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SWR4 Abendgedanken

Was macht Ihnen Mut? Was gibt Ihnen Zuversicht in schwierigen Zeiten? Ist es bei Ihnen der Lebensoptimismus: Es ist schon immer gut gegangen. Oder ist es das unerschütterliche Selbstvertrauen. Das packe ich schon.
Ich erwarte in schwierigen Zeiten oft, dass es wieder gut wird. Ich habe auch immer wieder erfahren, dass mir vieles möglich ist, was ich im Vorhinein mir nicht zugetraut habe.
Meinen Mut schöpfe ich besonders aus den alten, kräftigen Liedern von Paul Gerhardt.
Viele habe ich auswendig gelernt. Einzelne Zeilen fallen mir in bestimmten Situationen ein und ich sage sie mir dann selbst vor. Wenn mir etwas einfach übermächtig ist und ich aufgeben will, dann ist es ein Satz vom Geist Gottes:
„dass er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht,
das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille."
Es gibt Situationen, da hänge ich mich an solche Worte. Ich wiederhole sie immer wieder.
Das sind meine Lebensworte für Angstzeiten. Ich erinnere mich, wo sie mich schon einmal durchgetragen haben. Als ich mit Furcht und Zittern auf dem Weg zu einem todkranken Jugendlichen war. Wo ich gespürt habe, da komme ich nicht weiter mit so einem flapsigen Wort wie: „Das wird schon wieder werden." Oder: „Das packst du schon."
Als ich damals Angst hatte, dass ich ihm nichts Hilfreiches sagen kann, da habe erfahren, dass Gott mit seinem Geist bei mir ist. So, wie es Paul Gerhardt vor 350 Jahren ausgedrückt hat:
„dass er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht,
das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille."
Ich bin ans Bett des todkranken jungen Mannes getreten. Er hat mich offen angeschaut und ganz ruhig gesagt: „Herr Pfarrer, sie werden mich bald beerdigen. Sagen sie meinem Bruder und meinen Freunden, dass mein Konfirmationsspruch mir immer Mut gemacht hat."
Für mich ist das eine Erfahrung mit dem Geist Gottes. Mir hat er Mut gegeben zu dem todkranken jungen Mann zu gehen. Und der hat mich überrascht mit seiner Gelassenheit. Wir konnten miteinander über seine Beerdigung sprechen. Beide angerührt vom Geist Gottes:„ dass er mir mein Herz erfülle mit dem hellen Glaubenslicht,
das des Todes Macht zerbricht und die Hölle selbst macht stille."

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„Ich bin ein dankbarer Mensch. Dazu muss ich nicht an einen Gott glauben",
hat ein junger Mann zu mir gesagt. Ich finde, das stimmt. Es gibt dankbare Menschen. Sie können genießen. Und sind für andere genießbar. Sie erheitern ihre Mitmenschen. Sie belasten sie nicht mit Nörgeln und Miesmachen. Sie sehen nicht immer zuerst, was nicht in Ordnung ist. Sie freuen sich am Leben und können ihm viel Positives abgewinnen. Sie entfalten Energie und haben Interesse am Leben. Dazu müssen sie nicht an einen Gott glauben oder an etwas Höheres hinter allem.
Die Dankbarkeit des jungen Mannes konnte man wirklich spüren. Ich habe ihm gesagt, dass mir das gefällt. Dass er für seine Umgebung erfreulich ist. Und dass er auch mir damit gut tut. Dafür habe ich mich bei ihm bedankt. Ich finde nämlich wichtig, die Dankbarkeit auch auszusprechen.
Ich möchte die Dankbarkeit dadurch pflegen, dass ich denen konkret danke, die mir etwas Gutes getan haben.  Nicht immer, aber hin und wieder. Das ist auch für mich selbst wichtig. Wenn ich jemand anderem persönlich danke, bekommt meine Dankbarkeit einen Platz und wird gefestigt.
„Und", habe ich weiter gesagt: „Meine Dankbarkeit beschränkt sich nicht auf Menschen. Ich bin für vieles dankbar, was nicht menschengemacht ist, für die Luft, die ich atme, für das Wasser, das mich belebt, für die Sonne, die mich erwärmt. Ich glaube, dass ich das Gott verdanke, dem Schöpfer der Welt. Dem will ich ausdrücklich danken. Ich finde: Das gibt meinem Leben Weite." Ob mein junger Gesprächspartner das verstehen kann, weiß ich nicht. Ich wünsche ihm, dass er seine Dankbarkeit bewahren und ausdrücken kann. Ganz konkret gegenüber seinen Mitmenschen. Und vielleicht auch Gott gegenüber. Meine Erfahrung ist: das macht zuversichtlich.
In einem Gedicht hat Paul Gerhardt das so formuliert:
„Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?
Denn ich seh in allen Dingen wie so gut er's mit mir meint."
Besser könnte ich es nicht sagen.

