lese und höre: Wo Christus ist, wird die Welt hell! Das nimmt der Angst den Schrecken. Darauf will ich mich verlassen und die Hände falten und beten für die, die Schreckliches erleben. Vielleicht mit diesen Worten: „Herr Jesus Christus, du bist das Licht für alle Menschen. Wo du bist, da wird es hell. Hilf mir, dein Licht zu verbreiten. Bitte sei bei denen, die in Dunkelheit und Angst leben müssen. Sende ihnen Lichtstrahlen der Hoffnung, damit ihr Leben heller wird und freundlicher.“  

Gleich nach diesen Abendgedanken hören Sie die 19.00 Uhr-Nachrichten. Strenge Nachrichtendiät wie der Arzt vorschlägt, scheint mir keine Lösung zu sein. Was mir hilft, ist die Erinnerung an das Licht Jesus Christus. Er macht diese unruhige Welt hell. Und das, finde ich, macht die Angst klein.

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