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„Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?"
So beginnt ein Lied von Paul Gerhardt. Ich habe es in den letzten Wochen auswendig gelernt mit allen zehn Strophen, die im Gesangbuch stehen. Das ist nicht nur eine gute Gedächtnisübung. Das macht mir Freude. Starke Worte in mir haben, die nicht so schnell vom Zeitgeist weggefegt werden. Strophen die schon seit 350 Jahren gelernt und gesungen worden sind.
„Sollt ich meinem Gott nicht singen? Sollt ich ihm nicht dankbar sein?"
Für mich klingt das wie das Selbstverständlichste von der Welt. Was kann denn wichtiger sein, als dass ein Mensch Gott dankbar ist. Das stößt aber auf Widerspruch in unserer Zeit, wo viele gar nicht merken, dass sie Gott vergessen haben. „Gott, den gibt's doch nicht", hat jüngst ein Erstklässler im Religionsunterricht zu meiner Frau gesagt.
Andere drücken das etwas vorsichtiger aus: „Es muss schon irgendeine Macht hinter allem stehen."
Paul Gerhardt aber bleibt mit seinem Lied nicht im Ungefähren. Für ihn ist klar ist. „Ich singe meinem Gott, weil ich ihm dankbar bin." Und er fährt fort: In allem sehe ich, dass Gott es gut mit mir meint.
Das hat der Dichter als Kind des Dreißigjährigen Krieges nicht oberflächlich gemeint Er hat als Kind Mutter und Vater verloren. Von seinen eigenen Kindern sind mehrere gestorben.
Trotzdem hat er aus Bildern der biblischen Psalmen das schöne Bild gemalt:
„Wie ein Adler sein Gefieder über seine Jungen streckt,
also hat auch hin und wieder mich des Höchsten Arm bedeckt."
Auch wenn es schlimm war. Gott hat ihm geholfen, das Unglück zu ertragen. So hat Paul Gerhardt sei Leben verstanden.
Deshalb war es für ihn richtig und wichtig, dass wir Gott singen und ihm dankbar sind. Er schließt darum bis auf die letzte alle Strophen mit dem Satz:
„Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit."
Mir hilft dieses Lied zu begreifen, wie Gott auch mein Leben trägt und mir beisteht. Vielleicht hilft es ihnen ja auch. Probieren Sie es doch einmal. Sie finden das Lied im Evangelischen Gesangbuch. (Nr 325)

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Ohne Freude kann man nicht leben. Aber Freude kann man auch nicht per Knopfdruck erzeugen.
Aber man kann sich erinnern, dass es Grund zur Freude gibt. So hat es ein israelitischer Priester vor fast 2500 Jahren gemacht. Er hat zu den enttäuschten und sorgenvollen Leuten gesagt:
„Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke."
Damals gab es Konflikte zwischen den Heimkehrern aus der babylonischen Gefangenschaft und denen, die in der Heimat geblieben waren. . Die haben es den Heimkehrern nicht leicht gemacht. „Die Heimkehrer nehmen uns unser Land. Jetzt müssen wir abgeben von dem, was uns gehört." Solches sorgen um Eigentum und Sicherheit verhindert Freude am Leben.
Der Priester Esra hat ihnen deshalb die Gebote Gottes vorgelesen. Da ist den Menschen bewusst geworden, was sie über lange Zeit vergessen hatten: Gott will, dass seine Menschen in Freiheit und Würde miteinander leben können.
Das hat die Leute damals traurig gemacht. Sie hatten Gott vergessen, den Gott, der versprochen hatte, dass er immer für sie da ist. Und sie hatten vergessen, dass sie miteinander gut umgehen sollen, miteinander teilen und abgeben an die, die das Lebensnotwendige nicht haben.
Den bekümmerten und von sich selbst enttäuschten Leuten sagt der Priester Esra dann:
„Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!"
Ich verstehe das so: Die Trauer soll nicht lähmen und das Leben verhindern. Gott will, dass wir leben und uns am Leben erfreuen. Gott gibt neue Chancen, vergibt Schuld und macht Mut zum Teilen.
Damit die Leute das spüren, fordert Esra sie zu einem Fest auf, Daheimgebliebene und Heimkehrer, Fremde und Einheimische sollen miteinander feiern. Sie sollen nicht sparen am Essen und an den Getränken. Sie sollen aber teilen und nichts nur für sich behalten. Und niemanden von diesem Fest ausschließen und sich gemeinsam an Gott freuen.
Vielleicht wäre der Rat des Priesters Esra auch etwas für Sie und mich, wenn es Spannungen gibt und Enttäuschungen: Ein Fest feiern und sich erinnern:
„Seid nicht bekümmert, denn die Freude über Gott ist eure Stärke"

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„Damit ich es nicht vergesse, mache ich mir einen Knoten ins Taschentuch." Vor meinen Augen hat ein Bekannter einen Knoten in sein Stofftaschentuch geknüpft. Ich hatte ihn um einen Gefallen gebeten. Und er hat sich wirklich daran erinnert. Vielleicht hat der Knoten ja geholfen.
Das biblische Motto für die neue Woche möchte auch vor Vergesslichkeit bewahren. Genauer, dass ich nicht vergesse, was für mein Leben unbedingt wichtig ist. Der Spruch steht im 103. Psalm und beginnt mit einer Selbstaufforderung:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat."
Gott loben bewahrt vor Vergesslichkeit. Davon ist der Beter von Psalm 103 überzeugt.
Das, was für mich ganz wichtig ist, das kann ich bewahren, wenn ich Gott dafür lobe.
Und dann zählt der Beter auf, was er nicht vergessen will. Er lobt Gott, weil er ihm Schuld vergeben hat und weil er ihn von einer Krankheit heil gemacht hat. Er dankt, dass er nicht verzweifelt ist in einer schwierigen Zeit. Dass er gespürt hat, dass Gott es gut mit ihm meint. Das will er nicht vergessen. Das will er sich bewahren für andere, vielleicht schlechtere Zeiten.
Der Beter von Psalm 103 verknüpft seine guten Erfahrungen mit Gott. Sein Knoten ist, dass er Gott lobt. Dazu fordert er sich selbst auf:
„Lobe den Herrn, meine Seele, damit du nicht vergisst, was er dir Gutes getan hat."
Und wie macht man das, Gott loben? Ich mache das so: Ich nehme mir Zeit, suche mir einen ungestörten Ort und zünde eine Kerze an. Erinnere mich an das, was mir in letzter Zeit zugefallen ist wie ein Geschenk. Was mir gelungen ist. Was sich gelöst hat, obwohl ich zuvor keine Lösung gesehen hatte. Dann danke ich Gott und ich lobe ihn. „Du bist gut zu mir. Du bist mein Hirte. Du bist mein Erlöser. Ich danke dir."
Und ich spüre dabei: Gott loben, das ist nicht nur wichtig, weil ich Gott dann nicht vergesse. Wenn ich Gott lobe, dann tue ich auch mir selbst etwas Gutes. Ich verknüpfe mein Leben mit Gott, dem mein Leben wichtig ist. Und das macht mich dankbar und zuversichtlich.

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